Lohnt sich der Wechsel zur privaten Krankenversicherung

  • Hallo zusammen,


    Ich bin gerade dabei mich zu den privaten Krankenversicherungen zu informieren und bin mir noch recht unsicher ob sich ein Wechsel für mich "lohnt". Vielleicht gibt es hier ja ein paar Leute mit Erfahrungen, welche sie mit mir teilen möchten.

    Kurze Info zu mir und meinen Wünschen/Vorstellungen der Zukunft:

    Ich bin 26 Jahre und möchte später auf jeden Fall eine Familie mit am liebsten 2 Kindern. Meine Freundin ist angestellt, gesetzlich versichert und auch unter der Jahresarbeitsentgeldgrenze. Ich bin über dieser Grenze, ebenfalls Angestellter, und überlege nun in die private Krankenversicherung zu wechseln. Diese Entscheidung würde ich am liebsten in den "jungen" Jahren treffen, da es sich ja mit zunehmendem Alter weniger rentiert. Achja, ich bin vom körperlichen Zustand recht gesund würde ich sagen und habe keine großen Probleme.

    Was ist eure Meinung dazu?

    Vielen Dank für die Rückmeldung.


    Grüße

    Jonas

  • Moin Jonas,


    also... meiner bescheidenen Meinung nach gehen die meisten Aspiranten mit ziemlich falschen Vorstellungen an die PKV heran. Du willst weniger zahlen und bessere Leistungen erhalten, richtig?

    Wenn du es 'richtig' machen willst, dann gehört die Beitragsersparnis intelligent angelegt/investiert, damit du dir die PKV auch als 'Renntier' leisten kannst... mal ganz salopp formuliert.

    Wenn irgendwann deine Ex-Freundin (syn. für Ehefrau) dann Kinder auf die Welt gebracht haben wird, wären jene nicht automatisch beitragsfrei im Rahmen der gesetzlichen KV bzw. ihrer GKV (Familienversicherung) mitversichert. Vermutlich werden die Kids dann auch mit einer PKV bedacht... und auch dafür wirst du bzw. werdet ihr Beiträge aufwenden. Aber... die Frage ob PKV oder GKV sollte nicht lediglich an die Aufwendungen gekoppelt sein.


    Ich würde mich an deiner Stelle einmal unverbindlich von einem Profi auf diesem Sektor beraten lassen, der diese Angelegenheiten nüchtern und sachlich betrachtet. Hier im Forum ist unter anderem Dr. Schlemann aktiv, dem man mMn absolut vertrauen kann.

  • Hallo.


    Deute ich das richtig, dass diese Überlegung eher finanziell motiviert ist? Das wäre ein "gefährlicher" Ansatz.


    Die private Krankenversicherung, wenn auf Dauer angelegt, stellt gewisse Anforderungen an den Versicherungsnehmer, wenn dieses Abenteuer nicht im Elend enden soll. JDS hat es schon grob umrissen.

  • Ich bin lange Jahre in der GKV geblieben, weil ich AN war und so nur die Hälfte gespart hätte.


    Das Thema ist aber sehr komplex und man sollte sich mehrere Monate damit beschäftigen.


    Für Neuabschlüsse ist eine PKV auch nicht mehr so attraktiv wie früher wegen den Beitragszuschlägen und der Unisex-Einführung.

  • In die Überlegung könnte man auch seine Einstellung zum Grundgedanken des Solidaritätsprinzip einfließen lassen.

    Zum Beispiel die Solidarität dass man mit dem 2,8-fachen, meist aber 3,5-fachen Satz die Behandlung anderer Leute quersubventioniert? Eines der Probleme im deutschen Gesundheitswesen ist, dass ein Großteil der Patienten keine Ahnung hat was für seine Behandlungen abgerechnet wird (Stichwort Quartalspauschale) und sich entsprechend gar nicht vorstellen kann wie weit die Schere bei den Rechnungen auseinanderklafft. Aber das nur am Rande.


