Rente für Eltern über Income Etfs?

  • Hallo liebe Community,


    meine Eltern sind ihr Leben lang selbstständig und mussten leider in der Corona Krise einige Rücklagen aufbrauchen.


    Insgesamt vorhanden ist aber ein Haus (halb gewerblich genutzt, Marktwert wahrscheinlich zwischen 400.000 und 500.000 Euro) und noch ungefähr 50.000 Euro in Rücklagen.

    Nun steht der wohlverdiente Ruhestand vor der Tür und die beiden können sich vorstellen aus dem teuren Umland einer Großstadt eher in eine kleine Wohnung auf das Land zu ziehen.


    Die Rente ist aber quasi eine Nullnummer. Ich selbst handle seit einiger Zeit über einen US Broker und habe dabei Produkte zu schätzen gelernt, die es aktuell auf dem deutschen Markt nicht gibt.

    Hat jemand Erfahrungen mit Income Etfs wie NUSI, QYLD oder JEPI? Für jüngere Leute ist das sicher nichts, weil zu viel Rendite auf der Strecke bleibt. Aber bei einer jährlichen Ausschüttung von >7% könnte man das Haus verkaufen und dann ein stetiges Einkommen generieren...


    Was meint ihr?

  • Was meint ihr?

    Ist nicht dein Ernst, oder?

    Zu bedenken sind das Wechselkursrisiko und die steuerliche Behandlung der "Ausschüttungen"... und darüber hinaus gehört die Idee in die Tonne, alles auf ein Pferd zu setzen.

    Wir können es ja mal anders angehen; du zählst die Vorteile der amerikanischen Finanzprodukte auf, angefangen mit dem NUSI...


    Nun steht der wohlverdiente Ruhestand vor der Tür und die beiden können sich vorstellen aus dem teuren Umland einer Großstadt eher in eine kleine Wohnung auf das Land zu ziehen.

    Verdient der gewerblich genutzte Teil der Immo denn eine Miete? Und wenn ja, würde diese Miete ausreichen, um das Überleben zu sichern?


    Wenn die "Alten" aufs Land und in eine Mietwohnung ziehen würden und die ganze Bude vermieten würden, würden dann die Mieteinnahmen reichen, um die Land-Leben-Lebenshaltungskosten zu decken?


    Mit knapp einer halben Mio in Beton und rund 50k cash und quasi ohne echte Rente kann man kaum von einem "wohlverdienten Ruhestand" reden... ohne irgendjemandem zu nahe treten zu wollen... denn mit dem Bisserle ist mMn Spätfrugalismus angesagt.


    Eine halbe Mio bringt, vernünftig investiert, eine Privatrente von 1200 bis 1300 € netto... mit einer moderaten Rentensteigerung zum Inflationsausgleich bis übers Ableben hinaus. Reicht das für 2 Nasen?


    Ich würde eher über einen späteren Beginn der Ruhestandsphase nachdenken und darüber, wie ich in ein paar Jahren meine Rücklagen erhöhe... oder wie es mit "Arbeiten bis zum Tod" aussieht. Letzteres hängt ja auch von dem Beruf oder Gewerbe ab...


    Und die Idee mit den US-Finanzprodukten würde ich rasch vergessen...

  • Hallo JDS,


    vielen Dank für deine Meinung. Ich frage ja, um Meinungen zu erhalten.


    Hier ein paar Rückfragen und Informationen:

    - Warum glaubst du auf Basis der beschränkten Informationen darüber urteilen zu können was jemand für seine lebenslange Arbeitsleistung verdient?


    - Finanziell ist es vielleicht eine desaströse Entscheidung in der Corona Zeit den Mitarbeitern des kleinen Dienstleistungsbetriebes weiter ihr Gehalt ohne Abschläge zu zahlen, damit sie für ihre Familien sorgen können. Aber das und der Fakt, dass meine Eltern seit über 40 Jahren einer Handvoll Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten finde ich sehr bewundernswert.


    - Wie bewertest du das Währungsrisiko Euro/USD gegen das Klumpenrisiko einer 25 Jahre alten Immobilie?


