Umgang mit Erbe im 6-stelligen Bereich

  • Hallo liebe Finanztip-Community,

    ich möchte mal zu diesemThema eure Meinungen hören. Ich weiß dass es sich bei euren Tipps um keine Anlage-Empfehlungen, etc. handelt :)


    Kurz zu mir: 34 Jahre, verheiratet, 1 Kind, Haushaltsnettoeinkommen: ca. 5.500 EUR.

    Wir haben eine selbst genutzte Immobilie, die aktuelle Finanzierung (2 Darlehen, Zins: 2,1%, Sondertilgung von bis zu 10k pro Jahr) läuft noch 11 Jahre, zum Ende steht eine Restschuld von ca. 200k EUR. Ansonsten läuft ein ETF-Sparplan (MSCI-World und EM) für die nächsten 30 Jahre. Gefülltes Tagesgeld-Konto bzw. großzügiger Notgroschen ist ebenfalls vorhanden.


    Nun bin ich zu einem Erbe in Höhe von etwa 150.000 EUR gekommen. Wie würdet ihr mit diesem Geld umgehen?

    Jedes Jahr volle Sondertilgung um möglichst schnell schuldenfrei zu werden?
    Lieber langfristige ETF-(Teil-)Investition und den noch annehmbaren Zinssatz der Finanzierung schlucken und ohne Sondertilgung durchzahlen?

    Ganz andere Ideen?

    Zu einer risikoreicheren Anlage als ETFs mit hoher Diversifikation werde ich mich wohl nicht durchringen können.

  • Nur der Vollständigkeit halber ("Schulden weg" hätte für mich höhere Priorität):


    Ggf. könnte man auch überlegen in die Rentenversicherung nachzuzahlen.


    In der Regel für die Zeit zwischen 16. und 17. Lebensjahr. Pro Nase grob 16.000 Euro möglich. Kann man steuerlich geltend machen. Ggf. die Gedankenspiele des Gesetzgebers abwarten.

  • Ja, ich finde den Gedanken noch ein ganzes Stück vor der Rente schuldenfrei in der eigenen Immobilie leben zu können auch durchaus angenehm.


    Mit der Nachzahlung in die Rentenversicherung ist ein interessanter Punkt, die Möglichkeit kannte ich bisher nicht. Für meine Frau uninteressant, da sie auf Lebenszeit verbeamtet ist, aber für mich ggf. eine Überlegung wert - in diese Richtung werde ich mich mal schlau machen. Danke für den Hinweis!

  • Würde alle Schulden abzahlen und dann einen großen Teil für Frauen, Alkohol und Party ausgeben.


    Den Rest würde ich dann einfach verprassen.

    Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenig Leute damit beschäftigen. Henry Ford

  • Die uralte und überholte Regel "Schulden weg" sehe ich bei Konsumschulden mit "hohen" Zinsen noch als angemessen an. Beim Immobilienkredit sehe ich's etwas anders... nämlich so: Ihr könnt euch die Finanzierung leisten, also leistet sie euch! Sch... auf Sondertilgung in Zeiten, in denen ein MSCI World sich um die 7 bis 8 Prozent rentiert.


    Ich würde zwischen dem Vermögensaufbau mit der selbstgenutzten Immobilie und einem clevereren Vermögensaufbau mit volatilen Sachwerten unterscheiden.


    IMHO gehört der "Geldregen" clever investiert (z.B. ETF auf MSCI world). Ein Schwankungsrisiko besteht natürlich und keine Socke weiß, wann und in welchem Umfang sie sich auswirken werden. Allerdings ist das Szenario einer Verdoppelung im Zeitraum von 10 Jahren nicht unwahrscheinlich. Aus 150k könnten in 10 Jahren deren 300k (vor Steuern) werden, in 20 Jahren 600k, in 30 Jahren 1,2m. Im Vergleich dazu liegt die historische Wertentwicklung von Immobilien, Kosten zur Werterhaltung nicht berücksichtigt, bei um die 2% p.a.. (Faktor ca. 1,8 in 30 Jahren). Berücksichtigt man dann auch noch eine nicht unwahrscheinliche Teuerungsrate, dürfte der Immobilienwert dem von heute entsprechen und das Depot von 1,2m würde kaufkraftbereinigt etwa 670k von heute entsprechen.

    Über die Feinheiten, jährlich mögliche steuerfreie Gewinne mitzunehmen, müsst ihr euch informieren; sie glten ja auch für euren bereits laufenden ETF-Sparplan, in den bei eurem Nettoeinkommen gerne mtl. 1k (und mehr) fließen dürften, oder?

    Kritiker dieser Geschichte sehen hierbei eine Aktien- bzw. ETF-Investition "auf Kredit", die der "brave, gute Deutsche" tunlichst nicht in Angriff nehmen sollte. Ich rate aber bewusst dazu, sich die Varianten nüchtern durchzurechnen und dann zu entscheiden, wobei eine heute gefällte Entscheidung nicht zwingend in Zement gemeißelt sein muss.


    Zurück zur Immo-Finanzierung: Falls die Zinskonditionen für die Anschlussfinanzierung in 10 oder 11 Jahren besch... ausfallen sollten, was nicht plötzlich und unerwartet von heute auf morgen passieren wird, könnt ihr immer noch "rechtzeitig" über eine Art Sondertilgung nachdenken und ebenso "rechtzeitig" Fondsanteile in FIAT umtauschen.


    Ferner gilt, sich wenigstens einmal im Jahr seine ganzen Geldangelegenheit unter die Lupe zu legen und auf solche Änderungen zu reagieren, die auf die Wertentwicklung Einfluss nehmen.

  • Bei 2,1% Hypothekenzinsen würde ich auf die Sondertilgung verzichten und das Geld anlegen. Selbst schlechte Anlagen bringen dir historisch netto zwischen 5 und 6 Prozent Rendite, bleiben unterm Strich 3-4 Prozent Plus bei dir hängen. Wie die Differenz bei guten Anlagen aussieht kannst du dir ja selber ausrechnen.


    Wenn dann das Darlehen in 11 Jahren fällig wird, kann man in Abhängigkeit vom Hypothekenzinssatz neu überlegen.


    Möglicherweise wird sich deine Frau als Beamtin aber sicherer fühlen, wenn du wenigstens eine teilweise Sondertilgung vornimmst. Dann würde ich die Rendite dem ehelichen Frieden unterordnen. ;-)