MCSI World und/oder SRI

  • Hallo zusammen!

    Seite einiger Zeit habe ich mich zu ETFs soweit informiert, dass ich einen groben Überblick habe - vor allem Dank der tollen Infos von Finanztip im Web oder in den Podcasts. Nun möchte ich einen Sparplan von 100-200 Euro anlegen (+ gelegentliche Einmalanlagen) und mich dabei an den Empfehlungen von Finanztip orientieren - die machen für mich Sinn.

    Ich bin aber im Zwiespalt, ob ich dabei eine hellgrüne "nachhaltige" Strategie wähle oder nicht. Mir ist bewusst, dass die Kategorisierungen problematisch sind und auch eine Auswirkung meiner Entscheidzung zweifelhaft ist. Trotzdem möchte ich (naiv) mit meinem Geld zumindest versuchen, Einfluss zu nehmen oder durch Entscheidungen Signale zu setzen - vielleicht auch nur für mich ;). Gleichwohl geht es mir bei der langfrsitigen Geldanlage / Unterstützung zur Altersvorsorge selbstverständlich vor allem um mögliche Rendite und Sicherheit...


    Da ich mich nicht so recht entscheiden kann und trotzdem vor allem anfangen möchte, habe ich mir nun überlegt einfach 50/50 vorzugehen:

    50% auf den normalen MCSI World, vermutlich Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C (IE00BJ0KDQ92)

    50% auf einen der von Finanztip empfohlenen "nachhaltigen" ETFs: UBS ETF (LU) MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-acc ( LU0950674332)


    Mal angesehen davon, dass ich mich damit um eine richtige Entscheidung drücke, spricht sonst noch etwas gegen ein solches Vorgehen? Im Voraus vielen Dank für eure Hinweise!

  • Ganz oder gar nicht. SRI/ESG ist eine Lifestyle Entscheidung. Entweder man ist dafür oder dagegen. Gesplittet ist wie mit dem Porsche Cayenne zum Reformhaus fahren...


    Und ganz unabhängig davon, bei 200€ Sparrate spricht wenig dafür das auf mehrere Fonds aufzuteilen. Beide Varianten sind ordentlich diversifiziert und sollten von der Rendite im groben gleich hinkommen

  • ich find da spricht nichts gegen, jede/r so wie er/sie das möchte.


    Zu bedenken wäre:

    * SRI/ESG ETFs eh schon ein Kompromiss, warum dann noch weiter verwässern?
    * Der SRI World ist m.e. ausreichend diversifiziert.


    Ich finde es zieht eher das Argument der geringen Sparrate. Da würde ich mir nicht mehre Sparpläne bauen oder kompliziert was splitten.

  • Ganz oder gar nicht. SRI/ESG ist eine Lifestyle Entscheidung. Entweder man ist dafür oder dagegen. Gesplittet ist wie mit dem Porsche Cayenne zum Reformhaus fahren...

    Das dient doch immer nur als Pseudoargument um sein Verhalten nicht ändern zu müssen. Es ist völlig egal ob man mit einem peinlichen Auto zum Biomarkt (so nennt man das heutzutage ;)) fährt oder nicht. Jede "gute Tat" hilft. Du zockst als FDP-Leistungsträger Leute professionell und legal ab? Kein Problem, dem Obdachlosen um die Ecke ist das doch Wumpe wenn du ihm ne Decke schenkst im Winter. Wenn du an ESG Fonds glaubst aber nicht alles auf eine Karte setzen möchtest so ist eine Mischung ganz nach deinem Geschmack vollkommen in Ordnung.

  • Vielen Dank für eure Antworten!

    Vielleicht noch zur Ergänzung eine Bemerkung: Die Sparrate wäre das in jedem Fall mögliche absolute Minimum und wird sicher demnächst noch höher ausfallen - hier ging es mir ebenfalls um das zügige Anfangen, ohne zu viel nachzudenken (was mir schwerfällt 🙈). Aktuell horten wir noch möglichst viel Eigenkapital für einen Hauskauf.

    Mein Gedanke war auch, dass ich zukünftig relativ problemlos vollständig auf einen der beiden ETFs umschwenken könnte, wenn ich mir da sicherer bin - oder übersehe ich hier evtl. Probleme?


    Und noch für mein grundsätzliches Verständnis gefragt: Inwiefern ist eine geringe Sparrate in dem Kontext ein Problem bzw. die von rzf9bgw-jyt@vgd4CWP erwähnte Verwässerung - das ist mir noch nicht ganz klar? Nochmals besten Dank!

