Töchter erhalten Schenkung über 15k: Was beachten und wie anlegen (3 bis 6 Jahre)?

  • Liebe Community,


    ich bin neu im Forum, aber seit einigen Jahren begeisterter passiver Leser von Finanztip. Und jetzt habe ich eine Frage, weil ich bei meiner Recherche nicht weiterkomme:


    Meine beiden Töchter erhalten aus dem weiteren Verwandtenkreis jeweils 15k als Schenkung. Ich weiß inzwischen, dass 20k ohne steuerliche Abzüge möglich sind und dass man diese Schenkung dem Finanzamt melden muss.

    :?:Gibt es Erfahrungswerte und Tipps, was es bei so einer Schenkung sonst noch zu beachten gibt? Sollte man einen Vertrag aufsetzen? Oder reicht es, wenn das Geld auf die Konten der Kinder überwiesen wird und die Meldung ans Finanzamt geschieht? Kann das Geld auch erstmal auf deren Girokonto überwiesen werden und von dort auf ein Anlageprodukt?


    Die Töchter sind knapp 15 und knapp 12. Sie sollen mit 18 auf den Betrag zugreifen können.

    :?:Welche Anlage empfehlt ihr? Einfach auf ein Tagesgeldkonto und damit leben, dass das Geld 3 bis 6 Jahre durch die Inflation weniger wird? Festgeld, das zumindest ein wenig den Verlust mindert - aber durch starre Laufzeiten keinen Zugriff am 18. Geburtstag gewährleistet? Oder doch einen ETF, der die bekannten Chancen und Risiken birgt - auf die kurze Laufzeit aber eher riskant ist?


    Und um es ganz konkret zu machen: Welches Produkt bei welcher Bank schlagt ihr für eure empfohlene Strategie vor?


    Ganz herzlichen Dank vorab! Vielleicht hat ja jemand einen sehr ähnlichen Fall schon gehabt.

  • Hallo zusammen,

    willkommen in der Community.


    Hilfreich ist es m.E. mit den Kindern Finanzbildung zu betreiben.


    Wenn Sie lernen, dass 1.000.000 im Leben gut an Vermögen möglich ist, wenn man es richtig macht, begreifen sie ggf. auch, dass sie mit 18 verfügen können aber auch in der Weise, dass sie es investiert lassen.


    (Trade Republic MSCI World)


    Ansonsten keine wesentliche Rendite.


    Finanzbildung ist m.E. der Schlüssel.


    Wenn das Geld in 6 Jahren sicher ausgegeben werden muss, dann Festgeld.


    LG

  • Welche Anlage empfehlt ihr?

    Termingelder rentieren sich derzeit so bescheiden, dass der Unterschied zwischen Termin- und Kopfkissengeld nicht wirklich auffällt.


    Da die beiden Töchter ja derzeit nicht 'dumm' sind und wohl kaum plötzlich mit 18 'clever', würde ich offen mit ihnen reden und die verschiedenen möglichen Varianten durchackern.

    Geld zu besitzen, nur um Geld zu besitzen, ist bekanntlich doof. Geld wird dann erst 'prickelnd', wenn man daraus einen Nutzen zieht. Das kann eine kleine 'nützliche' Anschaffung sein, aber auch etwas 'Größeres zu einem späteres Zeitpunkt'... bis hin zur Privatrente.


    Rechnet einfach mal mit den Mädels durch, wie sich 15k aufm Giro entwickeln...

    * jetzt 15.000

    * nach einem Jahr bei 3% Inflation (super einfache Rechnung 15.000 * 0,97) = 14.550,00

    * nach 2 Jahren -"- (14.550 * 0,97) = 14.113,50

    *nach 3 Jahren...

    ...

    *nach 10 Jahren...


    Dabei dürften den Mädels schon einmal die Augen aufgehen, oder? Selbst einige Erwachsene, die die letzten Dekaden quasi verpennt haben, werden dabei 'wach' ;-)


    Im zweiten Schritt rechnet ihr aus Spaß mal mit einer Rendite von 3 Promille (Fetzgeld, unrealistisch) und 3% Kaufkraftverlust bei weiterhin vereinfachter Berechnung...


    * jetzt 15.000

    * nach 1 Jahr 15.000 * 1,003 * 0,97 = 14.593,65

    * nach 2 Jahren ... = 14.160,08

    ...

    * nach 10 Jahren...


    Dritter Schritt...

    Ihr erklärt den Mädels, wie Aktien und ETF funcen. Ggfs. mal in dem FT Video-Archiv nachschauen...


