Frage zur privaten Rentenvorsorge

  • Hallo liebes Forum,


    zum Video "Rentenlücke und Bedarf an Altersvorsorge: Wie viel muss ich sparen? | Basics der Altersvorsorge 2/5" aus 2019 habe ich eine Verständnisfrage. Beim bereits vorhandenen Vermögen habe ich in meiner Berechnung mein "freies Vermögen" (ETF-Wert im Depot), mein Bausparguthaben, meinen Depot-Wert der Riesterrente (Union) und meinen Rückkaufswert der privaten Rentenversicherung aus 2005 einberechnet. Ist das so richtig?


    Oder darf man nur das reinrechnen, was man bereits "frei" gespart hat?


    Vielen Dank für hilfreiche Infos!

  • Du kannst alles einrechnen, was in 30 Jahren einen Wert haben sollte.


    Ich würde immer zwei bis drei Szenarien rechnen. Riester hochrechnen mit 3, 5 und 7 % Rendite über 30 Jahre. Riester mit Garantievermögen, 1 und 2% Rendite usw. Dann bekommt man ein gutes Gefühl wo man eventuell landen wird, zumal wenn man das einmal im Jahr erneuert. Das nähert sich dann nach zb 25 Jahren gut der Realität.

  • Ich würde bei den privaten Vorsorgeinstrumenten immer nur mit den Garantiewerten rechnen. Es mag ja auf dem Papier toll aussehen unterschiedliche Szenarien durchzurechnen, aber letztlich ist nur der Garantiewert sicher!

    Ich gehöre noch zur Generation Kapitallebensversicherung (KLV). Und dort wurde mir seinerzeit auch eine 'modellhafte' Entwicklung mit unterschiedlichen Renditeerwartungen prognostiziert (1990). So ca. 20! Jahre lang (bis 2010) kam das mit der Prognose der KLV auch noch einigermaßen hin.

    Was seither passiert ist, hat sicherlich Jeder mitbekommen. Neben der Niedrigzinsphase hat dann der Gesetzgeber den Lebensversicherern zusätzlich ermöglicht mit den Geldern der Versicherungsnehmer zusätzliche Rücklagen aufzubauen (Zinszusatzreserve). Das schmälerte die Rendite der KLV dann nochmals deutlich!

    Inzwischen rechne ich tatsächlich nur noch mit dem Garantiwert meiner KLV, wenn Sie denn in 9 Jahren zu Auszahlung kommt. Sollte dann letztlich noch ein Schlußbonus dabei herauskommen, ist das schön (Kirsche auf der Torte).


    Bei einem breit diversifizierten ETF-Depot würde ich während der Ansparphase mit einer leicht unterdurchschnittlichen Rendite rechnen. Langfristig (30 Jahre) geht man von einer Rendite von 7% p.a. aus. Um einen Puffer einzubauen würde ich so mit 6-6,5% p.a. rechnen.

    Ich habe z.B. für meine Planung in meinem Depot mit einer Rendite von 5% p.a. gerechnet, da ich nur eine Ansparphase von 18 Jahren habe.

    Wenn ich die 5% p.a. nicht erreiche, wird es nichts mit meiner geplanten Rente mit 63. Dann muss ich halt bis 65 oder gar 67 arbeiten.

  • Vielen Dank für die Infos.


    Ich war etwas verunsichert, ob es richtig ist, auch die bereits bestehenden Ersparnisse aus Altersvorsorge & Bausparer etc. in das bereits vorhandene Vermögen, wie es im Video von Finanztip benannt wurde, reinzurechnen.


    Wenn ich das tue, komme ich in meiner Rechnung ganz gut weg. Klar, meine Anlagehorizont ist noch lange.

  • Ich bin das Video Punkt für Punkt durchgegangen und komme dann auf folgendes:


    - Wieviel brauche ich im Alter: 3799 Euro (später mal ca. benötigte Rente), Inflation berücksichtigt.

    - Wieviel habe ich schon: a) Gesetzl. Rente netto bei Anpassung jährl. 1,5 % 2696 Euro // b) Vermögen heute vorhanden aus Bausparer, Depot, Riester-Guthaben, Rückkaufswert Rentenversicherung ca. 50.000 Euro

    - Wieviel fehlt: Rentenlücke 1103 Euro (3799 Euro minus 2696 Euro)

    - Wieviel muss ich sparen: mindestens 100 Euro Sparrate monatlich. Das ergibt sich aus dem Vorsorgerechner, der im Video vorgestellt wird. Anfangskapital 50.000 Euro, Ansparzeit 35 Jahre, Entnahmerente 1103 Euro, Rentendauer mal mit 25 Jahren gerechnet, Zinssatz Ansparphase 5 %. Steuersatz und Freistellungsauftrag sind berücksichtigt.


