Mitarbeiteraktien verkaufen?

  • Hallo zusammen,


    verfolge die Artikel auf der Finanztip Seite jetzt schon länger und finde die Ratschläge im Forum sehr hilfreich.

    Deswegen auch von mir mal 'ne Frage, oder vielmehr wie ist die Meinung von euch "Experten" zu Folgendem...:

    Ich besitze als Amazon-Mitarbeiter einige Aktien, die wir jedes Jahr als Bonus sozusagen bekommen...

    Die ersten Aktien, die ich bekam, waren noch bei um die 300 Dollar notiert...von da gings ja nur bergauf mit den Dingern.

    Ich hab aber meine Bedenken, das das immer so weiter geht...

    Deswegen jetzt meine Überlegung:

    So nach und nach(wegen der Kapitalertragsteuer) immer mal eine verkaufen, bevor der Kurs in den Keller geht,....und in ETFs investieren.

    Macht dieses Vorgehen Sinn...oder soll ich die Aktien besser halten...?

    Natürlich erwarte ich keine fundierte Finanzberatung...einfach mal paar Meinungen, Ansichten...auf meine evtl. blöde Frage.

    S.:rolleyes:

  • Ja, ich bin der Meinung, dass man Mitarbeiteraktien verkaufen kann und sollte!

    Warum? Ganz einfach weil man sonst in ein klassisches Klumpenrisiko laufen kann.

    Was ist denn, wenn es dem Unternehmen plötzlich nicht mehr so gut geht?

    Die Aktien gehen in den Keller und dann steht plötzlich auch noch Dein Job auf dem Spiel, weil Dein AG rationalisiert.

    Als kürzliche Beispiele seien z.B. Airbus/Boeing genannt.

    "Diversification is the only free lunch in investing." Harry M. Markowitz

  • Niemand kann mit Sicherheit voraussagen wie sich die Amazon Aktien in der Zukunft entwickeln. Die zukünftige Kursentwicklung (Glaskugel) wäre für mich kein Kriterium, zusätzliche Diversifikation (World ETF anstelle von Einzelaktie) allerdings schon. Mitarbeiteraktien werden ja als Mittel der Erfolgsbeteiligung und Unternehmensbindung ausgegeben. Hier würde ich mich an deiner Stelle fragen: Wie sehr glaubst du an den zukünftigen weiteren Unternehmenserfolg deines Arbeitgebers und wie weit bist du bereit das mitzutragen?

  • Was ist denn, wenn es dem Unternehmen plötzlich nicht mehr so gut geht?

    Die Aktien gehen in den Keller und dann steht plötzlich auch noch Dein Job auf dem Spiel, weil Dein AG rationalisiert.

    Ich finde Deine Idee gut, weil dadurch das Risiko gesenkt wird. Ich bin aber schon immer kein Freund von Einzelaktien.

    Eine Einzelaktie ist für den strategischen Vermögensaufbau aus meiner Sicht zu riskant, auch wenn man dem Unternehmen weiteren Erfolg zutraut.

    Moin Geldfisch

    Eigentlich wollte ich hierzu die Klappe halten und mich stattdessen im Stillen an der Kommunikation der Päpste über's Eheleben erfreuen ;-)


    Deine Idee, AMZN zu verkaufen, um Gewinne zu realisieren und diese (netto) breiter zu streuen, ist an sich nicht verkehrt. Die Frage dabei ist, wann du verkaufst. Aufträge dazu kannst du aus'm Bauch heraus plazieren, oder mit Order arbeiten. Tante Google kennt die verschiedenen Ordertypen.

    Mal ganz vereinfacht und unvollständig: AMZN steht z.B. heute bei knapp über 2.900 €. Du könnstest einen SL bei 90% dieses Kurses setzen, damit der Verkauf automatisch eingeleitet wird, falls dieser Wert (2.610 €) erreicht/unterschritten wird. Angenommen AMZN "klettert" morgen auf 3.000€, dann setzt du einen Stop bei 2.700€. Du kannst dies auch automatisieren.

    Du kannst auch die Kurse und Handelsvolumina beobachten und die einschlägigen Medien (mit Vorsicht) verfolgen und danach "ableiten", ob "jetzt" ein guter Zeitpunkt für einen Verkauf ist.

  • Richtig, TsarPeter , natürlich würde ich niemals einen so hohen fünfstelligen Betrag in eine Aktie investieren...bei meinem nicht vorhandenen Börsenkenntnissen schon gar nicht.

