Europäische Einlagensicherung - wer zahlt wirklich?

  • Guten Morgen, Community!


    Ich wüsste gerne, ob bei einer Bankenpleite aufgrund einer Staatspleite die europäische Einlagensicherung noch funktioniert.


    Gleich vorab: die Szenarien sind sehr unwahrscheinlich und an den Haaren herbeigezogen. Weiterhin ist mir klar, dass die Einlagensicherungen relativ schwach sind und schnell überfordert sein könnten.


    Beispiel 1

    Ich lege via Weltsparen 100.000 Euro bei einer Bank in Griechenland an. Die Einlagensicherung beträgt 100.000 Euro pro Bank und Kunde. Aufgrund einer Pandemie <X sterben 80% der Griechen;(. Die Bank geht auch noch pleite, und die Volkswirtschaft ist praktisch zusammengebrochen. =O

    Frage: würde jetzt die EU einspringen, weil "europäische Einlagensicherung", oder wäre die Kohle weg, weil die Einlagensicherung vom Staat Griechenland bezahlt werden müsste, dieser es aber nicht kann?


    Beispiel 2

    Selbes Szenario, aber diesmal haut es Schweden weg. Die Einlagensicherung beträgt 1.05 Mio schwedische Kronen. Nehmen wir an, Schweden zahlt noch die 1.05 Mio SEK aus, diese sind aber noch so viel wert wie eine Streichholzschachtel.

    Frage: sehe ich es richtig, dass dann die Einlagensicherung gegriffen hat, diese aber aufgrund des Wechselkursrisikos praktisch nichts mehr wert ist?


    Bonusfrage

    Muss die EU mit der EZB gegebenenfalls die Einlagensicherung übernehmen, wenn ein EU-Mitgliedstaat die Einlagensicherung nicht mehr decken kann?


    Ich danke Euch für euer Feedback!


    Peter

  • ... bei den derzeitigen 0,x Prozent an Guthabenzins und hauchdünn "schlechteren" Kondition in Deutschland würde ich so einen Schwachsinn (Festgeld im Europäischen Ausland) erst gar nicht in Erwägung ziehen.

  • Die entsprechende EU-Richtlinie sieht vor, dass die Einlagensicherungen im Notfall vorübergehend von den jeweiligen Staaten ausgestattet werden. Ferner wird die Möglichkeit eröffnet, dass ausländische Einlagensicherungen unterstützen. Artikel 10 und 14 von https://eur-lex.europa.eu/lega…049&from=DE#d1e1628-149-1


    De facto würde die EU insofern einspringen, da das zusammengebrochene Land gerettet werden muss s. das derzeitige 750 Mrd. Hilfspaket. Da die EU ja jetzt leider selbst Schulden aufnehmen kann und die EZB sie aufkauft, ... dürfen unsere Enkel das dann bezahlen.

  • ... bei den derzeitigen 0,x Prozent an Guthabenzins und hauchdünn "schlechteren" Kondition in Deutschland würde ich so einen Schwachsinn (Festgeld im Europäischen Ausland) erst gar nicht in Erwägung ziehen.

    Danke.


    Und das ist jetzt die Antwort auf die erste, die zweite oder die Bonusfrage?


    Aber gut zu wissen, was Du nicht in Erwägung ziehst. Dann bist du offenbar nicht in der selben Situation wie ich.

  • Die entsprechende EU-Richtlinie sieht vor, dass die Einlagensicherungen im Notfall vorübergehend von den jeweiligen Staaten ausgestattet werden. Ferner wird die Möglichkeit eröffnet, dass ausländische Einlagensicherungen unterstützen. Artikel 10 und 14 von https://eur-lex.europa.eu/lega…049&from=DE#d1e1628-149-1


    De facto würde die EU insofern einspringen, da das zusammengebrochene Land gerettet werden muss s. das derzeitige 750 Mrd. Hilfspaket. Da die EU ja jetzt leider selbst Schulden aufnehmen kann und die EZB sie aufkauft, ... dürfen unsere Enkel das dann bezahlen.

    Danke für den Link, den ich mir mal genauer anschaue.


    Und danke auch für Deine präzise Antwort! Echte Qualität.

  • Aber gut zu wissen, was Du nicht in Erwägung ziehst. Dann bist du offenbar nicht in der selben Situation wie ich.

    Dazu vielleicht noch ein Kommentar von mir: Es gibt in D je nach Zählung 4-5 getrennte Sicherungssysteme. Dadurch kann man schon ganz gut diversifizieren. Insofern würde ich mir analog zu JDS nicht unbedingt ein Auslandskonto dazu holen um dann im Zweifelsfall mit einer ausländischen Einlagensicherung was zu tun zu haben.


    Sofern mit der "Situation" zu viel Bedarf an Sicherungsbaustein gemeint ist wären diversifizierte, direkt und bis zur Endfälligkeit gehaltene Staatsanleihen bester Bonität noch eine Option.

  • Danke.


    Und das ist jetzt die Antwort auf die erste, die zweite oder die Bonusfrage?

    Gerne!


    Da ich in gewisser Weise faul bin und andererseits sehr pragmatisch vorgehe, sehe ich keinerlei Veranlassung (mir selbst und anderen) solche Fragen zu beantworten... da der Aufwand (für Recherchen, Korrespondez etc.) für eine Geldanlage im "kritischen" EU-Ausland aufgrund von Konditionsdifferenzen im Promillebereich mMn den Schweiß nicht Wert ist.


    Klar kenne ich deine Situation nicht! Dennoch war mein Post nicht despektierlich gemeint.

  • Wenn man das Thema abseits von den eigenen Finanzen anschaut, gibt es Länder, die ein hohes Pleiterisiko haben (Griechenland fällt mir da als erstes ein) und welche, die ein sehr niedriges Pleiterisiko haben (Deutschland, Niederlande, vielleicht Schweden).


    Wenn ein relativ solides Land wie Schweden pleite geht, hat die EU und die Weltwirtschaft ein ganz anderes Problem als die 100.000 € garantierte Einlagensicherung. Evtl. hat man ein bisschen Glück, weil Schweden relativ klein ist.


    Und jetzt zu den eigenen Finanzen: Man muss sich halt überlegen, ob der Aufwand, in Griechenland anzulegen (Risiko, Pflicht für Steuererklärung in DE, Wechselkurse in Nicht-Euro-Ländern...) in einem passenden Verhältnis zum Mehr an Rendite steht.
    Ich habe für mich diese Frage mit "nein" beantwortet.


    Die Einlagensicherung sichert den genannten Betrag ab. Ob man sich dafür (wie heute) 3 Kleinwagen oder nach einer Inflation 3 Lollis kaufen kann, ist ein anderes Thema.

  • De facto würde die EU insofern einspringen, da das zusammengebrochene Land gerettet werden muss s. das derzeitige 750 Mrd. Hilfspaket. Da die EU ja jetzt leider selbst Schulden aufnehmen kann und die EZB sie aufkauft, ... dürfen unsere Enkel das dann bezahlen.

    Am Ende ist es aber eine politische Entscheidung. Und ob man beliebig oft Griechenland rettet oder ob man nicht irgendwann sagt "dann tretet halt aus oder sucht euch wenigstens eine eigene Währung", weiß man heute nicht.