    Nachdem ich aktuell (und weiterhin) weit mehr zurücklege als die 100 Euro monatlich, verstehe ich meine Berechnung eher positiv und sehe mich auf einem guten Weg... zumal alles vorsichtig gerechnet ist.

  • Ich denke deine Berechnungen sind soweit korrekt.


    Frage ist ob deine Familienplanung schon feststeht oder abgeschlossen ist, 35 Jahre vor der Rente. 3800 Euro Altersbedarf in 35 Jahren entspricht inflationsbereinigt 1900 Euro heute. Damit bist du als Single Mitte der Mittelschicht. Du wohnst in einer mittelgroßen Wohnung, fährst ein mittelgroßes Auto, machst ein zwei mal im Jahr Urlaub etc etc typisch deutscher Durchschnitt - alles gut. Wenn du aber mit Partnerin, mehreren Kindern etc planst, sind deine Sparmöglichkeiten andere in den nächsten Jahrzehnten und auch dein Altersbedarf ist ein anderer. Auch hier geht die Spanne von Doppelverdiener ohne Kinder (keine Geldsorgen) bis Alleinverdiener mit Frau und mehreren Kindern, da kann das Geld schon mal knapp werden.


    Ist nur als Denkanstoß gedacht. Ohne mehr zu wissen scheint erstmal alles ok zu sein.

  • Wenn ich meine ursprüngliche Planung für Vermögensaufbau und Altersvorsorge, die als 30Jähriger auf ein Blatt Papier gemalt und als solide und valide betrachtet hatte, unverändert und ohne weitere Beobachtung hätte laufen lassen, dürfte ich in rund 2 Jahren feststellen: "Huch, Sch...e, das reicht ja vorne und hinten nicht!"

    Kurz um, da wäre der sogenannte Zwangs- und Spätfrugalismus vorprogrammiert.


    Wer heute rund 2.000 netto hat, der sollte in 35 Jahren (ohne Höherqualifikation etc. zu bewerten) mit dem etwa 2,8Fachen rechnen...


    Heute 2.000 * 2,8 = 5.600 in 35 Jahren.


    Bedarf als Renntier ca. 80% wegen (z.B. Wegfall von Sparraten) etsprechen rund 4.500.


    Durch gesetzliche Altersrente abgedeckt... ich gehe von etwa der Hälfte aus, also rund 2.250.


    Lücke demzufolge 2.250 (anfangs).


    Bei einem Entnahmeplan mit 4% (entspr. rund 3% netto) rechne ich dann 2.250 * 12 = 27.000 Jahresrente (privat und halbwegs netto) bzw. einem Anfangskapital von 27.000 / 0,03 = 900.000... wie gesagt, alles über'n dicken Daumen gepeilt.


    Dafür braucht's bei bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 7% einen konstanten Spar-/Investitionsbetrag von knapp über 500 Öcken... oder knapp über 400 Öcken bei 8% Rendite.


    Bei einem solchen Anfangskapital ist dann auch drin, die private Jahresrente jährlich der Teuerungsrate anzupassen und unter der Voraussetzung, dass die Durchschnittsrenditen weiterhin erwirtschaftet werden können, niemals das Kapital vollständig zu verbrauchen (heißt: Langlebigkeitsrisiko voraussichtlich in trockene Tüchern gepackt).


    Diese Grobplanung bzw. Schock-Vorschau ist keine endgültige Planung. Letztere wird von Jahr zu Jahr beim Soll-/Ist-Vergleich den evtl. neuen Gegebenheiten angepasst.

  • Meinst du, das wird in 35 Jahren bedeuten jeden Monat als Single (!!!) 5600 Euro zu verleben und 900k auf dem Konto zu haben?

    Chris, ich meine gar nix... aber 5 bis 6 Mille können in 35 Jährchen immer noch Mittelschichteinkommen und -konsum bedeuten. Wirklich prognostizieren mag ich das aber nicht... Beim Euro bin ich mir irgendwie auch nicht so sicher...


    Ich wollte mit meinem Post bewusst und provikativ einen seichten Gegenpol zu den üblichen knapp-knapp Vorschauen platzieren.


    Aber wir brauchen uns doch nicht wirklich Gedanken machen, was StefanFinanz plant und wie er plant. Letztlich ist es sein Leben und sein Budget...

  • Ja, ne Mio oder ne Mrd wär natürlich besser um nachts entspannt heia zu machen. Ist halt für 99% der Bevölkerung unerreichbar.