    - Es gibt gute Gründe warum diese Produkte auf dem europäischen Markt nicht zugelassen sind. Allerdings sind Produkte mit 5.2 Billionen USD AuM auch kein Ramsch.


    - Die Immobilie ist derzeit vom eigenen Betrieb genutzt und es kann eventuell kein Nachfolger gefunden werden. Die erfolgreiche Vermietung steht also noch in den Sternen.


    Viele Grüße

  • Hat jemand einen Tipp wo man weitere Infos Richtung Steuern findet?


    Soweit ich weiß sind die ganzen Steuerlichen Besonderheiten der verschiedenen Ausschüttungsarten in den USA irrelevant.

    Durch das Doppelbesteuerungsabkommen werden die Erträge nicht automatisch in den USA versteuert und ich muss sie in Deutschland ganz normal als Kapitalerträge versteuern. Geht halt etwas Komfort verloren weil die Deutschen Broker die Steuer automatisch einbehalten.

  • Warum glaubst du auf Basis der beschränkten Informationen darüber urteilen zu können was jemand für seine lebenslange Arbeitsleistung verdient?

    Du, ich kann und mag die Leistungen deiner Eltern gar nicht bewerten. Aber "mit ohne" Renten und einer halben Mio würde ich nicht an den Ruhestand denken wollen...

    Aber das und der Fakt, dass meine Eltern seit über 40 Jahren einer Handvoll Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten finde ich sehr bewundernswert.

    Ja, absolut! Hut ab! Aber von der "Ehre" kannst du dir nix zum Naschen kaufen...

    Wie bewertest du das Währungsrisiko Euro/USD gegen das Klumpenrisiko einer 25 Jahre alten Immobilie?

    Darum geht's doch gar nicht, jedenfalls nicht primär. Die halbwegs selbstgenutze Immo hat nix mit einer Investition zu tun. Die Frage muss doch vielmehr darauf hinauslaufen, wie überhaupt und wie "sicher" die Lebenshaltungskosten gedeckt werden können.


    Deine Frage ist dann evtl. relevant, wenn jemand mit einem Vielfachen der besagten Investition entweder mit Währungsrisiko oder in Immo-Projekten investiert ist. Ab einem "oberfetten" Volumen machen diese Risiken wiederum überhaupt keine Angst.

    Mit einer Investition in einen weltweit streuenden Fonds oder ETF haben wir es ja indirekt auch mit dem Währungsrisiko?

    Die Immobilie ist derzeit vom eigenen Betrieb genutzt und es kann eventuell kein Nachfolger gefunden werden. Die erfolgreiche Vermietung steht also noch in den Sternen.

    ... was sich vermutlich auch im Verkaufspreis niederschlägt, oder? Wie sieht's mit einem "Umbau" zum Vermietobjekt zu Wohnszwecken aus?

    Die Frage, die mir auf der Zunge liegt, wäre auch, ob denn der Betrieb fortgeführt werden kann.

    Es gibt gute Gründe warum diese Produkte auf dem europäischen Markt nicht zugelassen sind. Allerdings sind Produkte mit 5.2 Billionen USD AuM auch kein Ramsch.

    Wenn's denn tatsächlich zum Verkauf der Immo kommt, solltet ihr euch gemeinsam Gedanken und einen vernünftigen Entnahmeplan machen. In Kurzform: Rente für 3 bis 5 Jahre cash vorhalten (ggfs. Tagesgeld gestaffelt für 1, 2, 3... Jahre), den größeren Rest in einen breit steuenden ETF (MSCI World...) packen...

  • Dass in dieser existentiellen Situation professioneller Rat und eine umfassene Prüfung vieler Optionen angeraten ist, sollte klar sein. Von den US-Finanzprodukten (auch wenn man über IKB im Gegensatz zu allen deutschen Banken dran käme) sollte man auch deshalb absehen, weil man als Nicht-US-Bürger sonst ab $60 000 Guthaben amerikanische Erbschaftssteuer zusätzlich zu zahlen hat (plus ungünstige Dividendenbesteuerung existiert). Siehe https://www.bogleheads.org/wik…avigating_US_tax_traps#A4

  • Wenn's denn tatsächlich zum Verkauf der Immo kommt, solltet ihr euch gemeinsam Gedanken und einen vernünftigen Entnahmeplan machen. In Kurzform: Rente für 3 bis 5 Jahre cash vorhalten (ggfs. Tagesgeld gestaffelt für 1, 2, 3... Jahre), den größeren Rest in einen breit steuenden ETF (MSCI World...) packen...