  • Probleme sehe ich in keinem der 3 Szenarien und wollte dich nicht vom starten abbringen. 😀


    Ich selbst habe 90% meines Risiko behafteten Portfolios in dem oben genannten world sri. Mit „verwässern“ wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ich den bereits für einen hinlänglichen Kompromiss aus weltweiter diversifikation und marktrendite halte.


    Der ist eben nur „etwas weniger schlimm“ und nicht hardcore gefiltert. Da bräuchte es für mich persönlich nicht noch einen mix mit einem normalen world etf.


    Wenn dir das aber hilft, ins Tun zu kommen, sehe ich da nichts was dagegen spricht.

  • Wenn Du nicht 7,95 € flat pro Sparplanausführung zahlst, sondern wenig oder gar nichts, dann kommt es aus meiner Sicht nur noch darauf an, ob Du es möglichst einfach und übersichtlich haben willst oder Du vielleicht sogar Spaß an kleinen ETF-Laubsägearbeiten hast. Im letzteren Fall spricht auch nichts dagegen, gerade in einer Testphase mit kleinen Summen verschiedene Sparpläne zu starten, um ein Gefühl dafür zu bekommen und die Handhabung zu üben. Später kannst Du denn z.B. den schlechteren Sparplan (nach welchen Kriterien auch immer) stoppen und vielleicht nach und nach solche Positionen veräußern, um die Sparerfreibeträge jährlich auszunutzen,

  • Danke, jetzt ist mir klar! Ich habe mir für den Zweck bei Scalable den Free Broker eingerichtet, da wäre der „normale“ Xtrackers (oder auch ggf. der entsprechende iShares als Alternative) ohnehin kostenlos sowie ein weiterer nicht explizit konstenloser Sparplan - das wäre dann der UBS SRI.

  • Hallo,


    Ich befinde mich selber seit > 1 Jahr in diesem Dilemma.

    höre selbstverständlich auch Saidis Podcast jede Woche u.a. (Finanzwesir, -Rocker, Handelsblatt)

    Leider habe ich so eine dermaßen große Abneigung gg Amazon, daß es mir hochkommt, wenn ich daran denke, daß ich die unterstützen würde... (ich weiß man sollte bei der Geldanlage sachlich bleiben ...)



    In einem Podcast mit Kommer hat er davon gesprochen, daß ESGs aktuell vielleicht besser laufen, aber in der Zukunft anzunehmen ist, daß marktneutrale ETFs dann wieder besser laufen.

    Er hat es in etwa so argumentiert, daß "die schlechten Unternehmen" viele höhere Renditen für ihre Investoren hinblättern müßten (was für die wiederum gut ist) .. das scheint mir hinsichtlich Anleihen klar - aber gut bewertete Aktien sollten doch immer ein Vorteil sein - also nicht nur für den Investor als auch für das Unternehmen ..


    oder meint er ganz einfach, daß af Dauer schlecht bewertete Aktien einfach mehr Käufer finden, weil evtl. mehr Renditepotential??


    Ich habe keinen VWL Hintergrund..


    frohes Fest euch Allen!

  • Bei Aktien gibt es zwei relevante Aspekte

    1. Dividendenrendite. Ein Unternehmen erwirtschaftet einen gewissen Gewinn und schüttet den an alle Aktionäre aus, sagen wir mal 5€ pro Aktie. Wenn die Aktie 100€ kostet ist die Dividendenrendite natürlich viel besser als bei 200€/Aktie. Das macht zum Beispiel Tabakfirmen recht attraktiv.

    2. Potentielle Wertsteigerungen. Das hast du ja selbst erkannt. Eine Firma mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis hat ein wesentlich höheres Potential den Kurs zu steigern als eine mit hohem KGV da das nicht ins unermessliche steigen kann. Wenn jetzt alle "nachhaltig" investieren, dann treibt das die Kennzahlen der "guten" Unternehmen hoch und die der "schlechten" Unternehmen runter. Wenn wir jetzt davon ausgehen dass langfristig die Kennzahlen für alle Unternehmen irgendwie zur Mitte tendieren (wenn auch nicht in allen Branchen gleich), dann ist klar dass die "bösen" Unternehmen tendenziell steigen werden und die "guten" tendenziell unterdurchschnittlich performen werden.

