PEPP / Europarente: interessant für Auswanderer?

  • Ein sonniges Moin in die Runde,


    wir tragen uns aus verschiedenen Gründen mit dem Gedanken, auszuwandern. Es sind einige Kandidaten (EU / Non-EU) in der engeren Auswahl.

    Im Rahmen der Recherche bin ich auf die sog. Europarente (PEPP=Pan European Personal Pension Product) gestoßen. Hier zwei erklärende Links: Europarente – Wikipedia und Nachgefragt: Das sind die wichtigsten Punkte der Europarente | Produkte | 05.01.2021 | FONDS professionell.

    Hat sich hier schon einmal jemand damit intensiver befasst bzw. schon etwas zu künftigen Produkten gefunden? Meine Internetrecherche endete mit der Info, dass es frühestens Anfang 2022 losgehen soll. Wenn man die EU kennt, wohl eher 2023 :D:sleeping:.

    Viele Grüße

    Alabama

  • Moin Alabama,


    jou, diese Geschichte hatte ich mir schon mal angesehen. Wenn ich mich zurück erinnere, beginnt mein Kopf automatisch die Bewegungen auszuführen, die man von Zuschauern bei Tennis Matches kennt... nur etwas schneller.

    Generell werden Finanzprodukte nicht zum Wohl und Nutzen der Verbraucher entwickelt, sondern als Vehikel für Banken und Versicherer... zum Geld Einsammeln. IMHO bekommen hier die Arbeitnehmer/Kunden mit nationalstaatlichem Segen oder Pseudo-Gütesiegel (ein weiters Mal) kräftig einen auf die Backe gemalt.

    Nimm vernünftige ETF und ggfs. später mal ein "neues" Konto/Depot im Zielland gut ist's...


    Mit freundlichem Grinsen

    John

  • Kannte ich gar nicht.

    Ich befürchte aber, dass aus der sehr guten Idee durch diverse Lobbyarbeit wieder ein Bürokratiemonster werden wird.:( Auch zu den steuerlichen Aspekten bleiben noch alle Fragen offen.


    Im Endeffekt habe ich z.Zt. mit einem Index-ETF-Depot zu einem extrem günstigen Preis (~ 0,3 % p.a.) eine Möglichkeit mir eine zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen. Es muss halt die nächsten Jahrzehnte einigermaßen glatt laufen. Ich darf nicht vor Renteneintritt in die Verlegenheit kommen mein Depot-Vermögen aufbrauchen zu müssen (z.B. durch Krankheit/Arbeitslosigkeit).

  • @ Referat Janders

    Danke für den Hinweis auf den Artikel. Fand ihn sehr interessant.

    Momentaner Stand scheint zu sein: Verbraucherschützer stehen dem Produkt positiver als die Anbieterseite gegenüber. Hier scheinen die gesetzlichen Rahmenbedingungen so eng gesteckt zu sein, dass sich die Produktlinie für die Anbieter aufgrund des Kostendeckels kaum lohnt.

    Für das Produkt "Basis-PEPP" scheint nur online Beratung und Vertrieb für die Firmen in Frage zu kommen.

    Ich mag das Produkt noch nicht so ganz abhaken, es hört sich jedenfalls interessant für mich an. Daher verfolge ich das Thema erst einmal weiter und warte ab, welche Produkte und Rahmenbedingungen angeboten werden. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Schwarmintelligenz hier durchaus gute Hilfestellung geben kann, so dass der geneigte Finanztip-Besucher (weibliche Form selbstverständlich eingeschlossen - man muss ja heute vorsichtig sein ;)) in die Lage versetzt werden kann, das Produkt online abzuschließen. Klappt mit dem Thema ETF ja auch hervorragend :thumbup:.

    Vielleicht könnte sich das Finanztip-Team des Themas einmal annehmen?

    Viele Grüße

    Alabama

  • Das kommt zum richtigen Anlass, habe mir das mal angesehen, meine Notizen:


    - Kompliziert. Große Vielfalt der Produkte möglich, dadurch Auswahl für Verbraucher schwierig. Gefahr besteht, dass man auf ein Nicht-Basis-PEPP reinfällt, das erheblich höhere Kosten als 1% p.a. hat.

    - Wie hier schon gesagt: nicht versicherungsförmige Altersvorsorge mit Kombi aus ETF und Tages/Festgeld kostet 0,2-0,3% p.a. und kann ich auch in andere EU Länder mitnehmen.

    - Basis-PEPP Typ 1 scheint 100% Kapitalgarantie zu haben => gleiches Problem wie bei Riester & Co.: mit Nullzinsen nicht darstellbar, würde sich nur mit hoher Förderung lohnen

    - Gefahr Blackbox? Anbieter haben (mal wieder) große Gestaltungsspielräume, komplizierte Produkte zu bauen, die der Kunde nicht versteht, in denen Kosten versteckt werden können und für die man auf den Anbieter angewiesen ist. Motto: bloß kein Verbraucher, der seine Finanzen selber macht

    - Es scheint eine Rentenoption zu geben: Lebenslange Renten sind potentiell Garantien für 40-60 Jahre. Wie gut sowas kalkulierbar ist, sieht man an den Problemen der Lebensversicherer derzeit

    - Welche Kosten werden beim Basis-PEPP genau unter die 1% p.a. reindefiniert? Fallen Transaktionskosten hierunter (gleiche Problem wie bei der TER)?
    - steuerliche Regelung / Förderung: Da das alles unklar und nicht einheitlich geregelt ist (siehe Punkt kompliziert), kann es sein, dass sich ein Basis-PEPP Typ 2 in einem Land lohnt, in einem anderen aber nicht

  • Saidi

    vielen lieben Dank für die schnelle, ausführliche und sehr verständliche Antwort


    @all

    Schade. Grundsätzlich finde ich die Idee einer Art Länderübergreifenden Rentenvorsorge - wie auch immer sie dann heißen mag - sehr gut. Unsere Gesellschaft wird immer mobiler und es ist jetzt schon nicht unüblich, in verschiedenen Ländern zu arbeiten.

    Vielleicht gibt es ja doch noch ein lohnenswertes, vernünftiges Produkt. Bis dahin hege und pflege ich meinen ETF-Sparplan.

    Viele Güße

    Alabama