Bausparvertrag zuteilungsreif - was tun?

  • Hallo,


    bei uns ist jetzt ein Bausparvertrag über 20.000 EUR zuteilungsreif, d.h. es wurden etwas mehr als 10k EUR eingezahlt.

    Der Vertrag läuft seit 2014, der Zinssatz beträgt 0,25%.


    Das Darlehen der Bausparkasse brauchen wir nicht, haben schon woanders eins. Sondertilgen für unsere Immobilie können wir ca. 8000 EUR pro Jahr. Zinssatz für das Immobiliendarlehen: 1,1%, Restlaufzeit ca. 7 Jahre.


    Für mich ist die Sache relativ klar: Guthaben von 10k auszahlen lassen und in die Sondertilgung stecken, den Rest in ETFs oder anderweitig verkonsumieren. Weiterhin eine Sparrate von 100 EUR auf den BSV ist doch unnötig, oder?


    Übersehe ich hier etwas? Stimmt ihr mir zu? Oder gibt es gute Gründe einfach alles weiterlaufen zu lassen?

  • Für mich ist die Sache relativ klar: Guthaben von 10k auszahlen lassen und in die Sondertilgung stecken, den Rest in ETFs oder anderweitig verkonsumieren. Weiterhin eine Sparrate von 100 EUR auf den BSV ist doch unnötig, oder?

    Sehe ich ähnlich. Aktuell machst du damit ein negatives Zinsdifferenzgeschäft. Damit sich das lohnt muss anderweitig was herkommen. Wohnungsbauprämie wurde schon genannt.

    Theoretisch könntest du den noch weiterlaufen lassen und für die Anschlussfinanzierung nutzen. Ob sich das lohnen kann hängt von deiner Laufzeit, dem Zins des Bauspardarlehens und dem erwarteten Zins für die Anschlussfinanzierung ab. Tendenziell würde ich in dem Fall aber auch eher zur Sondertilgung tendieren da der Effekt dann sofort wirkt und nicht eventuell irgendwann

  • Ich würd' sagen: "Sch... auf die Sondertilgung!"

    Packt die 10k in einen ETF und zahlt euere Immo wie gehabt ab; aus den 10k sollten in ca. 9 bis 10 Jahren 20k werden... und im gleichen Zeitraum würdet ihr bei einer Sondertilgung vielleicht so um die 1k an Sollzinsen sparen ;-)

  • Also der BSV läuft auf meine Frau, daher kann ich zu den Details nicht viel sagen:


    "Was kostet das Darlehen?" => weiß ich nicht, aber wir sind ja auch gar nicht an einem weiteren Darlehen interessiert. Oder meinst du für die Anschlussfinanzierung in 7 Jahren?

    Kann man sich jetzt schon einen Zinssatz für dann sichern?

    Sinnvoller erscheint es mir trotzdem jetzt sonderzutilgen und etwaige Überschüsse in ETFs anuzlegen und zu hoffen, dass man dann in 7 Jahren die Restschuld mit dem Aktiendepot begleichen kann, so dass man gar keine Anschlussfinanzierung braucht.


    "Möglichkeit Sonderzins bei Darlehensverzicht" => weiß ich leider nicht. Ist das üblich?

    Es gibt noch einen weiteren BSV, dort wird wohl am Ende ein "Treuebonus" ausbezahlt. Auf diesen BSV gibt es auch Wohnriester.


    Wohnnungsbauprämie haben wir für 2018 nicht bekommen, da wir über der Grenze waren. Wären aber auch nur ca. 90 EUR gewesen. 2019/20 ist noch offen. Ich schätze für 2021 sind wir ungefähr an der Grenze, ich kann es aber nicht genau sagen. Aber so ein gewichtiges Argument erscheint mir die WoP nicht.

  • Ich würd' sagen: "Sch... auf die Sondertilgung!"

