Hauskauf vollständig aus Eigenkapital finanzieren oder der günstigen Zinsen wegen teilweise mit Hypothek?

  • (Ich hoffe, ich habe bei meiner Suche im Forum nicht übersehen, ob diese Frage schon mal mit ähnlichem Inhalt gestellt wurde. Falls ja, gerne anstelle einer Antwort einen Link auf den entsprechenden Thread posten. Vielen Dank für Eure Geduld!)


    Wir möchten ein Haus kaufen, das wir günstiger Umstände wegen komplett selbst finanzieren können.


    Wir fragen uns jedoch, ob es klüger wäre, z.B. 50% des Kaufpreises über eine Hypothek zu finanzieren, weil die Zinsen so niedrig sind. Uns liegt ein Angebot für 0,53% vor; evt. gibt es auch noch bessere.


    Das nicht genutzte Eigenkapital würden wir sehr konservativ anlegen, um daraus die Hypothekenzinsen zu finanzieren und einen kleinen Gewinn zu machen.


    Hier unsere bisherige Bierdeckel-Kalkulation:


    Hauspreis 600.000 EUR
    Kredit 300.000 EUR
    effektiver Jahreszins (laut Dr. Klein) 0,53 %
    gezahlte Zinsen (6% Tilgungssatz) 13.144 EUR
    Zinsgewinn (1% Zinssatz, mit Zinsauszahlung, abzgl. Steuer) 35.789 EUR


    Vermutlich sitzen wir einem jener Denkfehler auf, auf die Saidi in seinen Videos sonst hinweist ...? Im voraus vielen Dank für Eure Tipps!

  • Ich bin dazu kein Experte, würde aber - falls zu einem guten Zinssatz möglich - sogar noch mehr finanzieren und das verbleibende Kapital anlegen. Die verschiedenen Szenarien sind ja schnell durch gerechnet.


    Kommt natürlich auch darauf an wieviel und wie sicher weiteres Einkommen vorhanden ist.

  • Tja, wo genau bekommst Du 1% Zinsen ohne Risiko? Wenn es das gäbe, würde die Bank das Geld selbst dort anlegen und Dir nicht für 0,53 das Haus finanzieren… Meine Meinung: Lieber sofort alles bar bezahlen, dann ist das Ding deins, und Du kannst von Tag 1 an die gesparten Kreditraten in ETF anlegen.

  • Wow, so viele Antworten in so kurzer Zeit! Das ist toll! 🌼


    FinanzPanda: Ich bin seit Jahren Kunde der GLS-Bank und hatte dort vor Jahren für wenig Geld Anteile erworben (Info-Seite der GLS). Die Anteile können fünf Jahre lang nicht gekündigt werden, haben aber in der Vergangenheit zuverlässig eine Dividende von 1% erbracht. Meine Idee war, weitere Anteile zu erwerben, um hier auf Nummer Sicher zu gehen. Ich muss mich aber noch erkundigen, ob die GLS den Erwerb von Anteilen begrenzt, wie es die meisten Genossenschaftsbanken ja machen.


    tom70794: Danke für den Link-Tipp! Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe (bitte korrigiere mich ggf.), dann sagt Loomann, man müsse aus dem vom Hauskauf abgezogenen Vermögen mindestens 1,58% pro Jahr Gewinn machen. Gelänge das nicht, wäre ein Annuitätendarlehen vorzuziehen. Das ist eine Rechnung, die ich mir jetzt noch ein paar Mal durch den Kopf gehen lassen muss, um sie besser zu verstehen. Auf jeden Fall ist das ein sehr wichtiger Punkt, den ich wirklich noch nicht bedacht habe! Darum nochmal: DANKE!


    An die anderen Kommentatoren: Ja, ich setze weiter auf ETFs, mit denen ich auch in der Vergangenheit das Glück hatte, nur gute Erfahrungen zu machen.

  • Um Himmels Willen, Du willst doch hoffentlich nicht für 300.000 EUR Anteile an der GLS Bank kaufen???