    Ich bin 26 Jahre und möchte später auf jeden Fall eine Familie mit am liebsten 2 Kindern

    Damit hast du meiner Meinung nach den kritischen Punkt schon erwähnt der rein finanzielle Überlegungen problematisch macht. Ob das auch mit 2 Kindern noch finanziell attraktiv ist, ist fraglich. Zumindest wenn deine Freundin sich nicht verbeamten lässt und Beihilfe bekommt.

    Das Thema Rente und PKV ist in deinem Alter auch eine Frage der politischen Erwartungen. Ich für meinen Teil habe große Zweifel dass es das System so noch geben wird wenn ich in Rente gehe. Irgendwann wird jemand eine "Bürgerversicherung" o.ä. einführen. Eine zwangsweise Zusammenlegung ist heikel, aber der Abbau von Wechselhürden könnte dabei helfen die Statistik aufzuhübschen ;)


    Unabhängig vom finanziellen gibt es auch gute Gründe für die PKV. Da ist zum einen die oben erwähnte Transparenz was abgerechnet wird. Auch ein gewisses Leistungsprinzip (Beitragsrückerstattung, Selbstbehalt) ist vorhanden was ich gut finde. Auch das ist meiner Meinung nach übrigens eine Form von Solidarität, wenn man der Allgemeinheit nicht mit jedem Mist zur Last fällt.

  • Danke für die beeindruckend formulierte Empfehlung JDS ! 🙏


    Die Entscheidung pro oder contra PKV ist definitiv eine der komplexesten im finanziellen Bereich, die einen i.d.R. lebenslang begleitet. "Lohnen" muss hier immer von zwei Seiten betrachtet werden: a) lohnen sich die Mehrleistungen der PKV (das sollte das hauptsächliche Kriterium sein) und b) treiben einen die Beiträge irgendwann in den Ruin oder spart man langfristig sogar gegenüber der GKV - was gar nicht so selten ist.


    Dabei gilt es viele Facetten zu beleuchten. Die Klassiker, die wir auf unserer Webseite, die ich hier leider nicht zitieren darf, sehr intensiv erörtern sind:

    1. “Ist die private Krankenversicherung im Alter zu teuer?” (der Dauerbrenner)
    2. “Ist die private Krankenversicherung mit Familie zu teuer?”
    3. “Komme ich nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung?”
    4. “Was ist, wenn die Bürgerversicherung eingeführt wird?” (selten)
    5. “Ist die private Krankenversicherung unsolidarisch?” (ganz selten)

    Ich warte immer noch darauf, dass sich mal neue Themen ergeben. :)


    Zwei davon wurden hier angesprochen:


    Familienplanung:

    Zwei Kinder sind normalerweise kein wirkliches KO Kriterium, auch wenn Kinder in der PKV einen eigenen Beitrag kosten. Je nach Güte des Tarifs kosten sie zwischen ca. 160 EUR in einem einfacheren Tarif (immer noch deutlich besser als die GKV) und ca. 200 EUR in einem Top Tarif. Mit ca. 15 steigen die Beiträge bei den meisten Gesellschaften noch mal etwas.


    Mit einem Kind zahlt man bei frühem Wechsel in die PKV klar weniger als in der GKV. Berücksichtigt man mit zwei Kindern auch Zusatzversicherungen für Erwachsene und Kinder, die nötig wären, um Leistungsunterschiede zur GKV etwas abzumildern, fällt der Saldo meistens immer noch zugunsten der PKV aus. Ganz abgesehen davon belasten Kinder das Elternbudget nur bis zum Berufsstart, sagen wir mal 25 Jahre lang wenn sie einigermaßen flott studieren. Dann bleiben bei einer Lebenserwartung von 87 Jahren immer noch 36 Jahre mit klarer Ersparnis sofern a) dauerhaft der GKV Höchstbeitrag gezahlt wird und b) der PKV-Beitrag auch in Zukunft weniger stark ansteigt, als der GKV Höchstbeitrag (seit 1970 jedes Jahr satte 5,66%!). Letzteres setzt eine gut funktionierende Glaskugel voraus 😃. Meine Glaskugel weist allerdings sehr eindringlich darauf hin, dass die mit dem Hand-in-den-Mund-Umlageverfahren arbeitende GKV aufgrund der demographischen Entwicklung künftig deutlich mehr Probleme haben wird, als die PKV mit aktuell fast 300 Milliarden EUR Alterungsrückstellungen.