  • Hmmm, die Tabakgeschichte hatten wir schon mal an anderer Stelle im Forum…. aber was nützt eine gute Dividende wenn der Kurs (nicht nur Tabak) Jahr für Jahr nach unten geht? Bei den sogenannten sauberen ETFs bin ich nach wie vor skeptisch. Hier sind meiner Meinung nach zu viele Aktien drin die da nicht hin gehören. Aber jeder sollte da für sich selbst entschieden.

  • An der Stelle ist noch eine Unterscheidung wichtig. Grundsätzlich lassen sich hier 2 Phasen definieren: ein Übergang und langfristige Zukunft.

    Im Übergang ist es sehr attraktiv die "guten" Aktien zu halten da sich deren KGV erhöht, somit Kursgewinne eingestrichen werden können ohne dass sich die Kennzahlen des Unternehmens verbessern. Irgendwann ist aber ein Ende der Veränderungen erreicht und ab diesem Zeitpunkt dürfte es genau umgekehrt sein.

  • Leider habe ich so eine dermaßen große Abneigung gg Amazon, daß es mir hochkommt, wenn ich daran denke, daß ich die unterstützen würde... (ich weiß man sollte bei der Geldanlage sachlich bleiben ...)

    Jeff hat gerade angerufen - ganz traurig hat er geklungen - und gefragt, weshalb Prizzi ihn nicht unterstützen will...


    Ja... ich weiß... wenn alle so denken würden... schon klar ;-)

  • Leider habe ich so eine dermaßen große Abneigung gg Amazon, daß es mir hochkommt, wenn ich daran denke, daß ich die unterstützen würde...

    Geht mir auch so, deshalb bleibe ich lieber in Euro-Werten. Auch wenn die Rendite dann weniger ist als bei MSCI World. Aber ich finanziere wenigstens keinen Weltraumtourismus.


    Zu den Dividenden:


    Ausgeschüttete Erträge mindern das Steueraufkommen der Firma, während sie vom aktuellen Kurs eher wenig hat. Der Kurswert an der Börse wechselt ja nur den Besitzer. Von Aktienneuemissionen mal abgesehen.

  • Jeff hat gerade angerufen - ganz traurig hat er geklungen - und gefragt, weshalb Prizzi ihn nicht unterstützen will...

    Ein Aspekt wurde hier noch gar nicht beleuchtet (so ich es nicht übersah):


    Wie wirkt sich der Kauf einer Aktie überhaupt auf das jeweilige Unternehmen aus? Und wie sehr leidet "Jeff" oder "Dave" (David MacLennan, CEO von Cargill, dem schlimmsten Unternehmen der Welt) darunter, wenn wir sie wieder verkaufen? Also mal angenommen, das ganze Finanztip Forum würde es gemeinsam tun. Es sind ja Aktien, die hatten vorher einen Besitzer, von dem ich sie gekauft habe, und die haben nach dem Verkauf wieder einen anderen.


    Kann ich die Welt dadurch verbessern, Aktien guter Unternehmen zu kaufen? Oder soll ich vielleicht sogar besser Aktien der bösen kaufen, meine Aktionärsrechte nutzen und gemeine Fragen in der nächsten Hauptversammlung stellen? Das ginge denn aber nicht mit ETFs.

  • Kann ich die Welt dadurch verbessern, Aktien guter Unternehmen zu kaufen? Oder soll ich vielleicht sogar besser Aktien der bösen kaufen, meine Aktionärsrechte nutzen und gemeine Fragen in der nächsten Hauptversammlung stellen? Das ginge denn aber nicht mit ETFs.

    Wenn man heutzutage noch für umsonst auf Firmenkosten zur HV anreisen darf, sicherlich.


    Ansonsten wäre ein börsenunabhängiges Investment in ein "gutes" Unternehmen vermutlich effektiver. Z.B. eine Unternehmensanleihe, die man von Emission bis Fälligkeit hält.

  • Hallo zusammen,

    absolut egal ist aus ethischer Sicht sicherlich nicht.


    Der Effekt ist jedoch nicht so groß.

    Sicherlich kleine Dinge bewirken auch etwas.

    Es geht wohl ehr um politisches notwendiges Handeln, als die eigene Vermögensentwicklung zu behindern.


    Absolut trennen ist vielleicht zu viel gesagt, jedoch auch nicht alles in einen Topf werfen.


    Wenn, dann könnt auch hell grünes vorgehen reichen.


    LG