Lebensversicherung auszahlen und auf ETF anlegen

  • Hallo zusammen,


    ich habe vor 6 Jahren eine klassische Rentenversicherung abgeschlossen. Es geht um eine Versicherung, bei der man nach 42 Jahre eine garantierte Auszahlung und eine extra Überschussbeteiligung bekommt. Ich habe letztes Jahr entschieden diese Versicherung stillzulegen, da ich jetzt das Konzept besser verstehe und Geld lieber auf ETFs anlegen möchte.


    Bis jetzt habe ich 4.282,47 € eingezahlt. Wenn ich noch bis 2049 warte, bekomme ich ca. 5.000€ (minus Steuern) da der Vertrag stillgelegt ist.

    Wenn ich jetzt kündige und das Geld auszahlen lasse bekomme ich ca. 3.000 € minus Steuern.


    Ich überlege mir folgendes: Es lohnt sich das Geld auszahlen lassen und einmalig auf einem ETF wie der Core MSCI World anzulegen. Obwohl ich jetzt weniger Geld zurückbekomme als das Geld was ich bisher eingezahlt habe, wenn ich diesen Betrag auf ETFs anlege wird dieses Verlust in einige Jahre schon ausgeglichen.


    Stimmt etwas nicht bei meinem Gedanken? Übersehe ich etwas?

  • Hallo stefanostam , willkommen im Finanztip-Forum.


    Die rein mathematische Überlegung ist richtig, da anzunehmen ist, dass wie in der Vergangenheit ein breit gestreuter ETF eine höhere Rendite bringt als eine Kapitalbildende Lebensversicherung. Allerdings sind das zwei komplett unterschiedliche Produkte. Am ehesten würde ich die LV mit einer Kombi aus einer Risiko-LV mit einem konservativen Mischportfolio aus wenig Aktien-ETF und viel Sicherheitsbaustein vergleichen.


    Quintessenz: Du musst für Dich klären welche Art Produkt zu Deinem Leben am ehesten passt.

  • Bis jetzt habe ich 4.282,47 € eingezahlt. Wenn ich noch bis 2049 warte, bekomme ich ca. 5.000€ (minus Steuern) da der Vertrag stillgelegt ist.

    Moin stefanostam,


    von meiner Seite auch noch eine Idee... In 28 Jahren wirst du dir für 5k vermutlich gerade noch so viel bzw. wenig kaufen können, wie heute für rund 2.600... vorausgesetzt unsere Regime tricksen die Teuerungsrate weiterhin auf das derzeitige (gelogene) Niveau. Bei durchschnittlichen 3% würden deine 5.000 etwa 1.700 vergleichbar mit heute entsprechen.

    Mit dieser Brille auf der Nase kann die Empfehlung nur lauten: "Wäch mit die Schei...!" (das ist norddeutsch für "Weg mit dem Mist!")

    Wenn ich jetzt kündige und das Geld auszahlen lasse bekomme ich ca. 3.000 € minus Steuern.

    Ja... du hast a) eine gute Tat begangen, in dem du dem in Sachen Finanzbildung unbeleckten Abschussvermittler und seinen Oberen für ein paar Tage das Überleben gesichert hattest und b) "Lehrgeld" gezahlt!


    Ich wünsche dir und deinem Geld viel Erfolg...

  • Ein Punkt noch zur Anmerkung. Solche Rentenversicherungen sind normalerweise pfändungssicher. D.H. auch bei einem evtl. Bezug von Sozialleistungen/ALG2 darf man die Rentenversicherung/Riester/Rürup behalten. Ein 'Vermögen' z.B. ETF-Depot hingegen muss zuvor bis auf das Schonvermögen 'verbraucht' werden.

    In meinem Bekanntenkreis kenne ich Leute, denen eine unverschuldete Arbeitslosigkeit mit > 55 Jahren Ihre private Altersvorsorge gehörig durcheinander gebracht hat.


    PS: Bei der o.g. Summe mag das keine große Rolle spielen, aber diesen Umstand sollte man zumindest im Hinterkopf behalten. Ich würde aber wohl auch kündigen und das Geld ins Depot umschichten.;)

  • Ein 'Vermögen' z.B. ETF-Depot hingegen muss zuvor bis auf das Schonvermögen 'verbraucht' werden.

    Ja... es war immer so und ist völlig gerecht, dass Vermögen beim Bezug von Sozialleistungen hinderlich ist ;-)


    In meinem Bekanntenkreis kenne ich Leute, denen eine unverschuldete Arbeitslosigkeit mit > 55 Jahren Ihre private Altersvorsorge gehörig durcheinander gebracht hat.

