ETFs-Zukunft

  • Hallo @rsot


    zunächst: Vor mir hat schon der eine und die Andere darauf hingewiesen, dass vier Monate ein zu kurzer Zeitraum sind, um daraus wirklich valide Aussagen abzuleiten.

    Insofern wäre Ihnen zu raten, Ihr Mindset zu optimieren, einfach die Ruhe zu bewahren und in der derzeitigen Schwächephase nicht gleich ins Grübeln und Zweifeln zu kommen. Wenn Sie feststellen, dass der Verlustschmerz schon nach so kurzer Zeit und bezogen auf einen (vermutlich? hoffentlich?) relativ geringen Anlagebetrag schon erheblich ist, sollten Sie die Höhe Ihrer Sparraten (dass Sie per Sparplan oder sonst vergleichbar regelmäßig sparen, unterstalle ich jetzt gerade, gesagt haben Sie das nicht) zu überprüfen und gegebenenfalls zu reduzieren (Stichwort: mentale Risikotragfähigkeit, diese könnte bei Ihnen zu gering ausgeprägt ein).

    Und ohne mir selbst widersprechen zu wollen ;): Wenn Sie denn einen Trend aus den Erfahrungen der ersten vier Monate (abgesehen von einer für Ihr Mindset möglicherweise zu hohen Sparrate) ableiten wollen: Schauen Sie doch einfach mal, welche Ihrer ETFs am meisten im Minus sind - wenn ich nicht falsch recherchiert habe (es war an Hand Ihrer Angaben ohne WKN oder ISIN nicht ganz eindeutig, um welche ETFs es sich handelt), müssten das die beiden Themen-ETFs sein. Dass die Anlage in weniger breit diversifizierende (in Ihrem Fall technologielastige und von den jüngsten Rücksetzern besonders betroffene) Themen-ETFs mit einem überdurchschnittlichen Risiko (evtl. dafür aber auch überdurchschnittlichen Chancen) verbunden ist, und daher nur für nervenstarke, evtl. etwas erfahrenere, Anleger das Richtige sind, wird in diesem Forum öfters mal gepostet. Wenn Sie spätestens nach diesem Hinweis für sich erkennen, dass an dieser Aussage "etwas dran sein könnte" und sich entschließen, einen oder gar beide Themen-ETFs "wegzuoptimieren" sind Sie künftig vielleicht schon besser aufgestellt ...


    Viele Grüße


    BSHKunde

  • Hallo Benjamin2021,


    Sie haben ja nicht mit allem unrecht, was Sie schreiben. Natürlich sind Änderungen der Inflations- und Zinsraten (sowie Änderungen der Erwartungen bezüglich der künftigen Entwicklung dieser Parameter) nicht ohne Einfluss auf die Aktien- und somit auf die Aktien-ETF-Kurse. Auch Befürchtungen bezüglich künftiger Kriege, zumal wenn sie in Europa stattfinden könnten, und bezüglich der weiteren Entwicklung des Klimas / der Klimakrise haben diesen Einfluss.


    Uns beide - und sicher nicht nur uns beide - unterscheidet, dass ich davon überzeugt bin (und das ist die einzige notwendige Prognoseüberzeugung, die ein Mensch, der in breit gestreute Aktien-ETFs anlegt, dann doch haben muss), dass diese Krisen nicht in eine globale Katastrophe von Weltuntergangsausmaßen führen, sondern dass es auch zukünftig eine sich weiterentwickelnde Weltwirtschaft geben wird, deren Entwicklung in einem globalen Aktienindex wie z. B. dem MSCI-World TRN abgebildet wird, und an der ich mich mit meiner Anlage beteilige. Wenn diese Prognose zutrifft, wird es mal ein "Auf" oder - wie jetzt gerade - mal ein "Ab" geben (der Monat Januar 2022 nach aktuellem Stand ist in meiner allerdings erst seit September 2017 währenden Anlegergeschichte übrigens "nur" der viertschlechteste Monat). Auch längere Stagnationsphasen (Stichwort: "verlorene Dekade") kann es geben. Aber langfristig - und damit sind eben diese viel zitierten ominösen 15+ Jahre gemeint - wird es vermutlich aufwärts gehen. Zumindest bin ich zuversichtlich, nach 15 Jahren nicht signifikant im Minus zu liegen. Aber ja, wissen tu ich es mangels Glaskugel nicht!

