Wie anlegen um Entnahme zu berechnen?

  • Liebe Community,


    Als erstes: klasse, dass es diese Community gibt!

    Zu mir: ich bin 57, Witwe, derzeit krankgeschrieben und es ist fraglich, ob ich nochmal arbeitsfähig werde.

    Meine Rente wird sich (mit 67) auf magere 500€ belaufen und ich mache mir gerade Gedanken, sollte ich tatsächlich nicht mehr arbeiten können. Zum Glück wohne ich im Eigentum.


    Derzeit habe ich 100k in MSCI World und EM (70/30) angelegt (habe gerade erst damit angefangen, nachdem ich gefühlt alle Videos von Saidi geschaut habe;-)).

    Zur Verfügung stehen noch 600k, die zZ als Bargeld herumdümpeln ( ja, Schwachsinn, ich weiss, aber wie gesagt, ich bin Anfänger). Auf dem Girokonto habe ich noch 50K (bei den derzeitigen Negativzinsen müssen da auch noch mindestens 20k weg)


    Wie sollte ich die nun anlegen, damit ich die nächsten ca 30 Jahre (hoffentlich!) über die Runden komme??

    Zu bedenken ist, dass ich im Krankheitsfall ja die Krankenkasse komplett selbst bezahlen muss und die gesetzliche Rente noch 10 Jahre hin ist.

    Lohnt es sich, in die GRV einzubezahlen, um die monatliche Rente in 10 Jahren zu erhöhen, oder ist es besser, alles in ETF anzulegen?

    Ich weiss, dass die ETF theoretisch 15 Jahre liegen sollen; wie also aufteilen, dass ich bis dahin alles zum Leben entnehmen kann (zZ ca. 2500€/Monat, später etwas weniger).


    Vllt kann mir Jemand bei der Berechnung helfen und mich auf evtl. Denkfehler aufmerksam machen?

    Wie einbeziehen/ umgehen mit einem evtl Crash, der derzeit häufig diskutiert wird?


    Vielen lieben Dank für Anregungen und hilfreiche Kommentare, bin wie gesagt schwer begeistert von dieser Community!

    Susanne

  • Hallo Luzie129na , in die Krankenkasse einzuzahlen lohnt sich auf jeden Fall. Die Kosten sind nicht vorhersehbar die auf einen zukommen. Mein letzter Stand ist: bei keinem Einkommen sind etwa 200€ im Monat fällig. Weiterhin kommen noch Beiträge auf Gewinne bzw. Zinsen von Geldanlagen auf dich zu. Es macht also Sinn einen Beratungstermin bei der Krankenkasse deiner Wahl zu vereinbaren. (Zuerst die Frage der Witwenrente ansprechen)

    Zur Geldanlage ist es schwierig einen sinnvollen Tip zu geben, sicherlich kann die Summe die du die nächsten 10-15 Jahre definitiv nicht brauchst in einen weltweiten ETF angelegt werden. Den Rest dann in ein (mehrere) Tagesgeldkonto ohne Minuszinsen und unter Berücksichtigung der Einlagensicherung. (Hinweise dazu bei Finanztip nutzen).

  • In Deutschland besteht die Pflicht auf eine Krankenversicherung. Auf die eine oder andere Art wird diese also vorliegen oder muss kurzfristig organisiert werden. Außerdem kann mit den genannten Werten ein Wertpapierdepot zusammengestellt werden, das 3-4% jöhrlich als Depotrente generieren kann. Die Zusammenstellung und der Entnahmeplan hängen sehr vom persönlichen Risokoprofil ab. Pauschal lässt sich das nicht sagen, ohne die komplette persönliche Situation zu kennen. Hast Du Dich dazu schon mal beraten lassen?

  • Vllt kann mir Jemand bei der Berechnung helfen und mich auf evtl. Denkfehler aufmerksam machen?

    700k im Depot (z.B. in ETF investiert) könnten sich innerhalb der nächsten 10 Jahre durchaus in Richtung 1,3m bis 1,5m entwickeln. Im Falle von 'Krisen' in der Zwischenzeit oder gerade in 10 Jahren kann es auch weniger sein... was bei vernünftiger Vorgehensweise nur halb so schlimm wäre.


    Wenn du derzeit mit Lohnfortzahlung oder Kranken(tage)geld über die Runden kommst, kannst du dir mit dem Beginn von Entnahmen aus dem Depot Zeit lassen. Ich würde 3 bis 5 Jahre vor dem geplanten Beginn von Entnahmen damit anfangen Cash (nicht zwangsläufig Bargeld, sondern eher Fest- und Tagesgeld) in der Höhe von 3 bis 5 'Jahresrenten' auf die Seite zu packen. Entnahmen sollten jeweils vor dem geplanten Beginn der Entnahmephase und auch während der Entnahmephase herausgenommen werden, wenn die Kurse 'günstig' stehen. Somit kannst du immer einige (wenige) Jahresrenten auf die 'sichere Seite' packen und Kurserholungen abwarten.

