Berufsunfahigkeitsversicherung bei zwei Hauptverdienern

  • Hallo liebe community,


    ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Gedanken und Meinungen zum, zugegebenermaßen Luxusproblem, meiner Familie mitteilen könnt.


    In sämtlichen Finanzratgebern bekommt man zum Thema BU immer nur die Empfehlung, den "Hauptverdiener" abzusichern. Was, aber wenn beide gleicn und viel verdienen?


    Es geht also um das wichtige Thema Berufsunfahigkeitsversicherung.


    Meine Frau und ich sind Anfang 30, beide Akademiker und haben eine kleine Tochter. Wir haben beide jeweils eine Risikoleben auf den anderen angeschlossen über Kreuz (danke finanztipp).


    Bisher galt ich als der "Hauptverdiener" und so ist unsere BU auch gebaut.


    Ich verdiene 80.000€ brutto im jahr und habe eine BU, die mir im Falle 2400€ monatlich auszahlt. Meine Frau war bisher bei 45.000€ jährlich und hat eine BU über 1000 Euro.


    Nun wird meine Frau im Juli einen neuen Job annehmen, mit dem sie ebenfalls ca 80.000€ verdienen wird.


    Was sollten wir nun mit unseren BUs tun?


    Meine Frau auch hochnehmen auf 2000€ und mich herubterregulieren? Alles so lassen? Beide auf 2.400€ hochnehmen?


    Da fehlt mir irgendwie so richtig die Richtung. Theoretisch haben wir beide Büro Jobs in leitender Funktion und damit ein ähnlich hohes Risiko. Meine Frau mit ihrem Master aber vl. Ein größeres Verlustrisiko im BU-Fall.


    Wir planen noch zwei Kinder, wohnen zur Miete, sparen für die Rente und haben eine ordentlichen Notgroschen.


    Ich freue mich, über eure Gedanken und Erfahrungen.


    Liebe Grüße

    Kulf

  • Hallo Kulf,


    Klassisch würdest du für jeden Partner eine BU abschließen, die im Schadenfall einen gleichbleibenden Lebensstandard für die Familie ermöglicht. Allerdings bedarf eine Erhöhung der Rente meist einer neuen Gesundheitsprüfung. Irgendwann bekommen viele Menschen Krankheiten, die sie bei einer Prüfung schlecht aussehen lassen.


    Ihr solltet langfristig planen was ihr zum Leben braucht. Aus eigener Erfahrung mit drei Kindern sind 5000 netto Basis für ein eher bescheidenes Leben, jedenfalls wenn man Viel Miete zahlt oder hohen Kredit bedient.


    Wenn ihr in 5 Jahren 12.000 netto hättet, wären 5000 BU jedenfalls wenig. Und ihr könnt die Rente irgendwann vielleicht nicht mehr erhöhen. Daher lieber jetzt vorausschauend planen.


    Wir haben wegen Vorerkrankung leider keine BU, aber können im Extremfall mit Großelterlicher Unterstützung rechnen. Auch so ein Faktor kann beruhigen.

  • Bitte nicht den Einfluss der Inflation berücksichtigen. Wenn 5000 netto im Monat aktuell noch gut reichen, um den Lebensunterhalt für eine Familie zu bestreiten, kann das in 10 Jahren ganz anders aussehen. Die Verbraucherpreise steigen aktuell schneller (aufgrund der Corona-Krise) - wahrscheinlich kurz- bis mittelfristig auf 3-5 % pro Jahr.

  • Wenn du alles in Versicherungen und Altersvorsorge steckst - was hast du dann noch vom Leben?


    Ich persönlich würde Basisrisiken (Risiko-LV, Haftpflicht, Hausrat etc.) absichern und evtl. noch eine relativ knapp kalkulierte BU dazu nehmen (so viel, wie man wirklich zum Leben benötigt). Warum jeden Monat zig hundert Euro in eine Luxus-BU packen, die dann ggfls. niemals greifen wird? Wie wahrscheinlich ist es, dass ihr beide gleichzeitig komplett ausfallt?


    Wer von 5.000 Euro netto jedem Monat 2.000 Euro in Versicherungen und Vorsorge steckt, der steht nicht viel besser da als ein Bandarbeiter bei Bosch.

