PV Anlage, Stromspeicher und Solar Cloud: Gibt es eine "Rule of thumb"/ ein "Best Practice", an dem ich mich orientieren kann?

  • Hallo liebes Forum,


    5 Angebote, 5 verschiedene Sichtweisen auf das Thema. Es ist schwer Orientierung zu finden, daher versuche ich mir folgendes herzuleiten, auf Erfahrungen oder alternative Sichtweisen bin ich sehr dankbar.

    Hier die Eckdaten und meine Annahmen:

    • weniger als 4.000kWh Verbrauch p.a., wenn überhaupt nur ganz leichter Anstieg angenommen für die nächsten Jahre (vermutlich nicht mehr als 10% Mehrverbrauch in den nächsten 5-10 Jahren)
    • Ein Stromspeicher (zB 5,5 kWh) wird in den nächsten Jahren deutlich günstiger werden, daher parke ich das Thema und kaufe es heute nicht
    • Ein Kauf/ finale Beauftragung ist im Frühjahr/Frühsommer vermutlich interessanter, weil Beschaffungskosten (wg Fracht, Lieferschwierigkeiten) niedriger werden
    • Auch wenn alle Anbieter eine schnelle Entscheidung einfordern, u.a. mit der Begründung, die EEG Vergütung mitzunehmen, ist es für eine Entscheidung aus meiner Sicht vernachlässigbar, wenn in den Wintermonaten die Sonne weniger scheint: Das, was produziert wird, wird direkt verbraucht, da gibt es nicht viel einzuspeisen.


    Nun zu meinen Gedanken:

    - Kauf einer PV Anlage mit der Größe um die 6-7kWp und entsprechende Vorbereitung für einen Stromspeicher

    - Kauf Stromspeicher in 1-2(?) Jahren mit der Größe 5,5kWh, auch wenn es aktuell in meiner Stadt gefördert wird


    Würdet ihr auch so entscheiden?

    Verunsicherung besteht bei folgenden Aussagen, die ich erhalten habe:

    1. Glas/Glas Module sind langlebiger als Glas/ Folie: Die Leistungsdifferenz fällt nicht so stark ab ab nach ca. 20 Jahren wie bei Glas/Folie. Korrekt? Siehe auch Punkt 2 "TÜV"
    2. Die Organisation PVEL ist eine Art "TÜV" (oder Stiftung Warentest) für PV Anlagen, wer es nicht auf die Liste schafft, hat kein gutes Produkt
    3. Alle Hersteller produzieren in China, auch die deutschen Hersteller
    4. Der Stromspeicher sollte gelistet und bewertet sein bei/ durch die Stromspeicher Inspektion 2021 (auch eine Art "TÜV")?
    5. Virtuelles Kraftwerk führt zu Zusatzeinnahmen, die sich lohnen, sind aber nur in ZUsammenhang mit einer Solar Cloud möglich. Machen/ nicht machen?
    6. Solar Cloud: 0 EUR Grundgebühr bei der sonnenCommunity. Machen oder nicht machen? Zu welchem Kurs kauft man die kWh dann ein?
    7. Nächster Firmenwagen ist ein Hybrid mit kleinem Speicher. Kann man den Speicher des Autos als Mini-Stromspeicher nutzen, wenn man eine Wallbox hat?
    8. Autarkiegrad von 70% möglich mit PV Anlage und dem Stromspeicher in der Größe wie oben angegeben? Oder ist das eine Illusion?


    Gibt es im Netz (habs noch nicht gefunden) einen Kalkulator, der neutral und gut ist, um die Angebote durchzurechnen?


    Danke im Voraus :thumbsup: Je tiefer ich eintauche, desto mehr Fragen habe ich :/


    Mr Lofrs

  • Kann dir nur einen Teil davon beantworten.

    Stromspeicher lohnt sich aktuell nur mit entsprechender Förderung (z.B. Effizienzhaus 40+). Unsubventioniert zahlt man eher drauf. Rechnungen dazu sind alle schwierig, da nicht nur der Gesamtverbrauch zählt sondern dein Nutzungsmuster und auch so Kleinigkeiten wie angenommene Bewölkung. Das gleiche gilt bei allen Rechnungen zum Autarkiegrad. Bei gleichem Gesamtverbraucht macht es einen riesigen Unterschied ob du tagsüber zu Hause arbeitest, mittags kochst, etc oder den Verbrauch am Abend hast.


    Solarstrom-"Clouds" sind ebenfalls ein schwieriges Thema. Tendenz unlohnend. Du gibst tendenziell Strom zu Überflusszeiten (Sommer, Mittags) ab und beziehst den zu Knappheitszeiten (Winter, Abends). Das kann sich für den Anbieter nur rechnen wenn er an anderer Stelle kräftig zulangt. In der Regel hast du Pakete (z.B. 2000kWh) mit entsprechender Grundgebühr. Alles was übers Paket geht, kostet deutlich mehr als normal.


    EEG ist nicht nur relevant wegen der tatsächlichen Einspeisung sondern auch weil die Einspeisevergütung immer weiter sinkt.


