Holding GmbH für Geldanlage sinnvoll?

  • Hey

    habe mich jetzt ein paar Tage durch die Community gelesen und bin echt beeindruckt wie viele interessante Vorschläge hier zu allen möglichen Themen gemacht werden.


    Daher wollte ich mich mal erkundigen ob man auch bei diesem Thema so professionelles Feedback bekommt.

    Ich bin 25, Student und habe durch einen Erbfall 1.2 Millionen Euro vererbt bekommen. Seit 2 Jahren beschäftige ich mich mit Aktien, ETFs und Immobilien und bin mit der von Finanztip empfohlenen MSCI world ETF Strategie auch sehr zufrieden.


    Meine Idee ist über längere Zeit das Geld anzulegen (mindestens 15 Jahre) und somit das vererbte Geld für später zu erhalten bzw. vergrößern.


    Nach viel Recherche bin ich auf mehrere Youtube Videos gestoßen die von GmbH und Holding Strukturen als eine Art Spardose sprechen.


    Dort werden z.B. zwei GmbHs gegründet über denen eine Holding GmbH steht.


    Über die GmbHs kann man anscheinend investieren und zahlt somit deutlich weniger Steuern auf erzielte Gewinne, oder kann sie zwischen den GmbHs verschieben und anderweitig investieren.


    Die Vorteile die dort besonders betont werden sind gewerbliche Vorteile wie Immobilien ohne Spekulationsstrafe verkaufen zu können, Kursgewinne niedriger versteuern zu können und Abschreibungen steuerlich geltend zu machen.


    Mir ist natürlich klar das auch das gründen von GmbHs 25.000 Euro Startkapital, Notarkosten sowie Steuerberaterbesuche mit sich bringen.

    Trotzdem würde mich interessieren ob es weitere Meinungen von euch dazu gibt ob es sich lohnen würde für den vorhandenen Geldbetrag ein solches Konstrukt anzulegen, oder warum es sich nicht lohnen würde, oder Dinge die ich mit meinem Laienwissen völlig übersehen habe.


    Vielen Dank schonmal im Voraus,

    Liebe Grüße,


    Jonathan


    :)

  • Willkommen im Club der armen Millionäre!


    Daher wollte ich mich mal erkundigen ob man auch bei diesem Thema so professionelles Feedback bekommt.

    Professionelle Anlageberatung gibbet hier nicht! Aber... die braucht's auch nicht. Übrigens gibt's so etwas auch nicht in den YT Videos über die berühmten Sparschwein-GmbHs.

    Feedback kannst du hier sehr wohl bekommen; Ansichten, persönliche Meinungen, Ratschläge... und persönliche Erfahrungsberichte... teils mit noch mehr Rechtschreibfehlern als in deinem Post ;-)


    Meine Idee ist über längere Zeit das Geld anzulegen (mindestens 15 Jahre) und somit das vererbte Geld für später zu erhalten bzw. vergrößern.

    Streiche '15 Jahre' und setzte 'für immer'!

    MMn brauchst du erst einmal eine Vorstellung davon, wie sich dein 'neues' Nettovermögen entwickeln kann und sollte, und welchen Nutzen du daraus ziehen kannst.

    Ferner solltest du einschätzen können, dass und wie unzureichend - um nicht zu sagen 'überflüssig' - Gespräche mit den üblichen Verdächtigen (Bank, Versicherung, Vermögensberatung...) sind.

    Mir ist natürlich klar das (dass) auch das gründen (Gründen) von GmbHs 25.000 Euro Startkapital (Stammkapital), Notarkosten sowie Steuerberaterbesuche mit sich bringen.

    Die Kosten für den 'Betrieb' einer oder zweier Kapitalgesellschaften sind nicht unerheblich. In diesem Zusammenhang wäre auch zu checken, welche Konsequenzen aus deiner Eigenschaft als Gesellschafter-Geschäftsführer resultieren. Dann kuckst du mal, wieviele deiner Öcken jedes Jahr für die Steuerberatung per se und für Bilanzen verschwinden bzw. von deinem 'Konto' aufs Konto des Steuerberaters wandern. Im Netz werben einige (wenige) Steuerberater mit Steuervorteilen... (qui bono)

    Rechne dir mal aus, wie (negativ) sich 'dein' Sparschwein-Konstrukt auf die Renditen auswirkt, vor und nach Steuern. Dann vergleichst du die Situation (Rendite, Kosten...) mit der eines DIY-Investoren. Darüber hinaus ist auch die Zeit nicht unerheblich, die du fürs Vermehren deines Vermögens aufwenden wirst.

