Später Einstieg in ETF

  • Hallo,
    mit 63 habe ich noch 3 Jahre bis zur Rente, kann mir aber vorstellen, reduziert noch bis 70 zu arbeiten.


    vorhanden: >180.000 Euro + evtl. Auszahlung von 10.000 Euro aus einem ruhenden Riester-Vertrag
    der Plan:

    • 50.000 Euro als Tagesgeld, der Rest in einen(?) MSCI-World-ETF. Evtl. noch ein anderer breit streuender ETF - ACWI?
    • Beginn von Auszahlungen in etwa 5 Jahren. Würde versuchen, diese auf 5 % des Bestandes jährlich zu begrenzen.

    Klar ist, dass Geld auf einem DKB-0%-Zinskonto an Wert verliert. Da wäre die Frage, wie viel wo anders für kurzfristig anlegen?

    Ist das ein einfaches, realistisches Szenario oder schlägt da jemand die Hände über dem Kopf zusammen?
    Was sind Meinungen dazu?

  • Hallo.


    Solange keine Gesetze übertreten werden, darf jeder mit seinem Geld tun, was ihn in den Sinn kommt. ;)


    Den Plan kann man so durchziehen, jedoch sagt man (hier), dass Geld im ETF so 10 besser 15 Jahre liegen sollte, da sonst in ungünstigen Szenarien Verluste drohen.


    Da könnte man also einen Schwachpunkt sehen, wenn Teile des Geldes den ETF für nur 5 Jahre von innen sehen.


    Aber wenn zunächst die Riester-Rente und dann ein Teil des Tagesgeldes verlebt werden, bevor die Entnahmen aus dem Depot starten, dann kann der Plan aufgehen.


    Die Rente zu erhöhen, indem man Sonderbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung leistet, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Sollte man sich einmal vorrechnen lassen, damit sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden kann.

  • Moin ika,

    mit dem späten Einstieg in ETF hast du wahr. Es war 22:10 Uhr, als du diesen Thread gestartet hast ;-)

    Ansonsten ist es auch mit 63 nicht zu spät, seine Öcken zu investieren.

    Frage: "Wieso oder wofür willst du 50k als Tagesgeld stehen lassen?" So richtig genau will ich es gar nicht wissen; denkst du dabei etwa an ein Cash-Polster, aus dem du in 3 Jahren (?) deine "Zusatzrente" bedienen willst?

    Auch wenn sich die Unterschiede zwischen Tages- und Fetzgeld nur im Promillebereich zeigen, könntest du über eine Fetzgeldtreppe (Festgeld natürlich) nachdenken, halbjährlich oder jährlich gestaffelt.

    Eventuell auch mal überlegen, ob das Verhältnis von Geldwerten von um die 50k (Cash, Festgeld) zu Sachwerten von 130 bis 140k (hier also vorzugsweise ETF) passt. Für gewöhnlich hält man (frau auch) um die 5 Jahresrenten "sicher" vor, weil sich der Wert des ETF-Depots ja in beide Richtungen verändern kann. Deinen Entnahmeplan (5%) würde ich auch noch mal überdenken und eine moderate Steigerung der Entnahmen einplanen, um die Teuerungsraten auszugleichen.

    Zu deiner Frage nach den ETF... einer reicht eigentlich; die beiden von dir genannten tun etwa das Gleiche.

    Wannst no a poar Frogn host, dann trau di und frog!


    Schönes WE

    John

  • Danke für die Rückmeldungen.

    Referat Janders: Die Verluste können aber auch nach 10, 15 Jahren passieren, genau dann, wenn man das Geld benötigt. Den Gedanken mit den Sonderbeiträgen werde ich mal verfolgen.

    JDS: Der Gag mit dem späten Einstieg hätte auch von mir kommen können. ;-)
    Die 50k ergaben sich (hochgerechnet) aus den öfters gelesenen und gehörten Empfehlungen für 25 % schnell verfügbares Geld vom Gesamtvermögen.
    Die Festgeldtreppe ist eine Idee. Sind aber dort sehr sehr marginale Erträge (25 k -> 90 EUR/Jahr bei Bonität AA bis AAA). Vielleicht doch etwas in Anleihen?
    In welche Richtung würde sich nach deinen Überlegungen der Geldwert gegenüber den Sachwerten bewegen? Wahrscheinlich mehr, weil 5 Jahresrenten ja doch mehr sind? Bei 2k monatlich wären das ja 120k. Hm ...

  • Die 50k ergaben sich (hochgerechnet) aus den öfters gelesenen und gehörten Empfehlungen für 25 % schnell verfügbares Geld vom Gesamtvermögen.

    Ich würde den Betrag oder Prozentsatz eher vom Bedarf (geplante, zusätzliche Rente, neue Waschmaschine, neuer Fernseher, 1 Satz Neureifen für den Rollator, whatsoever...) abhängig machen. Mit den knapp 200k (derzeit) und den anvisierten 5% als Entnahme p.a. reden wir von rund 10k p.a. (brutto). Packst du - sagen wir mal - 150k in ETF, würde ich 7,5k als (in 5 Jahren) anfängliche jährliche Entnahme anpeilen. Demnach könntest du auch mit 30 bis max. 40k als cash Polster klar kommen. Dein ETF-Depot kann in 5 Jahren bei 180 bis 190k stehen, aber auch bei unter 150k... who knows yet. Die Korrektur für dein Polster (auf sicher verfügbar) kannst du ja jährlich oder in 4 Jahren vornehmen...

