EZB-Entscheid - geplante ETF-Investitionen vorziehen?

  • Liebe Community,


    ich plane in diesem Jahr 30.000 EUR zu 50/50 in ETF-Aktien (Weltfond) und EUR-Staatsanleihen anzulegen.
    Ursprünglich wollte ich die Summe per Sparpläne über einen Zeitraum von 12 Monaten investieren. Natürlich
    um von Ausgleichseffekten zum Kaufzeitpunkt zu profitieren. Aufgrund der EZB-Entscheidung ist nun vermutlich
    zeitnah von einer gesteigerten Inflation und einem Aktienanstieg auszugehen. Sollte ich nun das Geld besser
    auf einen Schlag in die entsprechenden ETF's investieren?


    Lieben Dank für Eure Meinungen und Ratschläge
    Ben

  • Hallo @BAMU


    ich halte die Wahl mit dem Sparplan für sehr schlau und würde empfehlen, das auch so zu machen. Mutmaßungen über steigende Inflation und kurzfristig höhere Kurse bleiben Spekulation. Mit dem Sparplan sichern Sie sich gegen große Schwankungen ab. Natürlich kann man immer erst hinterher sagen, welche Variante die bessere gewesen wäre. Es ist gut möglich, dass Draghis QE nicht die erhofften Effekte bringt.


    Noch ein Tipp zu den EUR-Staatsanleihen. Probieren Sie doch Festgeld aus. Da gibt es mehr Zinsen als auf Rentenfonds, wo die Effektivverzinsung bei unter 1 % liegt (siehe http://media.fundinfo.com/pdf/…0RM447_YES_2014-12-31.pdf)


    Beste Grüße


    Manuel

  • Hallo @ Manuel


    Ich bespare den DBX0AC erst seit Juli. Resultat bei monatlichem Sparplan: +5,5%. Hat allerdings in den letzten Tagen einen Sprung gemacht und dass er geht mit Sicherheit wieder runter. Für mich ist es einfach Teil meiner Diversifikation. So wie ich auch weiterhin in Rohstoffe investiere weil ich glaube dass sie in den nächsten 30 Jahren wieder Hochphasen haben werden.


    Ich finde Festzins in dieser Niedrigzinsphase jedenfalls nicht die Optimallösung. 2% gibt's ab 5 Jahren? Und wenn ich die Kohle in 4 Jahren brauche? Der DBX0AC ist bis morgen verkauft.


    Zu guter letzt. Ich bin Laie. @Manuel ist Profi.

  • Hallo @chris2702,


    Wir empfehlen Festgeld bis 3 Jahre, dafür gibt es derzeit 1,86% p.a. bei der CACF. Die Liquidität ist ein wichtiger Punkt, der für die Rentenfonds spricht. Mit Festgeld kann man durch eine Zinstreppe etwas Liquidität schaffen, etwa 25% Tagesgeld und je 25 % mit Laufzeiten 1,2 und 3 Jahren. Die Rendite geht dann etwas runter, aber man hat jedes Jahr 50 % zur Verfügung. Und es ist ein bisschen mehr Aufwand.


    Die Renditeaussichten sind dann wohl immer noch höher als bei den Rentenfonds. Der Grund: Die Rendite von Rentenfonds setzt sich aus der Effektivverzinsung des Rentenfonds und möglichen Kursgewinnen oder Verlusten zusammen. Die Effektivverzinsung sind die angesprochenen 1,25 % minus 0,15 %(http://media.fundinfo.com/pdf/…feaf58193e484403df1ed.pdf - sorry, der andere Link war falsch). Das ist in etwa die Rendite, wenn sich die Zinsen sich nicht ändern und gleich bleiben.


    Die Kursgewinne hängen mit der Modified Duration zusammen. Sie ist 6,91. Das bedeutet in etwa, dass der Kurs um 6,91% steigt, wenn die Zinsen um 1% fallen und andersrum.


    Fazit: Wenn die Zinsen weiter fallen, ist der Rentenfonds ein guter Griff, wenn die Zinsen wieder steigen oder gleich bleiben, ist Festgeld besser.


    Noch ein Nachsatz: Der Rentenfonds ist auch nicht risikolos, 36% der Anleihen haben nur ein "BBB" Rating (Spanien und Italien). Ist also auch ein anderes Risikoprofil als Festgeld aus Deutschland oder Frankreich.


    Beste Grüße


    Manuel

  • Hallo @Manuel


    finde diesen Thread erst jetzt und bin total begeistert. Hatte die gleichen Überlegungen und Sorgen wie BAMU.


    Habe mich für einen sofort Einstieg in den ETF World ohne Sparplan entschieden. Bei der 50 % Absicherung in ETF Renten habe ich (Gott sei Dank) gezögert und werde nun den Festzinsansatz verfolgen. Erwäge einen Teilbetrag teils in den Cosmos Direct Vorsorgeplan/konto zu parken - steigender Fest- Zinsplan bei voller Liquidität und witziger Weise wieder im Umfeld von Renten angelegt.


