Aktienmärkte bringen nur 2% Rendite

  • Liebe Finanztip-Community,


    es wird gerne behauptet, dass Weltweit-Aktien-ETFs langfristig eine gute Rendite von 7-8% bringen. Wenn man es aber genauer nachrechnet, sind die Zahlen ganz anders.


    Im Jahr 2000 wurden 10000$ in Aktien angelegt: 50% US-Aktien und 50%-Global ex-US (also Weltweite Aktienmärkte ohne US Anteil). Jedes Jahr wurde dann Rebalancing durchgeführt, damit die Anteile von US und nicht-US Aktien gleich sind. Auch wurden Kosten abgezogen: 0,2% jährlich für die ETF-Verwaltung. Im Jahr 2021 ist das Portfolio 33220$ Wert.


    Wenn jetzt alles verkauft wird, dann muss der Anleger eine Kapitalertragsteuer in Höhe von 25% zahlen. Dann sind noch etwa 24915$ übrig. Wenn man noch die Inflation berechnet, waren im Jahre 2000 15640$ genau so viel wert, wie die 24915$ jetzt.


    Aus 10000$ sind 15640$ geworden. Also hat der Anleger nach 21 Jahren eine Rendite von ca. 2,2%. 2% Rendite erwartet man eher von risikoarmen Anlagen.


    Sind also Aktienmärkte keine gute Idee um Vermögen aufzubauen? Und sind weltweite Aktien-ETFs das neue Sparbuch?


    Quellen zum Nachrechnen:

    Wertentwicklung des Portfolios: https://www.portfoliovisualize…st-asset-class-allocation

    Inflation von Dollar: https://www.usinflationcalculator.com/

  • Die Rechnung stimmt hinten und vorne nicht.


    1. Jede Umschichtung ab dem Jahr 2009 hat einen Steuerabfluss ausgelöst, der per Saldo die mögliche Rendite gedrückt hat.


    2. Du zahlst 25% auf die Kursgewinne. Also (ohne Umschichtungen zu berücksichtigen) 33.220 Dollar ./. 10.000 Dollar = 23.220 Dollar Gewinn x 25% = 5.805 Dollar Steuern.


    3. Die Renditebetrachtung erfolgt natürlich immer vor Steuern.


    4. Hättest du seit 2009 nicht mehr umgeschichtet, hättest du den größten Teil steuerfrei vereinnahmen können.

  • Die Rechnung stimmt hinten und vorne nicht.


    Wenn man alle Steuern weglässt und keine Umschichtungen macht, kommt man höchstens auf eine Rendite von 4%. Das war aber früher so, die Abgeltungsteuer wird in der Zukunft zu einem Renditefresser.

    2. Du zahlst 25% auf die Kursgewinne. Also (ohne Umschichtungen zu berücksichtigen) 33.220 Dollar ./. 10.000 Dollar = 23.220 Dollar Gewinn x 25% = 5.805 Dollar Steuern.

    Ist auf jeden Fall ein Rechenfehler. Allerdings, bei einer Hyperinflation wird man diesen Fehler nicht bemerken.


    Das ist auch ein Problem der Kapitalertragsteuer, es werden nur Kursgewinne berücksichtigt; als ob 1$ vor 20 Jahren genau so viel Wert war, wie heute. Falls die Aktien um 10% steigen und die Inflation auch 10% ist, muss man beim Verkauf trotzdem die Kapitalertragsteuer zahlen. Obwohl der Anleger in der Realität keine reale Gewinne gemacht hat.

  • Im Jahr 2000 wurden 10000$ in Aktien angelegt: 50% US-Aktien und 50%-Global ex-US (also Weltweite Aktienmärkte ohne US Anteil). Jedes Jahr wurde dann Rebalancing durchgeführt, damit die Anteile von US und nicht-US Aktien gleich sind.

    Das ganze Setup hat - wie so viele - zwei grundlegende Probleme:

    1. es wird zu einem Zeitpunkt X angelegt und zu einem Zeitpunkt Y alles verkauft. Daraus wird eine Rendite berechnet. In der Realität ist ein Portfolio aber fast nie statisch. Man spart jeden Monat ein bisschen dazu und in der Rente verkauft man nach und nach

    2. als Folge des statischen Portfolios wird man extrem timing-sensitiv. 2000 waren Aktien gerade in einer hübschen Blase. Fängt man 2002 oder 2003 an, sieht das Endergebnis total anders aus.


    Dazu kommt noch ein weiteres Missverständnis:

    2% Rendite erwartet man eher von risikoarmen Anlagen.

    2% reale Rendite wird dir keine risikoarme Anlage langfristig bringen. Diese halten in der Regel nur mit der Inflation Schritt und vom nominalen (!) Ertrag sind Steuern zu zahlen. Ergebnis ist eine negative reale Rendite nach Steuern für Tagesgeld und Staatsanleihen. Insofern ist der aktuelle Nullzins wenigstens ehrlich. Wenn man 10% für eine Bundesanleihe bekommt und davon 25% abgeben muss dann war man bei 8% Inflation auch real im Minus.

  • Letztendlich sagt die Rechnung nur aus: "Die Aktienmärkte haben seit dem Jahr 2000 nach Versteuerung des Gewinns eine um 2 Prozentpunkte höhere Rendite gebracht als Anlagen, die nach Versteuerung des Gewinns die Inflation ausgleichen konnten."


    Mag sein, dass diese Aussage stimmt, für Anlageentscheidungen ist sie völlig wertlos. Nutzbar wäre sie nur, wenn es eine risikolose Anlage gäbe, die nach dem Abführen der auch dort anfallenden Steuern (diese werden oben ausgeblendet) ein Rendite in Höhe der Inflation erwirtschaftet. Eine solche Anlage gibt es jedoch nicht.