Riester beitragsfrei stellen oder weiter besparen oder wechseln?

  • Ich versuche seit geraumer Zeit herauszufinden, ob ich meinen Riester weiterführen, beitragsfrei oder wechseln sollte.

    Ich habe jetzt einiges an Informationen zusammengetragen und hoffe, dass mir jemand Infos geben kann, ob ich einen Denkfehler habe.


    Ich habe einen Fond gebundenen Riester beim Volkswohlbund.

    Ich habe eine Tochter, für die ich nun das Kindergeld erhalte. Das ist nötig, weil ich sonst keine Kinderzulage bekomme. Meine Freundin hat keinen Riester (wobei Sie 3 Kinder hat). Dadurch, dass ich nun das Kindergeld bekomme, verlieren wir 72€/a (Ihr drittes, mein erstes Kind), aber die KInderzulage macht das ja wett.


    Steuerersparnis pro Jahr (berechnet mit Tax2021):

    bisher 750€ durch Kinderzulage wird zukünftig weniger angerechnet, dann 685€


    Vertriebskosten: 400€/a, noch 2 Jahre zu zahlen, also fallen die bald weg


    Verwaltungskosten bisher: 185€/a (hoffe, dass es durch einen Fondwechsel (ishares Core EM IMI) weniger werden)


    Insgesamt steht der Vertrag meiner Berechnung auf Basis der Daten der letzten Jahresinformation zufolge 247 Euro im Minus.


    Ich denke mir jetzt:

    1) 685€ Steuern/a zurückbekommen ist nicht ohne

    2) Durch die KInderzulage und die bald wegfallenden Abschlusskosten sollte mein Vertrag ja bald sogar ins Plus kommen.

    3) Die bisher bezahlten Abschlusskosten sind ja weg, ich glaube es macht da Sinn einen neuen Vertrag ab zu schließen und alles Geld dorthin rüber zu schieben, dort fallen ja auch wieder Abschlusskosten an und für den Wechsel fallen auch Kosten an.


    Oder liege ich damit falsch? Sollte ich eher einen Wechsel in Erwägung ziehen?

    Ich freue mich über jegliches Feedback dazu. Gerne reiche ich Zahlen nach :)

  • Unter Renditegesichtspunkten spricht vermutlich viel dafür, den Vertrag beitragsfrei zu stellen und z.B. einen weltweiten ETF zu bespare. Ich finde die beiden "Anlagen" können aber einfach sehr schwer bzw. gar nicht miteinander verglichen werden.


    Riester zahlt dir z.B. eine lebenslange Rente


    Riester ist z.B. Hartz 4 sicher


    Zudem hoffe ich, dass der Gesetzgeber endlich Mal schafft das Produkt modern aufzustellen. (Ohne Garantie der eingezahlten Beiträge)


    Kann dich absolut verstehen und habe auch mehrfach darüber nachgedacht Riester zu kündigen bzw. beitragsfrei zu stellen.

    Aktuell sehe ich es im Gesamtvermögen als den risikolosen Anteil, da ich kein Geld verlieren kann. (Ähnlich zu Tagesgeld/Festgeld)

  • Wie MichaG es andeutet. Es ist ein Baustein. Solltest du nur die gesetzliche Rente haben, ist er sicher wichtig. Wenn du in großem Stil (wegen hohem Einkommen) ETF besparst (Sparrate 500 -1000+ Euro über 30 Jahre) kannst du vielleicht darauf verzichten.


    Nach 40 Jahren hast du 84.000 Euro eingezahlt, die dir ca. 200 Euro Nettorente bringen werden. Du musst entscheiden, ob das für dich relevant ist.


    Anders kann es für Beamte aussehen die eh eine gute Pension bekommen, für Betriebsrentner, die die Lücke darüber schließen, und für Erben, wo das Gute von oben kommt.

  • Sollte ich eher einen Wechsel in Erwägung ziehen?

    Mal völlig unabhängig vom persönlichen Riester-Ziel, Sinnhaftigkeit und Kosten:
    Die Frage ob ein Wechsel Sinnvoll ist steht und fällt auch damit zu welchem Anbieter/Tarif man wechseln möchte.