    Packt die 10k in einen ETF und zahlt euere Immo wie gehabt ab; aus den 10k sollten in ca. 9 bis 10 Jahren 20k werden... und im gleichen Zeitraum würdet ihr bei einer Sondertilgung vielleicht so um die 1k an Sollzinsen sparen ;-)

    Joa, ginge vielleicht auch. Sind dann eben "Aktien auf Kredit", wovon oft auch abgeraten wird.

  • Sind dann eben "Aktien auf Kredit", wovon oft auch abgeraten wird.

    Kommt immer darauf an, von wem abgeraten wird ;-)


    Mit bzw. durch die derzeitige/n Teuerungsrate/n - angeblich liegen wir bereits bei über 5,2% - wird euere Finanzierung faktisch sowieso 'billiger'... also in Relation zu den Einkünften und insbes. den realen Zinsen (Sollzinsen).


    Von Aktien auf Kredit wird dann abgeraten, wenn die Bedienung des Kredits (Tilgung und Sollzinsen) lediglich aus dem dafür gekauften Aktienpaket erfolgen soll! Heißt, wenn du einen endfälligen Kredit zu einem definierten Zeitpunkt aus dem Depot bedienen musst, etwa weil keine anderen Vermögenswerte vorhanden sind, und du die Sollzinsen aus Dividenden und ggfs. Kursgewinnen abdecken musst, dann ist wegen der Vola durchaus das Risiko vorhanden eine solide Bauchlandung hinzulegen.


    Anders verhält es sich, wenn die Finanzierung (der Immobilie) so ausgelegt ist, dass sie aus dem Laufenden bedient werden kann, ohne wenn und aber. In einem solchen Fall kann man durchaus mit einem 'kleinen' Anteil am Gesamtvermögen quasi auf Kredit 'spekulieren'.


    Übrigens, ich kenne viele Leute, die in den letzten ca. 20 Jahren etwas bis weitgehend 'abbezahlte' Immobilien wieder belastet hatten... und diese Kredite in vernünftige Fonds oder ETF gesteckt haben. Während die Masse der konventionellen Sparer Geld/Vermögen 'vernichtet' haben und 'vernichten', laufen die vorgenannten mit einem Grinsegesicht herum ;-)

    Aber.. jeder wie Karl will!

  • "Was kostet das Darlehen?" => weiß ich nicht, aber wir sind ja auch gar nicht an einem weiteren Darlehen interessiert. Oder meinst du für die Anschlussfinanzierung in 7 Jahren?

    Kann man sich jetzt schon einen Zinssatz für dann sichern?

    Bei einem Bausparvertrag ist der Zins für den Bausparkredit bereits am Anfang festgelegt. Sagen wir mal der Zins wäre 2,5% dann wäre es eine Option den als Baustein für die Anschlussfinanzierung zu nutzen wenn du glaubst dass die Zinsen deutlich drüber steigen werden. Ansonsten würde ich den auszahlen lassen und investieren.


    Wie du investierst hängt von deiner persönlichen Risikoneigung ab. Egal ob Sondertilgung oder ETF, 10 000€ sind im Vergleich zum Gesamtkredit vermutlich nur ein kleiner Teil. Entsprechend wird das nicht kriegsentscheidend sein

  • Hallo.


    Wenn die Tilgung so im Plan ist und der Bausparvertrag gar nicht dafür eingeplant war, spricht für mich nicht viel gegen das Investieren aus Sondertilgungsverzicht.


    Es sei denn, die Immobilienfinanzierung wäre eigentlich für 0,1% zu haben gewesen und das Sondertilgungsrecht hat 1% Aufschlag gekostet. :P

  • Übrigens, ich kenne viele Leute, die in den letzten ca. 20 Jahren etwas bis weitgehend 'abbezahlte' Immobilien wieder belastet hatten... und diese Kredite in vernünftige Fonds oder ETF gesteckt haben. Während die Masse der konventionellen Sparer Geld/Vermögen 'vernichtet' haben und 'vernichten', laufen die vorgenannten mit einem Grinsegesicht herum ;-)

    Aber.. jeder wie Karl will!


