Blasengefahr beim MSCI World? Gewichtung nach BIP?

  • Hallo liebe Community,


    ich habe in letzter Zeit einige Beiträge von Herrn Andreas Beck gesehen. Er behauptet ja, dass der MSCI World eine größere Blasengefahr hat (weil der USA Anteil so unglaublich hoch ist und auch der Technologiebereich deutlich übergewichtet ist). Da der MSCI World ja rein nach Marktkapitalisierung gewichtet kann es da doch zu einem hohen Ungleichgewicht kommen, auf das man gar keinen Einfluss hat. Natürlich kann man das klassische 70/30 Portfolio machen und die Schwellenländer dazu packen. Dennoch wäre dabei die USA im Vergleich zu Europa stark übergewichtet (bzw. Europa untergewichtet).

    Ich finde den Ansatz spannend das Portfolio nach dem BIP zu gewichten. Man könnte also einzelne ETFs für die jeweiligen Regionen nehmen und diese nach dem aktuellen BIP gewichten. Dazu könnte man folgende Indices nehmen, um die Welt möglichst gut abzubilden:


    MSCI Northamerica

    MSCI USA Small Caps

    MSCI Europe

    MSCI Europe Small Caps

    MSCI Pacific

    MSCI Emerging Markets IMI


    Damit hätte man weltweit gestreut und könnte individueller auf die einzelnen Regionen rebalancen.


    Was haltet ihr von dem Ansatz? Für wie groß haltet ihr die Blasengefahr beim MSCI World und warum?


    Danke schon mal!


    Viele Grüße

    Oli

  • Was haltet ihr von dem Ansatz?

    Man könnte ja sein Vermögen aktiv von dem Experten Andreas Beck verwalten lassen...

    Harrharrharrr...

    Damit hätte man weltweit gestreut und könnte individueller auf die einzelnen Regionen rebalancen.

    Wichtiger als das Balancieren ist es mMn, den gleichen Aufwand für die Beobachtung der Märkte und Kurse zu betreiben und das mit den volatilen Anlageprodukten zu tun, wofür jene 'gemacht' wurden... sie nämlich zu handeln... was aber nix für die Pantoffel-Fraktion ist ;-)

  • Ich bin ja auch kein großer Fan von dem Herrn Beck und glaube auch nicht alles was er sagt. Aber ein paar Argumente kann ich schon nachvollziehen. Und ich will auch nicht aktiv traden... Ein mal im Jahr rebalancen reicht für mich und verstehe ich auch noch unter "passiv" investieren.

    Warum müsste ich die Märkte bei der Strategie so stark beobachten? Ich habe einfach mehr Möglichkeiten als im msci world, da ich individuell gewichten kann. Dabei muss ich ja nur einmal im Jahr das BIP der jeweiligen Regionen lesen und dann rebalancen...

  • Ich höre Herrn Beck gerne zu. Das was er sagt ist ja im Grundsatz auch völlig richtig. Ich finde es auch nicht schön, dass die USA im MSCI World inzwischen 70% ausmachen. Aber woher kommt das denn!?

    Wo sind sie denn die weltweit tätigen IT-Platformunternehmen oder sonstigen Tech-Konzerne aus Europa? :/

    Die globalen Leader kommen nun mal aktuell fast alle aus den USA. Und ja, es mag sich da auch die eine oder Andere Blase bilden. Wer weiß, wo z.B. Tesla, Nikola in einigen Jahren stehen? Evtl. gibt es dann die chinesische E-Auto-Wundermarke, die den weltweiten PKW-Markt beherrscht. Aber auch diese Firma, wird dann wohl ein Aktienunternehmen sein!


    BTW: Der Vorteil eines Index-ETF nach Marktkapitalisierung (MCAP) ist eben, dass Du Dir keine Gedanken darum machen musst in welchem Land oder in welcher Region gerade der Bär steppt. Ender der 1980'er Jahre war Japan mit rund 40% Anteil der dickste Fisch im MSCI World. Heute sind es die USA. Morgen evtl. Europa oder Australien. Wer weiß, ich werde auf jedem Fall daran beteiligt sein.