    Solltest du schon vor dem 67. auf eine private Rentenerhöhung angewiesen sein, kannst du auch dafür einen Entnahmeplan realisieren.

    Mit einer z.B. 4%igen Entnahme pro Jahr und einer (durchschnittlichen) Rendite von deutlich über 4% kannst du auch 200 Jahre alt werden, ohne das Depot auf Null zu bringen.


    Je 100.000 entnimmst du 4%, also 4.000. Bei einer Mio (1m) entnimmst du also 40.000 pro Jahr. Diese 4k (mal x) oder 40k sind brutto. Netto reden wir eher von knapp 3%, also rund 30.000 bzw. 2.500 pro Monat.

    Bei einer Rendite von 7% (aus evtl. Dividenden und vorwiegend aus Kurssteigerungen) entnimmst du also immer (meistens) weniger aus dem Topf, als durch Renditen hinzukommt. Allerdings ist der Topf zum eigentlichen Beginn des 'Rentenbezugs' durch vorherige Umschichtungen für den 'sicherern Anteil' schon auf weniger als 100% reduziert.

    Da die Entnahmen in der Regel niedriger sind, als der (leider nicht konstante) Zuwachs durch Rendite, kannst du deine Rente von Jahr zu Jahr um - was weiß ich - 3 bis 4% erhohen.

    Im ersten Jahr planst du 40.000 Jahresrente, im zweiten Jahr 41.200 und so weiter.


    Zu den 50k auf'm Giro. Du kannst ja einen Nortgroschen auf dem Giro belassen und einen Teil auf Tages- oder Festgeld umschichten, selbst wenn du mit diesem 'sicheren Anteil' einen negativen Realzins erwirtschaftest; dieser relativ kleine Anteil reduziert die Gesamtrendite von angenommenen 7% (für den ETF-Anteil) auf gerade mal 6,5%...


    Wie einbeziehen/ umgehen mit einem evtl Crash, der derzeit häufig diskutiert wird?

    Das übliche Vorgehen im Falle eines Crashs ist das "Durchhalten" bzw, "Abwarten"...

    Der passive Anleger/Investor wartet - teils zähneknirschend - auf die Erholung der Kurse. In der Vergangenheit - da hatten wir einige 'Crash-Situationen' - hat niemand bei Anlagezeiträumen von ca. 15 Jahren Miese gemacht. In der Zukunft könnte dies auch so sein.


    Ich - als nicht so passiver Anlger/Investor - vertrete die Auffassung, dass jede Krise bzw. jeder Crash rechtzeitig vorher laut klingelt. Damit werde ich zwar regelmäßig in der Hinsicht kritisiert, dass Market Timing angeblich nicht funktioniert... aber die Erfahrungen haben mir andere Ergebnisse bescheinigt. Den optimalen Zeitpunkt wird niemand regelmäßig treffen können, selbst Onkel Warren nicht. Aber sehr wahrscheinlich werden diejenigen besser als die passiven und inaktiven Anleger/Investoren fahren, die auf die 'gefährlichen' Änderungen und/oder Entwicklungen in den Märkten angemessen und rechtzeitig reagieren werden.

  • Ob über die KVdR Versicherungsschutz besteht oder nicht, lässt sich sehr schnell klären. Kurz nach der Beantragung der Rente wird die zuständige Krankenkasse eine Mitteilung über den Ausgang der entsprechenden Prüfung verschickt haben. Im Zweifel im Rentenbescheid nachlesen oder bei der Krankenkasse nachfragen. (Die allermeisten Rentner sind in der KVdR.)


    Bei der DRV lässt sich klären, was später an Renten zu erwarten ist. (Wahrscheinlich ist die Witwenrente aktuell durch Arbeitsentgelt bzw. Krankengeld gekürzt. Daher sollte man noch einmal drüberschauen lassen, um den Bedarf aus den Rücklagen berechnen zu können.

  • Witwenrente beträgt 300€, habe noch nicht davon gehört, dass darüber KVschutz besteht... als Rentner dann bei der KVdR?

    Sehr interessanter Hinweis, werde mich mal schlau machen, danke.

    Laut dieser Seite geht das, wenn die Witwe zuvor in der GKV war, oder der Verstorbene die Vorraussetzungen für die KvdR erfüllte. Also schlechte Karten für privat Versicherte.

    Aber fragen bei der GKV schadet nichts.

  • Laut dieser Seite geht das, wenn die Witwe zuvor in der GKV war, oder der Verstorbene die Vorraussetzungen für die KvdR erfüllte. Also schlechte Karten für privat Versicherte.

    Aber fragen bei der GKV schadet nichts.

    Tja, dann siehts schon mal schlecht aus: mein Mann war privat versichert, und ich somit auch, bin erst seit seinem Tod in der GKV. Aber da rufe ich mal an und kläre das.

    Bei der DRV lässt sich klären, was später an Renten zu erwarten ist. (Wahrscheinlich ist die Witwenrente aktuell durch Arbeitsentgelt bzw. Krankengeld gekürzt. Daher sollte man noch einmal drüberschauen lassen, um den Bedarf aus den Rücklagen berechnen zu können.