    Aktuell ist es inzwischen so das man viele, für Riester-Verhältnisse gute, Verträge überhaupt nicht mehr abschließen kann da sich die Anbieter alle zurückziehen vom Markt und auf eine Riester-Reform hoffen die vor langer langer Zeit von der Regierung in Aussicht gestellt wurde und bisher nicht ungesetzt wurde.


    Das macht das einfache Wechseln inzwischen eben nicht mehr so einfach da die möglichen Tarife für einen Wechsel aussterben.

  • Mal völlig unabhängig vom persönlichen Riester-Ziel, Sinnhaftigkeit und Kosten:
    Die Frage ob ein Wechsel Sinnvoll ist steht und fällt auch damit zu welchem Anbieter/Tarif man wechseln möchte.

    Aktuell ist es inzwischen so das man viele, für Riester-Verhältnisse gute, Verträge überhaupt nicht mehr abschließen kann da sich die Anbieter alle zurückziehen vom Markt und auf eine Riester-Reform hoffen die vor langer langer Zeit von der Regierung in Aussicht gestellt wurde und bisher nicht ungesetzt wurde.


    Das macht das einfache Wechseln inzwischen eben nicht mehr so einfach da die möglichen Tarife für einen Wechsel aussterben.

    Ich würde am Ende fast sogar sagen, es ist irgendwo egal bei welchem Anbieter man ist. Das Problem liegt letztlich in der Garantie der eingezahlten Beiträge in Verbindung mit dem "Nullzinsniveau".

    Deswegen sind Fondssparpläne am Ende wohl nicht viel besser als Banksparpläne oder Versicherungen.

  • Hauptsache Zulagen bei optimalen Eigenzahlung mitgenommen.

    Und auch da muss man sehen... es geht um 40*175 = 7000 Euro Zulage für den Vertragsinhaber sowie maximal 25*300 = 7500 Euro Maximalzulage pro Kind, geknüpft an Kindergeldanspruch.


    Die Politik hat früher suggeriert, dank dieser Zulagen werde man eine sicher Zusatzrente erhalten. Ganz ehrlich, in meiner Altersvorsorgerechnung tauchen solche Beträge "hinterm Komma" auf.

  • Da diskutiere ich noch. Sie ist abgeschreckt vom Produkt und dem schlechten Ruf ansich.

    Eigenbeitrag und Zulage ins Verhältnis setzen.

    Wenn die Quote nicht mehr genehm ist, dann einfach Vertrag stilllegen.


    Selbst der schlechteste Vertrag mit 100% Verwaltungskosten liefert am Ende Eigenbeitrag und Zulagen ab.


    Falls die Monatsrente unter 1% der Bezugsgröße liegen würde, dann wird das Guthaben als Kleinstbetragsrente "abgefunden". Damit wäre keine schädliche Verwendung gegeben.

    Die Steuer im Jahr der Auszahlung kann man umschiffen, in dem man den Betrag in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. (Ergibt einen Rentenfaktor, den die Versicherungswirtschaft aktuell nicht liefern kann.)


    Nur darf man bei der Nummer nicht zuviel Effekt erwarten. Richtung 50 Euro an zusätzlicher Rente in da Ende der Fahnenstange. (Wäre also wirklich nur ein Baustein, kein Fundament.)


    Wenn man das Ergebnis allerdings mit den selbst gezahlten Beiträgen ins Verhältnis setzt, dann nimmt man die Förderung vielleicht doch gerne mit.

  • Das ist (noch) nirgends geregelt, auch wenn ich mich mit einem Paragraphen 187c im SGB VI sehr gut anfreunden könnte. (Hoffen wir auf die Reformgedanken.)


    Die Zahlung könnte aber über freiwillige Beiträge (wenn zu dem Zeitpunkt keine Pflichtversicherung vorliegt) oder über Sonderbeiträge zum Ausgleich von Abschlägen (wegen vorzeitigem Rentenbeginn oder aus dem Versorgungsausgleich) erfolgen.