    Schau Dir mal allein die Top10 im MSCI World an. Viele der Firmen gab es Ende der 1980'er Jahre noch nicht einmal!


    Ob eine Gewichtung nach BIP oder MCAP in 20 Jahren besser gewesen sein wird, wissen wir dann in 20 Jahren. Richtig falsch machst Du so oder so nichts. Ich bleibe bei meiner 70/30 Aufteilung und fertig. :)

  • Hey JDS, ja klar ich kann es einfach machen... aber der Sinn eines Forums ist doch Fragen zu stellen und Dinge zu diskutieren, oder?


    Ich wollte gerne wissen was ihr von diesem Ansatz haltet und wie hoch ihr die Blasengefahr des MSCI World seht (und warum)...

  • Hi monstermania ,


    ja das stimmt! Und ich verstehe schon warum der USA-Anteil jetzt so groß ist im MSCI World. Das macht ja auch total Sinn weiterhin in USA investiert zu sein! Nur vielleicht nicht mit nahezu 70% :P

    Meinst du nicht, dass so eine Blasenbildung mittelfristig zu Kurseinbrüchen führen kann, die nicht in dem Maße passieren, wenn man nach BIP gewichtet?


    Ansonsten ist das 70/30 Portfolio natürlich auch sehr entspannt. Mache ich bisher ja auch so :)

  • Meinst du nicht, dass so eine Blasenbildung mittelfristig zu Kurseinbrüchen führen kann, die nicht in dem Maße passieren, wenn man nach BIP gewichtet?

    Das mag so sein.

    Aber dafür verlierst Du halt Rendite bis die 'Blase' platzt. Und was ist, wenn es gar keine Blase gibt oder das Platzen noch 5 oder 10 Jahre dauert!? :/

    Man darf nicht vergessen, dass die Big-Tech-Firmen aktuell richtig gut verdienen. Und da ist weltweit noch Einiges an Potential da.

    Ich weiß nur, das Marktiming bzw. schlauer zu sein als der Markt historisch betrachtet bisher nie funktioniert hat. Jedenfalls nicht für die Masse der Anleger. Und ich bin nur ein Teil der Masse.

    Und mittelfristig interessiert mich nicht wirklich. Ich plane auf 20 + x Jahre (bis zu meinem Tod).

  • aber der Sinn eines Forums ist doch Fragen zu stellen und Dinge zu diskutieren, oder?


    Ich wollte gerne wissen was ihr von diesem Ansatz haltet und wie hoch ihr die Blasengefahr des MSCI World seht (und warum)...

    Du hast vollkommen recht; auch dafür ist dieses Forum da!


    Was ich von deinem Ansatz halte, habe ich ja indirekt zum Ausdruck gebracht. Ich sch... auf das Balancing und Blasen finde ich gar nicht so schlecht ;-)

    Äääähhhh... also Krisen, Crashszenarien, 'Blasen'... interessieren mich nicht sonderlich, soweit es um Prognosen, Ankündigungen, Expertenmeinungen etc. dazu geht. Ich halte mein Depot relativ simpel und reagiere - meistens halbwegs rechtzeitig - auf Veränderungen.

  • Ich wollte gerne wissen was ihr von diesem Ansatz haltet und wie hoch ihr die Blasengefahr des MSCI World seht (und warum)...

    Nach meinem Verständnis ist es so, dass alle in den MSCI World investieren und das auch bei professionellen bekannt ist. Wenn ich das weiß, dass Nachfrage da ist, kann ich mich z.B. mit Optionen darauf einstellen. Das macht man mit den hoch kapitalisierten Werten. Die steigen dann, da die Optionen im Hintergrund abgedeckt sein müssen, die Marktkapitalisierung der großen Werte steigt, die ETF-Käufer kaufen weiter und damit geht es noch weiter in die Höhe. Das hat mit den Ertragsaussichten nichts mehr zu tun. Es gibt nette Analysen, dass derzeit der Markt i.S. der einzelnen Unternehmen viel schlechter dasteht als der Index.


    Bis jetzt sind die ETF-Käufer damit gut gefahren, in 2021 +30%, Beck +20%. Die Frage ist halt was passiert, wenn das System kippt.