    Auto als Batterie hört sich in der Theorie toll an, ist in der Praxis aber irrelevant. Das Auto braucht man vor allem tagsüber. Nachts wenn es zu Hause steht scheint keine Sonne. Selbst wenn das unterstützt würde, ist das eher unlohnend.

  • Danke für die schnelle Reaktion! Das vorgestellte Solarstrom Anbebot kommt ohne Grundgebühr mit monatlicher Kündigungsmöglichkeit, Details entziehen sich mir zum aktuellen Stand der Diskussion.


    Stromspeicher: Ich arbeite 100% von zu Hause, meine Partnerin ca. 60% von zu Hause. Tendenziell würde ich aktuell sagen, dass der Strom gleichmäßig über den Tag verteilt genutzt wird. Wie die Bewölkung ausschaut kann man tatsächlich nie vorhersagen.


    EEG: Korrekt, allerdings in den sonnenarmen Monaten allein wegen der EEG das Projekt zu starten ist aus meiner Sicht nicht entscheidend, da in den sonnenarmen Monaten vermutlich(?) der Verbrauch aus eigener Produktion kommt (plus Zukauf), und nicht eingespeist wird.


    Auto: Tatsächlich steht das Auto oft tagsüber auf dem Hof (Stand heute, dank Corona).


    In Minischritten zur richtigen Entscheidung, vielen Dank als Sparringspartner mit in den Ring gestiegen zu sein :thumbup::thumbup:

  • ich glaube bei der EEG liegt ein Missverständnis vor:


    Die Höhe der EEG für die Einspeisung wird festgelegt in dem Monat der Inbetriebnahme der PV.

    Die Höhe ist dann für 20 Jahre fest.


    Die Höhe der EEG ist aber fallend. Mit jedem Monat der vergeht sinkt also die Vergütung für die nächsten 20 jahre.


    Somit wird die Rentabilität in Zukunft immer mehr vom Eigenverbrauch abhängen, je später die Anlage in Betrieb geht.

  • Hohe Investitionskosten, viel Mikromanagement. Ich zahle da lieber die 100-150 Euro monatlich an den Stromanbieter, als mir darüber den Kopf zu zerbrechen und die ganze Arbeit zu haben.


    Mein Nachbar schwärmt von seiner Anlage und hat das ganze Dach zugekleistert. Kosten mindestens 20.000 Euro. In 10 Jahren hat sich die Anlage angeblich amortisiert.


    Während er seine Pfennige zählt, haue ich lieber 20.000 Euro in einen Spac der in 10 Jahren locker 200.000 Euro wert ist. :S

  • Danke Ozymandias für den Beitrag, da meine Motivation aber auch ist, meinen Beitrag (in dem Rahmen, den ich einbringen kann) zur Energiewende zu leisten, hilft mir persönlich diese Info zum Spac nicht ;)

  • Hohe Investitionskosten, viel Mikromanagement. Ich zahle da lieber die 100-150 Euro monatlich an den Stromanbieter, als mir darüber den Kopf zu zerbrechen und die ganze Arbeit zu haben.

    Bald wirst du in der Hinsicht keine Wahl haben. In BW ist die Solarpflicht für Neubauten bzw. Dachsanierung schon beschlossen. Und bundesweit wird das auch noch kommen, da bin ich mir sicher. Kostet die Regierung erstmal nichts und klingt gut "fürs Klima". Da würde ich das lieber machen solange es noch eine Einspeisevergütung gibt ;)

  • Um nochmal auf das warten der PV-Anlage und das verschieben auf den Sommer zurück zukommen:
    Ab Dezember (Inbetriebnahme) beträgt die Einspeise-Vergütung für Dachanlagen bis 10 kWp unter 7 Cent pro kWh.

    Wir sind Mitte letzten Jahres an das Netz gegangen mit noch 9,3 Cent also gute 2,3 Cent mehr.


    Wenn man jetzt z.B. rechnet das man mit der geplanten 7 kWp-Anlage zb. 4000 kWh pro Jahr einspeist, so hätte das Warten über diesen Zeitraum pro Jahr ca. 100 € gekostet.

    Da die Einspeisung für 20 Jahre fest ist bekommt man über die 20 Jahre also 2000,- € weniger für seinen Strom zurück.

    Und wir reden "nur" über einen Zeitraum von gut 14 Monaten unterschied der Inbetriebnahme.


    Das warten hätte sich aus wirtschaftlier Sicht also nur gelohnt wenn die Anschaffung 2000,- € weniger gekostet hätte oder der Eigenverbrauch weiter gesteigert werden könnte. Sonst wäre das warten Kontraproduktiv gewesen.


    Laut einem Fachblatt lassen sich, wenn die Einspeisungsvergütung weiterhin mit 1,4 -1,5 % im Monat fällt, ab Mitte bis Ende 2022 kaum noch neue Anlagen wirtschaftlich betreiben ohne das man den Fokus voll auf Eigenverbrauch legt.

  • Schon heute macht eine PV-Anlage nur Sinn, wenn der Eigenverbrauch möglichst hoch sein soll. Die Einspeisung ist nur Zubrot. Meine erste Anlage aus 2000 bracht 99 Pfennig pro kWh an Einspeisung, ist inwischen ausgelaufen und bringt heute 2 Cent pro kWh. Wir an den Hausmieter verpachtet für Eigenbedarf. Die zweite Anlage aus 2004 bringt noch 56 Cent pro kWh.