    Aber, wie schon erwähnt, ist es ja so, das ich in die Aktien nichts investiert habe, sie jetzt einfach nur schon mehrere Jahre halte und zuschaue, wie sie steigen...

    Meine Zweifel, ob das richtig ist, kamen mir, seit ich vor paar Wochen anfing hier auf der Finanztip Seite mich über Anlagestrategien mit ETFs zu informieren.

    Wie gesagt, bis dahin waren für mich Dinge wie Börse, Wertpapiere, Depot, TER, KGV...ect. eine fremde Welt...sind sie jetzt eigentlich immer noch.

    Deswegen wollte ich mal ein paar Stimmen von Menschen, die sich schon länger mit der Materie beschäftigten, hören, was sie vielleicht in meiner Situation machen würden.

    Letzten Monat habe ich mir einen Sparplan auf den IShares MSCI

    ACWI mit einer, vorerst, kleinen Sparrate eingerichtet und auch ein paar Anteile gekauft.

    Aus meinem Vorhaben, mir nun ein gutes, breit gestreutes ETF Portfolio (Diversifikation, richtig?)

    aufzubauen, resultiert meine Frage, ob es Sinn macht, Aktien mit einer bis jetzt guten Rendite zu verkaufen, um in weitere ETFs, für die ich mich noch entscheiden muss, zu investieren.

  • Hi JDS

    Richtig, neben der Frage, ob ich verkaufen soll, steht die Frage nach dem wann...die mir natürlich niemand beantworten kann.

    Ich habe die ganzen Jahre, mit absoluter Unkenntnis vom Aktienmarkt, aus dem Bauch heraus die Dinger liegen lassen, während meine Kollegen bei jedem grösseren Sprung, die die Aktie gemacht hat, verkauften.

    Habe Ratschläge ignoriert, als sie bei 1000 €, 2000€ stand, jetzt zu verkaufen...

    Seit ich mich aber die letzten Monate mit der Anlage mit ETFs beschäftige, frage ich mich, ob das richtig war/ist, nur weil ich Glück hatte....und so stellt sich natürlich die Frage neben dem ob...auch wann ich verkaufen soll.

    Mit diesen Ordertypen, Stop und Loss...Limit..., bin ich mich gerade am beschäftigen. Wie das mit dem Automatisieren geht, muss ich mich mal schlau machen.

    Danke Dir auch für den Hinweis.



  • und so stellt sich natürlich die Frage neben dem ob...auch wann ich verkaufen soll.

    Also... der Kurs der Aktie hat sich im Zeitraum der letzen ca. 2 Jahre etwa verdoppelt, seit 2018 verdreifacht...

    Nimmt man die Entwicklung der Amazon Aktie im parallelen Vergleich zum MSCI World, so stellt man fest, dass sich AMZN doch "etwas besser" entwickelte. Das muss jedoch nix heißen; übermorgen könnte Schluss mit lustig sein ;-)


    Mit meinem vorherigen Post wollte ich indirekt anregen, diese Aktie so lange zu behalten, bis der Kurs um einen gewissen Prozentsatz einbricht.


    Streuen kannst du dann immer noch. Und dein Vermögen darfst du ja gerne mit investierten Sparraten auf Sicht aufbauen.

  • Ich schließe mich JDS an, würde aber bei den ETF nicht zu sehr diversifizieren. Ein World, ein Emerging Markets und ein FTSE Developed Europe reichen. Branchenwetten mit ETFs würde ich allenfalls mit einem kleinen Anteil machen.

  • Also, ein Depot > 50.000 Euro mit nur einer Aktie - das habe ich selbst in meiner Sturm und Drang Zeit nicht gemacht.


    Vorschlag:


    Jedes Jahr ein paar Aktien verkaufen, die Freibeträge höchstmöglich ausnutzen und die Aktien dann in andere Aktien oder ETFs umschichten. Stop-Loss und Co. lass mal besser sein, da würde ich bei volatilen Tech-Aktien und kleineren Nebenwerten generell die Finger von lassen.


    Als "aktivere" Alternative zu einem ETF werfe ich auch noch mal zur Depot-Beimischung das Thema "Wikifolios" in den Raum. Hier gibt es sehr spannende und gute Produkte.

  • Würde an deiner Stelle anfangen, gestaffelt zu verkaufen. Bezos hat ja selbst mal gesagt, dass eine Company die so groß ist wie Amazon nicht ewig am Markt bleiben kann.

