diverse Fragen zur Anlage mit ETF ( AV + Anlage + Kindsparen)

  • Hallo zusammen,


    ich beschäftige mich gerade auch auf unterschiedlichen Ebenen mit ETF’s. Mir sind hier ein paar Fragen gekommen.


    Ich habe aktuell eine baV in die ich einzahle und eine (vermutlich) recht teure Riester, die aber aktuell nur auf 60€/Jahr bespart wird. Bis vor kurzem habe ich den Höchstbetrag eingezahlt.


    Ich habe deshalb gedacht, ich könnte mit ETF’s für Alter vorsorgen und anderweitig noch etwas Geld zurücklegen, was gerade nicht benötigt wird. (bin aktuell 32 Jahre alt)


    Meine Gedanken bzw. Fragen dazu:



    1.       Altervorsorge


    Ich würde gerne 100€/Monatlich in einen Sparplan in ETF’s anlegen. Ich dachte an eine Kombi von MSCI World / MSCI EM.


    Am besten wären ja vermutlich ausschüttende ETF’s zu gehen, oder? (Um den Freibetrag auszunutzen). Sollte man dann über dem Freibetrag liegen, macht es dann Sinn, auf einen Thesaurierer umzustellen?


    Würdet ihr hier empfehlen auf eine „bewährte“ Bank zu gehen oder eignen sich auch NeoBroker wie Scalable Capital?



    2.       Sparen mit ETF


    Ich würde ansonsten gerne weiter nicht benötigtes Geld sparen. Ich dachte hier an 5000€ Einmalanlage + 50€ / Monatlich.


    Macht es hier Sinn ein neues Depot (gehen auch Unterdepots) anzulegen? In meinem Kopf macht es Sinn, die beiden voneinander zu trennen.


    Macht es zudem Sinn, hier in einen einzigen ETF oder auch in z.B.in zwei a‘ MSCI World + EM zu gehen?



    3.       Sparen für unser Kind


    Meine Eltern wollen gerne für unseren Sohn etwas ansparen. Aktuell gerne 25€/Monat. (+ Einmalsumme). Sie hatten Angebote von der Allianz sowie Stuttgarter/Basler Versicherung für eine Fondgebundene Rentenversicherung mit BU-Absicherung (d.h. kann mit wenig Gesundheits-Fragen in eine BU umgewandelt werden).


    (Allianz-Kinderpolice / Stuttgarter Super-Kids / Basler Kinder-Vorsorge-Invest vario).


    Macht so etwas Sinn? Oder macht es auch hier Sinn in einen ETF zu gehen und dann später für das Kind eine separate BU abzuschließen?



    Das waren jetzt einige Fragen – ich habe gedacht, ich mache nur einen Thread auf, auch wenn es unterschiedliche Themen tangiert und freue mich über eure Rückmeldungen!




    mfG

  • Hallo Neuling in Finanzen und Herzlich Willkommen im FT-Forum.

    zu 1:

    Die 'ein' ETF Kombination aus MSCI World und EM gibt es bereits. Nennt sich MSCI ACWI und beinhaltet sowohl den (Developed)World als auch den EM allerdings strikt nach Marktkapitalisierung aufgeteilt (ca. 90/10).

    Alternativ dazu gibt es ETF auf den FTSE All World-Index. Dieser All World-Index beinhaltet ebenfalls EM.

    Ob Thesaurierer/Ausschütter ist inzwischen so etwas wie eine Glaubensfrage.;)

    Du kannst auch einen Thesaurierer kaufen und dann jedes Jahr Anteile verkaufen/gleich wieder neu kaufen, bis Du über den Sparerpausbetrag kommst.

    Beim Ausschütter musst Du halt i.d.R. selbst dafür sorgen, dass Du Deine Ausschüttungen wieder anlegst (z.B. Deine Sparrate jedes Jahr um prozentuale Ausschüttungsquote erhöhst).

    Machbar ist Beides, aber lt. diesem Video sind die Unterschiede letztlich nicht so riesig.

    ETFs: 4 Steuerstrategien durchgerechnet - YouTube


    Die Wahl des Depotanbieters halte ich als Langfristanleger eher für nebensächlich. Ich habe mein Girokonto bei einer Direktbank und habe auch mein Depot da.


    zu 2:

    Verstehe ich nicht. :/

    Ist doch egal, ob ich mein Geld in der linken, oder der rechten Tasche spare! ;) Ich habe ein Depot und 2 ETF. Darin spare ich Geld sowohl per Sparplan als auch per Einmalanlage (KISS-Prinzip). Wobei ich Einmalanlage inzwischen vermeide. Lieber einmalig den Sparplan erhöhen und anschließend wieder auf die normale Sparrate runtersetzen.


    zu 3:

    Eigenes ETF-Depot für das Kind macht auf jedem Fall Sinn. Vor allem, weil dann das Kind bereits seinen Sparerfreibetrag nutzen kann.