    Und noch etwas: Aus Ihren Äußerungen lese ich heraus, dass Sie die Sorge umtreibt, viele der in diesem Forum aktiven Aktien-ETF-Fans seien sich der Risiken nicht bewusst und könnten diese nicht tragen. Bei einigen Anfänger*innen, die sich mit Fragen und Zweifeln an diese Community wenden, habe ich diesen Eindruck auch (vgl. meine obige Antwort auf den Ursprungspost dieses Threads). Aber bei der Mehrzahl die hier aktiven Poster habe ich sehr wohl den Eindruck, dass sie nicht ihr gesamtes Vermögen in Aktien-ETFs stecken, sondern nur wohl kalkulierte Anteile oder definierte Beträge und somit ihr Risiko durch Aufteilung in RK1 und RK3 intelligent auf das Maß reduzieren, das sie tragen können. So mache ich es jedenfalls - und damit habe ich keinen Grund "meinen" ETF zu verkaufen.


    Viele Grüße


    BSHKunde

  • Benjamin2021


    ... und noch eine Ergänzung:

    Wenn Ihnen die vorgenannte Grundüberzeugung fehlt bzw. Sie vom Gegenteil überzeugt sind, sind Anlagen in Aktien-ETFs natürlich nicht das Richtige für Sie und Ihnen ist davon dringend abzuraten. Es ist also vollkommen o. K., wenn Sie die Finger davon weglassen und alles, was Sie in dieser Hinsicht vielleicht mal hatten, verkauft haben.


    Und ja, ein bisschen im hier und jetzt leben, das Leben genießen, einen schönen und ausgedehnten Urlaub machen, ist ebenfalls vollkommen in Ordnung.

    Mache ich auch. Machen andere Aktien-ETF-Anleger auch. Schließlich möchte niemand am Ende - um eine Redewendung zu benutzen, die m. E. monstermania gerne verwendet - der reichste Mann auf dem Friedhof sein ;).


    Viele Grüße


    BSHKunde

  • Ebenfalls sehr angemessen und eine gute Debattenkultur.


    Ich denke die Argumente sind ausgetauscht und es ist gut, dass dieses freie Land so etwas ermöglicht.


    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und meine das absolut aufrichtig denn es ist mir nicht wichtig recht zu haben.


    Grüße

  • Benjamin2021: Nehmen wir an, das trifft alles zu. Was genau empfiehlst Du denn jetzt als Anlageform?

    Gold, Pulver trocken halten, Investitionen in Firmen die man sehr gut kennt (Gesellschaftsanteile aber nur da, wo man selber arbeitet und den Laden kennt).


    In Bildung und einen guten Job investieren, in betriebliche Altersvorsorge die Steuern spart, in Grund und Boden.


    Ackerflächen sind eine wichtige Ware - leider.

  • Gold, Pulver trocken halten, Investitionen in Firmen die man sehr gut kennt (Gesellschaftsanteile aber nur da, wo man selber arbeitet und den Laden kennt).


    In Bildung und einen guten Job investieren, in betriebliche Altersvorsorge die Steuern spart, in Grund und Boden.


    Ackerflächen sind eine wichtige Ware - leider.

    Belegschaftsaktien sind ein Klumpenrisiko und sind Steuern angesichts des skizzierten Szenarios tatsächlich ein relevanter Faktor?


    Irgendwie erscheint mir das etwas zusammengestückelt. :/

  • Im Grunde gibt es momentan null wirklich seriöse Formen des Anlegens.


    Es gibt zu viele Anleger, zu viel angelegtes Geld. Das Geld muss aus dem Markt und das kann es nur durch eine Entwertung:


    Inflation & Crash & Steuern


    Es sieht also so aus, dass man nur Verluste reduzieren kann bis wieder Gewinne gemacht werden können - in 2-3 Jahren vielleicht.


    Momentan geht es schlicht nicht - Ausnahmen sind langfristige vor langer zeit geschlossene Sparverträge mit Garantiezins bis die pleite sind...

  • Lieber Benjamin2021,

    es mag befremdlich klingen, aber es gibt auch Menschen, die finanziell nicht zwingend die nächsten 2, 5, 10 Jahre im Blick haben. ;)

    Kurzfristig mag Deine Strategie aufgehen, wenn man denn das richtige Timing erwischt. Aber, wie ich kürzlich so schön in einem Podcast gehört habe: "Hinten kackt die Ente!"