  • Wenn ich Ihre Frage richtig verstehe Kulferes schwingt etwas der Gedanke mit

    "Ich brauche keine / weniger BU, ich bin verheiratet." Das mag auch Hintergrund der etwas archaischen Empfehlung sein, den "Hauptverdiener" abzusichern.


    Ich gehe zunächst mal davon aus, dass Sie Ihre Ehe „in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit“ aufrecht erhalten wollen. Bestimmt haben Sie auch eine loyale Ehefrau, die es trotz full-time Job noch schafft, sich um kranken Ehemann und drei kleine Kinder zu kümmern.


    Ehepartner und zweites Einkommen sind bei BU aber generell leider keine wirklich verlässliche Planungsgrundlage. Die „normale“ Scheidungsquote beträgt in Deutschland schon um die 40%. Wenn ein Ehepartner schwer erkrankt steigt diese Quote noch einmal deutlich. So erlebt bei einem Kunden von uns, dessen Frau an Multipler Sklerose erkrankt war. Im Ersttermin war noch die Rede davon, dass man das gemeinsam durchsteht. Ein Jahr später erhielten wir eine Mail: Sie hatten sich gerade scheiden lassen und er brauchte eine eigene Privathaftpflichtversicherung. Ein anderes Kundenpaar ließ sich nach mehreren Jahren Depression der Frau scheiden, weil die Situation für beide unerträglich geworden war.


    Das ausfallende Einkommen (plus bei BU erhöhter Altersvorsorgeaufwand infolge Wegfall Einzahlungen in GRV / BAV / Versorgungswerk inkl. Arbeitgeberanteilen) kann der andere Ehepartner auch selten vollständig ausgleichen, insbesondere wenn er vielleicht nur noch weniger arbeiten kann, um sich um den erkrankten Ehepartner und kleine Kinder zu kümmern.


    Deshalb: Bei allem Optimismus, jeder Partner sollte auch im Fall einer Berufsunfähigkeit finanziell auf eigenen Beinen stehen können und sich ausreichend absichern. Was für den konkreten Fall "ausreicht" muss man individuell klären. Neben den monatlichen Kosten (nicht nur fix, sondern auch variabel) gehören dazu auch Krankenversicherung und Altersvorsorge. Sehr häufig ist das Ergebnis dieser Rechnung das Nettoeinkommen. Und völlig richtig wie TobyCoby schreibt (da steht nur ein "nicht" zu viel) : Bitte auch die Inflation berücksichtigen - über eine von Anfang an entsprechend hoch angesetzte BU bzw. eine Beitragsdynamik.


    Thebat , Sparen ist leider auch keine wirkliche Alternative zu einer BU Absicherung, sofern man nicht aus einer sehr wohlhabenden Familie stammt. Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört anerkanntermaßen zu den von Ihnen angesprochenen "Basis-Risiken". Wenn ein 28-Jähriger 39 Jahre lang bis zur Rente mit 67 bei einer monatlichen Kapitalentnahme von 3.000 EUR (inkl. Krankenversicherung, Altersvorsorge etc.) von Kapital leben möchte, braucht er bei einer durchschnittlichen Aktienrendite von 4% nach Kosten und nach Steuern ein Kapital von rund 720.000 EUR. Rechnen Sie hier selbst nach. Bei einer konservativeren Anlage mit 2% Rendite wird fast 1 Mio. EUR benötigt.


    Unsere Empfehlung lautet auch hier: Das eine tun, das andere nicht lassen! Gerade am Anfang der Karriere besteht das höchste Risiko (lange Laufzeit, Kinder, Immobilienkauf etc.), deshalb ist eine hohe BU Absicherung wichtig. Sobald das Sparen Früchte getragen hat und man vom Kapital leben kann, ist eine Kündigung bzw. Reduzierung der Berufsunfähigkeitsversicherung eine Option.

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Wenn ein 28-Jähriger 39 Jahre lang bis zur Rente mit 67 bei einer monatlichen Kapitalentnahme von 3.000 EUR (inkl. Krankenversicherung, Altersvorsorge etc.) von Kapital leben möchte, braucht er bei einer durchschnittlichen Aktienrendite von 4% nach Kosten und nach Steuern ein Kapital von rund 720.000 EUR. Rechnen Sie hier selbst nach. Bei einer konservativeren Anlage mit 2% Rendite wird fast 1 Mio. EUR benötigt.

