Steuern auf ETF-Gewinne

  • Guten Morgen, liebes Forum

    für mein minderjähriges Kind möchte ich einen ETF-Sparplan erstellen. Worauf muss ich bezüglich der Steuern achten, wenn ich zwischen thesaurierenden oder ausschüttenden ETFs auswähle? Soweit ich verstanden habe, werden die jährlichen Ausschüttungen versteuert. Wie wird der Gewinn in einem automatisch wiederanlegenden ETF versteuert? Erst bei Auszahlung?

  • Wie wird der Gewinn in einem automatisch wiederanlegenden ETF versteuert? Erst bei Auszahlung?

    Ja. Deswegen sollte man von Zeit zu Zeit im Rahmen des Freibetrags die Anteile verkaufen und neu kaufen und kann dann mit 18 ein steuerfreies Depot übergeben. Das geht im Grunde auch mit dem Ausschütter, allerdings ist die Ausschüttung üblicherweise nur ein kleiner Bruchteil des Gesamtgewinns, d.h. zur Optimierung muss man trotzdem verkaufen / neu kaufen.

  • Rollen = verkaufen und neu kaufen.


    Die Thesaurierer unterliegen seit 2018 der jährlichen Steuer durch die Vorabpauschale. Diese Vorabpauschale entspricht der Verzinsung einer risikolosen Anlage = Bundesanleihe. Da die derzeit Negativzins haben ist die VAP derzeit 0. Ansonsten wäre die VAP eben auch deutlich geringer als der jährliche durchschnittliche Gewinn eines ETF.

  • Hier gibt's schein schönes Video zu verschiedenen Steuerstrategien:

    . Fazit: einfach in Thesaurierer investieren und liegen lassen. Gebühren und die verbrauchte Lebenszeit machen eventuelle Gewinne durch Nutzung des Freibetrags in etwas wett.

  • Fazit: einfach in Thesaurierer investieren und liegen lassen. Gebühren und die verbrauchte Lebenszeit machen eventuelle Gewinne durch Nutzung des Freibetrags in etwas wett.

    Das ist natürlich so viel zu platt. Das Video geht von bestimmten Annahmen hinsichtlich des Verlaufs des Vermögens aus und ist auch hinsichtlich der VAP nicht aktuell.


    Richtig ist die Frage, ob man dafür Aufwand betreiben will. Unter der Annahme nur Thesaurierer und sonst keine Kapitaleinkünfte geht es um 801*0,26375 = 211 €. Zeitaufwand für Verkauf und Neukauf 10 Minuten, vorher 50 Minuten um die Einstandskurse zu recherchieren für die richtige Menge an Stücken. Das ist für mich ein attraktiver Stundenlohn.

  • Ich kann mich Kater.Ka nur anschließen!

    Ich habe das mit dem Rollen (Verkauf/Kauf) von Anteilen diese Jahr auch zum ersten Mal gemacht.

    Der Aufwand ist sehr überschaubar, sofern man eine saubere Excel-Liste mit dem jeweiligen Einstiegskurs (Kaufkurs) des ETF verfügt!

    Hat mich jetzt beim 1 mal insgesamt nicht mal 1 Stunde gekostet. Ich schätze mal nächstes Jahr geht das in 15 Minuten.

    Ich habe es wie folgt gemacht:

    1. noch offener Freibetrag für das Jahr ermittelt.

    2. Teilfreistellung berücksichtigt (30% bei Aktienfonds) = offener Freibetrag / 0,7

    3. Genau so viele Anteile vom ETF verkauft, dass der Gewinn dem obigen Betrag entspricht (waren dann 17,26 Anteile = 17 Anteile).

    4. Einen Tag vor der nächsten normalen Sparplanausführung genau 17 Anteile des ETF verkauft = Summe X durch den Verkauf erzielt.

    5. Sparplan auf den ETF genau um den Verkaufsbetrag X erhöht.

    6. Nach der Ausführung des Sparplans den Sparplan wieder auf die 'normale' Summe geändert.


    Kosten 10€ für den Verkauf und max. eine Stunde Zeit (beim 1 mal). Der tatsächliche 'Gewinn' war hier jetzt nur 55€, da ich in diesem Jahr nicht mehr Freibetrag übrig hatte.

    Aber im nächsten Jahr werden es bei mir > 200€ Gewinn sein. Und das dann bei einem Aufwand von ca. 15 Minuten. Insgesamt kein schlechter Stundenlohn! ;)


    Und wer weiß, evtl. erhöht sich ja der zukünftige Freibetrag im Zuge der neuen Regierung.

    Das A und O dieser Methode ist halt das saubere Tracken der ETF-Käufe, da beim Verkauf das FiFo-Prinzip gilt!

  • Noch

    ist natürlich so viel zu platt. Das Video geht von bestimmten Annahmen hinsichtlich des Verlaufs des Vermögens aus und ist auch hinsichtlich der VAP nicht aktuell.