    Laut Rentenbescheid habe ich ab Rentenalter die besagten 500€ zu erwarten. Ich bekomme auch kein Arbeits- oder Krankengeld mehr, bin schon ausgesteuert. D.h. Ich würde ab fast sofort monatliche Beträge zur Lebenshaltung entnehmen müssen, daher die Frage, wieviel ich anlegen kann und wieviel ich jetzt schon zum Verbrauch zurückhalten sollte....?

    Ihr schreibt, dass ich Bares auf einem Tagesgeldkonto halten sollte statt Girokonto; was ist denn der Unterschied, es gibt doch auf Beiden keine/fast keine Zinsen..... gibt es einen anderen Grund, Bares lieber auf dem Tagesgeldkonto zu parken?


    Hallo Luzie129na , in die Krankenkasse einzuzahlen lohnt sich auf jeden Fall.

    ichbins, du meinst in die RV einzahlen, und nicht in die KV, oder? Habe noch nie davon gehört, dass man in die KV einzahlen kann, lasse mich aber gern eines Besseren belehren...


    JDS: vielen Dank für die ausführlichen Berechnungen, bin noch nicht ganz dahinter gestiegen, lese den Post jetzt noch mal in ruhe, möchte mich aber schon mal für die Mühe bedanken!

  • Hallo Luzie,

    passt zwar nicht zur Frage, ist aber für dich relevant.

    Wenn auf die HBL-Rente dein Einkommen angerechnet wird und du aktuell Krankengeld beziehst, solltest du bei der RV prüfen lassen, ob der Anrechnungsbetrsg zu mindern ist.

    Grundsätzliche Voraussetzung: EK-Minderung um mind 10 % und das über 3 Monate

    Gruß Tom

  • Mit Rentenbescheid meinte ich tatsächlich den Rentenbewilligungsbescheid, keine Renteninformation bzw. Rentenauskunft.


    Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen laufendem Einkommen und der Witwenrente macht eine Beratung durch die Rentenversicherung schon Sinn.


    Wenn der Krankengeldanspruch bereits erschöpft ist:

    1. Anspruch auf Arbeitslosengeld (Nahtlosigkeitsregelung) bereits geprüft?

    2. Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung bereits geprüft?


    Das Argument, dass es auf dem Tagesgeldkonto nur unbedeutende Zinsen gibt, ist schon nachvollziehbar, allerdings muss das ja jede(r) für sich selbst entscheiden, ab wann es sich lohnt oder eben nicht. Nach der reinen Lehre gehört überschüssiges Geld eben nicht auf's Girokonto, sondern auf ein Tagesgeldkonto.

  • Hallo Luzie129na ,

    ich empfehle Dir mal die folgenden 2. Webseiten, die viele wichtige Grundlagen zum Thema GRV, KRV und Vermögensverbrauch beinhalten.

    1. Den Blog von Georg zu Entnahmestrategien aus einem Vermögen: Entnahmestrategien Archive - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)

    2. Den Blog von Peter, der sich deutlich vor der Rente als Privatier zur Ruhe gesetzt hat: Der Privatier: Per Abfindung in den Ruhestand. (der-privatier.com)

  • Ich kann an der Stelle nur den von monstermania verlinkten Blog finanzen erklärt empfehlen. Besonders würde ich die Artikel zum Thema Ruhestand mit Crashpuffer und 1-sided Glidepath anschauen. Das scheint mir wie für diese Situation gemacht. Und bei 700 000€ im Depot wäre eine Entnahme von 3,5% = ca 2000€ im Monat möglich ohne groß ins Risiko zu gehen. Angesichts der aktuell hohen Bewertungen am Aktienmarkt würde ich tendenziell auch bei den 3,5% bleiben und nicht auf 4% gehen um das Risiko zu reduzieren.


    Das große Risiko bei der Sache sehe ich eher in der Psychologie. Ein 700 000€ Depot ist sicherlich nichts für schwache Nerven wenn es mal abwärts geht. Bereits die absolut üblichen Schwankungen von +/-2% am Tag ensprechen dann einem Kleinwagen ;)

    Verglichen mit 100 000€ im Depot ist das noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Und da du erst vor kurzem angefangen hast, würde ich unbedingt empfehlen mit einer gesunden Skepsis an die Sache heranzugehen. Im Zweifelsfall lieber einen größeren Anteil in Festgeld o.ä. halten.

  • Und bei 700 000€ im Depot wäre eine Entnahme von 3,5% = ca 2000€ im Monat möglich ohne groß ins Risiko zu gehen. Angesichts der aktuell hohen Bewertungen am Aktienmarkt würde ich tendenziell auch bei den 3,5% bleiben und nicht auf 4% gehen um das Risiko zu reduzieren.

    Unter der Berücksichtigung der Witwenrente wäre man aktuell eher bei 3,1%, später wenn die eigene Rente dazukommt, wäre die Entnahme sogar noch geringer.

    Auf dem Papier sieht das sehr gut aus, nur ist Frage, wie sich das anfühlt, eine andere.