    Zur eigentlichen Frage:

    Unter Bewertungsaspekten müsste man in niedrig bewertete Indizes investieren. Insofern stellt der MSCI World über sein Gewicht in USA und dort in den BigTechs eine Blase dar. Damit besteht Korrekturgefahr, das bedeutet aber nicht zwangsläufig das Ende der Welt.


    Die Gewichtung nach BIP finde ich eine schlüssige Idee. Leider funktionieren schlüssige Ideen am Kapitalmarkt häufig nicht. Es gibt bei JustETF ein BIP-gewichtetes Protfolio aus 4 ETF, das über 1 bzw. 5 Jahre 20 bzw. 50% gemacht hat. Der MSCI World 30 bzw. 80% (alle Zahlen unverschämt gerundet).


    Deswegen gebe ich JDS recht: wenn das Deine Lösung ist mach es. Ich habe z.B. einen höheren Europa-Anteil im Portfolio und zahle jedes Jahr dafür mit einer Unterperformance ...

  • das stimmt! Und ich verstehe schon warum der USA-Anteil jetzt so groß ist im MSCI World. Das macht ja auch total Sinn weiterhin in USA investiert zu sein! Nur vielleicht nicht mit nahezu 70%

    VW verkauft einen Großteil seiner Autos in China, wird aber zu 100% zu Deutschland gezählt, nur weil der Hauptsitz hier registriert ist. Genauso verkauft Apple weltweit Iphones und nicht nur in den USA. Du hast also weniger usa in Msci World als du denkst. Die Gewichtung nach BIP halte ich für totalen Unsinn bzw. unnötig

  • Ich finde man kann schon nach BIP gewichten. Aber in dem Moment, wo Du Regionen bildest, sind diese ja in sich wieder nach Marktkapitalisierung gewichtet. Von daher ist die einzig wahre Vorgehensweise alle Länder individuell abzubilden. Dadurch kannst Du dann auch minimale Abweichungen der BIP-Entwicklung berücksichtigen.


    Zur Verdeutlichung: (Daten von Statistis)

    2020 hatte die USA 20.900 Mrd USD und Kanada 1.600 Mrd USD BIP. Damit müsste Kanada 7% im Verhältnis zu den USA gewichtet werden. Im MSCI North America habe ich gesehen, bekommt Kanada nur 4,5% ab und damit hast Du natürlich eine extreme Abweichung von 50% gegenüber der korrekten Gewichtung.


    Falls Du bei Deiner groben Vorgehensweise bleiben möchtest, wollte ich Dich fragen was Du für den MSCI Pacific als ETF wählen würdest? Ich habe da nur einen Swapper gefunden. Bei anderen Produkten würde Dir Japan fehlen. Auch hast Du m.M.n. im Pazifikraum keine Small Caps dabei.


    Ahja und dann fällt mir noch auf, dass natürlich die ganze Gewichterei zu sehr kleinen prozentualen Depotpositionen führt...im Sparplan müsste der pro Monat schon recht hoch sein 2.000 EUR+ bzw. bei Einmalanlage sollte es sich dann auch um eine in Summe 6-stellige Anlagesumme handeln. Sonst muss man ja zweistellige Eurobeträge rebalancen.

  • dass natürlich die ganze Gewichterei zu sehr kleinen prozentualen Depotpositionen führt

    da sind wir bei Grund 1 warum diese BIP Gewichtung propagiert wird, höhere Einnahmen für Börsen und Depotanbieter

    Grund 2: nur nen weitere Blogger der für MSCI World buy & Hold Werbung macht? Langweilig! Das bringt keine Klicks, lieber irgend ne Strategie die nicht sonderlich schadet (da trotzdem breit gestreut mit ETFs investiert wird) aber auch keinen Vorteil hat ^^

  • Grundsätzlich hast du ja nicht ganz unrecht. Die USA sind stark gewichtet und die USA sind ein Markt der traditionell etwas höher bewertet ist. Das liegt an der Kombination aus Altersvorsorge per Börse und überbordendem Patriotismus. Da ist es grundsätzlich nicht vollkommen verkehrt ein bisschen anders zu gewichten.