    Nun... Einzelschicksale wirst du immer finden... Wie sähen diese "Einzelschicksale" aus, wenn die Leute, sagen wir ab Alter 20, regelmäßig 15 bis 20% ihres verfügbaren Nettoeinkommens sinnvoll investiert hätten? Mit Alter plusminus 55 dann mal in die Arbeitslosigkeit zu rutschen dürfte bei 24 Monaten ALG1-Bezug und locker einer halben bis dreiviertel Mio im Depot eigentlich recht "easy" sein. Im Zweifel gibt's Weiterbildungsmassnahmen und/oder die Möglichkeit der Selbständigkeit... oder???

  • Nun... Einzelschicksale wirst du immer finden... Wie sähen diese "Einzelschicksale" aus, wenn die Leute, sagen wir ab Alter 20, regelmäßig 15 bis 20% ihres verfügbaren Nettoeinkommens sinnvoll investiert hätten? Mit Alter plusminus 55 dann mal in die Arbeitslosigkeit zu rutschen dürfte bei 24 Monaten ALG1-Bezug und locker einer halben bis dreiviertel Mio im Depot eigentlich recht "easy" sein. Im Zweifel gibt's Weiterbildungsmassnahmen und/oder die Möglichkeit der Selbständigkeit... oder???

    Nun,

    in meinem Bekanntenkreis finden sich recht wenige Aktionäre.;)

    Einmal weil das Thema Aktien/Börse vor 30 Jahren schon einmal eine akuten Boom hatte, was dann in DotCom-Crash endete, bei dem einige meiner Bekannten teilweise erhebliche Summen verloren und im Anschluss daran dann jegliches Interesse an Börse/Aktien.

    Zum Anderen, weil nicht jeder meiner Bekannten zu den Leuten gehört, die ab 20 regelmäßig 15-20% Ihres Einkommens in die langfristige Altersvorsorge investiert haben. Da stand dann erst Spaß und dann Familie/Immobilie im Fokus. Viele haben erst mit Mitte-Ende 40 begonnen wirklich Geld für später zurück zu legen. Da hat dann der Zinseszinseffekt noch keine große Wirkung, wenn der AG die Tore zu macht und Du mit 55 plötzlich auf der Straße stehst.

    Eine selbst genutzte Immobilie bringt auch nicht viel, wenn man als Rentner kein Geld hat. ;)


    PS: Nicht Jeder Mensch ist für die Selbstständigkeit geeignet!

  • Lieber monstermania,


    da wir beiden jetzt schon leicht off topic unterwegs sind, wollte ich dir eigentlich eine PN schreiben... aber... da deine Argumente immer wieder (nicht von dir, sondern allgemein) kommen... "kotze" ich mich dann doch hier aus ;-)

    Einmal weil das Thema Aktien/Börse vor 30 Jahren schon einmal eine akuten Boom hatte, was dann in DotCom-Crash endete, bei dem einige meiner Bekannten teilweise erhebliche Summen verloren und im Anschluss daran dann jegliches Interesse an Börse/Aktien.

    Damals haben sich "Deppen", Leute ohne Ahnung von der Materie und nur mit den Dollarzeichen in den Augen, von Berater-Verkäufer-Deppen, ebenso ohne Ahnung/Erfahrung, irgendwelche Aktien aufschwatzen lassen... und sind dann alleine gelassen worden. Abgesehen davon gab's den von dir zitierten Boom erst viel später.


    Ich kenne z.B. Leute, die rechtzeitig vor dem "Crash" bzw. immer wieder halbwegs rechtzeitig vor heftigeren Kursrutschen ausgestiegen sind und halbwegs rechtzeitig wieder eingestiegen sind. Einen dieser Leute sehe ich meist morgens beim Zähneputzen im Spiegel.

    Viele haben erst mit Mitte-Ende 40 begonnen wirklich Geld für später zurück zu legen. Da hat dann der Zinseszinseffekt noch keine große Wirkung, wenn der AG die Tore zu macht und Du mit 55 plötzlich auf der Straße stehst.

    Na ja... dann haben diese Leute halt 20 Jahre "gepennt"! Ich weiß doch auch im Alter von 20 bis 40, dass die Rente nicht ausreichen wird und dass ich Gefahr laufe alt zu werden. Das Thema "Altersarmut" ist seit vielen Jahren aktuell und Informationsquellen zur Bekämpfung der Altersarmut sind auch seit viiiiieeeeeelen Jahren verfügbar.

    Ob mit 55 das "Schonvermögen", auf das du verweist, wirklich den Ausschlag gibt, wage ich zu bezweifeln ;-)

    Mit ALG1 sollte man für geraume Zeit hinkommen und innerhalb von 2 Jahren eine neue Beschäftigung finden können. Klar... klappt/e nicht immer... kann aber funcen.

    Und ja, die Selbständigkeit ist nicht für jeden Menschen geeignet... oder umgekehrt. Neben der Qualifikation für einen bestimmten Beruf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend... nicht zuletzt das familiäre Umfeld.

    Hmmm... letztlich sind wir nicht hier unterwegs, um die Welt zu retten, sondern um uns gegenseitig hinsichtlich des clevereren Umgangs mit unserem Geld zu befruchten...