Meinungen zu ETF Anlage von 200k€ nach Erbschaft

  • Hallo Community,

    nachdem ich hier in diesem tollen Forum nun einiges gelesen habe und nebst diversen Finanzmagazinen auch den Finanztip Newsletter regelmäßig studiere bin ich aufgrund einer Erbschaft relativ plötzlich in die Situation gekommen mir Gedanken um eine größere Geldanlage in Höhe von 200.000€ zu machen.


    Zu mir :

    Ich bin 57 Jahre alt, kinderlos, habe ein Bruttoeinkommen von 60 000€.
    Ich bewohne eine Eigentumswohnung die bereits abbezahlt ist.
    Mein Ziel ist es mit 63 vorzeitig in Rente zu gehen und dafür zahle ich in jährlichen Raten Ausgleichszahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung. (Aufteilung in jährliche Raten um die Steuervorteile voll ausnutzen zu können.)

    An Werten existieren aktuell 2 Aktiendepots mit Einzelaktien im Wert von ca. 190.000€ in denen ich mich auch recht aktiv bewege sowie ein weiteres Depot mit ETFs im Wert von ca. 35.000€. Zusätzlich als Absicherung physisches Gold für ca. 50.000€. Ein bisschen Krypto im Wert von aktuell ca. 50.000€ ist auch noch vorhanden.


    Die Fragestellung ist, wie ich die geerbten 200K am sinnvollsten investiere.


    Meine Idee ist bisher, 4 ETFs zu erwerben, entweder in einer Einmalanlage oder mit jeweils 50% des gewünschten Werts als Einmalanlage und die restlichen 50% in 4 Raten/Quartalen aufzuteilen.

    Die präferierten ETFs sind neben einem MSCI World (Anbieter offen) der iShares S&P 500 Min. Volatility (IE00B6SPMN59), der XTrackers LPX Private Equity Swap (LU0322250712) und der L&G Cyber Security (IE00BYPLS672) den ich schon seit längerem erfolgreich bespare. (Die 3 ETFs entstammen einer Focus Money Empfehlung (Heft 22/2021)).


    Alternativ könnte ich mit auch vorstellen, die genannten ETFs auf einen Wert von 100.000€ aufzuteilen und die restlichen 100.000 in 5 Dividenden-Aktien zu verteilen die bisher (wieder lt. Focus Money) in den letzten 25 Jahren jedes Jahr eine zweistellige positive Rendite erzielt haben, nämlich Nestle, Public Storage, Walmart, McCormick und Church&Dwight.


    Zuguterletzt stellt sich mir die Frage, bei welchem Broker ich die ETFs kaufen sollte ?
    Vorhandene Depots sind bei Scalable, Trade Republic und der Consorsbank, sowie bisher ungenutzt bei der DKB.


    Zuviel Auswahl und Ideen sind nicht immer gut und überfordern mich aktuell etwas bei meiner Entschlusskraft :-)

    Ich würde mich sehr über Eure Meinung freuen und sage Danke im Voraus!

  • Wie lautet denn das Ziel deiner Geldanlage? Möglichst reich sterben?

    :thumbsup:
    Im besten Fall das Geld nach Renteneintritt bis zum Tod verleben, Reisen etc., immer im Hinblick auf eine Sicherheit im Pflegefall o.ä.
    Ziel ist es, in 10 Jahren mit einer regelmäßigen Entnahme entweder per Auszahlplan oder individuell je nach Lage zu beginnen, im günstigsten Fall ohne das eingezahlte Start-Kapital aufzuzehren...

  • Oberste Priorität hat dann meinem Eindruck nach die Ausgaben deutlich hochzuschrauben, als Anlage dann ein etf auf den msci world oder all world. Viel Spass und bitte nicht knausrig sein bein Trinkgeld ;)

  • Von den genannten ETF gefällt mir der Weltindex am besten, die anderen weniger. Ich empfehle, Dir eine Zielstruktur des Depots zu erstellen, inkl. der Aktien, und die ETF dann entsprechend zu kaufen, dass sie die vorhandenen Papiere gut ergänzen.