    Aber:

    - in der Zeit weltweit agierender Großkonzerne ist es schwierig festzustellen was wo zugeschlagen gehört

    - die Kapitalstruktur ist nicht weltweit gleich. In Deutschland gibt es zum Beispiel viele Firmen in Privatbesitz (Bosch, Aldi, etc) die in den USA ziemlich sicher an der Börse wären. Gewichtet man stumpf nach BIP, dann gewichtet man solche Firmen mit obwohl sie nicht Teil der Börse sind

    - in der Praxis ist die Abbildung von Regionen gar nicht so einfach, vor allem Pacific. In der Regel sind die ETFs Pacific ex Japan, du brauchst also 2 ETFs um die Region abzubilden. Pazifik ohne Japan hat aber kaum noch Gewicht, also hast du eine Position mit 2-3%. Bei einer recht ordentlichen monatlichen Sparrate von 1000€ sind das dann 20-30€ pro Monat.


    Ich habe mich deshalb für einen Mittelweg entschieden und Europa ein bisschen übergewichtet. Mehr Detailarbeit nach Geographie ist mir zu viel

  • Hallo zusammen,


    erstmal vielen lieben Dank für die ganzen Rückmeldungen!


    Zu euren Fragen:

    Pacific hätte ich mit einem ETF auf die Pacific Region realisiert, also zum Beispiel den LU0629460832 von UBS. Da wäre dann auch Japan mit drin.


    Zum Thema Sparrate: Nun ja, es wären ja "nur" 6 ETFs... Also schon viel im Vergleich zu nur EINEM ACWI. Aber bei einer Sparrate von sagen wir 600-700€ monatlich kommen da schon auch ein paar Anteile zusammen.

    Aber ihr habt mich überzeugt! Viele eurer Argumente finde ich doch auch logisch. Vor allem der Aspekt, dass in der globalisierten Welt eh schwierig festzustellen ist, woher der Wohlstand jetzt genau kommt finde ich richtig. Und auch das Argument, dass viele Unternehmen (vor allem in Deutschland) ja auch gar nicht an der Börse sind aber dennoch zum BIP zählen hatte ich so nicht auf dem Schirm.


    Ich glaube ihr habt auch recht, dass da jemand vielleicht auch mit einem neuen Ansatz einfach viele Follower und Kunden generieren will, dennoch finde ich den Ansatz nach BIP zu gewichten auch nicht ganz schlecht! Aber: Wie genau sieht dann die Verteilung aus? Und wie sieht sie in der Zukunft genau aus? Das ist für einen Ottonormalverbraucher, der nebenbei Altersvorsorge betreibt tatsächlich auch schwierig festzustellen... Wenn es überhaupt jemand kann.


    Was mir auch noch nicht so richtig klar war ist, dass man einen Kursrücksetzer ja auch super Nutzen kann für größere Einmalinvestitionen. Der MSCI World wird dann irgendwann korrigiert und steigt wieder. Kann ja dann auch eine Chance als Investor sein!


    Und ein letzter Aspekt ist mir noch total wichtig (den ich vorher auch nicht richtig bedacht habe). Ich müsste nach aktuellem BIP ja über 40% in Emerging Markets investieren, Tendenz eher steigend Richtung 50%. Bei dem riesigen Anteil an China ist mir das dann doch zu heikel, wo der Markt durch die Politik so krass geregelt wird...


    Also: Ihr habt mich überzeugt und ich werde weiterhin bei meinem 70/30 Portfolio bleiben. Werde das BIP dennoch weiter im Auge behalten. Danke nochmal für eure Rückmeldungen!

  • Hey Leute,

    mal im Ernst.

    Glaubt ihr wirklich, dass wenn es zu einem globalen Crash kommt wie der Dotcom-Crash oder die Finanzkrise, dass es groß etwas ausmacht, wie ob Ihr Euer ETF-Depot gemäß MCAP oder BIP gewichtet? :/

    Dafür sind die Wirtschaftsräume viel zu eng miteinander vernetzt. Macht das, wo mit Ihr Euch wohlfühlt und hofft, dass es auch langfristig weltweit ein stetiges Wirtschaftswachstum gibt.

    Und in 20 oder 30 Jahren sehen wir dann, welche Aufteilung im Rückblick die beste Rendite gebracht hätte.;)