    Wir sind ja gar nicht weit voneinander weg. Ich hatte nur das Gefühl, dass du dich etwas im Ton vergriffen hast.


    Meine eigene Altersvorsorge wächst in einem langweiligen 70/30 Portfolio. Aber meine Eltern haben das einfach schlechter im Griff gehabt über die Jahre und deine Frage, ob der Lebensunterhalt jemals gedeckt werden kann ist durchaus angebracht. Beide werden sicherlich arbeiten bis es nicht mehr geht - gesundheitlich geht es ab Ende 60 einfach bergab.

    Es kamen über die Jahre einfach Dinge die sie nicht erwartet hatten. So spielt das Leben.



    Dass in dieser existentiellen Situation professioneller Rat und eine umfassene Prüfung vieler Optionen angeraten ist, sollte klar sein. Von den US-Finanzprodukten (auch wenn man über IKB im Gegensatz zu allen deutschen Banken dran käme) sollte man auch deshalb absehen, weil man als Nicht-US-Bürger sonst ab $60 000 Guthaben amerikanische Erbschaftssteuer zusätzlich zu zahlen hat (plus ungünstige Dividendenbesteuerung existiert). Siehe https://www.bogleheads.org/wik…avigating_US_tax_traps#A4

    Danke schön! Das sind genau die Infos die ich mir gewünscht habe, um ein gutes Bild zu erhalten. Einen guten (international ausgerichteten) Steuerberater bräuchte man in jedem Fall.



    Ich nehme mit:

    - Höheres Währungsrisiko (Statt beispielhaft 55% im MSCI World wären 100% in USD)

    - Steuerlich kompliziert

    - Hohe 40% US-Erbschaftssteuer bei Summen über 60.000 im Todesfall

    - Hohe Transaktionskosten bei Geldtransfer

    - Relativ intransparente Produkte

  • Wenn du einmal NUSI mit MSCI World vergleichst, wirst du dich auf den Hintern setzen. NUSI ist zwar wenig volatil gewesen, hat aber im Kurs nur (sehr) wenig zugelegt und im Jahreszeitraum bis laufend nicht ganz 8% an Dividendenrendite gezahlt. Siehst du dir die Entwicklung des MSCI World im Vergleich dazu an, wirst du keine Gedanken mehr an die Income ETFs verschwenden.

    Mit einem ETF bist du flexibler und kannst die Höhe der Entnahmen selbst regeln, bei günstigen Kursen vorziehen und bei ungünstigen Kursen verzögern.

  • Wenn du einmal NUSI mit MSCI World vergleichst, wirst du dich auf den Hintern setzen. NUSI ist zwar wenig volatil gewesen, hat aber im Kurs nur (sehr) wenig zugelegt und im Jahreszeitraum bis laufend nicht ganz 8% an Dividendenrendite gezahlt. Siehst du dir die Entwicklung des MSCI World im Vergleich dazu an, wirst du keine Gedanken mehr an die Income ETFs verschwenden.

    Mit einem ETF bist du flexibler und kannst die Höhe der Entnahmen selbst regeln, bei günstigen Kursen vorziehen und bei ungünstigen Kursen verzögern.

    Weiß ich nicht - habe gerade den Vergleich gemacht. Für uns als Nicht-Rentner ist die Differenz sicherlich signifikant.


    Aber vom Total Return in den letzten zwei Jahren lagen die nicht unendlich weit auseinander... Man muss ja auch Fair sein und dazu sagen, dass NUSI für "Nationwide Risk-Managed Income ETF" steht. Und wie der Corona Crash in 2020 zeigt ist die Methode Protective Puts dafür zu nutzen tatsächlich geeignet. Wenn man an die weitere Dominanz der Wirtschaft in den USA glaubt dann ist das genau das was ich als Rentner gerne hätte...