    Von diesen ganzen Kinder-Versicherungen halte ich nix! Ein ETF-Sparplan ist flexibel. Da kann das Kind dann später evtl. Führerschein/PKW, erste Wohnungseinrichtung oder ein Auslandsbesuch finanzieren.

  • zu 2:

    Verstehe ich nicht. :/

    Ist doch egal, ob ich mein Geld in der linken, oder der rechten Tasche spare! ;) Ich habe ein Depot und 2 ETF. Darin spare ich Geld sowohl per Sparplan als auch per Einmalanlage (KISS-Prinzip). Wobei ich Einmalanlage inzwischen vermeide. Lieber einmalig den Sparplan erhöhen und anschließend wieder auf die normale Sparrate runtersetzen.

    Danke schonmal für deine Ausführungen!

    Also zur Erläuterung:

    1. Ist für die AV ( und wird grundsätzlich nicht angetastet - frühestens dann wenn die Umschichtung beginnt)

    2. Ist überflüssiges Kapital,welches angespart wird - erst einmal ohne großen Zweck. Hier könnte es natürlich sein, dass ich in einigen Jahren davon etwas kaufe. Deswegen hätte ich das ganze gerne in einem anderen Topf als die AV. ( Sprich ich könnte ja auch einen Sparplan auf 150€ setzen - hätte aber dann alles im gleichen Topf)


    Ich höre dann weiter raus, dass es Sinn macht, die 5000€ auf z.B. einen Sparplan von 10 x 500 € einzuzahlen - und danach den zu reduzieren auf einen Sparplan von 12x50€ ( monatlich) ?

  • Den Sparplan kannst Du jederzeit anpassen. Also einmalig auf 5000 setzen und nach der Ausführung setzt Du den Sparplan dann wieder auf 50€ runter. Das spart je nach Depotanbieter Kosten (z.B. kostenloser ETF Sparplan).

    War auch nur eine Möglichkeit. Im Endeffekt machen die einmaligen Kosten für die Anlage eines größeren Geldbetrags den Kohl auch nicht fett...

    So kostet z.B. eine Einmalanlage bei meiner Depotbank 10€. Der Sparplan kostet mich 1,50€. Bei 5000€ spielt das wohl kaum eine Rolle. Zumal auf einen Anlagehorizont von 15 oder mehr Jahren betrachtet.


    Ok,

    verstehe Deinen Ansatz mit den 2 Depots. ;) Den gleichen Effekt könntest Du aber mit einem Depot und 2 unterschiedlichen ETF auf den gleichen Index auch erreichen. Dann hättest Du einen ETF von Anbieter A für die AV und einen ETF auf den gleichen Index von Anbieter B für das 'Zielsparen'.

    Wobei sich mir der Sinn eines solchen Konstruktes weiterhin nicht so recht erschließt. Rechte Tasche Linke Tasche... Aber da ist ja jeder Jeck anders!;)

  • Okay, ja 2 ETF's bei unterschiedlichen Anbieter geht natürlich auch. Ich wollte es nur gerne getrennt halten, damit man den Überblick nicht verliert. Rente bleibt Rente, und wird nicht angetastet.


    Bezgl. dieser Kinderverischerung: Im Prinzip ist es ja auch ein Sparplan, der allerdings vermutlich zu einem gewissen Kostenanteil sich in die BU mit einkauft. ( Sodass keine Gesundheitsfragen gestellt werden). Sowas ist auch unsinnig, weil die Kosten zu hoch sind?

  • Bezgl. dieser Kinderverischerung: Im Prinzip ist es ja auch ein Sparplan, der allerdings vermutlich zu einem gewissen Kostenanteil sich in die BU mit einkauft. ( Sodass keine Gesundheitsfragen gestellt werden). Sowas ist auch unsinnig, weil die Kosten zu hoch sind?

    Ja, die Kosten sind immer das Problem! :) Und leider haben die Versicherungen zig Möglichkeiten die Kosten so zu verschleiern, dass Du als Normalo die Berechnungen kaum im Vorwege nachvollziehen kannst. Das böse erwachen kommt dann immer nach einigen Jahren, wenn man plötzlich feststellt, dass die eingezahlten Beiträge keine/kaum Rendite erwirtschaftet haben.

    Man sollte Versicherungsleistungen immer von Vermögensaufbau bzw. Geldanlage trennen!