    Meine dritte Anlage mit 7,2 kWp habe ich im Februar 2021 aufgelegt und bringt 8 Cent pro kWh. Mit Speicher (8 kWh) komme ich bisher auf einen Eigenverbrauch (2200 kWh im Jahr) auf eine Quote zwischen 81 und 98 Prozent im Monat. Der schlechteste Monat war bisher der Oktober. Die Kosten der Anlage betrugen rund 21T Euro und ist keine Billigtechnik von der Stange.

    Wer auf die reine Rendite in kurzer Zeit schielt, sollte die Finger davon lassen. Der Umweltgedanke ist maßgeblich. Ich habe bisher 5,5 MWh produziert und so mit der Anlage 2,2 Tonnen Co2 eingespart. Würden alle Häuser ihren Strom selbst produzieren, wäre schon viel zur Energiewende beigetragen.

  • ja, absolut.

    Wir haben auch hin und her gerechnet weil viele Monteure immer wieder gesagt haben "Mach das Dach voll".

    Natürlich kostet die kwp Leistung weniger in der Anschaffung je größer sie ist da viele Arbeiten nur 1x anfallen bzw. Ksum mehr Aufwand sind.


    Aber du must den strom auch verbrauchen können. Wenn dann mittags die Sonne auf dem Dach brät, die Anlage volke Leistung fährt ich aber so viel Energie überhaupt nicht verbrauchen kann ist es sinnfrei sie für 7 Cent oder weniger zu verhökern.

    Wirtschaftlich ist das Unfug.


    Wir haben das Dach also nicht voll gemacht sondern sind nach Verbrauch +Puffer für die Zukunft gegangen. Dafür haben wir die Anlage dann optimal ausgerichtet auf dem Dach das, selbst im Winter so gut wie keine verschattung durch die Nachbargebäude erfolgt und somit so viel und lange wie möglich alles mitgenommen wird.


    So kommen wir auf eine Autarkie von 44 % im laufenden Jahr ohne Speicher

  • Kann man so sehen...

    Meine Überlegung in der gleichen Situation war, dass das E-Auto irgendwann kommen wird, von daher lieber jetzt etwas größer geplant und später nicht nachrüsten müssen... Zumal sich der Vorteil von "Dach voll" jetzt im Winter zeigt, wenn die Wärmepumpe läuft - Autarkiegrad von teilweise 1/3.

  • Die Frage nach "Dach voll" stellte sich bei uns nicht da eine Teilbeschattung vom Nachbarhaus vorliegt. Selbst im Sommer kommt die Sonne erst ab 14:30 Uhr am Gebäude vorbei das sich selbst zusätzliche Strings oder Optimierer nicht rentiert hätten.

  • Autarkiegrad von teilweise 1/3.

    Wenn Autarkie das Ziel ist, dann so viel wie möglich. Aber bei den Einspeisevergütungen die man noch erhält wenn man jetzt baut ist eine 20 kWp Monsteranlage nicht wirtschaftlich da man für den eingespeisten Strom tendenziell drauf zahlt. Ein Elektroauto ändert daran auch nur bedingt was, da das Elektroauto (siehe anderer Thread) auch zur entsprechenden Zeit laden muss.


    PS: wegen der tief stehen Sonne wäre für den Winter ohnehin eine Wandmontage sinnvoller als auf dem Dach

  • Wenn Autarkie das Ziel ist, dann so viel wie möglich. Aber bei den Einspeisevergütungen die man noch erhält wenn man jetzt baut ist eine 20 kWp Monsteranlage nicht wirtschaftlich da man für den eingespeisten Strom tendenziell drauf zahlt. Ein Elektroauto ändert daran auch nur bedingt was, da das Elektroauto (siehe anderer Thread) auch zur entsprechenden Zeit laden muss.


    PS: wegen der tief stehen Sonne wäre für den Winter ohnehin eine Wandmontage sinnvoller als auf dem Dach

    Klar, das sind letztlich immer Überlegungen, die man für sich und seine individuelle Situation treffen muss. Wir haben uns auch für den Speicher entschieden und sind im Sommer komplett autark, im Winter bisher zu erwähntem Drittel. Sicher, das E-Auto müsste tagsüber laden, aber derzeit bin ich an drei von fünf Tagen im Homeoffice, ich glaube auch nicht, dass sich das nochmal ändern wird.

    Die Einspeisung selbst rentiert sich nicht, das ist richtig.

  • Bei Lage an der Nordsee, Südost-Ausrichtung, Verschattung durch Nachbarhaus und wenigen Sonnenstunden komme ich mit meiner 7,2 kWp-Anlage im November 2021 auf 50% Eigenproduktion. Ich finde, eine super Leistung. Hätte jedes Dach eine solche Leistung im November, müsste deutlich weniger Fremdstrom (Kohle, Gas, Wind) produziert werden und wir wären dem Klimaziel schon einen großen Schritt näher.