    Bei der Erstellung deines Entnahmeplans solltest du auch ab Abgaben auf realisierte Buchgewinne denken und, wie bereits angemerkt, auf moderate Steigerungen von Jahr zu Jahr.


    Die Festgeldtreppe ist eine Idee. Sind aber dort sehr sehr marginale Erträge (25 k -> 90 EUR/Jahr bei Bonität AA bis AAA). Vielleicht doch etwas in Anleihen?

    Ja, die Erträge daraus sind kaum der Rede Wert. Man/frau darf sich aber gerne selbst einen auf die Backe malen und folgende Rechnung (für Jahr 1) anstellen:


    - 50k Fetzgeld bringen... nix bis 250€ p.a.

    - 150k im ETF können (bei 7%) 10.500€ an Wertzuwachs bringen...

    -> 200k (gesamt) bringen (im ersten Jahr) 10.750€ an Ertrag/Wertzuwachs/Buchgewinn... entsprechend 5,375% Rendite...


    Im 2. Jahr...


    - 50k Fetzgeld -> 250€

    - 160,5k im ETF -> 11.235€ Wertzuwachs/Buchgewinn

    -> 221.735€ Gesamtvermögen -> 5,45% Rendite


    Die Sicherheit, eine Summe x zum oder ab dem Zeitpunkt y "sicher" zur Verfügung zu haben, kostet Rendite. Allerdings vermeidet man die Situation, in x Jahren Anteile (des ETF) zu einem "niedrigen Kurs" verkaufen zu müssen, falls der Kurs gerade dann nicht so rosig steht.


    Anleihen sind derzeit überhaupt nicht attraktiv! Vergiss sie einfach!


    Vielleicht bringen dir diese Überlegungen/Erläuterungen ja etwas mehr Klarheit.

  • Welchen Anteil deiner Monatsausgaben deckst du denn durch deine Rente ab? Oder andersrum, wie angewiesen bist du auf regelmäßige Entnahmen aus deinem Vermögen?


    Es macht einen riesen Unterschied, ob du 95% aus Rente deckst und nur mal hier und da ein paar Luxusausgaben anstehen (die auch vermieden werden können) oder ob eine hohe Nebenkostenabrechnung gleich zu einer höheren Kapitalentnahme führt, weil man das aus der Rente nicht bestreiten kann.

  • Ich gestatte mir noch eine systematische Anmerkung, wobei JDS bereits in diesem Sinne geantwortet hat.


    Finanztip empfiehlt einen Bedarf von bis zu 15 Jahren sicher vorzuhalten - wieder aufgrund der schon vonvon Referat Janders zitierten Annahme , dass in 10-15 Jahren Verluste an der Börse ausgeglichen werden. Deswegen ist die Frage von chris2702 nach dem monatlichen Bedarf wichtig. https://www.finanztip.de/altersvorsorge/auszahlplan/#c75017


    Wenn die von Dir genannten 10 T€ p.a. der Bedarf sind dann wäre in der Logik von Finanztip der sichere Anteil zu gering. Wir reden hier im Forum eher vom 5-Jahres-Bedarf, das würde dann von der Höhe ungefähr passen.


    Test hat hierzu einen Simulator, der bei den vorhandenen Daten (50T€ Tagesgeld, 150T€ ETF 30 Jahre) eine aktuelle monatliche Rente von 527 € auswirft. https://www.test.de/ETF-Einmal…ortfolio-5179990-5505798/

  • Die Aufs und Abs an den Börsen haben sich in der Vergangenheit derart abgewechselt, dass eine Haltedauer von mindestens 15 Jahren Verluste ausgeschlossen hat. (Egal, ob erst der Crash kam und dann die Erholung, oder erst der Anstieg und dann der Rücksetzer.)


    Falls man unterstellt, dass sofort investiert wird und die Rente plus der Hinzuverdienst zusammen den Lebensunterhalt gewährleisten, dann müssten die Rücklagen in den nächsten 7 Jahren nicht angetastet werden und könnten Erträge generieren. Wenn der Hinzuverdienst dann nicht mehr in die Lebensplanung passt, ist die Frage, wie dann das Depot steht und was an Puffer da ist, damit man nicht unbedingt aus einem dezimierten Depot entnehmen muss, wenn es hart auf hart kommt.


    Da schließt sich die Frage an, was tatsächlich an Entnahme nötig wäre, um den gewünschten Lebensstandard halten zu können.

  • Danke wieder fürs Überlegen, Links und Tipps. Die Rollatorräder hatte ich wirklich noch nicht auf dem Schirm JDS. ;-))

    Schwierig, in die Zukunft zu schauen. Die regelmäßigen Entnahmen (jährlich 5 % = 10k) würden bei ca. 30 % Anteil am Gesamtbedarf liegen (bei 2k staatlicher Rente).


    Zusammengefasst interpretiere ich die Berechnungen und Gedanken so, dass ich den verfügbaren Anteil wohl noch reduzieren und entsprechend den ETF-Anteil erhöhen könnte/sollte. Die 150k sind dann wohl ein realistischer Wert.