Private Krankenversicherung als Assistenzarzt?

  • Hallo zusammen, ein guter Freund ist Assistenzarzt im dritten Jahr. Durch einen Wechsel der Arbeitsstelle kann er sich nun privat versichern. Er arbeitet wg. Corona sehr viel und bat mich um Unterstützung. Ist ja keine so einfache Entscheidung. Beim Recherchieren stieß ich auf die Finanztip Seite https://www.finanztip.de/pkv/. Die klingt recht skeptisch. Hört man sich um, sind die Meinungen auch sehr geteilt. Die einen schwören auf die private Krankenversicherung, die anderen warnen davor. Was rät die Community? Es gibt ja auch spezielle Tarife für Ärzte, sind die wirklich besser als "normale" Tarife? Ist es realistisch, dieses Thema selbst zu lösen, wie das Finanztip propagiert ("Finanzen kannst du selbst"), oder sollte man sich besser beraten lassen? Wenn ja, wen würdet ihr empfehlen und was kostet das?

    Ganz schön viele Fragen - danke für eure Hilfe!

  • Hallo.


    Der Freund steht vor einer weitreichenden und schwerwiegenden Entscheidung. Es geht darum, was er an Leistung haben will und ob er sich dies heute und in Zukunft wird leisten können. Die Altersvorsorge sowie die Risikoabsicherung müssen dies widerspiegeln.


    Daher halte ich eingehende Beratung für geboten. Das Thema ist zu wichtig, um dort einen Euro sparen zu wollen.

  • ... um es weniger abstrakt auszudrücken... dein Freund sollte vorrangig seine Lebensplanung berücksichtigen und dabei die Leistungen der Gesetzlichen KV berücksichtigen, die die Abdeckung der Krankheitskosten übersteigen, wie zum Bleistift die "Familienversicherung".


    Geht es ihm primär um die reinen Versicherungsleistungen (Krankheitskosten) und den "Status" (Ich bin Privat...) , so sollte er die beiden "Pakete" GKV + Private Zusatzversicherung mit denen einer PKV vergleichen und dann erst auf die Kosten schielen. Ist auch der Verdienstausfall bei längerer Krankheit/Arbeitsunfähigkeit wichtig, ist die Private variabler bzw. kann auch bei höheren Einkommen als der Beitragsbemessungsgrenze adequat leisten.

    Unter Umständen zahlt der junge PKV-Versicherte erst mal deutlich weniger als der GKV-Versicherte, je nach Vorerkrankungen und gewählten Leistungen.

    Wer sich - nach Abwägung aller Vor- und Nachteile - für eine PKV entscheidet, der sollte sich nicht über eine eventuelle Beitragsersparnis freuen und diese "verjucken", sonder eben diese vernünftig investieren (ETF... 200€ im Monat bringen in 30 Jahren vermutlich um die 200.000 €), um mit dieser "Vorsorge" später einmal einen Teil der Beiträge zur PKV zu decken.

    Falls er sich nicht tiefer in diese Materie einlesen mag, sollte er sich (unabhängig) beraten lassen.

  • Ist auch der Verdienstausfall bei längerer Krankheit/Arbeitsunfähigkeit wichtig, ist die Private variabler bzw. kann auch bei höheren Einkommen als der Beitragsbemessungsgrenze adequat leisten.

    Auch etwaige höhere Einkommen im Verhältnis zum maximierten Krankengeld, kann man durch Ergänzung ausgleichen. Dazu muss man sich auch nicht in die PKV übertreten.

  • Es gibt ja auch spezielle Tarife für Ärzte, sind die wirklich besser als "normale" Tarife? I

    Tarife für Ärzte sind nicht BESSER - sie sind ggf. Anders.

    Oft wird der Heilpraktiker ausgeschlossen.

    Das Kollektiv besteht aber aus Ärzten, ggf. Zahnärzten, selten Tierärzten und deren Familienangehörigen.

    Warum die weniger Behandlungskosten verursachen, mit Ausnahme der Familienangehörigen, bleibt ein Geheimnis. Ggf. weil in jungen Jahren selbst behandelt wird, statt zum Arzt zu gehen? Bei Krankenhausärzte aber zumindest bei Alltagskrankheiten tatsächlich.

  • Ärztetarife können wirklich günstiger sein, weil die Ärzte sich doch mit Ärztemustermedikamenten und aus der Krankenhausapotheke gut selber behandeln können. Außerdem werden die überhöhten betrügerischen Abrechnungen unter Ärzten geringer sein als gegenüber "normalen" Patienten, da die betrügenden Ärzte in ihrer eigenen Zunft sich lieber verborgen halten wollen.