    Wenn Du Dein Kind unbedingt absichern willst, wäre eine Kinderinvaliditätsversicherung m.E. der bessere Weg.

    Ich glaube, dass in der Ausbildung/Studium immer noch genug Zeit bleibt um sich mit dem Thema BU auseinander zu setzen.

  • Hallo Neuling in Finanzen , willkommen auch von mir. Wenn man eine Trennung möchte, kann man auch den gleichen Fonds auf eine andere Depotposition zusätzlich beauftragen. Damit hat man auch die Möglichkeit, nicht unbedingt die ältesten Anteile zuerst verkaufen zu müssen.

    Gruß


    Altsachse

    Danke für die Anwort. Damit ich es korrekt verstehe - ich lege einfach z.B. zwei Sparpläne an und "benenne" die dann entsprechend um, sodass ich für mich die übersicht habe, was was genau ist?

    Das ganze funktioniert auch, wenn man mit einem Startbetrag startet und anschließend den Sparplan anschließt?

  • Ich ergänze mal: das geht wenn der Depotanbieter weitere Depotpositionen kann, kenne ich so nur von ebase.


    Zwei Alternativen:

    Unterdepot einrichten, geht z.B. bei Smartbroker (10 Stück) und Flatex.

    ETF auf den gleichen Index aber mit anderer ISIN kaufen, z.B. einen von ishares und einen von xtrackers. (= Vorschlag von monstermania )

    Das ganze funktioniert auch, wenn man mit einem Startbetrag startet und anschließend den Sparplan anschließt?

    Mit der genannten Einschränkung bzw. den Workarounds: ja


    Anmerkung: so eine Versicherung mit BU-Option habe ich auch und bei einem Kind sind jetzt Erkrankungen aufgetreten, die eine BU schwierig machen könnten. Allerdings ist die Höhe der BU-Option bei unserem Vertrag sehr begrenzt, daher genau hinschauen. Insofern weiß ich (noch) nicht ob es eine gute Idee war.

    Es gibt hier ein paar Schreiber vom BU-Fach, ggf. kommt noch etwas qualifizierteres.

  • Es gibt hier ein paar Schreiber vom BU-Fach, ggf. kommt noch etwas qualifizierteres.

    Vielen Dank schon einmal. Ja wenn es da noch mehr Infos zu geben könnte wäre das super!


    Eine andere Frage zu den ETF's ist mir noch gekommen: Nehmen wir an, wir ich habe einen Sparplan (ob für meinen Sohn oder mich ist ja erst mal egal) und möchte den unregelmäßig durch Einalzahlungen aufstocken. Kann ich dann einfach für einen gewissenZeitraum den Sparplan erhöhen - oder eine Einmalzahlung vornehmen? Sind beide Möglichkeiten machbar & sinnvoll?


    Danke vorab! :)

  • Sowohl Erhöhung des Sparplans als auch Einmalzahlung ist jederzeit möglich.

    Bei einem Einmalkauf sollte man beachten, dass man diesen während der Öffnungszeiten der Börse(n) tätigt, da dann der mögl. Spread am geringsten ist.

    Was nun am sinnvollsten ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. ;)

    M.E. spielt es für einen langfristigen Buy-and-Hold-Ansatz eher keine Rolle, ob Käufe per Einzelkauf/Sparplan ausgeführt werden.

  • Sorry, den Post hatte ich übersehen - danke an Kater.Ka für die Empfehlung. Zum Thema "Sparen für unser Kind" habe ich auf unserer Webseite unter "Kindervorsorge und Kindersparen" verschiedenen Varianten beschrieben.


    Sechs Fragen sollte man sich beim Sparen für Kinder stellen

    1. Was ist das Ziel des Sparens – Summe X mit Alter Y verfügbar vs. längerfristige Anlage bzw. Altersvorsorge?
    2. Wie risikoreich darf die Anlage sein?
    3. Wer soll darüber wann verfügen können?
    4. Wie wichtig ist Flexibilität – z.B. (Teil-)Entnahmen, zusätzliche Einzahlungen, Änderungen?
    5. Ist steuerliche Optimierung wichtig?
    6. Wollen Sie Ihr Kind schon frühzeitig gegen gesundheitliche Risiken absichern?.

    Ja nachdem wird es dann z.B. ein Fondssparplan oder eine versicherungsförmige Lösung.


