Investieren für Großeltern

  • Hypothetische Situation: Eure Eltern/Großeltern sind ca. 80 Jahre alt. Sie hören immer wieder über die Inflation und negative Zinsen, wodurch ihr Geld auf der Bank weniger wert wird. Daher fragen sie euch um Rat, wie sie ihr Geld investieren können.
    Sie erhoffen sich dabei keine hohen Renditen. Es geht lediglich um eine Beibehaltung des Status Quo, d.h. das Geld soll nicht an Wert verlieren. Ein Teil des Geldes kann dabei längerfristig angelegt werden, ein Teil soll auch kurzfristig abrufbar sein. Neben einer fixen Investitionssumme kommen monatlich neue Einnahmen rein, die wiederum angelegt werden können.
    Was würdet ihr euren Eltern/Großeltern raten und warum?

  • Die Situation haben aktuell sicherlich einige, mir ist sie auch nicht ganz unbekannt. Ich würde erst einmal klären, was wirklich das Anlageziel ist. Mit 80 ist man ja an einem Punkt, an dem das Leben voraussichtlich nicht mehr unendlich lang ist. Soll das Geld noch zu Lebzeiten ausgegeben werden? Wann ja, wann und für was? Oder geht es eigentlich schon darum, das Geld für die nächste Generation aufzubewahren? Dann wäre der zeitliche Anlagehorizont sehr viel länger, als man im ersten Moment vielleicht glaubt.


    Wenn die Großeltern das Geld in den nächsten 5 bis 10 Jahren selber noch verwenden wollen, würde ich nicht viel machen, und eher die Inflationsangst etwas rationalisieren. Dass wir bald wieder mit der Schubkarre voller Geld zum Bäcker gehen, ist nun auch nicht unbedingt wahrscheinlich. Du schreibst ja, dass monatlich noch etwas dazu kommt, also scheinen die Großeltern ja mit ihrer Rente zunächst einmal gut auszukommen und machen sich vielleicht mehr Sorgen, als tatsächlich nötig wäre?


    Wenn es eher ums “Aufbewahren für die nächste Generation” / vererben geht, läuft es oft auf einen klassischen Mix aus etwas Cash, Aktien-ETF und einer kleineren Beimischung Gold heraus. Viele andere Möglichkeiten gibt es ja gar nicht. Manche schenken den Kindern auch schon mal einen Geldbetrag, um diesen z.B. einen Immobilienkauf zu erleichtern.


    Ja nachdem wie viel es ist, kann man auch über eine Kapitalanlage-Immobilie nachdenken. Das können und wollen die meisten mit 80 nicht mehr organisieren, das ist dann eher schon etwas, das die nächste Generation von Anfang an mit managen muss. Generell würde ich das eher in Betracht ziehen, wenn beide Generationen finanziell gut aufgestellt sind und es beiden um eine Diversifizierung des Vermögens geht (weniger um Rendite).

  • Ich investiere Geld für meinen Vater in den MSCI World. Er gibt es mir, ich kaufe die Anteile und halte ihn über die Wertentwicklung auf dem Laufenden. Er kann das Geld jederzeit zurück haben, wir vertrauen uns. Wenn er es nicht braucht und ich es 10 Jahre gehalten habe, ist es irgendwann steuerfrei vererbt.


    Allerdings bin ich Einzelkind, mit mehreren Kindern/Enkeln ist die Komplexität denke ich nicht handhabbar.

  • Meinen Eltern (beide > 80) ist das mit der Inflation/Negativzinsen schnuppe.

    Beide haben in Ihrem Leben ganz andere Dinge erlebt, und ob Sie nun ein paar Euro p.a. 'verlieren' ist Ihnen egal. Sie schaffen es auch weiter von Ihrer Rente zu sparen.

    Und hey, in dem Alter hat man keine großen finanziellen Ziele mehr. Ende des Jahre geben meine Eltern auch noch Ihr Auto ab, so dass nochmal ein Kostenpunkt weniger da ist.

  • Ja, ich werde noch diesen Monat 80!

    Auf die Idee, meine Nachkommen um finanziellen Rat zu fragen, bin ich bisher noch nicht gekommen. Und ich will hoffen, dass wird auch weiterhin so bleiben.

    Ich sehe es eher andersherum. Doch teilweise sehe ich da auch keinen Bedarf, und Aufdrängen möchte ich mich natürlich auch nicht.

    Gruß


    Altsachse

  • In Deutschland ist es generell erschreckend, wie sehr alte Menschen an ihren Verträgen hängen und oftmals ahnungslos bezüglich ihrer Vertragsansprüche sind. Dann kommt auch noch fehlender Geschäftssinn dazu, was in schlechten oder gar keinen Investments mündet. Ein durchschnittliches Ehepaar mit eigener Immobilie dürfte an die 30-50 Vertragsverhältnisse haben.


    Meine Eltern sind noch keine 70, haben aber nachdem ich mehrere Klagen für sie gewonnen habe eingesehen, dass es für Sie keinen Sinn mehr macht, sich um Investments, Steuern, Verträge, KV+Beihilfe und so weiter zu kümmern. Starrsinnige Akademiker Oma/Opas vernichten gerne mal mehrere Hunderttausend Euro an Opportunitätsgewinnen, wenn nicht sogar mehr in der Zeit zwischen Rente und Ableben.