  • Ärztetarife können wirklich günstiger sein, weil die Ärzte sich doch mit Ärztemustermedikamenten und aus der Krankenhausapotheke gut selber behandeln können. Außerdem werden die überhöhten betrügerischen Abrechnungen unter Ärzten geringer sein als gegenüber "normalen" Patienten, da die betrügenden Ärzte in ihrer eigenen Zunft sich lieber verborgen halten wollen.

    So sieht es aus. Ich habe im Bekanntenkreis einige Ärzte, die sind alle PKV-versichert. Mit einem entsprechend höheren SB, da der Zugriff auf Medikamente ein anderer ist als bei "Normalsterblichen". Das wirkt sich wiederum natürlich auch positiv auf die Beitragshöhe aus.

  • Hat einer von Ihnen die Kopfschadenprofile der Altbestände Arzttarife der alten großen Arztversicherer (Allianz, DKV, Central) eingesehen?

    "die überhöhten betrügerischen Abrechnungen unter Ärzten geringer sein" da muss ich mich jetzt wirklich zurücknehmen, weil da fällt mir nichts mehr ein. Haben Sie Fakten oder ist das nur eine "Meinung"?

    "die Ärzte sich doch mit Ärztemustermedikamenten und aus der Krankenhausapotheke gut selber behandeln können. " damit wäre jede sinnvolle Diskussion beendet, weil Sie offensichtlich von Abläufen in Kliniken keine Kenntnis haben und offensichtlich § 58 AMG nicht kennen.

    Nur einmal angenommen, es wäre so "da der Zugriff auf Medikamente ein anderer ist als bei "Normalsterblichen"' dann wäre das "Das wirkt sich wiederum natürlich auch positiv auf die Beitragshöhe aus." dennoch falsch, weil es ja nur um Bagatelleerkrankungen gehen kann. Bei einer schweren Krankheit kippt das ins Gegenteil, weil die Ärzte auch wissen, was gut und / oder teuer ist?

    Wo beziehen Sie solche Aussagen her?

  • Hallo zusammen, vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen.


    Ich kann noch nicht nachvollziehen, was an Arzttarifen schlecht sein soll. Wenn ich nach dem Thema google finde ich z.B. diese Seite Arzttarife Private Krankenversicherung. Die Erklärung dort:

    Zitat

    Diese sind im Beitrag oft günstiger kalkuliert, da Ärzte und Zahnärzte sich und ihre Familien häufig „selbst versorgen“, gesundheitsbewusster leben und ihre PKV statistisch weniger oft in Anspruch nehmen bzw. geringere Kosten verursachen als andere Berufe. Die Ersparnis gegenüber „normalen“ Tarifen beträgt teilweise bis zu 100 EUR. Früher war die Kostenersparnis zusätzlich darin begründet, dass Ärzte und Zahnärzte untereinander kollegialiter keine Rechnungen stellten. Diese Gepflogenheit ist inzwischen kaum noch verbreitet, wir als „Arztfamilie“ haben das nur noch bei dem sehr engagierten Kinderarzt unserer Kinder erleben können. Daher bieten immer weniger Gesellschaften Arzttarife und Zahnarzttarife an."

    Also wäre es als Arzt doch im Zweifel sinnvoll, so einen Ärztetarif zu nehmen, oder? Was spricht dagegen?


    Das Thema selbst zu lösen scheint also keine so gute Idee zu sein. Könnt ihr jemand Konkretes als Berater empfehlen? Sollte ja schon jemand sein, der sich mit Ärzten und Krankenversicherung auskennt. Das Thema Versorgungswerk scheint dabei ja auch eine Rolle zu spielen.


    Danke!

  • Es macht sogar sehr viel Sinn, sich als Arzt privat zu versichern.


    Ich habe im Bekanntenkreis 5 Ärzte und keiner von denen ist gesetzlich versichert. Was wiederum auch nichts heißen muss.


    Ich würde an Deiner Stelle - wie schon so oft - parallele Wege zur Auswahl des Anbieters beschreiten:


    - Solche Gesellschaften kontaktieren, die nicht im Portfolio eines Maklers sich befinden (z.B. Debeka)

    - Makler, die viele Anbieter im Portfolio haben (im Forum gibt es z.B. einen sehr aktiven Dr. Schlemann)


    Und, ganz wichtig, sich auch selbst einen Überblick verschaffen (Marktberichte, Testberichte, ..). Man wird dadurch nicht dümmer!


    Viel Erfolg!

  • Oh, den Beitrag hatte ich noch gar nicht gesehen - danke für den Hinweis und die Empfehlung Comandante .