    Sparschwein GmbHs sind bei 'kleinen Vermögen' ggfs. interesssant, wenn es darum geht eine Altersversorgung zu basteln. Man kann wohl Steuern z.T. in die Zukunft schieben, erkauft sich die 'verzögerte' Versteuerung aber mit einem Verlust an Flexibilität.

    Das mit der GmbH würde ich auch nicht wirklich auf eine deutsche GmbH beziehen wollen, sondern lieber 'GmbH' mit 'Kapitalgesellschaft' ersetzten wollen. Richtig 'Spaß' kommt erst ins Spiel, wenn internationale Konstrukte mit Kapitalgesellschaften in verschiedenen Ländern gebildet werden. So etwas 'lohnt' sich mMn aber erst bei 'größeren Vermögen'. Ich rede hierbei nicht von Vermutungen, sondern von eigenen Erfahrungen aus über 30 Jahren.


    Der Schwachpunkt bei deutschen GmbHs und Steuerberatern liegt darin vergraben, dass sich kaum ein Steuerberater wirklich mit diesen Geschichten auskennt. Der Clou kommt nicht von den (vermiedenen oder verschobenen) Steuern, sondern aus Renditen oder, wenn Immos angeschnitten werden, aus Margen. Steuerberater kennen Steuern; bei intelligenten Investitionen oder Immobiliengeschäften sind sie i.d.R. dolle überfordert. Würden sie sich damit auskennen, wären sie Investoren und würden zum Teil auch eigene Vermögen mit cleveren Immobiliengeschäften vergrößern.

    Vergleichst du Unternehmenssteuern und Steuern plus Abgaben auf den Unternehmerlohn mit der Kapitalertragssteuer (+), geht dir hoffentlich ein Licht an.


    So, Jonathan, damit kommen wir zu dem Schluss, dass du zunächst wohl eher als DIY-Investor deine Schäfchen ins Trockene bringen und dich um dein Studium kümmern solltest. Eine simple Investition von deinem geerbten Vermögen (abzüglich eines Cash-Anteils) in einen MSCI World... wäre wohl der naheliegende Schritt. Immobilien würde ich erst einmal gekonnt vermeiden, da du weder die Zeit, noch die Insiderkenntnise hast.


    Für mehr Fragen oder Wünsche nach weiterer Aufklärung frage einfach weiter...

  • Wichtige Frage zum Start: Wie ist das geerbte Vermögen denn aktuell angelegt? Das bestimmt ja durchaus auch mit welche Lösung welchen Aufwand und Preis hat. Ebenso die Frage ob die Erbschaftssteuer bereits bezahlt ist oder ob du dazu erst einen Teil liquidieren musst.

  • Deutsches Recht:


    Veräußerungsgewinne auf Immobilien im Betriebsvermögen versteuerst du immer. Du kannst die Steuern zwar längerfristig schieben, aber eine Steuerfreiheit wird du nicht hinbekommen. Anders schaut das derzeit noch im Privatvermögen aus (Verkauf nach 10 Jahren steuerfrei).

  • Leistungsloses Einkommen aus Kapitalerträgen durch z.b. Aktien wird bereits sehr niedrig besteuert (deutlich niedrig als Einkommen aus Arbeit) und man muss sich auch nicht an den Solidarsystemen beteiligen (z.B. keine Sozialbeiträge). Solche Konstrukte lohnen sich daher erst ab einem deutlich höherem Vermögen.

  • Leistungsloses Einkommen aus Kapitalerträgen durch z.b. Aktien wird bereits sehr niedrig besteuert (deutlich niedrig als Einkommen aus Arbeit)...

    Falsch.


    Es erfolgt eine zweistufige Besteuerung: innerhalb der Kapitalgesellschaft (KSt (15%+Soli) und GewSt(3,5 x Hebesatz)) und beim Anteilseigner (ESt). Insgesamt rund 50%, je nach Gewerbesteuerhebesatz.

    Lass keinen zwischen Dich und Dein Geld.

  • Solche Konstrukte lohnen sich daher erst ab einem deutlich höherem Vermögen.

    Wenn du glaubst, die steuerliche Behandlung würde sich bei höheren Vermögen zum Positiven ändern, dann darfst du dies gerne weiterhin glauben. Ich find's immer witzig, wenn sich Päpste für Empfehlungen zum Thema Eheleben/Sex berufen fühlen ;-)

    "Sparschwein-GmbHs" oder besser "Sparschwein-Kapitalgesellschaften" und/oder ggfs. Stiftungskonstrukte können unter bestimmten Umständen interessant werden, wenn z.B. diverse "Privatvergnügen" als Betriebsausgaben gebucht werden können. Einzelheiten dazu sind aber nicht unbedingt in diesem Forum und für die "Allgemeinheit" sonderlich erquickend... auch nicht für den TE.

