ETF / Altersvorsorge / Erbe

  • Guten Tag,

    folgender Sachverhalt: Ich bin 28. Jahre alt und verkaufe aktuell das Haus meiner Eltern für ca. 400.000€, diese möchte ich gerne anlegen, sodass ich in ca. 15 Jahren aus der Dividende ein Einkommen beziehen kann. Aktuell bespare ich den MSCI World (70%, ausschüttend) und den Emerging Markets (30%, thesaurierend) mit insgesamt 1000 € im Monat(50.000€ sind bereits drin).

    Da ich ja langfristig von den Dividenden profitieren möchte werde ich irgendwann alles Kapital in den "vanguard ftse high dividend yield" einzahlen. Macht es Sinn jetzt einfach schon alles, also auch die 400.000€, in den Vanguard einzuzahlen und die Dividenden zu reinvestieren? Oder erstmal in den Vanguard als thesaurierer und dann umsteigen? Ich denke am Ende ist es wohl auch eine steuerliche Überlegung, bei dem Thema bin ich leider nicht sonderlich fit.

    Danke für eure Hilfe!

  • Danke für deine Rückmeldung. Ok, dann lassen wir diesen speziellen ETF mal raus aus der Betrachtung. Grundsätzlich bleibt die Idee aber die gleiche. Ich möchte ja nach 15/20 Jahren eine "Rente" aus den Dividenden beziehen, also jetzt direkt in einen ausschüttenden investieren, oder erstmal in einen thesaurierer?

    Oder ganz anderer Ansatz (vielleicht meintest du das auch), ganz bei einem thesaurierer bleiben und jährlich nur die Rendite entnehmen?

  • Grundsätzlich ist die Auswahl Thesaurierer/Ausschütter m.E. erstmal zweitrangig. Man kann auch mit nur 1 thesaurierenden ETF sein ganzes Leben durchhalten. Ich würde auch erst einmal die Frage stellen wohin die Reise denn gehen soll!?

    Willst Du jetzt in den nächsten 20 Jahren die max. Rendite erwirtschaften oder willst Du auch zwischenzeitlich schon mal Geld entnehmen!?


    Zum Thema 'Entnahmestrategien' empfehle ich Den folgende Blog:

    Entnahmestrategien Archive - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)

    Der Georg hat diverse Strategien für die Entnahmephase durchgerechnet (mit und ohne Kapitalverzehr). Da sollte auch etwas passendes für Dich dabei sein.

  • Noch mal kurz systematisch:

    - ein Umstieg ist steuerschädlich, d.h. die bis dahin aufgelaufenen Gewinnen werden um den dann geltenden Steuersatz reduziert, derzeit 26,275%. Auf das dann reduzierte Kapital wirkt dann die Ausschüttung nach Einzahlung in einen Ausschütter / Dividendenfonds.

    - jetzt in einen Ausschütter anlegen bewirkt, dass die Ausschüttungen schon jetzt jeweils besteuert werden. Das ist einen ganze Zeit lang günstiger als die Umstiegsvariante

    - die dritte Möglichkeit ist in einen Thesaurierer zu gehen und dann nach den 15 Jahren immer mal wieder einen Betrag zu entnehmen und zu versteuern. Damit hätte man von der Steuerstundung mit Zinseszinseffekt profitiert. Bei 6% / 15 Jahre läuft das Kapital auf ca. 240 % hoch, also 100% aus der Einzahlung und 140% Rendite. Der Renditeanteil wäre dann zu versteuern, aktuell mit 30% Teilfreistellung und 26,375% Steuer. Bezogen auf die 140% wären das 140*0,7*0,26375 = 26%, d.h. von den 240 gehen 26 weg. Also bei einer Auszahlung von 240€ kommen anfänglich rund 214 € bei Dir an. Der Steueranteil wächst dann mit dem gestiegenen Renditeanteil.

  • Robson2105


    Du hast also das Video, das ich oben gepostet habe, gesehen? Der Schluss daraus dürfte sein, dass Dividendenstrategien und High Yield Ausschütter einer klassischen MSCI World Investition unterlegen sind. Du fährst also mit einem A0RPWH oder ETF110 oder oder besser als mit den Dividendenjägern.


    Ich plane, in ein paar Jahrzehnten ein paar Hunderttausend Euro im Depot zu haben, dann mache ich halbjährliche eine Analyse.

    - Wieviel Rendite haben die letzten 6 Monate gebracht?

    - Welche finanziellen Wünsche habe ich für die nächsten 6 Monate.


    Sagen wir, die letzten 6 Monate haben 5000 Euro Rendite gebracht. Ich will eine Reise machen, die ich mir aus meiner Rente nicht leisten kann. Also würde ein Zuschuss von 5000 Euro zur Reise aus meinem ETF Depot mein Vermögen konstant halten. Vielleicht sag ich auch, "ach komm, ich bin 75 und fit, wer weiß wie lange noch, jetzt nochmal eine "Reise meines Lebens" " und entnehme 20.000 Euro. Dann habe ich die Rendite ausgegeben plus 15.000 Euro. Muss ich ja wissen, ob ich mir das leisten kann.


    Ich denke nicht, dass ich in 30 Jahren jeden Monat 500 Euro brauchen werde. Bei anderen mag so ein Entnahmeplan ideal sein. Bei mir geht es eher um den kleinen Luxus, den man sich in schlechten Zeiten eben verkneifen muss und kann. Daher werde ich mit Blockverkäufen arbeiten, also nicht jeden Monat 500 Euro, sondern einmal 5000 oder 10000 und dann wieder lange Zeit das Kapital im ETF belassen.