    Und wieder geht's ans Rechnen:


    * jetzt 15.000

    * nach 1 Jahr bei 7% Rendite (15.000 * 1,07 = 16.050)

    * nach 2 Jahren...

    ...

    * nach 10 Jahren...

    * nach 20 Jahren...

    * nach 30 Jahren...

    * nach 40 Jahren... rund 225.000


    Vierter Schritt...


    Rechnung mit 7% Rendite und 3% Teuerungsrate...


    *nach 1 Jahr ... 15000*1,07*0,97=15.568,50

    * nach 2 Jahren...

    ...

    * nach 10 Jahren...

    * nach 20 Jahren...

    ...

    * nach 40 Jahren


    Fünfter Schritt:


    Wenn die Mädels zum Bleistift mit 18 gerne rund 5.000 zur Verfügung hätten, um evtl. einen Führerschein zu machen, oder einen Party-Urlaub auf Malle oder was auch immer, dann rechnet mit 5.000 als Termingeld oder aufm Kinder-Depot-Verrechnungskonto, und 10.000 im Depot...

    Erklärt den Mädels auch, dass der Depotwert schwanken wird und die 7%ige Rendite nur eine Annahme ist. Erklärt aber auch, dass sie jederzeit Anteile verkaufen können, dass der Gewinn steuerpflichtig ist, wie sich die Freibeträge auswirken bzw. welche Gewinne steuerfrei eingetütet werden können...


    Und dann geht's daran, Kinderdepots zu wählen und zu investieren...

  • Vielen Dank für die Anregungen! Finanzielle Bildung ist bereits Thema und mir wichtig. Die Idee, den Betrag aufzuteilen und einen Teil eher langfristig und einen eher kurzfristig (um mit 18 zur Verfügung zu stehen) anzulegen, finde ich super! Merci.


    Gibt es noch Erfahrungen, was die Schenkung selbst betrifft? Ist da ein Vertrag notwendig? Oder ist es tatsächlich nur "Geld auf Konto/Depot der Kinder" + "Meldung beim Finanzamt" = "fertig"?

  • Hallo Herr INITIATOR (IN)

    Ich kann Dir kurz ein paar private Tips zur Schenkungssteuer geben.

    Schenkungen und Erbschaften nehmen zur Zeit rasant zu.

    Da die Familien durchschnittlich immer weniger Kinder haben, wird der Betrag pro Kind immer höher.

    Meine Großeltern hatten noch 17 Kinder, meine Eltern gerade noch 2.

    Schenkungen an Kinder sind ganz einfach.

    Kinder haben einen Freibetrag in 10 Jahren von 400.000 Euro pro Kind.

    Nichtverwandte haben einen Freibetrag alle 10 Jahre von nur 20.000 Euro.

    Das Geld kannst Du überweisen, oder als Aktiendepot übertragen auch Bargeld ist theoretisch möglich - aber immer seltener.

    Jede Schenkung musst Du innerhalb kurzer Zeit (ich glaube 1 -. 3 Monate) dem Finanzamt auf einem einfachen Din-A-4 Vordruck melden. Kann man im Internet ausdrucken.

    Wenn der Betrag darüber liegt, bekommst Du für den Betrag über 20.000 Euro einen Steuerbescheid.

    Der hat nix mit Deinen sonstigen Steuererklärungen zu tun.

    Wenn Du eine weitere Schenkung machst, dann musst Du ALLE bisherigen Schenkungen aufführen. Auch solche bei denen Du schon Steuer bezahlt hast.

    Da geht es darum dass der prozentuale Steuersatz mit der Höhe der Schenkungen langsam steigt. Tabelle findest Du im Internet unter Schenkungssteuer-Tarife.

    Die Schenkung musst Du dem FA melden auch wenn der Betrag nicht steuerpflichtig ist.

    So sind eben die Vorschriften.

    Es würde zu weit führen wenn ich Dir erkläre warum auch alte Schenkungen wieder angegeben werden müssen.

    Merke: Geschenkt ist Geschenkt.

    D.h. der Beschenkte kann mit der Schenkung machen was er will, sobald er volljährig ist. Wenn man das nicht will gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf die ich jetzt taber nicht eingehe.

    Ich bin kein Steuerberater. Ich habe in meiner Familie und Umfeld in den letzten 20 Jahren hohe Schenkungen gemacht. Manche würde ich so nicht mehr machen. Das weiß man erst hinterher. Daher reiflich überlegen.

    Gruss aus Stuttgart McProfit