  • Ich misch mich hier auch mal ein weil mich ähnliche Gedanken wie @LipovidanD umtreiben. Natürlich unter anderen persönlichen Voraussetzungenn - alles ist ja individuell zu betrachten. Hier in Kürze mein Situation:

    Riester als fondsgebundene Rentenversicherung seit 2015 (HDI Two Trust Vario). Meine Frau hat ihren Riester seit 2006 (Riesterrente über Allianz). Ihr Vertrag scheint mir recht gut zu sein, Abschlusskosten sind schon lange nicht mehr aktuell. Wenn ich bei mir mit spitzer Feder nachrechne, belaufen sich die Kosten meines Vertrags bislang auf knapp 1.900 EUR. Zulagen, Garantieversicherung etc. ergeben in Summe aktuell knapp 1.500 EUR. Steuerersparnis zusammen liegt bei ca. 600 EUR, anteilig ziemlich pari 1:1.


    Nun gibt es eine neue Entwicklung insofern, dass ich über ein Versorungswerk rentenversichert bin und daher nur mehr mittelbar zulagenberechtigt. Ich frage mich daher, ob ich die monatliche Prämie drastisch reduziere(n kann), und trotzdem die volle jährliche Zulage bekomme? Meine Frau nutzt die Zulage noch nicht zu 100 %. Das werden wir versuchen zu ändern.


    Meine Gedanken, den Vertag zu wechseln auf einen Fondssparplan (DWS TopRente) habe ich fast schon verworfen, da bei diesem Produkt zwar keine Abschlusskosten anfallen und auch sonst einiges zu 100% rabattiert wird aber die Beträge mit Renteneintritt erst in eine Rentenversicherung gewandelt werden und dann wohl hohe Kosten kommen. Zudem gibt es keinen garantierten Rentenfaktor.


    Ich kann bei meinem Riester auch die Fonds wechseln aber bei der niedrigen Aktienquote derzeit rechne ich nicht damit, dass damit a) bessere Rendite rauskommt bzw. b) deutlich niedrigere Kosten enfallen. Aber es scheint mir derzeit vernüftiger als ein Vertagswechsel zu sein, da ich ansonsten Geld liegen lasse durch den derzeitigen negativen Guthabenstand.


    Puh, das war jetzt viel Info. Bin gespannt auf Eure Anregungen und hoffe ansonsten auch auf eine Riester-Reform. Es geht mir eigentlich weniger um das monatliche Geld, das kann ich mir leisten (knapp 150 EUR) aber die hohen Vertragskosten finde ich total ärgerlich. Aber im Nachhinein ist man ja immer klüger.


    PS: ETFs mache ich sowie brav nebenbei. Das ist also keine echte Option. :-)

  • Philharmoniker

    Wenn Partner A unmittelbar zulageberechtigt ist und die volle(n) Zulage(n) bekommt, dann kann sich Partner B (sofern nicht unmittelbar zulagenberechtigt) mit 60 Euro Jahresbeitrag die volle(n) Zulage(n) sichern.


    Nur was kommt bei 235 Euro im Jahr dabei heraus?


    Wichtig ist, dass man schaut, was man für die Zulagenoptimierung zahlen muss. Danach geht es dann an die Bewertung, ob sich der Spaß tatsächlich lohnt. (Da kommt Arbeit auf den Taschenrechner zu.)

  • Wichtig ist, dass man schaut, was man für die Zulagenoptimierung zahlen muss. Danach geht es dann an die Bewertung, ob sich der Spaß tatsächlich lohnt. (Da kommt Arbeit auf den Taschenrechner zu.)

    Gibt es denn so etwas wie einen Riester-Renditen-Rechner? Ich habe schon danach gesucht aber meist sind das bloss Rechner auf Riester-Anbieterseiten, die keine hinlängliche Auskunft geben. Ich frage mal anders: Wie rechne ich aus, ob sich mein Riester oder in meinem Fall die beiden Riester-Verträge meiner Frau und mir lohnen?

  • Einen konkreten Rechner wüsste ich so spontan nicht.

    Ansonsten würde ich schauen, was ich aktuell netto für die vollen Zulagen einzahlen muss und was ich später mit bestimmten Annahmen herausbekommen mag.

    Dagegen würde ich ein Alternativ-Investment (z. B. einen ETF-Sparplan) legen und schauen, was dabei rauskommen würde.


    Da kommt natürlich einiges an Variablen auf einen zu. ?(