    Finanziell eng wird's bei der PKV mit Familie, wenn die Gattin mit der Geburt ihre Berufstätigkeit einstellt und für den Rest ihres Lebens Hausfrau bleibt und dann ohne Einkommen Krankenversicherungsbeiträge in GKV oder PKV zahlen muss. Das kommt heutzutage nur noch sehr selten vor, wäre dann aber i.d.R. ein KO Kriterium.


    Wichtig wie JDS völlig richtig schreibt: Eine Ersparnis vs. GKV sollte man nicht verjubeln, sondern sinnvoll anlegen. Dann macht die PKV später auch bei ggf. etwas geringerer Rente selten Stress.


    Solidarität

    Irrtümlich wird häufig davon ausgegangen, dass die PKV unsolidarisch wäre. Ich werfe hier mal ein paar kurze Stichworte ein, für mehr Details bitte einfach mal nach "Ist die private Krankenversicherung unsolidarisch" googeln und das Ergebnis gerne hier verlinken. :)

    • PKV Versicherte sind „horizontal“ solidarisch mit anderen PKV Versicherten: Gesunde finanzieren mit ihren Beiträgen die Kosten der Kranken.
    • PKV Versicherte sind "vertikal" solidarisch, da sie über viele Jahre eigene
      Alterungsrückstellungen als Kapitalstock aufbauen, um ihre im Alter steigenden Gesundheitskosten zu finanzieren und auszugleichen. Künftige Generationen von Kindern und Enkelkindern werden in der PKV mit den o.g. Alterungsrückstellungen entlastet und die Kosten nicht künftigen jüngeren Generationen aufgebürdet wie in der GKV.
    • Privatversicherte zahlen für viele medizinische Leistungen höhere
      Honorare und finanzieren so das deutsche Gesundheitswesen jährlich mit über 13 Milliarden Euro. Diese zusätzlichen Einnahmen ermöglichen Ärzten und Krankenhäusern zusätzliche Investitionen in Forschung, moderne Geräte und Behandlungsmethoden. Davon profitieren sowohl privat als auch gesetzlich Versicherte. Viele Ärzte warnen davor, dass sie ihre Praxis nicht mehr wirtschaftlich betreiben könnten, wenn es die Mehreinnahmen durch die PKV nicht gäbe. Ein gesetzlich krankenversicherter Kunde von uns hat das schön beschrieben. Sein Arzt sagte zu ihm: „Wissen Sie, weshalb ich mir ausreichend Zeit für Sie nehmen kann, obwohl Sie nur gesetzlich krankenversichert sind? Weil nach Ihnen ein Privatpatient kommt, der dafür bezahlt.“
    • Die Gesetzliche Krankenversicherung kann schon seit Jahren nur mit staatlichen Zuschüssen überleben und ihre Ausgaben finanzieren. Der Bundeszuschuss zum Gesundeitsfonds von 14,5 Mrd. EUR Im Jahr 2020 wird von jedem PKV Haushalt mit 502 EUR p.a. finanziert, obwohl privat Versicherte von den sozialpolitischen Leistungen der GKV (z.B. beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen) selbst nicht profitieren.