    Bei der ersten Variante (Aktienrendite) braucht's wegen der Vola und einer eingeplanten dynamischen "Rentenanpassung" das 35- bis 40-Fache der angänglichen Jahresrente!!! Damit lässt sich u.a. auch ein prozentualer "sicherer" Teil immer "auf Vorrat" realisieren.


    Und bei der zweiten, konservativen Version befinden wir uns schon im Bereich eines negativen Realzinses!!! Damit läuft es schon auf Kapitalverzehr hinaus, oder nicht?


    (inkl. Krankenversicherung, Altersvorsorge etc.)

    Bei einer BU lasse ich das gerne gelten; sprich die BU-Rente sollte auch für weitere Sparraten für AV oder Vermögensaufbau ausreichen.

    Bei der alternativen Betrachtung, die BU-Rente mit Vermögen zu kompensieren, sind wir im Bereich "rechte Hosentasche zur linken Hosentasche" ;-)


    Mir kann's ja egal sein... BU ist schon lange kein Thema mehr für mich persönlich. Ich schreibe aber trotzdem... weil mMn die Dimensionen hier zu häufig zu zaghaft angegangen werden. Leute, betrachtet die Risiken und Lösungen realistisch und zusätzlich mit einem Puffer nach oben!

    In diesem unseren Land wird wohl niemand im Falle einer BU oder EU (Erwerbsunfähigkeit) verhungern müssen... aber ein Zwangsfrugalismus infolge deutlich reduzierter Einkünfte ist ja auch nicht das, was sich jemand ausmalt, der sich mit dem Kümmern un seine Finanzen befasst.

  • Stimmt JDS , ich hatte extra ganz sparsam gerechnet und die Inflation außen vor gelassen. Mit 2,5% Inflation sind wir im obigen Beispiel schon bei über einer Million, siehe Link! Ist ja auch was anderes, ob man sich freiwillig einschränkt, wenn es einem gut geht, oder ob man sowieso schon eher unfröhlich ist und dann noch zu wenig Geld hat. Oft wird auch verkannt, dass man sich mit gesundheitlichen Einschränkungen Leistungen erkaufen muss, die man als Gesunder nicht braucht. Bildlich gesprochen: "jemand, der einen schiebt".

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Nun ja, so hat halt jeder seine Präferenzen. Ich kenne aus meinem Bekanntenkreis genug studierte Gutverdiener, die trotz gutem Nettogehalt am Jammern sind. Schaut man sich dann mal deren monatliche Belastung mit Versicherungsbeiträgen und schlechten AV-Produkten an, dann legt man die Ohren an.


    Gut, wenn tatsächlich mal was passiert, dann sind sie froh drum. Wenn das Leben aber planmäßig durchläuft, dann hätten sie sich das Studium sparen können und besser einen "normalen" Ausbildungsberuf gelernt.

  • Stimmt, hinterher ist man immer schlauer :). Wird man nicht BU, war eine Berufsunfähigkeitsversicherung rausgeworfenes Geld. Wenn doch, dann ist sie Gold wert. Ist letztlich eine Risikoabwägung. Einfach mal bei dem hier verlinkten Rechner BU-Risiko etwas herumspielen. Eintrittswahrscheinlichkeit und maximale Schadenshöhe wären mir persönlich eindeutig zu hoch, um à la Spielcasino darauf zu wetten, dass alles gut geht. Nehmen wir mal als Beispiel 150 EUR BU Beitrag im Monat - das wirft einen Akademiker selten wieder auf das Einkommensniveau eines Ausbildungsberufs zurück. :)

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  • Schaut man sich dann mal deren monatliche Belastung mit Versicherungsbeiträgen und schlechten AV-Produkten an, dann legt man die Ohren an.

    Oh ja, das kommt mir auch bekannt vor! Dabei gehe ich stark davon aus, dass diese Leute Anderen das Kümmern ums Geld überlassen haben ;-)

    Zu den Versicherungsbeiträgen und miserablen AVen kommen dann noch bescheuert finanzierte Immos zur Eigennutzung und ebenso unintelligent finanzierte oder geleaste Blechkutschen hinzu...


    und besser einen "normalen" Ausbildungsberuf gelernt.

    ... oder etwas weniger in die Glotze gekuckt und stattdessen etwas Finanzbildung "gefressen"... und entprechend reagiert ;-)