  • "Leistungsloses Einkommen aus Kapitalerträgen durch z.b. Aktien wird bereits sehr niedrig besteuert (deutlich niedrig als Einkommen aus Arbeit) und man muss sich auch nicht an den Solidarsystemen beteiligen (z.B. keine Sozialbeiträge)."


    Das ist definitiv falsch, aber neben dir verstehen das auch die wenigsten Politiker (als Studienabbrecher, Theaterwissenschaftler oder Callcenter-Mitarbeiter vermutlich auch schwierig), darum sehe ich es dir nach.


    Mit dem Tool hier https://www.steuerschroeder.de…rbelastungsvergleich.html kannst du den Steuerbelastungsvergleich auf Gewinne einer Kapitalgesellschaft im Vergleich zu einem Einzelunternehmen mal durchspielen.


    Und was die Sozialabgaben angeht:


    Zum einen kannst du für deine Zinserträge keinen Rentenanspruch erwerben, noch Kranken- oder Arbeitslosengeld bekommen. Warum sollte dann dieser Teil des Einkommens damit belastet werden?


    Weiterhin gäbe es da noch diverse andere Einkommen (V+V, Veräußerungsgewinne außerhalb der Spekulationsfrist etc.), die ebenfalls nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen. Wie würdest du es finden, wenn du privat dein geerbtes Elternhaus verkaufst und dann auf den Erlös erst mal 45% Einkommensteuer und 20% Sozialabgaben abdrücken musst?

  • Weiterhin gäbe es da noch diverse andere Einkommen (V+V, Veräußerungsgewinne außerhalb der Spekulationsfrist etc.), die ebenfalls nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen. Wie würdest du es finden, wenn du privat dein geerbtes Elternhaus verkaufst und dann auf den Erlös erst mal 45% Einkommensteuer und 20% Sozialabgaben abdrücken musst?

    Mit den ausgeblendeten sogenannten Arbeitgeberanteilen sind es 40% Sozialabgaben. Wenn der Betrieb umlagepflichtig ist, sogar rd. 45%. Tendenz steigend. Die Zukunft war früher einfach besser.

    Lass keinen zwischen Dich und Dein Geld.

  • "Wenn man schon so viel im Internet schreibt, sollte man es auch regelmäßig an die aktuelle Rechtslage anpassen"


    An der grundsätzlichen Aussage der Vergleichsrechnung hat sich trotzdem nichts geändert, daher als kostenloses Tool durchaus in Ordnung.


    Die Besteuerung von Kapitalgesellschaften bei Vollausschüttung (rd. 30% Steuer im Betrieb + 26,x% Steuer auf den ausgeschütteten Restgewinn) ist in fast allen Fällen höher als die bei Einzelunternehmen/Personengesellschaften (max. 45% + evtl. noch Soli und KiSt in der Spitze, wobei die betriebliche Gewerbesteuer ja in der Regel voll auf die Einkommensteuer anrechenbar ist). Politiker stellen sich aber oft hin und behaupten das Gegenteil (nur 26,x% Steuerbelastung auf Dividenden) - ob nun aus ehrlicher Dummheit oder Berechnung, wer weiß.


    Was die Sozialabgaben angeht: Die haben bei Kapitaleinkünften nichts zu suchen. Punkt. Andernfalls müsste man aus Gründen der Gerechtigkeit sämtliche Vermögenszuflüsse der Besteuerung und der Sozialabgabenpflicht unterwerfen, auch besagten Hausverkauf.


    Wobei aus meiner Sicht die 10 Jahres-Grenze bei Grundstücksveräußerungen eh nicht in Ordnung ist. Ich kenne genug Vermieter, die sich damit im Laufe des Lebens steuerfrei eine goldene Nase verdienen.

  • Wichtige Frage zum Start: Wie ist das geerbte Vermögen denn aktuell angelegt? Das bestimmt ja durchaus auch mit welche Lösung welchen Aufwand und Preis hat. Ebenso die Frage ob die Erbschaftssteuer bereits bezahlt ist oder ob du dazu erst einen Teil liquidieren musst.

    Hey und Danke schonmal für den Kommentar,

    das Geld ist in Mitarbeiteraktien angelegt bei einem Unternehmen in dem mein Vater vor seinem Tod zuletzt gearbeitet hat. Die Aktien entwickeln sich sehr gut allerdings empfinde ich es als viel zu gefährlich so einen hohen Betrag nur in einer Firma investiert zu haben.