  • Wie lautet denn das Ziel deiner Geldanlage? Möglichst reich sterben?

    Mit einem Nettovermögen (ohne Berücksichtigung der selbstgenutzten Immo) von rund 500k und der Aussicht, zum "vorgezogenen" Rentenbeginn über um die 1m zu verfügen, ist man sicherlich nicht arm dran... aber sicherlich nicht reich im Sinne von finanziell unabhängig.

    Aus der teil-investierten 1m kann man ruhigen Gewissens so um die 4% p.a. entnehmen und kommt netto so auf etwa 2.500 pro Monat (mit jährlicher Steigerung).

    Dazu kommt noch die verf... Teuerung, die das Ergebnis nochmals "reduziert".


    Ich weiß wohl, dass viele Singles und erst recht auch Familien derzeit mit weniger als 2.500 netto auskommen müssen... aber (materiell) reich ist man mMn mit einer Million nicht wirklich.

    Ich würde mich sehr über Eure Meinung freuen und sage Danke im Voraus!

    Ja nachdem, wieviel oder wie wenig Zeit du für die "Pflege" deines diversifizierten Depots aufwenden magst, würde ich die ganze "Kiste" vereinfachen. Dein derzeitiges Portfolio ist in meinen Augen nicht das typische Buy-And-Hold-Depot. Einzelaktien und Sektorwetten gehören beobachtet, damit rasche Reaktionen auf Veränderungen der Märkte erfolgen können. Die empfohlenen Dividendenaktion gehören mMn dazu.

    Zur Depotauswahl... kuck einfach wo du günstig kaufen/verkaufen/handeln kannst und der gebotene Service deinen Ansprüchen genügt.


    Wenn die Leute bei Focus Money - ich kennen dieses Magazin seit vielen Jahren - so toll mit ihren Tipps wären, bräuchten sie schon lange nicht mehr schreiben und würde die nackigen Füßchen von der Badeplattform einer schicken Yacht im lauwarmen Wasser der Cote Azur (oder sonstwo) baden ;-)

  • Auf mich wirkt das alles ein wenig orientierungslos. Viele verschiedene Produkte bei vielen Brokern. Ich kaufe jedem mal etwas ab.


    Das Vermögen ist ausreichend, um mittels Einzelaktieninvestments breit zu streuen. Man sollte mal überlegen, ob das in Frage kommt.


    Ein Hinweis noch: Generell sind Dividendenaristokraten sehr hoch bewertet.


    In Focus Money steht m.E. nur zu 80% Blödsinn, ist daher durchaus lesenswert. Andere Börsenzeitschriften liegen da wesentlich höher. :)

  • ...Ja nachdem, wieviel oder wie wenig Zeit du für die "Pflege" deines diversifizierten Depots aufwenden magst, würde ich die ganze "Kiste" vereinfachen. Dein derzeitiges Portfolio ist in meinen Augen nicht das typische Buy-And-Hold-Depot. Einzelaktien und Sektorwetten gehören beobachtet, damit rasche Reaktionen auf Veränderungen der Märkte erfolgen können. Die empfohlenen Dividendenaktion gehören mMn dazu.

    ...

    Die Depots meiner Einzelaktien habe ich nahezu täglich im Auge und bin dort auch ziemlich aktiv, teils Buy and Hold, im 2. Depot auch gern mal etwas kurzfristiger und risikofreudiger - ist im Laufe der Jahre zu einem "Hobby" geworden und ich habe von Anfang an immer nur Gelder investiert auf die ich nicht angewiesen war und dabei einfach häufig "ein glückliches Händchen oder den richtigen Riecher gehabt".
    Die Anlage der geerbten 200K soll aber schon eher eine langfristige nicht so volatile sein die mich nicht permanent beschäftigt.

    Zitat

    Wenn die Leute bei Focus Money - ich kennen dieses Magazin seit vielen Jahren - so toll mit ihren Tipps wären, bräuchten sie schon lange nicht mehr schreiben..

