Freibetrag durch Dividenden ausnutzen

  • Hallo allerseits,

    Ich bin noch recht neu in der aktienbasierten Geldanlage und bin (wie vermutlich viele andere auch) seit 2020 dabei. Meine Frage bezieht sich auf die Ausnutzung meines Freibetrages durch Beimischung eines Dividenden-ETFs in mein Depot und ich wuerde mich ueber die Meinung der Forumsmitglieder dazu freuen.

    Bisher investiere ich mit den Ziel langfristige Geldanlage (Horizont ca. 30 Jahre) in eine klassiche 70/30 World/EM ETF-Mischung via Sparplan. Beide ETFs sind thesaurierend.

    Ich moechte auch meinen Freibetrag ausnutzen und hatte urspruenglich geplant, dazu selektierte Einzelaktien zuzumischen. Das hat auch bisher ganz OK geklappt, allerdings merke ich, dass mir das dazu noetige Aussuchen nicht sehr viel Freude bereitet und das ich eine passivere Strategie bevorzugen wuerde.

    Daher hatte ich ueberlegt, einen Dividenden-ETF dazuzumischen, um durch die Ausschuettung meinen Freibetrags auszunutzen. Der Anteil des ETFs am Gesamtdepot soll prozentuell nur soweit gehen, das ich meinen Freibetrag +/- 100 Euro ausnutzen kann (+/- weil sich natuerlich die Dividenenrendite aendern kann). Daher wuerde der Anteil am Anfang eher hoch (ca 30%) sein, sich aber dann natuerlich im Laufe der Zeit durch konsistente Anlage in die World/EM - ETFs verringern.

    Angesichts der Tatsache, das ich keine Einzelaktien aussuchen moechte und auch ungern ETF-Anteile verkaufen moechte, um den Freibetrag auszunutzen, waere das eine gute Idee? Gibt es vielleicht Nachteile (ausser der schmaleren Rendite der Dividenden-ETFs, die sich im Laufe der Zeit prozentual weniger ins Gewicht fallen sollte), die ich dabei uebersehen habe?

    Ich freue mich auf Kommentare und Anregungen und schonmal vielen Dank!

  • Hallo HubertMeier , willkommen im Finanztip-Forum.


    Die Dividenden-ETF haben wie von Dir festgestellt eine niedrigere Rendite, weswegen der selektiv Verkauf der Thesaurierer unterm Strich günstiger wäre. Nicht vergessen sollte man, dass die Dividenden-ETF auc steigen und damit entweder - bei kleiner Anlagesumme - am Anfang der Pauscheetrag nicht ausgenutzt wird oder - bei hoher Anlagesumme - bald die Ausschüttungen dann zum Teil steuerpflichtig werden.

  • Lieber Kater.Ka,

    vielen Dank fuer die Antwort! Der Verkauf von Anteilen ist natuerlich auch eine gute Option - ich ueberlege nur, ob es nicht vielleicht dann durch einen Verkauf zu einem "unguenstigem" Zeitpunkt zu einem proportional hoeherem Verlust kommen koennte und ob das fuer mich nicht schon beinahe wieder zu "aktiv" waere.

    Aber das ist ein sehr guter Denkanstoss - ich werde mir das einmal durchrechnen.

    Eine andere Sache, die ich ueberlagt hatte war, ob ein Vorteil eines Dividenden-ETFs vielleicht die leicht andere Sektor- und Aktientyp-Aufteilung sein koennte (die meisten Dividenen-ETFs haben ja z.B. einen etwas hoeheren Value-Anteil als der klassiche MSCI World), was vielleicht zumindest in der Anfangsphase auch zur Diversifikation beitragen koennte, aber vielleicht ueberbewerte ich das auch.

    Auf jeden Fall vielen Dank fuer die Idee!

  • Der Verkauf von Anteilen ist natuerlich auch eine gute Option - ich ueberlege nur, ob es nicht vielleicht dann durch einen Verkauf zu einem "unguenstigem" Zeitpunkt zu einem proportional hoeherem Verlust kommen koennte

    In keinem Fall solltem man/frau stur Anteile oder Aktien verkaufen, nur und ausschließlich wegen der Steuerersparnis; mMn darf man vor dem angedachten Verkauf die Klamotte einmal kritisch durchrechnen und checken, inwiefern der Zeitpunkt günstig ist.

    ... und ob das fuer mich nicht schon beinahe wieder zu "aktiv" waere.