    Willi wills wissen , analog zu unserem Beratungsansatz antworte ich mal in zwei Schritten:

    1. zum "Ob": ist ein Wechsel in die PKV möglich und sinnvoll und
    2. zum "Wie": Welche Gesellschaft und welcher Tarif passt zu den individuellen Anforderungen

    1) "Ob": Ist ein Wechsel in die PKV möglich und sinnvoll?

    Vor einer zu intensiven Beschäftigung mit dem Thema empfehle ich erst einmal zu klären, ob die Gesundheitsgeschicht Ihres Freundes einen Wechsel in die PKV überhaupt zulässt. Am besten nimmt er dazu einen Fragebogen (gibt's auch auf unserer Website) und bereitet die Antworten mit allen Details genau vor. Das Einholen von Auskünften von Krankenversicherungen und behandelnden Ärzten kann zusätzlich sinnvoll sein, um Überraschungen zu vermeiden. Mit diesen Unterlagen prüft ein Berater / Versicherungsmakler dann für ihn erst einmal die Versicherbarkeit.


    Für die meisten Ärzte ist ein Wechsel in die private Krankenversicherung grundsätzlich sehr sinnvoll. Diese Frage klären wir mit jedem Kunden ganz am Anfang unserer Beratung - und manchmal raten wir vom Wechsel auch ab, nachzulesen in einigen unserer Bewertungen.


    Primär geht es um deutlich bessere Leistungen. Die dürften eigentlich auch mehr kosten.


    Tatsächlich ist der Beitrag in der PKV insbesondere für Ärzte aufgrund von vergünstigten Ärztetarifen meistens auch noch ein ganzes Stück günstiger. Statt aktuell rund 929 EUR für die mäßigen Leistungen der GKV zahlt ein 29-jähriger Assistenzarzt in einem sehr guten Arzttarif rund 660 EUR (inkl. Pflegepflichtversicherung und mit dem gleichen KTG von 113 EUR wie in der GKV). Der Arbeitgeber bezuschusst beide Varianten ca. hälftig.


    Das alleine wäre aber noch zu wenig - wichtig ist eine langfristige Betrachtung, sowohl während der Erwerbstätigkeit (inkl. Familienplanung), als auch in der Rente.


    Aufgrund gehobener Einkünfte und der Mitgliedschaft im Versorgungswerk zahlen Ärzte in der GKV auch im Alter regelmäßig den Höchstbeitrag, da hier außer der Rente vom VSW zusätzlich auch Einkunftsarten wie Vermietung und Verpachtung und Kapitaleinkünfte beitragspflichtig sind (was die Grünen jetzt ja sogar für alle planen). Betrachtet man die langfristige Beitragsentwicklung, spricht auch nichts dafür, dass die PKV im Alter teurer wird als die GKV. Experten gehen davon aus, dass die Beiträge zur GKV aufgrund der demographischen Entwicklung künftig noch stärker steigen werden.


    Zwischendurch kann es Phasen geben, in denen eine PKV mit 3-4 Kindern etwas teurer wird - wenn man Leistungsunterschiede nicht durch Zusatzversicherungen ausgleicht. Kinder sind nach ca. 25 Jahren aber wieder raus und wir sprechen ja über eine Versicherung für die nächsten ca. 60 Jahre. Nicht erwerbstätige Ehepartner könnten die Kalkulation noch einmal verändern - das ist heutzutage aber die ganz große Ausnahme. Phasen mit Ersparnis überwiegen also regelmäßig.


    Wird die o.g. Ersparnis nicht verjubelt, sondern wie wir es empfehlen gezielt zur Reduzierung der PKV Beiträge im Alter investiert, dann sollte Ihr Freund in der PKV also langfristig nicht nur deutlich besser versichert sein, sondern sogar auch noch weniger bezahlen.


    2) "Wie": Welche Gesellschaft und welcher Tarif passt zu den individuellen Anforderungen?

    Das ist eine sehr individuelle Frage und hängt von den persönlichen Anforderungen und Prioritäten Ihres Freundes ab. Auf unserer von Ihnen verlinkten Seite finden Sie schon eine gute Übersicht mit 10 Arzttarifen plus GKV als "Benchmark". Die Debeka als größten deutschen PKV Anbieter beziehen wir bei unseren Beratungen und Vergleichen natürlich auch immer mit ein. Gerade für Ärzte ist die Debeka aber noch seltener die erste Wahl wenn man Leistungen und den sog. "Effektivbeitrag" (Arbeitnehmeranteil plus 1/12 des jährlichen Selbstbehalts) berücksichtigt.


