Vermögenssicherung im Alter

  • Finanztip empfiehlt Festgeld an Stelle von Rentenfonds zur Vermögenssicherung. Bei dem derzeitigen Festgeld-Zinssatz und einer Inflation von durchschnittlich 2 bis 3,5% ist das aber ein deutliches Verlustgeschäft. Andere Fonds bzw. ETF bieten zwar deutlich höhere Renditen, sind aber weniger sicher, wenn man keine 15 Jahre mehr als (Lebens)perspektive hat. Welche Anlagemöglichkeiten gibt es also für ältere Menschen, wenn es nicht so sehr um Rendite geht, sondern um Absicherung?

  • Hallo.


    Wenn die Perspektive bei unter 15 Jahren liegt, wozu dann der Fokus auf Vermögenssicherung? Wäre dann der geplante Vermögensverzehr nicht eher relevant? Oder geht es ums Vererben?


    Anders gefragt: Wie schlimm kann die Inflation in weniger als 15 Jahren realistisch wirken?

  • Bei dem derzeitigen Festgeld-Zinssatz und einer Inflation von durchschnittlich 2 bis 3,5% ist das aber ein deutliches Verlustgeschäft.

    "Früher" waren die Guthabenverzinsungen (nominal) höher als heute, unterm Strich lagen die Realzinsen aber vergleichbar mit heute. Heißt, der Sparer, der in Geldwerten "investiert" war, hat schon immer "Nasse" gemacht. ;-)


    Welche Anlagemöglichkeiten gibt es also für ältere Menschen, wenn es nicht so sehr um Rendite geht, sondern um Absicherung?

    Wenn es darum geht, seine "Privatrente" so zu gestalten, dass jene Rente "sicher" zur Verfügung steht, gibts derzeit nur die Möglichkeit, einen für 2 bis 3 Jahre reichenden Betrag "sicher" vorzuhalten (FT empfiehlt es für einen längeren Zeitraum zu tun), also in Geldwerten von Kopfkissengld bis Tages- und Festgeld... und den "Rest" in empfohlenen, breit streuenden ETF zu packen... und vom Depotwert 3 bis 4% pro Jahr zu entnehmen, vorausgesetzt die Kurse sind freundlich. Bei derartigen Entnahmeplänen ist man halbwegs flexibel (bezüglich des Zeitpunkts der Entnahme) und kann seine Rente von Jahr zu Jahr dynamisch erhöhen. Bei diesen Dimensionen ist sogar das Langlebigkeitsrisiko, über das häufig gesprochen wird, in trockenen Tüchern.

    Heißt: Du hältst 9 bis 12% vom liquiden Vermögen (ohne Immo etc.) in Geldwerten und 88 bis 91% in Sachwerten (ETF...)

    Entwickelt sich die Investition in Sachwerten mit beispielsweise 6%, so liegt die Gesamtrendite wegen des Cash-Anteils immer noch 88 bis 91% von den besagten 6%, also noch über 5%... und die Realverzinsung des (halbwegs) liquiden Vermögens angesichts der derzeitigen Teuerungsraten noch im positiven Bereich.


    Soweit die Theorie, die häufig der gelebten Praxis entspricht. Über mögliche Rücksetzer muss in diesem Zusammenhang Klartext gesprochen werden. Ich tue dies hier nicht, weil dann mindestens 37 Leute ankommen und mir erklären, dass der Schwippschwager eines Arbeitskollegen gesagt hatte, Market Timing würde gar nicht funktionieren. Auf die folgende Frage solltest du aber eine Antwort parat haben: Wie verhalte ich mich, wenn die Kurse "plötzlich" um 30% einbrechen? Kann ich mit einer vorübergehend "niedrigeren" Privatrente meine Ausgaben bestreiten?

    Das Wörtchen "plötzlich" ist in diesem Kontext übrigens provokativ gemeint, denn bislang waren alle Kurseinbrüche, abgesehen von Fukushima, deutlich angezeigt.

    Also... mit geplanten Entnahmen = privaten Jahresrenten in Höhe von 3% des Depotwertes liegst du - auch bei Rücksetzern - nicht ganz so falsch. (Erklärung: Du federst mit 3 statt 4% Rücksetzer bis zu 25% locker ab.)


    Und weil dann immer noch Kohle da sein wird, wenn du die Augen für immer schließen wirst, musst du dich halt auch damit arrangieren ;-)

  • Na ja, vielleicht rechne ich ja falsch, aber wenn ich Festgeld bei der Leaseplan (Empfehlung von Finanztip) anlege, erhalte ich dort bei einer Laufzeit von 3 Jahren (Maximaldauer lt. Empfehlung von Finanztip)einen Zins von derzeit 0,65%. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2,5% p.a. verliert das Kapital unterm Strich 0,185% an Kaufkraft pro Jahr. Aus einem fiktiven Betrag von 50.000 € würden nach drei Jahren 47.276 €. Man würde also 2.724 € verlieren.

