Anlageberatung Postbank

  • Guten Abend zusammen,

    mein Vater hatte vor kurzem eine Anlageberatung bei seinem Postbank Berater. Er ist nun Ende 60 und möchte sein Geld gerne sicher mit etwas Rendite anlegen. Aktuell bevorzugt er maximal eine mittelfristige Anlage.

    Daher hat sein Anlageberater ihm folgende Fonds empfohlen von denen er in 1-2 Fonds anlegen könne und zusätzlich auf die max. gleiche Anlagebetragssumme ein Festgeld mit 2 % Verzinsung für 6 Monate erhält :

    • DWS ESG Stiftungsfonds
    • Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 15-A-EUR
    • grundbesitz global
    • Flossbach von Storch - Multiple Opportunities II R
    • Allianz Europe Equity Growth - - EUR

    So wie es aussieht, scheint sein Berater ihm ein Kombiprodukt aus Fondsanlage und Festgeld verkaufen zu wollen.

    Ich kenne mich da nicht umfänglich aus. Daher möchte ich euch einmal um eure Einschätzung fragen, ob das Angebot empfehlenswert ist oder was ihr alternativ empfehlen würdet?


    Auf fondsweb habe ich mir die angebotenen Fonds einmal angeschaut und einfach mal gegen einen ETF bzw. FTSE (Vanguard All World verglichen.

    Den grundbesitz global habe ich hierbei außen vor gelassen. Er wirkt für mich wie ein solider, konstant steigender Immobilienfonds mit recht hohem Ausgabeaufschlag.

    https://www.fondsweb.com/de/ve…LU1089088071,LU0256839191


    Der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 15-A-EUR scheint keine besonders gute Entwicklung vorzuweisen, wenn ich das richtig sehe. Da läuft selbst der DWS noch besser.

    Flossbach von Storch - Multiple Opportunities II R scheint in meinen Augen im guten Mittelfeld zu sein.

    Allianz Europe Equity Growth - - EUR wirkt zudem sehr interessant. Er scheint teils sogar besser als der Vanguard All World zu laufen.

    Daher hätte ich die Tendenz entweder den Flossbach und Allianz Europe Equity zusammen zur Besparung zu empfehlen oder den grundbesitz global zusammen mit Allianz Europe Equity.


    Was meint ihr?

  • Was meint ihr?

    Mich würde erst mal interessieren, was denn der ominöse Postbank Berater hauptberuflich macht.

    Ein Fetzgeld mit 2% gibbet mMn derzeit nicht im Euro-Raum. Hier scheint das Pseudo-Festgeld durch einen Kickback der Ausgabeaufschläge subventioniert zu sein... oder so ähnlich. So etwas kann man auch im DIY-Verfahren darstellen.

    Aber egal... die Teuerungsrate liegt deutlich oberhalb.

    Die genannten Fonds dienen alleine dazu, dass Herr Postbank Geld verdient. Und die Wahlmöglichkeit (Papa darf sich einen oder zwei davon aussuchen) ist imho Fox alpha.

    Seriös geht anders ;-)


    Weiterhin wäre interessant zu erfahren, was Papa unter mittelfristig versteht.


    Per se würde ich überhaupt keine Anlageempfehlung aussprechen, ohne die Gesamtsituatuion zu kennen!

    Generell empfehle ich euch, dir und deinem Vater, dass ihr euch mal mit den verschiedenen Modellen von Entnahmeplänen beschäftigt.

    Daraus und mit Kenntniss der Gesamtsituation lässt sich auch in etwa ableiten, wie hoch ein Cash-Anteil und eine Investition in Sachwerte (ETF, wegen der Kosten) ausfallen sollten. Danach kann man über die "Vehikel" nachdenken.


    Vielleicht sollte sich Papa mal mit einem Unabhängigen unterhalten; spontan fällt mir da tobiasweiss ein.


    Viel erfolg bei den weiteren Recherchen!

  • JDS hat den Knackpunkt genannt. Die Fonds haben z.T. 5% Ausgabeaufschlag, über das 2% Festgeld für 6 Monate wird überschlägig 1% zurückgegeben, der Verlust von 4% bleibt und muss erst mal wieder verdient werden.


    Wenn man das mit den Produkten machen möchte bitte mal die Angebote der Fondsvermittler anschauen, da zahlt man dann keinen AA, was unter dem Strich günstiger ist.


    Ansonsten empfiehlt Finanztest / Finanztip / ... dass man das Thema Risiko i.S. von kurzfristiger Wertschwankung letztlich nur durch Steuerung der Aktienquote steuern kann. "Sicher mit Rendite" geht nicht, da Tagesgeld / Festgeld / Staatsanleihen nahe Null und damit gegenüber der Inflation negativ rentieren. Daher würde ich eher das Gespräch suchen, wie viel das Anlagekapital zwischenzeitlich an Wert verlieren darf.


    Beispiel: Wenn 10% Verlust akzeptabel sind dürfte man bei einem Risiko des Aktienmarkt-Rückgangs von 50% nur 20% in Aktien anlegen und den Rest in Tagesgeld / Festgeld, damit unter dem Strich 90% übrigbleiben.

  • Hallo Gartentraum,


    ich möchte noch einmal die Grundsatzfrage verstärken: Wozu legt Ihr Vater Geld an? Möchte er in 5 oder 10 Jahren daraus laufende Zahlungen generieren, oder wird das Geld für einen altersgerechten Umbau einer Immobilie oder den Einkauf in eine Seniorenresidenz benötigt, oder ist es ohne große Katastrophen letztendlich schon Erbmasse, oder…?