    Nächste Schritte

    Sie und Ihr Freund sollten sich wie von Comandante empfohlen schon mal intensiver einlesen. Unsere Website bietet dazu relativ viel "Stoff", u.a. zu kritischen Fragen zur PKV, zu speziellen Aspekten des Versorgungswerks und zu den Auswahlkriterien einer guten Krankenversicherung. Dann buchen Sie einen Termin bei einem Berater / Versicherungsmakler Ihres Vertrauens - gerne bei uns :).


    Noch eine Empfehlung:

    Ich finde es super, dass Sie Ihrem Freund etwas Arbeit abnehmen während er Leben rettet. Über kurz oder lang muss er sich aber auch selbst etwas eingehender mit dem Thema beschäftigen. Seine Gesundheitsgeschichte kann nur er aufbereiten und am Ende sind seine ganz individuellen Präferenzen zu klären. Schließlich muss er mit dem Ergebnis ja auch - möglichst lange - leben. Vermutlich war das aber sowieso der Plan.


    Hilft das? :)

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Wo beziehen Sie solche Aussagen her?

    Das frage ich mich allerdings auch!


    Ärztetarife können wirklich günstiger sein, weil die Ärzte sich doch mit Ärztemustermedikamenten und aus der Krankenhausapotheke gut selber behandeln können.

    Das ist absolut absurd. Eine Selbstbedienung wäre eine Straftat und ein Kündigungsgrund.

    da der Zugriff auf Medikamente ein anderer ist als bei "Normalsterblichen"

    Man hat als Arzt keine Flatrate bei der Apotheke oder was ist mit dem Zugriff gemeint?


    Alle Ärzte, die ich kenne (vor allem die, die schon in der PKV sind), raten von einer PKV ab.

    Ein Grund warum sehr viele Ärzte in einer PKV sind, ist sicherlich auch, weil Ärzte zwar über ein gutes Einkommen verfügen, sich aber durchschnittlich sehr schlecht mit Finanzen auskennen. Das wissen halt auch die "Berater".

  • Bei gewissen Grundannahmen, die auf einen Großteil der Ärzteschaft zutreffen werden, von deren Generalisierung ich dennoch abraten würde, ist der Wechsel in die pKV die klar verlockendere und wahrscheinlich auch bessere Variante, allerdings kommt es auf den Einzelfall an. Daher auch der dringende Appell zu fachlich fundierter Beratung und angemessener Bedenkzeit.


    Eine Entscheidung, die grob noch 6 Jahrzehnte oder vielleicht mehr halten soll, muss man nicht übers Knie brechen.

  • Sie und Ihr Freund sollten sich wie von Comandante empfohlen schon mal intensiver einlesen. Unsere Website bietet dazu relativ viel "Stoff", u.a. zu kritischen Fragen zur PKV, zu speziellen Aspekten des Versorgungswerks und zu den Auswahlkriterien einer guten Krankenversicherung.

    Sich informieren halte ich auch für eine gute Idee. Allerdings würde ich hierzu Portale und Webseiten ohne Interessenskonflikt empfehlen. Die Webseite von Dr. Schlemann gehört sicherlich nicht dazu.

  • Finanztip.de fällt mir da spontan ein (weiß auch nicht wieso) ;-)

    Und unabhängige Honorarberatung wäre ein Ansatz für eine individuellere Offline-Variante 😉


    Und bitte nicht falsch verstehen: Ich sage nicht, dass jede Nicht-Honorarberatung schlecht ist (und auch eine Honorarberatung ist sicherlich nicht immer gut). Aber der Interessenskonflikt dabei lässt sich ja nicht wegdiskutieren. Darüber sollte man sich meiner Meinung nach einfach im Klaren sein.

  • Finanztip.de fällt mir da spontan ein (weiß auch nicht wieso) ;-)

    Und unabhängige Honorarberatung wäre ein Ansatz für eine individuellere Offline-Variante 😉


    Und bitte nicht falsch verstehen: Ich sage nicht, dass jede Nicht-Honorarberatung schlecht ist (und auch eine Honorarberatung ist sicherlich nicht immer gut). Aber der Interessenskonflikt dabei lässt sich ja nicht wegdiskutieren. Darüber sollte man sich meiner Meinung nach einfach im Klaren sein.

    Bei Finanztip findet man zum Thema PKV sicherlich keine detaillierten Infos, sei es das "Intensive Einlesen" und der Vergleich zwischen verschiedenen Gesellschaften.


    Für ein sehr grobes Verständnis reicht Finanztip.de vielleicht gerade bzgl. PKV, mehr aber auch nicht.

  • Xenia

    Hat das Thema geschlossen