    Ganz ehrlich, ich würde da nichts machen. Du hast das Geld, kauf die Hütte mit dem Cash und Du brauchst da nie mehr drüber nachdenken und bist in Deiner weiteren Anlageplanung völlig frei. Du rechnest Dir das jetzt auf die zweite Nachkommastelle durch und kommst vielleicht zu dem Ergebnis, dass Du im Optimalfall mit 20.000 EUR plus rauskommst, aber ob es wirklich so kommt ist völlig ungewiss.

  • JDS Du hast natürlich recht. Ich habe dummerweise die Inflation nicht berücksichtigt. Insofern ist die Idee mit den Genossenschaftsanteilen wirklich nicht gut. Weil ich aber gleichzeitig nicht damit rechnen darf, dass es weiter mit den ETFs so gut läuft wie bisher, ist ein Cash-Kauf des Hauses vermutlich doch die bessere Lösung.


    Mich haben die Diskussionsbeiträge hier wirklich ein Stück weiter gebracht.

  • Ich mache hier 2 Berechnungsalternativen auf.


    1. Alternative:


    Hauskauf bei Auflösung aller finanzieller Ressourcen. Die durch Tilgung eingesparten Mittel werden in einen ETF angelegt (wir nehmen einfach mal mtl. 1.000 Euro an).


    2. Alternative:


    Hauskauf mit 300.000 Euro Darlehen und Anlage von 300.000 Euro in einen ETF. Monatlich werden 1.000 Euro getilgt.


    Durchschnitt Inflation = 1,5%

    Durchschnitt Wertsteigerung ETF = 4% (die meisten hier gehen in der Regel von 7-8% p.a. aus)

    Zinsen Darlehen = 0,5%


    Nach 10 Jahren sind die Darlehen kündbar und können notfalls bei stark steigenden Zinsen mit dem gesparten Geld zurückgeführt werden.


    Rechne einfach mal, wo du in 10/20/30 Jahren stehst. Die Notwendigkeit einer gefühlten Sicherheit (= das Haus ist schuldenfrei) halte ich persönlich vor deinem finanziellen Hintergrund für unangebracht.


    Von den Zahlen her läuft es doch auf folgendes hinaus:


    Nach 30 Jahren ist das Haus so oder so abbezahlt. Wie hoch ist dein Depotwert bei Alternative 1 und wie hoch bei Alternative 2? Ist dir die Differenz die gefühlte Sicherheit wert?

  • Thebat Das sind wirklich gute Überlegungen, zumal Du mich nochmal an die Zeitperspektive erinnert hast. Statistisch gesehen habe ich noch eine Lebenserwartung von 18 Jahren. (Wir haben keine Kinder, an die wir später das Haus vererben könnten.)


    Meine größte Sorge ist, dass der Pflegefall eintritt und mehr oder weniger gleichzeitig ein Aktiencrash unsere Rücklagen vernichtet. Von dem Hausbesitz verspreche ich mir hier mehr Sicherheit im Notfall. Da ich früher in der Pflege gearbeitet habe, ist mir die prekäre Situation vieler Pflegebedürftiger noch im Gedächtnis eingebrannt. Das möchte ich nicht erleben müssen.

  • Okay, ein weltweiter Aktiencrash ist natürlich immer möglich, auch wenn diese Dinge meistens nach 1-3 Jahren ausgestanden waren.


    Was wäre denn aber, wenn du in 10 Jahren ins Ausland ziehen möchtest, weil sich die Lebensumstände hier in D. stark zum negativen verändert haben? Du wärst darauf angewiesen, das Haus gut zu verkaufen oder wenigstens gut zu vermieten.


    Aus meiner persönlichen Sicht würdest du mit einer Vollabzahlung einen großen Teil deiner Freiheiten/Möglichkeiten zugunsten einer gefühlten Sicherheit vergeben. Du bist dann quasi zu 100% vom Haus abhängig.


    Wie gesagt, ich würde erst mal beide Alternativen auf Sicht von 18 Jahren durchrechnen. Evtl. erleichtert das Ergebnis deine Entscheidungsfindung. :-)

  • Thebat Ich werde mir Deinen Rat auf jeden Fall zu Herzen nehmen und verschiedene Rechnungen aufmachen.


    Tatsächlich ist es übrigens so, dass wir nach über 20 Jahren im Ausland zurück nach Deutschland wollen. Das Haus ist darum auch unter dem Aspekt "altersgerechtes Wohnen" ausgewählt.