    Viele Grüße und vielen Dank!


    Didi

  • Hallo @Manuel,


    ich habe wohl die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge von Zinsniveau und Staatsanleihenrendite nicht ganz verstanden. Du empfiehlst weiter oben Festgeld, weil Staatsanleihen weniger Rendite bringen werden. Ich habe o.g. ETF seit Juli bespart, monatlich 50 Euro. Haben sich in dieser Zeit die Zinsen verändert? Im Juni 14 gab es die Veränderung zu 0,15%, im September 14 0,05%, seitdem ist nichts passiert. Mein ETF hat in 7 Monaten 5,5% Rendite gebracht, mehr als ich jemals erwartet hätte. Ich wäre schon von 2% in 6 Monaten begeistert.


    Ich wollte eigentlich meinem Vater empfehlen, diesen ETF ebenfalls zu kaufen, deine Aussage macht mich nun nachdenklich, da ich ihm natürlich keine Zitronen empfehlen will. Meine Verwunderung rührt daher, dass zinstechnisch nicht viel passiert ist, der ETF aber super performt hat. Wieso soll er in Zukunft einbrechen?


    Hast du vielleicht einen Link, wo der Zusammenhang zwischen Zinsniveau, Staatsanleihen etc. allgemein verständlich erklärt wird? Oder kannst es mir in wenigen Worten erklären? Das wäre super! Danke schonmal.

  • Hallo zusammen,
    ich bin an einer Antwort/Einschätzung zur Frage von @chris2702 ebenfalls interessiert. Hatte eine ähnliche Frage im Thread "ETF-Frage" gestellt.


    Aufgrund meiner "Entscheidungs-Not" habe habe ich am Wochenende versucht dieses Phänomen selbst zu ergründen. Die einzige Erklärung die ich gefunden habe bzw. verstehe, zitiere ich aus aus folgendem Link aus August 2013 in ähnlichen Sache:


    Zitat Anfang --------------------------------------------------------------------------
    Falsche Anreize für Index-Rentenfonds
    Anleihenindizes bergen jedoch eigenen Tücken. Die Analysten der Fondsratingagentur Morningstar arbeiteten kürzlich in einer Studie heraus, dass Anleiheindizes meist nach dem Volumen der ausstehenden Anleihen berechnet werden. Das bedeutet jedoch, dass ein Schuldner ein umso größeres Gewicht im Index bekommt, je mehr Schulden er macht. Je schlechter ein Schuldner also, desto größer ist sein Einfluss auf den Index.

    Zitat Ende --------------------------------------------------------------------------
    http://www.faz.net/aktuell/fin…abgestuerzt-12541307.html


    Der Bericht aus 2013 bezieht sich auf Überschuldung von Schwellenländer im Rahmen von Welt Renten ETF's. Ist es im Umfeld eines Europa Renten ETF nicht ähnlich? Wenn hier auch der ETF Index für Anleihen-Käufe aus europäischen Problemstaaten falsch berechnet wird bzw. überbewertet ist, zeigt der Index-Kurs nicht die aktuelle Realität auf dem Rentenmarkt wieder, sondern läuft ihm quasi hinterher - vielleicht mit einem Bang am Ende?


    Spätestens mit dem offenbar stattfindenden Ausverkauf europäischer Staatsanleihen und die Umsetzung der Draghi-Pläne könnte dem Europa Renten ETF das gleiche drohen, oder? Der Boom zieht gerade an, deshalb der steigende und falsche / überbewertete ETF Index. Seht dazu auch folgenden Handelblatt-Artikel vom vergangenen Freitag:


    http://www.handelsblatt.com/fi…anleihen-zu/11272192.html


    So weit meine unqualifizierfen (selbst) Erklärungs- und Rechercheversuch lediglich zur Kenntnis. bzw.. zur Diskussion und natürlich ohne einer Antwort von @Manuel irgendwie vorgreifen zu wollen


    Viele Grüße
    DJ-Didi

  • Hallo @chris2702, @DJ-Didi,


    ein Rentenfonds folgt gewissen Gesetzen, insofern lassen sich die Kursentwicklungen anhand der Zinsentwicklungen ausrechnen. Die Rendite besteht dabei aus drei Teilen:

    • Die Effektivverzinsung: Das ist die Rendite, die erzielt wird, wenn sich das Zinsniveau nicht ändert. Beim DBX0AC sind das zum 31.12.2014 die angesprochenen 1,25% p.a.
    • Kursänderungen: Die Kursänderung ist umso größer, je größer die modifizierte Duration (bzw. die Restlaufzeit der Anleihen ist). Beim DBX0AC sind das die angesprochenen 6,91. Geht die Rendite des Index innerhalb eines Jahres um 1 % nach oben, verliert der Index etwa 6,91 %. Dazu kommt dann noch der Kupon von 1,25 % (aus Punkt 1), macht auf Jahressicht einen Verlust von etwa 5,7 %.
    • Verwaltungsgebühr: Beim DBX0AC sind das 0,15% p.a.