    Von der Beantwortung der Frage hängt die Anlagestrategie ab und dann kommen die Produkte.

    und möchte sein Geld gerne sicher mit etwas Rendite anlegen

    Wie Kater.Ka schon geschrieben hat, das gibt es (leider) nicht. Deshalb muss man sich ja über seine Anlageziele klar sein, damit man weiß, in welchen sauren Apfel man beißen soll.


    Gruß Pumphut

  • Ich stimme den Vorredner zu. Die Bewertung der gesamten persönlichen Situation könnte zu einer ganz anderen Empfehlung führen.


    Grundsätzlich haben die Fonds gute Bewertungen und liefen gar nicht schlecht in ihrem jeweiligen Sektor. Wenn man diese Fonds will, bekommt man sie über eine Bank, die Ausgabeaufschläge und Kickbacks erstattet, günstiger. Darüber wird halt die "Beratung" der Bank finanziert.


    Ich bin bei Mischfonds immer vorsichtig. Schon immer bei langfristigen Anlagen, weil die Anleihen die Rendite runterziehen. Kurzfristig beinhalten sie aber ein zusätzliches Risiko, das man im historischen Verlauf nicht sieht: Wenn sie langlaufende Anleihen halten, stürzen diese in ihren Kursen ab, sobald die Notenbanken doch mal die Zinsen wieder anheben. Die Situation hatten wir nun viele Jahre nicht.

  • Hallo zusammen,

    herzlichen Dank für die Rückmeldungen. Krankheitsbedingt konnte ich mich mit dem Thema leider nicht mehr beschäftigen. Das hole ich daher nun nach.

    Wichtig ist meinem Vater mit seiner Anlage, dass er nach Möglichkeit zumindest die Inflation schlägt, aber auch, dass er sein Geld nicht verliert. Sprich, er möchte schon noch Gewinne machen können, aber nicht zu jedem Preis.

    Langfristige Anlagen möchte er daher auch am liebsten nicht eingehen. Er hat sich einen Anlagehorizont von ca. 5 Jahren gesetzt.

    Eine Einmalanlage je Produkt würde er durchaus bevorzugen, Sparpläne wären aber sonst auch ok.

    Er möchte sehr gerne bei der Postbank bleiben. Daher wäre er durchaus auch offen für ETFs bzw. FTSE.

    Machen ETFs für einen solchen Anlagehorizont überhaupt Sinn?

    Welche/s Produkt/Produkte würdet ihr denn alternativ für ihn empfehlen, das/die nicht ganz so von den Kosten "aufgefressen" werden?

    Ich tue mich da schwer und bin für jede Hilfe dankbar. :-)

  • 5 Jahre ist als Anlagehorizont gerade sehr verzwickt. Sichere Anlagen bringen weniger Rendite als die erwartete Inflation. Und Aktien bzw. Indexfonds bringen zwar mehr Chancen, können einen so kurzen Zeitraum aber auch im Minus beenden. Wie schlimm wäre es denn, wenn am Ende tatsächlich ein Buchverlust von z.B. 20% stehen würde? Müsste der dann durch Verkauf realisiert werden, oder würde Dein Vater dann zähneknirschend das Geld länger investiert lassen?


    Eine sichere positive Realrendite (kaufkraftbereinigt) über 5 Jahre kenne ich nicht.

  • "Wichtig ist meinem Vater mit seiner Anlage, dass er nach Möglichkeit zumindest die Inflation schlägt, aber auch, dass er sein Geld nicht verliert. Sprich, er möchte schon noch Gewinne machen können, aber nicht zu jedem Preis."


    Wenn es das gäbe, dann hätten Lebensversicherungen, Bausparkassen etc. keine Probleme.

  • 5 Jahre ist als Anlagehorizont gerade sehr verzwickt. Sichere Anlagen bringen weniger Rendite als die erwartete Inflation. Und Aktien bzw. Indexfonds bringen zwar mehr Chancen, können einen so kurzen Zeitraum aber auch im Minus beenden. Wie schlimm wäre es denn, wenn am Ende tatsächlich ein Buchverlust von z.B. 20% stehen würde? Müsste der dann durch Verkauf realisiert werden, oder würde Dein Vater dann zähneknirschend das Geld länger investiert lassen?


    Eine sichere positive Realrendite (kaufkraftbereinigt) über 5 Jahre kenne ich nicht.

    Danke für die schnelle Antwort.

    Er würde es wohl eher zähneknirschend länger investieren.

  • Was steht ihm denn jeweils zur Wahl? Ich habe Mal den Aero Weltfonds angeschaut und die Vanguard Lifestrategy Fonds. Wäre das für ihn empfehlenswert? Ich meine nur, dass beide Produkte nicht bei der PB zu erhalten sind, wenn ich das richtig sehe...

  • ... ääähhhh... jetzt mal ganz pragmatisch...

    Das Produkt ist im Moment mal so was von sekundär!


    Zu klären wäre mMn,


    1) wie Papi derzeit und auf die absehbare Zukunft mit seiner Rente und ggfs. Zusatzrente (in welcher Form auch immer) zurecht kommt,


    2) ob eine ausreichende Reserve für unvorhergesehene Aufwendungen (Notgroschen) und


    3) eine ausreichende Reserve (Cash) für vorhersehbare oder geplante Aufwendungen vorhanden ist.


    Ferner gilt es zu hinterfragen, was mit dem zur Debatte stehenden Betrag in 5 Jahren passieren soll und um welche Dimension es sich - im Vergleich zu den laufenden Einkünften/Ausgaben - handelt.


    Ohne Kenntniss der "Gesamtsituation" ist meiner Ansicht nach jegliche Debatte über Finanzprodukte irrelevant.