    Hey, es geht ja "nur" um Geld, um dein Geld! Ein paar Stunden Aufwand für round about 800 bis 1600 Öcken dürften sich doch eigentlich "lohnen"... oder übersehe ich da etwas.

  • Ob es nicht vielleicht dann durch einen Verkauf zu einem "unguenstigem" Zeitpunkt zu einem proportional hoeherem Verlust kommen koennte

    Vielleicht gibt es hier ein Missverständnis. Ich rede von Verkauf und Wiederkauf im Minutenabstand. Das vielleicht nicht gerade an Tagen mit großen Turbulenzen machen, dann sollte es keine allzu großen Schäden geben. Ob der Markt dann generell gut oder schlecht steht ist zweitrangig.

    ob das fuer mich nicht schon beinahe wieder zu "aktiv" waere.

    Die Überlegung ist valide, da er "nur" um 801*26,375% = 211 € pro Person unter dem Strich geht. Ich bin geizig und würde auf keinen Euro verzichten, respektiere aber auch die andere Sicht.

  • In keinem Fall solltem man/frau stur Anteile oder Aktien verkaufen, nur und ausschließlich wegen der Steuerersparnis; mMn darf man vor dem angedachten Verkauf die Klamotte einmal kritisch durchrechnen und checken, inwiefern der Zeitpunkt günstig ist.

    Was spricht dagegen Anteile zu verkaufen und im gleichen Atemzug Anteile wieder zu kaufen. Dann wurde man doch den Gewinn umsetzen und die Steuern verbrauchen?

  • Was spricht dagegen Anteile zu verkaufen und im gleichen Atemzug Anteile wieder zu kaufen. Dann wurde man doch den Gewinn umsetzen und die Steuern verbrauchen?

    Asche auf mein Haupt! Winter, ich hatte nur die Einzelaktien des TE im Hinterkopf und habe nicht weiter darüber nachgedacht, dass man, wie Kater.Ka es ja extra noch einmal geschrieben hat, Positionen (Aktien oder Fondsanteile) im richtigen Maß verkauft und quasi sofort wieder kauft... um eben den passenden Gewinn zu realisieren.

    Meine "unvollständigen" Gedankengänge waren meiner Praxis im Umgang mit Aktien geschuldet... und die halte ich nicht als natürliche Person ;-)

  • Ich mache den Verkauf und Neukauf mit Fondstausch. Ebase bietet eine derartige Funktion an.

    Bei sofortigen Neukauf eines verkauften Fonds kann es rechtliche Probleme geben, weil die Steuervermeidung erkennbar wird. Bei Fondstausch mit unterschiedlichen Fonds scheint mir das aber rechtlich korrekt.

    Gruß


    Altsachse

  • http://www.steuer-schutzbrief.…estaltungsmissbrauch.html


    Laut diesem Artikel ist es kein Gestaltungsmissbrauch nach wenigen Minuten wieder den gleichen, vorher verkauften, Fonds zu kaufen.

    Der Artikel scheint mir nicht ganz passend, da in dem behandelten Fall Verluste der Veräußerung mit Gewinnen anderer Wertpapiere verrechnet werden sollten.


    Das finde ich tatsächlich grenzwertig und der Artikel empfiehlt ja auch, das nicht auszureizen.


    Der hier im Forum behandelte Fall ist aber der Verkauf und sofortige Kauf desselben Wertpapiers. Idealerweise zum selben Kurs.

    Um damit den Freibetrag auszunutzen, macht das natürlich nur bei Gewinnen Sinn, nicht bei Verlusten.

  • Ihr habt Recht. Ist etwas anderes.


    "Der Verkauf und (Wieder-)Kauf von Bezugsrechten gleicher Art und gleicher Stückzahl am selben Tag stellt einen Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten dar, wenn es nur einen Tageskurs gibt und der Steuerpflichtige insoweit kein Kursrisiko eingeht."

    https://blogs.pwc.de/steuern-u…-wertpapieren/#more-14441


    Gleicher Kurs, was imho sehr schwierig sein sollte, wäre also nicht ok.

    Mein Verständnis: ich kann sofort wieder kaufen, wenn mein vorheriger Verkauf ausgeführt wurde, da somit Dritten die Chance gegeben wurde auch zu kaufen und ich dadurch ein Kursrisiko (anderen Kaufkurs) habe. Und das auch alles innerhalb weniger Minuten.