    Ich habe außerdem drei kleine Kinder, vielleicht eines Tages Enkelkinder. Ich gehe davon aus, dass ich ein starkes Vererbungsmotiv haben werde, also erstmal meinen Kindern eine finanziell sorgenfreie Ausbildung zu ermöglichen, die ich selbst auch hatte, und dann auch weiterhin nach meinen Möglichkeiten finanziell was übrig zu lassen, auf das meine Nachkommen bauen können. Allein deswegen macht es Sinn, nicht mit 67 das ETF Depot aufs Tagesgeld zu shiften, es soll ja auch in meinen letzten 10/20/30 Lebensjahren weiter arbeiten.

  • Ich plane, in ein paar Jahrzehnten ein paar Hunderttausend Euro im Depot zu haben, dann mache ich halbjährliche eine Analyse.

    - Wieviel Rendite haben die letzten 6 Monate gebracht?

    - Welche finanziellen Wünsche habe ich für die nächsten 6 Monate.


    Sagen wir, die letzten 6 Monate haben 5000 Euro Rendite gebracht. Ich will eine Reise machen, die ich mir aus meiner Rente nicht leisten kann. Also würde ein Zuschuss von 5000 Euro zur Reise aus meinem ETF Depot mein Vermögen konstant halten. Vielleicht sag ich auch, "ach komm, ich bin 75 und fit, wer weiß wie lange noch, jetzt nochmal eine "Reise meines Lebens" " und entnehme 20.000 Euro.

    Oder man holt sich schon rechtzeitig vor der Entsparphase den Geldbedarf für einige Jahre aus dem Depot auf sein Tagesgeldkonto. Hat den Vorteil, dass ich vollkommen unabhängig von der aktuellen Marktentwicklung für diesen Zeitraum meine Finanzen klar habe. I.d.R. ist man mit 60+ ja auch in der glücklichen Lage seinen Finanzbedarf für die nächsten Jahre realistisch einschätzen zu können.;)

    Hier mal die rechnerische Erläuterung dazu:

    https://www.finanzen-erklaert.…gien-cash-puffer-4-regel/

  • Oder man holt sich schon rechtzeitig vor der Entsparphase den Geldbedarf für einige Jahre aus dem Depot auf sein Tagesgeldkonto. Hat den Vorteil, dass ich vollkommen unabhängig von der aktuellen Marktentwicklung für diesen Zeitraum meine Finanzen klar habe. I.d.R. ist man mit 60+ ja auch in der glücklichen Lage seinen Finanzbedarf für die nächsten Jahre realistisch einschätzen zu können.;)

    Hier mal die rechnerische Erläuterung dazu:

    https://www.finanzen-erklaert.…gien-cash-puffer-4-regel/

    Ich bin 39. Die Details überblicke ich noch nicht. ;)


    Szenario 1: Die Rente reicht gerade so, aber eigentlich muss ich für jeden Spaß ans Kapital. Dann würde ich es wie du machen, spätestens mit 60 einen Batzen Geld eincashen und auf Tagesgeld, Bedarf für 5 besser 10 Jahre. Damit ich weiß womit ich rechnen kann.


    Szenario 2: Ich kann mir von meinen regelmäßigen Einnahmen schon eine Menge leisten. Das ist hoffentlich das Szenario wenn meine Ehe hält ;). Dann würde ich mir den kleinen Luxus on top über Einzelverkäufe leisten. Einfach 1 oder 2x im Jahr entscheiden, was ich mir leisten möchte und was ich mir leisten kann. Vorteil hier: Mehr Geld bleibt im ETF als wenn ich das Budget für 5-10 Jahre mit 60 entnehme.

  • Erstmal möchte ich natürlich so viel Rendite wie möglich mitnehmen. Ich möchte dann aber in 15/20 Jahren nahezu vollständig von meinem ETF (plus Einnahmen aus Immobilien) leben können.

    Wenn ich die Einlassung oben richtig verstanden habe, dann scheint wohl tatsächlich das Sinnvollste, in Anbetracht der Steuerproblematik, den Thesaurierer zu entsparen bzw. nur die jährliche Rendite zu entehmen.

  • Erstmal möchte ich natürlich so viel Rendite wie möglich mitnehmen. Ich möchte dann aber in 15/20 Jahren nahezu vollständig von meinem ETF (plus Einnahmen aus Immobilien) leben können.

    Wenn ich die Einlassung oben richtig verstanden habe, dann scheint wohl tatsächlich das Sinnvollste, in Anbetracht der Steuerproblematik, den Thesaurierer zu entsparen bzw. nur die jährliche Rendite zu entehmen.

    So viel Rendite wie möglich ist mMn nur möglich mit so viele Risiko wie möglich.

    Mit ETFs ist es wahrscheinlich nicht möglich Deine Zeile zu erreichen.


    Ich denke John Bogle hat ETFs "erfunden" um das Risiko so weit wie möglich durch Diversifikation zu reduzieren.


    Du kannst annehmen, dass du ca. 6% Wachstum jährlich haben wirst.

    d.H. wenn du 400.000€ heute "all-in" investierst hast Du in ca 12 Jahren ein Vermögen von ca €800,000


    Spricht etwas dagegen jedes Jahr 4% vom Vermögen zu verkaufen und Dein Leben damit zu bestreiten?


    Alles Gute,


    Elgob