    Sprich: Wenn Sie davon ausgehen, dass die Zinsen steigen oder gleich bleiben, sind Sie mit Festgeld besser dran. Wenn Sie davon ausgehen, dass die Zinsen weiter sinken, ist eine weitere hohe Rendite möglich. Nehmen wir an, die Zinsen sinken weiter um ein halbes Prozent, dann erhalten Sie 1,25%+6,91*0,5%-0,15% =4,5 % pro Jahr.


    Woher haben Sie die Information, dass sich die Zinsen kaum geändert haben seit Juli, allein die Rendite deutscher Staatsanleihen (10J) ist in diesem Zeitraum 0,8 % p.a. gesunken (http://www.bloomberg.com/quote/GDBR10:IND)


    Beste Grüße


    Manuel


    P.S. Die Berechnungen hier sind nur näherungsweise, es gibt noch weitere Effekte, beispielsweise ist die Duration nicht konstant, sondern ändert sich mit dem Zinsniveau.

  • Hallo Zusammen,


    vielen Dank für die zahlreichen und umfassenden Tipps. Nun bin ich allerdings doch wieder sehr unsicher was meine geplanten ETF-EUR-Rentenfonds betrifft. Laut vielerlei Annahmen können die Zinsen ja kaum noch weiter fallen, was ja eindeutig für die Festgeldstrategie spricht. Vielleicht sollte ich meine Frage nochmal umformulieren:


    Ich wollte mein 50/50-Portfolio (ETF-Welt-Aktienfond+ETF-EURO-Rentenfond) hauptsächlich aus zwei Gründen aufbauen:


    1. Werterhalt (Stichworte: Inflation, Deflationsspirale, EUR-Krise,...)
    2. Verzinsung über Tagesgeldkonten-Niveau zum Ausgleich von Inflation und zur Schaffung moderater Renditen + mögliche Glücksrenditen


    Die Idee war also die Anlagesumme über die Dauer von 12 Monaten zu gleichen Teilen in ETF-Welt-Aktienfonds und ETF-EURO-Rentenfonds anzulegen. Einmal im Jahr möchte ich das 50/50-Gleichgewicht per Umschichtung wieder herstellen (Pantoffel-Strategie - Mindestlaufzeit 10 Jahre).


    Ist dieses System denn nun überhaupt noch ratsam? Vor allem vor dem Hintergrund der EZB-Entscheidung?
    Beim ETF MSCI Welt ist mir das Risiko bewusst. Der Baustein ETF-EURO-Rentenfond war allerdings hauptsächlich zum Werterhalt gedacht. Ich bin nun verunsichert, was die Risiken von ETF-EURO-Rentenfond hinsichtlich Werterhalt und Sicherheit betrifft?


    Lieben Dank und viele Grüße
    BAMU

  • Hallo,


    man liest aus deinem Post herraus dass du sehr verunsichert bist. Wenn du Werterhalt anstrebst und zufrieden mit moderaten Zinsen bist, wäre doch eine Festgeld-Treppenstrategie eine Option. Warum machst du das nicht?
    Nachteil: Es wird schwierig wenn du dein Geld kurzfristig brauchst und liquidieren willst (bei Fonds/Aktien könnte man ggf. mit akzeptablen Gewinn/Verlust raus)


    Übrigens, die Ratschläge die du dir von den anderen Community-Teilnehmern wünschst spiegeln nur ihre jeweilige persöhnliche Meinung wieder. Vielleicht bekommst du den Ratschlag auf EURO-Rentenfonds zu setzen - und ein anderer Ratschlag könnte genau in die andere Richtung gehen und dir empfehlen Rentenfonds aus der Eurozone zu meiden und auf Anleihen der USA zu setzen. Worauf ich hinaus will ist: Niemand weiß wie sich Anleihen/Aktien in den nächsten Jahren entwickeln. Ob du in Europa investieren sollst oder nicht, hängt entscheidend von deiner persöhnlichen Einschätzung über die Zukunft und Entwicklung Europas ab.


    Ich persöhnlich setze auf eine breite Diversifikation, weil ich mir nicht zutraue Märkte und deren Entwicklungen einzuschätzen. Durch die Streuung der Anlagen reduziere ich das Risko (langfristig gesehen).


    Vielleicht nimmst du dir auch die Zeit und liest vor deiner Anlageentscheidung ein Buch, z.B. 'Asset Allocation: So gestalten Sie Ihr Portfolio sicher und profitabel - in jeder Lebenslage' von Thomas Menzel


    Gruß
    Hotzenplotz