    Wenn jeder Redakteur oder Verleger sein Geschäft aufgeben würde nur weil er es nicht mehr nötig hätte Geld zu verdienen wäre unsere Medienlandschaft vermutlich deutlich trister :-)
    Das soll aber natürlich nicht heißen das ich all dem was dort geschrieben steht immer vertraue und zustimme.

  • Auf mich wirkt das alles ein wenig orientierungslos. Viele verschiedene Produkte bei vielen Brokern. Ich kaufe jedem mal etwas ab.


    Das Vermögen ist ausreichend, um mittels Einzelaktieninvestments breit zu streuen. Man sollte mal überlegen, ob das in Frage kommt.

    Es ist tatsächlich im Laufe der Jahre so gewachsen, begonnen mit einer damaligen Hype-Aktie am Neuen Markt die direkt nach meinem Kauf mit dem restlichen Markt abschmierte (kann mich nicht mal mehr erinnern welcher Titel es war), dann nach längerer Schockstarre ein zweiter Anlauf mit Facebook (die Aktie kostete nach der Erstnotierung ~16USD wenn ich mich nicht täusche) und dann kamen im Laufe der Jahre immer mehr Kleininvestments dazu. Ich habe über alle Branchen diversifiziert und das Anlagevolumen lag pro Aktie bei max. 1-2K, manchmal auch noch deutlich niedriger. Über die Jahre liefen dann einige Titel sehr gut, andere habe ich in Momenten geistiger Umnachtung auch viel zu früh verkauft, aber das kennt vermutlich auch Jeder.
    Tja, und irgendwann kamen dann auch ETF Sparpläne ins Spiel...
    Ich würde mich nicht orientierungslos nennen, eher neugierig ... ;)

  • Cashflow64

    Für mich liest sich das Ganze ziemlich planlos.

    Grundsätzlich solltest Du mal durchrechnen, wie groß Deine 'Rentenlücke' konkret überhaupt ist bzw. sein wird. Sprich, wie viel Geld/Monat brauchst Du ab 63 (Renteneintritt) noch zusätzlich aus Deinem Vermögen um Deinen Lebensstandard halten zu können.

    Diesen Betrag multiplizierst Du mit 12 = Jahresbedarf

    Davon dass 25 Fache und Du hast in etwa Deinen notwendigen Vermögensbedarf für das (Renten)Alter ermittelt. Klar, dass ist erst mal nur die grobe Richtung, aber immerhin hast Du dann schon mal eine Hausnummer.

    Zum Thema Entnahmestrategien empfehle ich Die mal den Blog von Georg, der diverse verschiede Entnahmestrategien durchgerechnet hat. Da dürfte sich auch eine optimale Strategie für Dich finden lassen.

    Entnahmestrategien Archive - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)


    Das nächste wäre dann mal die ehrliche Aufarbeitung Deiner Anlagestrategie. Mach doch mal die Rückrechnung wie erfolgreich Dein Einzelaktiendepot im Vergleich zu einer simplen Buy-and-Hold-Investition in einen weltweiten Index-Fonds gewesen wäre (z.B. MCSI ACWI / FTSE All World). Wenn Du gleich/besser abgeschnitten hast, wie der Markt, dann herzlichen Glückwunsch.

    Wenn Du schlechter abgeschnitten hast, wäre das dann der Zeitpunkt mal über einen Strategiewechsel nachzudenken. ;)


    Ich arbeite auch auf die Rente mit 63 hin. Da ich Gegensatz zu Dir noch einige Jahre mehr vor mir habe, warte ich mal ab, welche Geschenke die nächste Regierung noch so für den vorzeitigen Renteneintritt bereit hält. :/

    Grundsätzlich verfolge ich ebenfalls die Idee, mit Renteneintritt die Welt zu bereisen. Von daher plane ich den Finanzbedarf in den ersten 10 Jahren meiner Rentenzeit höher ein, als ab 70. Die Erfahrungen aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis haben mir gezeigt, dass es mit steigendem Alter irgendwann vorbei ist mit den tollen Reiseplänen. ;)