    Ich denke es ist gut, wenn man sich seine Rentenlücke in jungen Jahren bewusst macht, Maßnahmen definiert und jährlich trackt. Bis hierher dürften 90% der Bevölkerung ausgestiegen sein. Wer noch dabei ist fährt aus meiner Sicht mit einem Fokus auf das Notwendige gut. Dass Mehr erfreulich wäre, dürfte jedem klar sein.

  • Meinst du, das wird in 35 Jahren bedeuten jeden Monat als Single (!!!) 5600 Euro zu verleben und 900k auf dem Konto zu haben?

    Hmmmm... ich möchte nochmal auf dieses Thema zurückkommen...


    Vor ca. 40 Jahren konnte eine kleine Familien mit 1.500 DM netto (so etwas wie 750 Euro) im Monat recht ordentlich leben... (soweit ich mich erinnern kann). Für etwa 10.000 Deutsche Mark (wie 5.000 €) bekamst du einen ordentlichen (untere) Mittelklasse-Neuwagen. Ein Liter Benzin kostete um die 70 Pfennige (0,70 DM oder rund 0,35€). An die Preise von Brötchen, Zigaretten... bis hin zum Glas Bier in der Kneipe kann ich mich nicht erinnern... aber mit zwanzig Mark in der Tasche konntest du dir am Samstagabend alleine durch den Genuss bzw. Konsum bewusstseinsverändernder Kaltgetränke komplett die Lichter ausschießen)...


    Mit dem Doppelten von damals, also mit etwa 1.500€ bist du als kleine Familie schon relativ arm dran. Der untere Mittelklasse-PKW kostet heute, vom Dacia abgesehen, das Drei- bis Vierfache. Dieser Vergleich ist nicht fair... denn der Schleifer von heute ist technisch sicherlich weitaus besser und auch besser ausgestattet. Benzin kostet das Fünffache von damals... ja... aber die neuen Autos verbrauchen weniger... und die E-Autos brauchen gar keinen Sprit ;-). Und die 20 Bierchen kosten heute das Zehnfache...


    Von daher erscheinen mir 4.500 € (oder irgendein anderer vergleichbarer Betrag in irgendeiner anderen Währung) in 35 Jahren nicht übertrieben viel zu sein, wenn man dies mit der Kaufkraft von etwa 2.000€ von heute vergleichen mag. Und 900k vergleiche ich mit gut über 300k bis deutlich unter 400k von heute... mit denen ich heute eine dauerhafte Rente von 1.000 bis 1.250 (brutto!!!) generieren könnte.


    Ich denke es ist gut, wenn man sich seine Rentenlücke in jungen Jahren bewusst macht, Maßnahmen definiert und jährlich trackt. Bis hierher dürften 90% der Bevölkerung ausgestiegen sein.

    Ja klar; absolute Zustimmung. Und wenn hier jemand wie StefanFinanz nachfragt, kann man doch davon ausgehen, dass er eher zu den 10% der Bevölkerung zählt, die ob der Rentenlücke eben nicht ausgestiegen sind.

    Ist denn die Dimension, die ich hier angepinnt habe, so weit ab von der möglichen Realität der Zukunft?

    Was du denkst, ist mir eh bekannt. Was aber denkt Stefan???

  • Ist denn die Dimension, die ich hier angepinnt habe, so weit ab von der möglichen Realität der Zukunft?

    Ja, du beginnst mich ein wenig zu überzeugen. ;) Ich würde es als pessimistisch-realistisches Szenario bezeichnen.


    Die Inflation war vor 40, 30 und 20 Jahren über weite Strecken höher als in den letzten Jahren. Hier wird man sehen, wie sich die aktuell kurze Inflationsphase über 10, 20, 30, 40 Jahre weiter entwickelt. Aber die damaligen Preissteigerungen waren schon noch mal ne andere Geschichte als unser "1 Jahr > 2%" und haben den Steigerungsfaktor 2 maßgeblich geprägt.


    Am Ende muss jeder selbst sehen, welche Sparrate er ansetzt (0-80%), ob es gelingt das Einkommen zu steigern. Die meisten von uns sind an der Börse aktiv. Auch hier bestimmt die langfristige Dirchschnittsrendite des eigenen Depots maßgeblich den Status in 40 Jahren, was man grundsätzlich nur bedingt in der Hand hat (außer man beherrscht Markettiming), bei einem ETF Investment ist man vollständig vom Markt abhängig. Aber klar, Grundvoraussetzung ist eigenes Engagement und ab da hilft nur noch Hoffen, dass sich die Vergangenheit wiederholt.

