Grenze für Höhe der BU?

  • Ich habe vor einiger Zeit nach den Finanztip-Kriterien zusammen mit einem unabhängigen Berater eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Die Höhe der BU-Rente habe ich bei ca. 80% meines damaligen Nettos (2.500€) festgelegt.

    In Kürze werde ich einen neuen Job antreten inkl. neuem Gehalt. Möchte ich auch zukünftig eine BU-Rente von 80% des Nettos haben, müsste ich die Rente jetzt auf ca. 3.500€ erhöhen, was mir auf den ersten Blick sehr hoch vorkommt - insbesondere weil ich ansonsten sehr sparsam lebe und nicht viel Geld benötige.

    Vllt. kurz zu mir:
    Ich bin 29 Jahre alt, nicht verheiratet ohne Kinder. (Neues) Nettogehalt liegt bei ca. 4.400€ wovon ich monatlich ca. 1.900€ in ETF investiere.

    Gibt es eine Grenze bis der sich eine Erhöhung der BU-Rente lohnt bzw. ab wann eine Erhöhung keinen Sinn mehr macht oder ist es sinnvoll die Höhe der Rente stetig an das aktuelle Nettogehalt anzupassen (Faustformel 80%)?

  • Hallo Christopher,


    ganz offensichtlich leben Sie aktuell von 2500 €, den Rest investieren Sie in ETFs. Ich würde also nicht mehr als diese 2500 € absichern (eventuell später etwas mehr, sollte sich Ihre Lebenssituation ändern). Eine solche BU-Versicherung sollte meiner Meinung nach nicht dazu dienen, ETFs aufzubauen. Eher umgekehrt sollten in einem solchen unwahrscheinlichen Fall der Berufsunfähigkeit der ETF dazu dienen, Sie finanziell zu unterstützen.


    Ich bin mir sicher, dass es zu diesem Thema andere Meinungen gibt, ich bin aber halt kein Freund von Überversicherung...


    Viele Grüße,


    Markus.

  • Hallo Markus,

    schon mal vielen Dank für deine Antwort.

    Noch ein ergänzender Gedanke von mir:
    Sollte es zu einer Berufsunfähigkeit kommen, müsste ich dann zwangsläufig nicht sowieso einen Teil der BU-Rente zum Investieren in ETF nutzen, da ich aufgrund der Berufsunfähigkeit nicht in die Rentenkasse eingezahlt habe und mich deshalb selber um meine Altersvorsorge kümmern müsste?

    Gerne weitere Meinungen!

  • Pauschal nur 70% oder 80% des Nettoeinkommens mit einer Berufsunfähigkeitsrente abzusichern ist eine unausrottbare Mär. Die Rechnung sieht, wie auf unserer Website unter "Konfiguration Berufsunfähigkeitsversicherung" ausführlich beschrieben, richtigerweise aus wie folgt:

    1. Monatliche Ausgaben fix und variabel (Essen, Kleidung, Urlaub, etc.): in Ihrem Beispiel vermutlich 2.500 EUR p.m.? Achtung: Ausgaben neigen dazu, mit steigendem Einkommen, Familie, Immobilie etc. fast zwangsläufig ebenfalls zu steigen.
    2. zuzüglich Mehrbedarf nach Kündigung durch den Arbeitgeber (= Entfall Arbeitgeberzuschuss):
      + voller Beitrag Rentenversicherung (ggf. Versorgungswerk) bzw. alternatives Sparen, um Verluste bei der gesetzlichen Rente auszugleichen: bis zu 1.321 EUR (Stand 2021)
      + voller Beitrag Krankenversicherung a) GKV 19,2% von der BU Rente, in 2021 max. 929 EUR bzw. b) PKV Beitrag (z.B. 750 EUR)
    3. Über die GRV hinaus erforderliches Sparen zur Sicherung des Lebensstandards im Alter: ist genauer zu berechnen, bei jemand in dieser Einkommensliga i.d.R. nicht unter 1.000 EUR.

    Die Summe liegt meistens deutlich über dem Nettoeinkommen, mehr als das Nettoeinkommen ist ohne Klimmzüge aber normalerweise nicht versicherbar.


    Wenn Sie Glück haben und erst mit 63 berufsunfähig werden, dann wird das bis dahin in ETFs gesparte Kapital ausreichen, um ein paar Jahre zu überbrücken. Bei einer Risikoabsicherung geht es letztlich aber immer darum, auch im worst case klar zu kommen = im Fall einer frühen Berufsunfähigkeit. Dann reichen ein paar Zehntausend Euro in ETFs niemals aus, um davon 30 -35 Jahre lang inkl. Inflationsausgleich zu leben.


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    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Das ist leider - oder zum Glück - falsch Mkm :)

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  • Die für die Berechnung der Höhe der BU oft zugrundeliegende Vorstellung, dass man im Versicherungsfall sein Lebensstandard erhalten können soll, Stimme ich nicht ganz zu. Ich sehe es wie die Selbstbeteiligung anderer Versicherungsarten: wenn man Pech hat, soll die Versicherung erlauben, dass man nicht in Armut gerät; darüber hinaus spielen Risikobereitschaft und Prämien eine ausschlaggebende Rolle.

    Auf Urlaub verzichten, Wohnkosten reduzieren, ist u. a. für mich in Ordnung.


    Ein andere Aspekt: es ist überhaupt nicht gleich, wenn man noch selbstständig ist und was für die Hauswirtschaft etwas leisten kann (nicht unbedingt Geld verdienen) oder wenn man Pflegefall wird und noch weitere Kosten verursacht. Meine BU hat so eine Option, und dadurch könnte ich einen deutlicher kleineren Betrag erreichen mit einer sinnvolle Leistung.

  • Mal ganz pauschal gesagt: Den meisten Menschen fällt es leichter, auf 130 EUR BU Beitrag zu verzichten, wenn es Ihnen gut geht und sie normal Geld verdienen, als auf 3.000 EUR BU Rente, wenn es Ihnen schlecht geht. Bei gesundheitlichen Einschränkungen würde ich persönlich nicht auch noch mit finanzieller Knappheit kämpfen wollen bzw. auf Urlaub verzichten oder wieder in eine Studentenbude ziehen müssen. Aber das darf ja jeder für sich selbst entscheiden und muss dann eben auch mit den Konsequenzen leben.

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  • Völlig richtig Ozymandias . Die einzige Limitierung sind die sog. Annahmerichtlinien der jeweiligen Gesellschaften, die i.d.R. nur das Nettoeinkommen versichern wollen. So soll verhindert werden, dass jemand einen Anreiz hat, lieber berufsunfähig zu werden, als zu arbeiten. Es gibt aber durchaus rechtlich haltbare Wege, um in besonderen Situationen auch einmal mehr zu versichern. Nachzulesen auf unserer Webseite. :)

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