    Unter gleichbleibenden Bedingungen würden daraus nach 15 Jahren 37.785 €, was einem Verlust von 12.215 Euro entspricht.

    Wie gesagt, vielleicht rechne ich ja auch falsch. Manchmal hat an ja sowas wie einen Knoten im Hirn. Falls das so ist, wäre ich für Hilfe sehr dankbar!

    Und was den Vermögensverzehr angeht: Wer weiß schon, wie lange sie oder er lebt...

  • Ich habe meine Festgeldtreppe angefangen, als es für 10 Jahre noch 4,5% gab. Meine Treppe wird nun jedes Jahr kürzer. Ich habe mir aber gesagt, neues Festgeld wird nicht angelegt, wenn es nicht mindest 3% gibt.

    Nun sieht es aber so aus, dass ich bald ohne Festgeld auskommen muß. Auch das sehe ich nun nicht mehr als Beinbruch.

    Gruß


    Altsachse

  • Und wie siehst du das mit der Absicherung des Depots durch einen Anteil von Rentenpapieren? Natürlich auch in Form von Fonds? Macht das Sinn?

    Ein klares NEIN! Dat macht keinen Sinn! Rentenpapiere rentieren sich derzeit noch weniger als Geldwerte.

    Dein Depot "sicherst" du durch breite Streuung und die Kombination aus Geld- und Sachwerte. Also etwa so wie weiter oben im Zusammenhang mit dem Entnahmeplan beschrieben.


    Die weitere Variante folgt dem Prinzip "Mit vollen Hosen ist gut stinken!"... Wenn dein Vermögenswert aus Geld- und Sachwerten (ETF, Mietobjekte... ) mindestens doppelt so hoch liegt, wie der Wert, der benötigt werden würde, um eine "ausreichende private Rente" zu generieren, jucken dich auch deutliche Rücksetzer nicht ;-)

  • Ein klares NEIN! Dat macht keinen Sinn! Rentenpapiere rentieren sich derzeit noch weniger als Geldwerte.

    Dein Depot "sicherst" du durch breite Streuung und die Kombination aus Geld- und Sachwerte. Also etwa so wie weiter oben im Zusammenhang mit dem Entnahmeplan beschrieben.


    Die weitere Variante folgt dem Prinzip "Mit vollen Hosen ist gut stinken!"... Wenn dein Vermögenswert aus Geld- und Sachwerten (ETF, Mietobjekte... ) mindestens doppelt so hoch liegt, wie der Wert, der benötigt werden würde, um eine "ausreichende private Rente" zu generieren, jucken dich auch deutliche Rücksetzer nicht ;-)

    Gut zu wissen !

  • Vermögenssicherung beginnt aber schon viel früher. Nämlich bei sehr guten Sachversicherungen, z.B. Haftpflicht, Hausrat, Unfall, Glas, KFZ usw. Was nützt einem eine Geldanlage wenn es z.B. einen größeren HR-Schaden gibt, der nur zum Teil oder im schlimmsten Fall garnicht abgesichert ist und dann ans angelegte Geld gegangen werden muss. Es gibt aktuell genug Beispiele für solche Situationen.

  • Es gibt aktuell genug Beispiele für solche Situationen.

    Will da Jemand Angst machen?;)

    Klar, es braucht bestimmte Versicherungen, die sind aber vollkommen unabhängig vom Vermögen!

    Jeder Mensch braucht quasi zwingend eine Krankenversicherung und Privathaftpflichtversicherung. Alles weitere kommt dann im Laude des Lebens. Ich bin z.B. viele Jahre komplett ohne eine HR-Versicherung ausgekommen.

    Irgendwann rechnet man halt mal durch, was die Einrichtung gekostet hat und schließt dann eine HR-Versicherung ab.


    Du spielst sicherlich auf die aktuelle Situation in Sachen Elementarversicherungen in den Unwettergebieten an. Tja, bliebe die Frage zu klären, ob sich so etwas in Zukunft in bestimmten Gegenden überhaupt noch bezahlbar versichern lässt. Ich habe da so meine Zweifel. :/

    Es soll ja eine Menge Gastronomiebetriebe gegeben haben, die eine BSV abgeschlossen hatten. Was die in der Pandemie schließlich wert war, hat man dann ja gesehen... (Das berühmte halbe Händl :D)

  • BSV und Elementarvers. sind erst mal grundsätzlich verschiedene Absicherungen die sich so nicht vergleichen lassen.

    Vermögensabsicherung mit den oben von mir genannten Versicherungen gehört immer zu einem kompletten Paket dazu. Sie sind ein unverzichtbares Fundament, wie bei einem Haus.

  • Vermögensabsicherung mit den oben von mir genannten Versicherungen gehört immer zu einem kompletten Paket dazu. Sie sind ein unverzichtbares Fundament, wie bei einem Haus.

    Risikobewertungen nach dem Motto "Was passiert wenn...?" gehören natürlich frühzeitig dazu. Ich würde Edi jetzt aber nicht unterstellen wollen, sich darüber noch nie-nicht Gedanken gemacht zu haben ;-)