  • Ich würde es als pessimistisch-realistisches Szenario bezeichnen.

    Jou! Jeder von uns alles sieht es durch seine eigene Brille und uns allen sollte klar sein, dass wir die künftigen Entwicklungen tunlichst beobachten müssen und entsprechend reagieren sollten.

    MMn wäre es interessant für die Allgemeinheit, wenn sich noch ein paar ältere Aktive hierzu ein bisschen 'auskotzen', die heute und künftig sicherlich nicht am Hungertuch nagen müssen. Wie habt ihr (*) die Entwicklung von Einkünften und Preise bzw. Kosten - im Allgemeinen - erlebt und wie habt ihr 'reagiert'?


    (*) = Kater.Ka , Altsachse . Referat Janders , Dr. Schlemann , McProfit , tobiasweiss , MichaG , monstermania ...

  • Hallo.


    Ich habe ein Szenario mit 2% Inflation angelegt, allerdings habe ich an anderen Stellen Puffer eingeplant um Eventualitäten kompensieren zu können.


    Wenn das Depot keinen Unfug treibt, ist das alles easy. Teilzeit möglich, sobald die Bude abbezahlt ist. (Das wäre dann die "finanzielle Freiheit" des kleinen Mannes.) :)

  • Ich sehe das ähnlich wie JDS . Zum Berufsstart meinen fast alle unsere Kunden, dass eine inflationsbereinigte Altersrente von 2.500 EUR (fast jeder nennt spontan exakt diese Zahl 🙂) ihnen ein Leben in Saus und Braus ermöglicht. Mit jeder mehr als inflationsausgleichenden Gehaltserhöhung steigen dann fast automatisch die Ansprüche und das Altersvorsorgeziel. Meine typischen Fragen an der Stelle:

    1. Welchen Job haben Sie einen Tag vor der Rente? Den von Ihrem Chef, von Ihrem Chef Chef oder von Ihrem Chef Chef Chef?
    2. Was verdient Ihr Chef ... Chef? (sollte man immer wissen)
    3. Von welchem Lebensstandard gehen Sie bei diesem Einkommen aus?
    4. Wie viel hätten Sie gerne einen Tag später wenn einerseits manche Ausgaben wegfallen (Anzug, Sprit für die Fahrt ins Büro, Immobilienfinanzierung, Sparen für die Rente - hoffentlich), Sie andererseits aber mehr Zeit zum Geldausgeben haben?

    Als Single sollte man wie chris2702 schreibt natürlich auch das (wahrscheinliche) Szenario einer Familiengründung einkalkulieren - oder ggf. auch das einer möglichen späteren Trennung.


    Zunächst macht es keinen großen Unterschied, ob man erst mal mit einem kleineren Ziel startet und klein spart oder sich direkt ein höheres Ziel setzt und trotzdem klein spart, weil nicht mehr zur Verfügung steht. Ich persönlich bin ein Freund des zweiten Ansatzes, weil man sich nicht in falscher Sicherheit wiegt und bei der nächsten Gehaltserhöhung direkt weiß, dass man besser nicht die Ausgaben erhöht und fröhlich konsumiert, sondern die Sparquote. Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden.


    Anbei mal ein möglicher Rechenweg mit einem "einfacheren" Tool, in dem variable / mir unbekannte Größen gelb markiert sind - die kann ich gerne noch mal anpassen. Als Inflationsrate würde ich mindestens 2,5% annehmen. Wichtig ist auch die Frage, wie alt StefanFinanz werden möchte? Nach dieser Kalkulation sollte er pünktlich mit 85 sterben bzw. sich finanziell einschränken, sofern die Altersvorsorge nicht (teilweise) über das Langlebigkeitsrisiko absichernde Rentenlösungen geregelt ist. Bei der gesetzlichen Rente wäre ich bezüglich künftiger Steigerungen angesichts dicker demografischer Probleme sehr zurückhaltend. Bei Riester / privater Rentenversicherung würde ich - sofern es sich nicht wie bei monstermania um ein klassisches Produkt mit Garantiezins handelt - nicht vom worst case ausgehen und nur garantierte Leistungen als Grundlage nehmen (z.B. nach 37 Jahren nur das eingezahlte Kapital), aber vorsichtshalber nur mit moderater Rendite kalkulieren.


    Fazit: Eine Sparrate von 100 EUR mag zu knapp sein. Ich würde ohnehin lieber etwas sportlicher sparen und schlimmstenfalls als Rentner etwas mehr zur Verfügung haben ... oder länger leben können ... oder meinen Kindern etwas vererben.


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