    Du willst also sagen, dass es sinnvoll ist, nachdem man seine Immobilie abbezahlt hat, noch mal einen Kredit zu nehmen, das Haus zu belasten und den Kredit in Aktien zu stecken und den Kredit die nächsten 20 Jahre bis zur Rente über das Gehalt abzubezahlen? :/


    Mein Plan war eigentlich, das Gehalt dann einfach vermehrt in die ETF Sparraten zu stecken statt in eine Tilgung.

  • Du willst also sagen, dass es sinnvoll ist, nachdem man seine Immobilie abbezahlt hat, noch mal einen Kredit zu nehmen, das Haus zu belasten und den Kredit in Aktien zu stecken und den Kredit die nächsten 20 Jahre bis zur Rente über das Gehalt abzubezahlen?

    Der Erwartungswert der Rendite ist höher wenn man das tut. Gleichzeitig macht man sich aber natürlich auch anfällig für Probleme ala Weltwirtschaftskrise mit Kündigung und Börsencrash. Effektiv hebelt man halt die Aktieninvestition über einen Kredit.

    Mein Plan war eigentlich, das Gehalt dann einfach vermehrt in die ETF Sparraten zu stecken statt in eine Tilgung.

    Das ist sicherlich ein guter Mittelweg.

  • Hallo.


    Wenn die Tilgung so im Plan ist und der Bausparvertrag gar nicht dafür eingeplant war, spricht für mich nicht viel gegen das Investieren aus Sondertilgungsverzicht.


    Es sei denn, die Immobilienfinanzierung wäre eigentlich für 0,1% zu haben gewesen und das Sondertilgungsrecht hat 1% Aufschlag gekostet. :P

    Beim Finanzierungsgespräch war mal die Rede davon den Bausparer zu benutzen, um die Restschuld (oder Teil davon) nach 10 Jahren zu tilgen. Ich hatte mich damals aber auch noch nicht viel mit Finanzen beschäftigt.

    Mich stört v.a. die magere Rendite von 0,25% (negatives Zinsdifferenzgeschäft im Vergleich zur Sondertilgung). Und dass ein ETF nach 7 Jahren mehr Rendite gemacht haben wird als 0,25% halte ich auch für wahrscheinlicher als das Gegenteil.

  • Du willst also sagen, dass es sinnvoll ist, nachdem man seine Immobilie abbezahlt hat, noch mal einen Kredit zu nehmen, das Haus zu belasten und den Kredit in Aktien zu stecken und den Kredit die nächsten 20 Jahre bis zur Rente über das Gehalt abzubezahlen?

    Ich behaupte nicht, dass es für alle und jeden sinnvoll ist! Aaaber... wenn jemand eine Hütte für ne halbe Mio hat und 2/3 oder 3/4 bereits getilgt sind und die regelmäßigen Einkünfte ausreichen um "neu" aufgenommene 100 bis 200k bis zur Rente zu bedienen, dann kann es durchaus passen. Man muss halt rechnen...

    Und im Übrigen kommt es auch auf die Gesamtsituation an... Einkünfte, Netto-Vermögen, Notgroschen, Rücklagen für Anschaffungen, (zu erwartende) Alterseinkünfte, Risikobereitschaft, Hirn...

  • Beim Finanzierungsgespräch war mal die Rede davon den Bausparer zu benutzen, um die Restschuld (oder Teil davon) nach 10 Jahren zu tilgen. Ich hatte mich damals aber auch noch nicht viel mit Finanzen beschäftigt.

    Mich stört v.a. die magere Rendite von 0,25% (negatives Zinsdifferenzgeschäft im Vergleich zur Sondertilgung). Und dass ein ETF nach 7 Jahren mehr Rendite gemacht haben wird als 0,25% halte ich auch für wahrscheinlicher als das Gegenteil.