    (Der Bullenmarkt der letzten X Jahre hat echt mein Bild verschoben. Jetzt betitel ich schon 10% im Total Return über 2 Jahre als "nicht unendlich weit auseinander".)


  • Habt ihr die Situation schon wirklich analysiert und durchgerechnet? Wieviel Gewinn/Verlust mach das Unternehmen aktuell? Wie lange könnten die Eltern es noch weiterführen? Wieviel genau ist das Haus wert? Ist es plausibel, zeitnah einen Käufer zu finden? Ist die Rente wirklich 0 oder gibt es doch zumindest ein bisschen was? Was ist mit der Krankenversicherung während der Rente, was wird die kosten? Wo würden die Eltern hinziehen, wie hoch sind dort die Lebenshaltungskosten, Miete usw. Was ist mit Dir und möglichen Geschwistern; ist es eine Option, dass ihr die Eltern irgendwie unterstützt, mit ihnen zusammenzieht o.ä.?


    Bzgl. der income ETF: Willst Du Deinen Eltern wirklich nahelegen, ihr Haus zu verkaufen und alles was sie haben über Umwege in ein Finanzprodukt zu investieren, das in Deutschland überhaupt nicht zugelassen ist und das sie von der Struktur her kaum verstehen können?





  • Die Immobilie ist derzeit vom eigenen Betrieb genutzt

    Wenn die Immobilie im Betriebsvermögen ist oder sein muss, kann das steuerliche Auswirkungen bei der Betriebsaufgabe haben. Es muss meines Wissens zum Zeitpunkt der Betriebsaufgabe (auch) die Immobilie steuerrechtlich dem Betrieb entnommen werden, was zu einem hohen Gewinn führen kann.

    Dazu empfiehlt sich ein Gespräch mit dem eigenen Steuerberater, ggf. um einen guten Zeitpunkt für die Betriebsaufgabe zu finden.

  • Bzgl. der income ETF: Willst Du Deinen Eltern wirklich nahelegen, ihr Haus zu verkaufen und alles was sie haben über Umwege in ein Finanzprodukt zu investieren, das in Deutschland überhaupt nicht zugelassen ist und das sie von der Struktur her kaum verstehen können?

    Definitv nicht :-)

    Hauptsächlich wollte ich wissen, ob hier irgendwer schon Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hat.

    Vermutlich würde die Strategie sogar funktionieren - aber ich werde meine Eltern sicherlich nicht als Versuchskaninchen nutzen.

  • Ein anderer Blickwinkel: Du weisst schon, was eine Wohnung auf dem Land kostet????????????

    Kaufen oder mieten-Ich wohne im Süden und unter 1200€ kalt/ Monat bekommst Du garnix ausser einer sehr teuer zu heizenden 2-Zimmerwohnung in "Hinterden sieben Bergen".

    Legst Du das Geld fürs Haus in ein Zweifamilienhaus an und vermietest eine Wohnung, dann gelten auch entschärfte Mietrechtsverhältnisse und Du hast ein Einkommen. Hausverkauf wäre sofort angesagt, solage Preise noch hoch. Dann gilt es, das Geld zu retten, bis man selbst mit einem Kauf zuschlägt.

    Weiters: Auf dem Land fährt der Bus 2-3 x/ Tag, Arzt weit weg, KKH weit weg, Fusspflege weit weg, usw usf, einkaufen im subventioniertem Dorfladen mit entsprechenden Preisen und wo ist der Bekanntenkreis? "Zugereiste" haben keinen leichten Stand und sind sehr oft isoliert.

    Wiso " teures Umland einer Grosstadt" bei eigenem Haus. Diese Rechnung stimmt nicht.

    Ich persöhnlich würde überlegen, das bestehende Haus energetisch zu sanieren solange es Gelder gibt und den Laden verkaufen oder vermieten. Weil bei einem Hauskauf hast Du auch die Energiesanierung an der Backe und weisst nie, auf was Du reinfällst. Das reinfallen gilt erst recht für Geldanlagen im Ausland.