  • Hallo JDS  Muenchner  Thebat Erik V.


    Danke für eure Ratschläge, hilft mir in meiner Unsicherheit erstmal wirklich weiter...

    Muss mir nun einige von diesen genauer ansehen, da ich in der Richtung schon Ähnliches auf dem Schirm hatte...

    Warum aber Thebat nicht mit Stop&Loss und Co. arbeiten ..?

    Kann man da so viel falsch machen?

    Wikifolios sacht mir nix...muss ich mal gucken...

    Und ja Muenchner ...will so um die 3-4 ETFs maximal ins Portfolio stecken.

    Macht es aber Sinn, noch einen World ETF und einen Emerging markets zu nehmen, wenn ich den IShares MSCI ACWI schon habe?

    FTSE Developed Europa und Branchenwetten auf ETF sagt mir noch nichts...

    Hatte an einen S&P 500 und Eurostoxx gedacht.


    Tja Erik V. ...

    der gute Herr Bezos...ich glaube, den interessiert Amazon immer weniger...nicht nur weil er seinen Vorsitz, oder was auch immer, abgegeben hat...

    Wenn der irgendwann in seiner Villa auf'm Mond sitzt, ist ihm egal was hier unten passiert.

  • Geldfisch

    Für eine breite Diversifizierung rein nach Marktkapitalisierung ist ein ETF (MSCI ACWI / FTSE All World) bereits vollkommen ausreichend. Das sind dann ~50 Länder weltweit und 85% der Marktkapitalisierung.

    Es gibt auch den SPDR MSCI ACWI IMI. Da sind dann noch die Small Caps (Aktien kleiner Firmen enthalten). Das sind dann rund 9000 Aktien und 99% der Marktkapitalisierung!

    Hier mal der Renditevergleich des SPDR ACWI IMI vs. dem iShares ACWI

    Vergleichen - fondsweb


    Der Kursverlauf ist ziemlich identisch. Mehr Diversifizierung braucht es dann wirklich nicht mehr! ;)


    Mit Branchen- bzw. Sektor-ETF sind ETF gemeint, die z.B. einzelne Länder, Regionen oder Branchen abdecken. Kann man machen, muss man aber nicht, wenn man eh schon die ganze Welt im ETF hat.

    Der S&P500 ist z.B. ein Länder ETF (USA), der die 500 größten US-Aktiengesellschaften umfasst. Die Firmen aus dem S&P500 findest Du eigentlich auch alle im MSCI World wieder.

    Hier mal die Aufteilung von MSCI in die einzelnen Regionen und Indexklassen.

    Die MSCI-Index-Klassifikationen und wie sie die Welt einteilen | justETF


    PS: Wikifolios beruhen auf Zertifikaten. Da gibt es dann ein Emitentenrisikio. Ich sag da mal nur Lehman Bros.;) Da klagen heute noch Kunden gegen Ihre Sparkassen, die Ihnen die 'sicheren' Lehman-Zertifikate verkauft haben. Braucht es m.E. nicht!

  • Zitat

    Macht es aber Sinn, noch einen World ETF und einen Emerging markets zu nehmen, wenn ich den IShares MSCI ACWI schon habe?

    Was monstermania sagt. Wenn du den IShares MSCI ACWI bereits hast, brauchst du m.E. keinen weiteren World und Emerging Markets, da diese bereits in dem ACWI abgebildet sind.

    > The iShares MSCI ACWI ETF seeks to track the investment results of an index composed of large and mid-capitalization developed and emerging market equities.


    Ich würde da nur was ändern, wenn du mit der Gewichtung des Index nicht ganz einverstanden bist. Einige Anleger bevorzugen da ihr eigenes Mischverhältnis aus World - Emerging Markets - (+ manchmal Europe) zu rühren, da sie z.B. den US-Markt überproportional im Index vertreten sehen. Das kann man machen, muss man aber definitiv nicht.


    Ich würde es mir aber für den Start so einfach wie möglich machen und bei einem (weltweit breit gestreutem) ETF bleiben.

  • Meine Empfehlung war auf den normalen Msci World bezogen, der ist sehr amerikalastig, da macht es sinn den emerging markets und ftse developed europe beizumischen. Wenn Du den all world besparst brauchst Du eig. garnix mehr dazu!

  • Xenia

    Hat den Titel des Themas von „Aktien verkaufen?“ zu „Mitarbeiteraktien verkaufen?“ geändert.