    #Freibetrag: Geht Die Rechnung auf, wenn es um höhere Summen geht, (Anfang war 10.T + 200 monatlich) ?

  • Wenn Ihr das von mir verlinkte Video noch mal anseht, dann sind dort Fall 1 und 4 zu vergleichen. Am genannten Beispiel eines Depots mit Anfangswert 10.000 € und anschließendem Sparplan von 200 € pro Monat hat User 4 die relativ mühsame Arbeit der FiFo-Berechnung über 30 Jahre hinweg durchgefüht, während User 1 sein Depot über 30 Jahre lediglich thesaurierend bespart hat.


    Nach dieser Zeit liegt dann der eifrige User ca. 1 % (3000 €) vorne, also ca. 100 € pro Jahr. Und das auch nur, weil er einen Broker ohne jegliche Ordergebühr gewählt hat.


    Ist sicher eine Frage der Persönlichkeit, aber zum Einen habe ich nicht von Anfang meiner Sparpläne an alle Einstiegspreise getrackt, von daher könnte ich diese Kalkulation bei meinem Depot heute gar nicht mehr durchführen. Zum Anderen verzichte ich guten Gewissens auf dieses 1 % und investiere die gewonnene Lebenszeit in andere Dinge, die mir mehr Spaß machen...


    Viele Grüße,


    Markus.

  • Nach dieser Zeit liegt dann der eifrige User ca. 1 % (3000 €) vorne, also ca. 100 € pro Jahr. Und das auch nur, weil er einen Broker ohne jegliche Ordergebühr gewählt hat.


    Ist sicher eine Frage der Persönlichkeit, aber zum Einen habe ich nicht von Anfang meiner Sparpläne an alle Einstiegspreise getrackt, von daher könnte ich diese Kalkulation bei meinem Depot heute gar nicht mehr durchführen. Zum Anderen verzichte ich guten Gewissens auf dieses 1 % und investiere die gewonnene Lebenszeit in andere Dinge, die mir mehr Spaß machen...

    Jeder wie er mag. :)

    Kommt ja auch darauf an, wie viel von Deinem Freibetrag noch für das Depot 'frei' sind.

    Ich stand an dem 'Optimieren' zunächst eher kritisch gegenüber, auch weil ich das Video kenne. Bis ich das selbst mal mit meinem Depot durchgespielt habe. Bei mir geht fast der ganze Freibetrag in mein Depot.

    Jetzt sind es für mich max. 15 Minuten Arbeit, dem ein 'Gewinn' von ca. 200€ p.a. gegenüber steht. Das entspricht einem Stundenlohn von 800€! ;)

    Und ja, der Verkauf kostet mich bei der DKB 10€. Aber der Kauf kostet mich dann wieder den 'normalen' Sparplan von 1,50€, den ich ja ohnehin zahlen muss.

    Und wer weiß, ob die neue Regierung nicht auch den Freibetrag erhöht. :/

  • Möglicherweise würde ich anders argumentieren, wenn mir die Bank schon vor Verkauf von ETF- oder Fondsanteilen die fälligen Abgaben mitteilen würde oder - noch komfortabler - bei dem aktuell noch freien Freistellungsauftrag mitteilen würde, wie viele der Anteile ich noch schadlos verkaufen kann, aber das wird wohl ein Träumchen bleiben... ;-)

  • Möglicherweise würde ich anders argumentieren, wenn mir die Bank schon vor Verkauf von ETF- oder Fondsanteilen die fälligen Abgaben mitteilen würde oder - noch komfortabler - bei dem aktuell noch freien Freistellungsauftrag mitteilen würde, wie viele der Anteile ich noch schadlos verkaufen kann, aber das wird wohl ein Träumchen bleiben...

    Ja, bei kostenlosen Konten/Depots wäre dies ein Service, den man erwarten darf ;-)

  • JDS : wo habe ich gesagt, dass ich erwarte, dass die Bank auf mich zukommt? Ich würde es nur als großen Vorteil ansehen, wenn man eine solche Simulation zur Verfügung hätte. "Für umme" ist das ja auch nicht, die Bank verdient ja auch an meinem Depot.


    Kater.Ka: danke für den Hinweis auf die Steuersimulation bei Comdirekt, wusste nicht, dass es so etwas gibt. Ist definitiv ein Wettbewerbsvorteil. Werde aber wohl trotzdem nicht zu Comdirekt umziehen, da ich ansonsten ja bei meinem zwei Depotbanken zufrieden bin (DKB und Consors).

  • Ich würde es nur als großen Vorteil ansehen, wenn man eine solche Simulation zur Verfügung hätte. "Für umme" ist das ja auch nicht, die Bank verdient ja auch an meinem Depot.

    Wenn ich es richtig mitbekommen habe, dann ermitteln die meisten ETF-Freunde die passenden Werte per xls und auf Basis der Kaufdaten und -kurse. Wenn man so etwas einmal anlegt (und pflegt), dürfte auch die Simulation in den folgenden Jahren funcen...