    Bei der Kombination von Sparen mit einer Kinder Pflege- bzw. späteren BU-Absicherung, tritt die reine Rendite in den Hintergrund, die wäre ohne Risikoprämie natürlich deutlich höher. Dafür sichern Sie die Gesundheit Ihres Kindes ab und garantieren ihm den späteren Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die anerkanntermaßen zu den wichtigsten Absicherungen gehört. Frühes Starten wird durch günstigere Beiträge belohnt. Je nach späterem Beruf des Kindes sind jedoch Lösungen, die man bei kleinen Kindern abschließen kann (z.B. Allianz Kinderpflegerente) trotz frühem Start später manchmal teurer, als z.B. eine neue BU bei einem auf Akademiker spezialisierten Anbieter. Ein späterer Wechsel des BU Anbieters (sofern gesundheitlich möglich) wäre aber auch kein Drama, das Kind hatte dafür ja zunächst 25 Jahre lang sinnvollen Schutz.


    Wie immer spielen Sie etwas Lotto: Passiert etwas, dann besser frühe Absicherung, sonst lieber ohne. So sehr viele Kinder werden zwar nicht berufsunfähig. Falls doch sind die Auswirkungen aufgrund der langen Laufzeit aber ziemlich dramatisch. Letztlich gibt's also leider nicht die richtige Strategie für alle. 🤷‍♀️


    Noch drei Tipps aus unserer Beratungserfahrung:

    • Ich würde mich etwas von der Idee lösen, dass das Geld unbedingt zum 18. Geburtstag zur Verfügung stehen muss. Die 2.-3.000 EUR für den Führerschein sollten die meisten Haushalte auch so bewältigen können. Klar, ein Masterstudium in den USA reißt da mit 70.000 EUR schon eine andere Lücke ins Budget. Dafür müsste man bei einer Rendite von 5% aber auch 18 Jahre lang jeden Monat 216 EUR sparen, siehe Zinsen berechnen. Das übersteigt dann auch wieder die Sparraten von Großeltern, die ggf. mehrere Enkel versorgen möchten. Also könnten Sie ruhig einen längerfristigen Sparvorgang planen.
    • Wenn man den Sparerfreibetrag fürs Kind mit einem eigenen Depot nutzt, muss man halt auch der Tatsache ins Auge sehen, dass das Kind dann mit 18 das Konto abräumen und das Geld verjubeln kann.
    • Wenn die Beiträge eines Schenkers (Eltern, Großeltern, Paten, Onkel, Tanten) nicht ausreichen, dann legen Sie doch innerhalb der Familie zusammen, um auf einen sinnvollen monatlichen Sparbeitrag von 100 EUR oder mehr zu kommen. Einer unterschreibt den Vertrag (z.B. die Eltern des Kindes), die anderen überweisen an den "Hauptsparer" per Dauerauftrag. Für das Kind bleibt dann aufgrund einer in Relation geringeren Kostenquote deutlich mehr übrig, als bei mehreren kleineren Verträgen! Und wie viel von der angesparten Summe letztlich von Onkel oder Patentante gekommen ist, kann sich das Kind später auch ohne Taschenrechner ungefähr ausrechnen. :)

    Neuling in Finanzen , hilft Ihnen das bei Ihren Überlegungen? Dann freue ich mich auf eine positive Reaktion :thumbsup:.

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Hallo @Dr.Schlemann,

    Vielen Dank für die umfassende Antwort. Das ist echt toll, dass hier so fachlich fundiert weitergeholfenn wird!

    Also was für uns schon mal relativ sicher ist, dass wir für unseren Sohn zunächst auf unseren Namen ein Konto/Depot o.ä. anlegen wollen. Mitunter auch aus dem Grund, damit mit 18nicht alles auf den Kopf gehauen wird. Dazu erziehen, dass das nicht geschieht, wollen wir natürlich vorher -aber man weiß ja leider nie ;)


    Und bezüglich der Renten-BU- Versicherung danke ich auch noch einmal für die Hinweise. Das werden wir uns noch einmal gut durch den Kopf gehen lassen!

    mfG

  • Hallo @Dr.Schlemann,

    Vielen Dank für die umfassende Antwort. Das ist echt toll, dass hier so fachlich fundiert weitergeholfenn wird!

    Also was für uns schon mal relativ sicher ist, dass wir für unseren Sohn zunächst auf unseren Namen ein Konto/Depot o.ä. anlegen wollen. Mitunter auch aus dem Grund, damit mit 18nicht alles auf den Kopf gehauen wird. Dazu erziehen, dass das nicht geschieht, wollen wir natürlich vorher -aber man weiß ja leider nie ;)


    Und bezüglich der Renten-BU- Versicherung danke ich auch noch einmal für die Hinweise. Das werden wir uns noch einmal gut durch den Kopf gehen lassen!

    mfG