    Ah, die Bürgerversicherung kam auch noch kurz zur Sprache. Ich möchte den Thread nicht noch mehr überfrachten, dazu steht alles ausführlich auf unserer Website. Eine Bürgerversicherung wäre zum einen vermutlich verfassungswidrig, zum anderen würde sich daraus "schlimmstenfalls" allenfalls eine zusätzliche Rückkehrmöglichkeit in die GKV ergeben.


    Aus meiner Sicht hat die Attraktivität der PKV durch den gesetzlichen Zuschlag für die meisten Menschen nicht gelitten. Geübte Sparer könnten sich daran stoßen, weil sie die Ersparnis gegenüber der GKV selbst besser anlegen würden. Das Gros braucht aber diesen "Sparzwang", damit die PKV Beiträge langfristig stabiler bleiben.


    Unisex hat zwar zu einer kleinen Verteuerung für Männer geführt, ist aber fairer und günstiger für die Damen. Außerdem wurde gleichzeitig das Leistungsniveau der PKV deutlich angehoben (offener Hilfsmittelkatalog etc.), so dass sich das Preis-/Leistungsverhältnis über alle Tarife aus meiner Sicht verbessert hat.


    Ok, ist jetzt doch etwas länger geworden - aber hoffentlich trotzdem hilfreich?


    Es gibt übrigens Berater, die sich auch hier in Finanztip tummeln, bei denen man sich zum Thema PKV kostenlos beraten lassen kann, statt zu versuchen, das Thema etwas mühsam und wackelig auf eigene Faust zu lösen. :)

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 11 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Danke für Ihr nettes Feedback Jogge95 . :) Klar, buchen Sie einfach über unsere Website, die ich hier leider nicht verlinken darf, einen für Sie passenden Termin. 🙂

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  • Ah, die Bürgerversicherung kam auch noch kurz zur Sprache. Ich möchte den Thread nicht noch mehr überfrachten, dazu steht alles ausführlich auf unserer Website. Eine Bürgerversicherung wäre zum einen vermutlich verfassungswidrig, zum anderen würde sich daraus "schlimmstenfalls" allenfalls eine zusätzliche Rückkehrmöglichkeit in die GKV ergeben.

    Wenn die Bürgerversicherung käme, hätten gerade die PKV'ler eben riesige Vorteile: Sie haben jahrelang günstigere Beiträge gezahlt und kommen dann - kostenlos! - in ein Gesamtsystem zurück.


    Könnte für viele PKV'ler gar nicht besser laufen.

  • das ist doch nichts neues und wieso lohnt sich jetzt der Abschluss nicht mehr. Das Ding gilt seit 2000

    Man konnte damals dem Zuschlag widersprechen!


    Wenn man über 30 Jahre den 10%igen Zuschlag nicht zahlt, ist das viel Geld, was man besser anlegen kann, als bei einer Versicherung. Steuerlich kann man sich den Zuschlag auch nicht schönsaufen.

  • Ich bin da bei Dr. Schlemann. Wenn dieser Zuschlag nicht eingeführt worden wäre, wäre eine Vielzahl niemals im Leben darauf gekommen, 10 Prozent im Monat des Grundbeitrages irgendwo anzulegen.


    Und fürs Neugeschäft gilt er jetzt immer. Dass dieser dann aber einen Ausschlag macht, im Vergleich zu GKV, verstehe ich weiterhin nicht

  • Mit solchen Spam "Beiträgen" tun Sie Ihren Namensvettern, die ohnehin schon mit Vorurteilen zu kämpfen haben, nun aber wirklich keinen Gefallen @KevinMarcGierlichs . ^^

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  • Jogge95: Bitte unbedingt auch Feedback zu der Beratung - gerne mit Ergebnis - hier in den Thread.


    Dankeschön!

    Sehr gerne. Dafür gibt's ja auch die neue Bewertungsseite https://www.finanztip.de/erfah…bhaengige-finanzberatung/ und den PKV-Erfahrungs-Thread RE: Erfahrungen mit Dr. Schlemann (private Krankenversicherung).

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