Kündigung der Leu Energie GmbH & Co. KG

  • Hallo und Guten Tag,

    vor Weihnachten habe ich die außerordentliche Kündigung zum 31.01.2022 von Leu Energie erhalten für den Vertrag, den ich am 21.08.2021 abgeschlossen habe mit dem Lieferzeitraum v. 01.10.2021 bis zum 30.09.2021.


    Nach meinem Rechtsverständnis ist diese Kündigung wirkungslos, da ich meinen Verpflichtungen immer nachgekommen bin und der Kündigungsgrund, aufgrund der aktuellen Lage am Strom- und Ersgasmarkt, ich nicht zu vertreten habe und das dies dem Geschäftsrisiko des Vertragspartners ist. Ist dem wirklich so, ist die Kündigung wirkungslos?


    Hat jemand hier in der Community Erfahrungen gemacht, wie ich hier mich wehren kann?


    Meine Strategie wäre:

    1. Der Kündigung widersprechen

    2. Schadensersatz verlangen, da ich ja auf einen anderen, teuereren, Vertragspartner ausweichen muss

    3. Die Lastschriften der letzten 2 Monate zurückbuchen lassen von der Bank um den Schadensersatzanspruch zu minimieren


    Oder gibt es hier andere Vorschläge aus der Runde?


    Vielen Dank für eine entsprechende Unterstützung.


    Schöne Grüße

    Udo

  • Worauf stützt sich denn die Kündigung bzw. wie wird sie begründet?

    Außerordentliche Kündigungen können auf unterschiedlichen Gründen beruhen und setzen nicht zwangsweise eine Vertragsverletzung eines Vertragspartners voraus.

  • Der Kündigung widersprechen kannst du auf jeden Fall.


    Mit dem Lastschriftwiderspruch begehst du eine Vertragsverletzung, die dich u.U. viel Geld kostet; berechtigte Mahngebühren etc.


    Du kannst Schadenersatz für die Mehrkosten ab 1.1.2022 verlangen. Sollte die Firma in die Insolvenz rutschen, wird das aber wirkungslos bleiben.

  • Das ist aktuell "Mode" bei den überregionalen Versorgern. Man kündigt ohne Angabe von Gründen in der Hoffnung, dass die Mehrzahl der Kunden das so hinnimmt.


    Aus meinen Erfahrungen mit enerSwitch empfehle ich schriftlichen Widerspruch und die Androhung von Schadenersatzforderungen, sollte der Anbieter dich einfach beim Netzbetreiber abmelden. Wobei letzteres wahrscheinlich schon geschehen ist.


    An dieser Stelle auch noch der dringende Hinweis, die aktuell gültigen Preise deines Grundversorgers zu prüfen, bei dem du ja jetzt erstmal gelandet bist. Hier gab es teilweise brachiale Erhöhungen auf bis zu 70 Cent und mehr für sog. "Neukunden". Das betrifft vor allem Leute, die in Großstädten mit eigenen Stadtwerken wohnen.


    Die Bundesnetzagentur hat mittlerweile auch einige Hinweise zum Thema veröffentlicht.


    mfg, Archetim

  • Man wird ja motiviert zu solchen Unternehmen zu wechseln, um schön zu sparen. Da wollten wohl vielen Unternehmen mit auf den Zug springen und haben sich dann wegen der extrem steigenden Preise völlig verkalkuliert. Die Frage ist jetzt natürlich, ob Verbraucherschützer wie Finanztip jetzt ihre Empfehlungen mal anpassen oder immer weiter so. Bzw. aktuell gibt es quasi eh nichts günstigeres als den Grundversorger

  • Kommt auf den Grundversorger an. Unsere städtischen Stadtwerke bieten für Neukunden seit 20.12.21 in der Grundversorgung 73 Cent/kWh an :/


    Und das ist noch nicht mal die Spitze, manche sind schon über 80 Cent. Bin gespannt, wann der erste Anbieter die 1-Euro-Grenze reißt.


    Frag mich nur, wann die Bundesnetzagentur mal aufwacht. Liberaler Markt hin oder her, das was aktuell abgeht, hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun :(


    mfg, Archetim

  • Frag mich nur, wann die Bundesnetzagentur mal aufwacht. Liberaler Markt hin oder her, das was aktuell abgeht, hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun :(

    Und was soll die Bundesnetzagentur machen? Die Bundesregierung anweisen, NorthStream 2 freizugeben, damit Putin sein Erdgas unters Volk wirft?


    Die Grundversorger können Zusatzmengen auch nur zu aktuellen Marktpreisen einkaufen. Wenn die BNA denen jetzt die Preise vom vorletzten Jahr vorschreibt, werden die einer nach dem anderen ebenfalls in die Insolvenz rutschen. Da hat auch niemand was von.


    Aber vielleicht könnte man ja die Neukundenrabatte des letzen Jahres von den Kunden zurückfordern. Da schreit keiner nach der Bundesnetzagentur. Aber wehe es wird teurer.

  • Über normale Preissteigerungen würde sich ja keiner aufregen. Allerdings halte ich eine Verdoppelung oder Verdreifachung innerhalb weniger Tage nicht für ein normales Marktverhalten.


    Wozu gibt es denn dann eine Regulierung, wenn diese in solchen Situationen nicht eingreift? Keiner weiß genau, ob wirklich alle Versorger nur die Preissteigerungen am Spotmarkt weitergeben, oder ob da nicht die Gunst der Stunde genutzt wird, den einen oder anderen Euro zusätzlichen Gewinn mitzunehmen.


    Unser Stadtwerk hier z.B. hat den Netto-Preis ohne Umlagen mal eben versechsfacht von einem Tag auf den anderen. Bildet das tatsächlich nur die gestiegenen Beschafffungspreise ab?


    mfg, Archetim

  • Wozu gibt es denn dann eine Regulierung, wenn diese in solchen Situationen nicht eingreift? Keiner weiß genau, ob wirklich alle Versorger nur die Preissteigerungen am Spotmarkt weitergeben, oder ob da nicht die Gunst der Stunde genutzt wird, den einen oder anderen Euro zusätzlichen Gewinn mitzunehmen.

    Das weiß man nie und kann man auch kaum verhindern, da die Bundesnetzagentur oder sonst jemand gar nicht in der Lage ist, alle Verträge und Lieferketten durchzuprüfen und zu schauen, ob da jemand ist, der unverschämt hohe Gewinne mitnimmt.

    Das, was derzeit passiert, ist politisch und letztlich vom Wähler so gewollt. Man könnte NordStream 2 aufmachen, man könnte die AKW weiterlaufen lassen usw usw.

    Ich warte schon auf den Tag, an dem die e-Auto-Fahrer merken, dass der Strom nicht umsonst ist. Rechnet sich das noch bei 70 Cent pro kWh?