    Naja, das ist ja der Plan hinter dem Bausparer: mickrige Zinsen beim Ansparen erkaufen ein zinsgünstiges Darlehen. Nur finde ich 1,1% schon so nett, dass das Bauspardarlehen nicht viel netter sein kann. Daher ist das Darlehen eher nicht interessant.

    Also bleibt die Frage, ob Sondertilgung oder Investment. Könnte man beides rechtfertigen.

  • Ich behaupte nicht, dass es für alle und jeden sinnvoll ist! Aaaber... wenn jemand eine Hütte für ne halbe Mio hat und 2/3 oder 3/4 bereits getilgt sind und die regelmäßigen Einkünfte ausreichen um "neu" aufgenommene 100 bis 200k bis zur Rente zu bedienen, dann kann es durchaus passen. Man muss halt rechnen...

    Und im Übrigen kommt es auch auf die Gesamtsituation an... Einkünfte, Netto-Vermögen, Notgroschen, Rücklagen für Anschaffungen, (zu erwartende) Alterseinkünfte, Risikobereitschaft, Hirn...

    Deine Werte passen ungefähr zu unserer Situation. Du würdest dann vermutlich auch gar nicht sondertilgen, sondern alles in Aktien stecken stattdessen? Denn Verzicht auf Sondertilgung kommt ja einem neuen Kredit nahe.

    Vielleicht mach ich dazu mal einen neuen Thread auf. Interessantes Thema nämlich, habe noch nie drüber nachgedacht unser Haus erneut zu belasten, nur um in Aktien zu investieren.

  • Du würdest dann vermutlich auch gar nicht sondertilgen, sondern alles in Aktien stecken stattdessen?

    Also, ich sehe das Ganze extrem pragmatisch und trenne dabei sehr deutlich das Wohnen und den Vermögensaufbau.

    Wohnen... Entweder miete ich oder erwerbe eine Immo zur Eigennutzung. Die Leute, die beim 'Samen-Bingo' gewonnen haben, lasse ich einmal gekonnt außen vor.

    Wenn ich Wohnraum miete, zahle ich eine Miete, die ich mir leisten können muss. Ähnlich verhält es sich mit dem Erwerb einer Immobilie zur Eigennutzung; ich muss mir die Bedienung der Hypo analog zur Miete leisten können... während der gesamten Finanzierungsphase. Deshalb muss ich zwischenzeitlich die Belastungen auch nicht reduzieren, etwa durch eine Sondertilgung, da der Immobilienkredit alleine durch die Teuerungsrate/n von Jahr zu Jahr 'billiger' wird. Nebenbei, hätte ich den Kaufpreis für meine Immo cash rumliegen resp. könnte ich andere Geldanlagen problemlos liquidieren, würde ich auch genau so konventionell eine Hypothek aufnehmen, wie diejenigen, die kein Cash rumliegen haben. Wieviele Prozente an Cash ich in Relation zum Gesamtvermögen einsetzen würde, steht auf einem ganz anderen Blatt... dies zu deiner Vermutung, ich würde alles in Aktien stecken.

    Bei dieser Variante kann ich wesentlich früher meine Sparraten zum Vermögensaufbau nutzen, als diejenigen, die erst 'billige' Immobilienkredite abbezahlen. (Beispiel: Sondertilgung spart dir auf 10 Jahre einen Tausender. Im ETF bringt dich der Betrag der Sondertilgung zehn Tausender*)


    * Vorbehaltlich der Kursentwicklung, der Steuern, und so weiter...


    Interessantes Thema nämlich, habe noch nie drüber nachgedacht unser Haus erneut zu belasten, nur um in Aktien zu investieren.

    Ja, mach' ruhig mal einen neuen Thread auf. Hui, das wird interessant und kontrovers und sicherlich prickelnder als "Sch..., Sau...i, die Preise für Brötchen werden um 2 Cent erhöht!"