Rentenversicherung vs ETF-Sparplan (#39)

  • Danke für den wieder interessanten Podcast! Inhaltlich kann man mit allem gut mitgehen, aber zwei Anmerkungen/Fragen:


    Leider nicht angesprochen wurde das Thema "Sicherheit" im Hinblick auf einen möglichen notwendigen "Zwangszugriff" vor Rentenalter: Die Coronazeit hat viele kleinere Selbständige ja dazu gebracht, vorrübergehend auf ALG2 zurückzugreifen, was vor einiger Zeit noch jenseits aller Vorstellungen lag. Gibt es nun einen relevanten Unterschied - auf die Notwendigkeit zunächst auf eigene Rücklagen zurückzugreifen - zwischen der Rentenversicherung und dem ETF-Depot? Auf was müsste man da gegebenenfalls achten?


    Wenn man sich sinnvollerweise für den eigenen Sparplan entscheidet und trotzdem Angst vor dem "langen, hohen" Alter und dem vorzeitigen Aufbrauchen des Polsters hat, gäbe es ja theoretisch auch noch eine alternative Auszahlstrategie: Rentenversicherung gegen Einmalbetrag (kurz vor Rentenbeginn). Ist das einmal mit betrachtet wurden?
    [man kann es natürlich schon erahnen, dass sich das üblicherweise für die Versicherung lohnt außer man wird außergewöhnlich alt ...; außerdem wäre es für mich immer noch ein Entscheidungspunkt, beim "zeitigeren" Tod wenigstens den Erben etwas mitgeben zu können als nur der Versicherung]

  • Gibt es nun einen relevanten Unterschied - auf die Notwendigkeit zunächst auf eigene Rücklagen zurückzugreifen - zwischen der Rentenversicherung und dem ETF-Depot? Auf was müsste man da gegebenenfalls achten?

    Vermögen hindert quasi am Bezug von Sozialleistungen. Welches Vermögen - in welcher Höhe - als "geschütztes Vermögen" in Betracht kommt, ist von wenigen Faktoren abhängig. Tante Google kennt die Antworten ;-)

    ... noch eine alternative Auszahlstrategie: Rentenversicherung gegen Einmalbetrag (kurz vor Rentenbeginn). Ist das einmal mit betrachtet wurden?

    1. Rentenversicherungen, GRV und PRV, sind unflexibel. PRV arbeiten jetzt schon mit Rentenfaktoren, die unterirdisch schlecht sind; faktisch sicher sind die Geldanlagen in PRV auch nicht wirklich.

    Von daher sind vernünftig sebstgestrickte Auszahlungspläne wesentlich sinniger. Das Langlebigkeitsrisiko kann dabei sehr wohl bedacht werden, wie auch eine dynamisch steigende "Zusatzrente". Man kann sich heute, auch wenn der Rentenbezug noch in weiter Ferne liegt, schon mal prinzipiell Gedanken darüber machen. In Angriff würde ich so eine Geschichte aber erst kurz (5 Jahre?) vor Rentenbeginn und dann unter Einbeziehung der dann geltenden Voraussetzungen (Steuer, Sozialabgaben, Renditen...).

  • Ja, damit hast Du 2 der entscheidenden Punkte angesprochen.

    1. Wie sichert man sich vor dem berühmten 'schwarzen' Schwan?

    2. Wie sichert man sein Langlebigkeitsrisiko?


    Der m.E. einzige echte Vorteil einer Riester/Rürup-Vorsorge besteht m.E. darin, dass diese auch bei einem Abrutschen in Leistungen des ALG2 erhalten bleibt. Gegen Berufsunfähigkeit kann man sich mit einer BU absichern. Aber was ist, wenn man tatsächlich mit 50+ vom AG aussortiert wird und keinen neuen Job mehr findet und dann in 10 Jahren bis zum Rentenbeginn sein zuvor privat angespartes Vermögen weitgehend 'verbrauchen' muss!?

    Die Beiträge zur (privaten) Rentenversicherungen können dann wohl auch nicht mehr gezahlt werden, was dann wohl zwangsläufig auch zu einer geringeren privaten Rente im Alter führt. Spricht, bringt mich die private RV süäter wirklich deutlich über das Niveau der Grundrente? :/


    Ich für meinen Teil, sehe mein Langlebigkeitsrisiko durch meine GRV abgesichert. Selbst wenn wirklich mit 85+ kein sonstiges Vermögen mehr da sein sollte, bleibt immer noch meine Rente. Ich glaube auch, dass mir die Rente in diesem Alter dann auch ausreicht. Meiner Erfahrung nach gehen die finanziellen Ansprüche ab dem Alter 80+ ohnehin rapide zurück!

  • Au, dieser Brief tut weh: "Anlageformen, die spekulativ sind und zum Totalverlust führen können [ETF], gehören nicht in die Altersvorsorge. Dort ist alles Ersparte wichtig und es darf nichts schief gehen. 'Zocken' können diejenigen, die den Verlust des Geldes auch verschmerzen können."


    Das schreibt der 1. Vorsitzende im Präsidium des Bundesverbands der Sachverständigen im Versicherungswesen (BVSV). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.