    Die angegebenen 1.2 Millionen sind bereits versteuert.

    Jetzt möchte ich die Aktien allerdings verkaufen und zum größten Teil in den MSCI World investieren. Mit Immobilien kenne ich mich bisher Amateurmäßig aus, konnte allerdings auch damit schon erste positive Erfahrungen machen.


    Durch meine Recherche zu GmbHs, Holdings usw. steht nur eben jetzt noch die Überlegung im Raum ob ich es gewerblich, also mit einer GmbH / Holding mit GmbH darunter mache oder ob der Betrag dafür noch deutlich zu klein ist und ich es einfach privat investieren sollte.


    Liebe Grüße

  • Durch meine Recherche zu GmbHs, Holdings usw. steht nur eben jetzt noch die Überlegung im Raum ob ich es gewerblich, also mit einer GmbH / Holding mit GmbH darunter mache oder ob der Betrag dafür noch deutlich zu klein ist und ich es einfach privat investieren sollte.

    Bei diesem Volumen würde ich erst mal als 'Privatinvestor' agieren... und mich weiter ums Studium kümmern.


    LG und schöne Weihnachten

    John

  • Streiche '15 Jahre' und setzte 'für immer'!

    MMn brauchst du erst einmal eine Vorstellung davon, wie sich dein 'neues' Nettovermögen entwickeln kann und sollte, und welchen Nutzen du daraus ziehen kannst.

    Hey


    Danke für den Kommentar. Bei für immer würde ich auch zustimmen, habe jetzt erstmal 15 Jahre geschrieben um anzudeuten das ich jetzt kein Daytrading damit vorhabe sondern schon auf Langzeit dabei bleiben möchte.


    Dann frage ich vielleicht mal ganz konkret wie würdest du vorgehen?


    Die 1.2 Millionen sind bereits versteuert und in Mitarbeiteraktien angelegt die mein Vater hinterlassen hat, was mir viel zu gefährlich ist und ich daher gerne ein diversifiziertes Portfolio anlegen möchte, mich aber vorher erkundigen wollte, ob ich es einfach privat machen sollte weil der Betrag für gewerbliches Investieren zu unerheblich ist, oder ob eine gewerbliche Struktur wie eine Holding, eine doppelstöckige Co. KG, GmbH, oder nur eine GmbH sinnvoll ist.


    Liebe Grüße

  • Hier mal eine Abhandlung über die steuerlichen Folgen bei einer Versteuerung in einer Kapitalgesellschaft oder einer UG + atypisch still.


    https://www.atypischstill.com/…chaft-im-jahr-2020-teil-i


    Wenn man zur intelligenteren Hälfte der Bevölkerung gehört, sollte man das verstehen können.


    Die steuerlichen Folgen einer Holdingsstruktur mit mehreren Kapitalgesellschaften kann man sich daraus auch zusammenreimen.


    Zu bedenken möchte ich noch geben, dass eine UG/GmbH ein Klotz am Bein sein kann, bei einem vielleicht mal notwendigem Wegzug.


    https://www.noerr.com/de/newsr…sbesteuerung-wird-konkret

  • Cool wo zahlt google denn Gewerbesteuer? ;) in Irland, Luxemburg, den Caymans, in Panama oder ganz artig in Buxtehude? ^^

    Was soll das linke Geschwurbele?


    Alle zahlen Steuern, auch die Reichen und Schönen.


    Überwiegend fällt die Gewerbesteuer wohl in Hamburg an. Dort hat Google Deutschland seinen Sitz.


    Die Gewerbesteuerzerlegung liegt mir leider nicht vor. Mittels Zerlegung wird das Gewerbesteueraufkommen auf Deutschland verteilt.


    Es sind 2019 laut Bundesanzeiger übrigens exakt 4.068.626,99 EUR an Ertragsteuern gewesen. Nicht viel bei 714 Mio. Umsatz.


    Aber das Kapital ist bekanntlich ein scheues Reh. Und dieses Reh sucht sich sicherlich nicht Deutschland aus, um die meisten Gewinne zu versteuern.

    Lass keinen zwischen Dich und Dein Geld.

  • Hol zusammen,

    sehr interessant.


    Genau richtig, alles sofort in den MSCI World, in ein selbst eröffnetes Depo z.B Trade Republic oder Smartbroker investieren.

    Liegen lassen. Mindestens 15 Jahre.

    Alle 10 bis 15 Jahre verdoppelt es sich.

    Das war’s.


    Krisen aushalten.


    Wenn dann mal nur noch 600.000 Euro da sind.


    Durchhalten.


    Willkommen Herr Investor!


    LG