    Als Käufer des gesamten 'Heuhaufes' aka. Weltwirtschaft muss man auch mal 10 schlechte Jahre wegstecken können. Letztlich interessiert mich als Langfristanleger die Rendite auf > 20, 30 Jahre!

    Und es gibt auch Branchen, die relativ unabhängig von aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Einflüssen sind (z.B. zyklische Konsumgüter). Auch in wirtschaftlichen schlechten Zeiten müssen die Menschen essen, trinken und ka..en!

    Die Menschheit hat es bisher immer geschafft Lösungen für Probleme zu finden. Als Kind der 70/80'er Jahre kann ich sehr gut an Waldsterben oder die Hochrüstung erinnern. Wer sich gerade über die aktuellen Inflationsraten aufregt, kann sich ja mal die Inflationsraten der 70/80'er ansehen.

    Diese Zeiten nun als 'besser' verklären zu wollen vermag ich nicht zu erkennen. Und, Oh Wunder es gibt noch heute Wälder in Europa.


    Nun haben wir mit dem Klimawandel eine Herausforderung, die die Menschheit im Gesamten betrifft. Und ja, ich sehe hier eine echte Gefahr für den Frieden auf der Welt. Wir reichen Staaten müssen unsere gesamte Lebensweise überdenken und gleichzeitig, müssen wir den aufstrebenden Staaten der 3. Welt zeigen, dass eine klimaneutrale Wirtschaft möglich ist. Wenn uns das nicht gelingt, werden sich Staaten wie China, Indien oder ganze Kontinente wie Afrika kaum davon abhalten lassen, für Ihre wirtschaftliche Entwicklung weiter fossile Ressourcen zu verbrennen, die unser Erdklima total verändern werden.


    Jede Generation hat Ihre Probleme. Und im Vergleich zur Generation meiner Eltern/Großeltern geht es unserer Generation besser denn je. Ich würde auf jedem Fall nicht mit meinen Eltern/Großeltern tauschen wollen!

    Und er 'Club of Rome' beschwört nun seit 50 Jahren das 'Ende' der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. das Ende der menschlichen Zivilisationsgesellschaft.


    Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Und Einige von uns oder unseren Kindern, werden diese Zukunft mit Ihren Ideen aktiv gestalten!

  • Ich sage doch nur folgendes und ein Blick auf die Kurse meines alten ETF's gibt mir komplett recht, der in den letzten 2 Monaten 20% verlor!


    Wieviel sollen das denn noch werden?


    * man muss alles im Auge behalten und momentan sollte man verkaufen und zwar mutig und beherzt.


    Anschliessend kannst doch wieder einsteigen aber momentan zu investieren ist in meinen Augen nicht aufmerksames Management des Vermögens.


    Wenn die Kurse um 70% runter rauschen hat man gute Chancen, ich werde bei 50% Nachgeben über einen Wiedereinstieg nachdenken und nehme dann mit.


    Einfach nur zahlen und blind warten halte ich für nicht zielführend.


    Es kann auch sein, dass sich Aktien auf lange lange zeit nicht bewehren. Warten wir es ab. In ETF's jetzt zu investieren finde ich wirklich nicht gut.


    LG und auf dass ich Unrecht habe

  • Irgendwie investierst du anders als ich. Höchststand war bei mir Anfang Januar. Letzten Monat hat das Depot als ganzes sagenhafte 2,34% verloren, der MSCI World als größte Position ein bisschen über 5%. Den Anfang des Untergangs habe ich mir spektakulärer vorgestellt ;)

    Erneuerbare Energien Aktienfond.



    Nach dem idiotischen Beschluss der EU Kernenergie als grüne Energie zu taxieren, stürzte da alles ab aber... wir sehen das bald flächendeckend.


    Zinserhöhungen in den USA sind offensichtlich, hier auch. Zeitfrage

  • Erneuerbare Energien Aktienfond.

    :D

    OK, hab mich schon gewundert, wo die großen Verluste herkommen sollen. Hab aber auch Bekannte, die gerade mit Ihren Einzelaktien richtig einen auf den Sack bekommen (haben).


    Ich lehn mich weiter zurück und freue mich, dass ich aktuell mehr Anteile für meine Sparraten bekomme.;)


    BTW: Wer seit 2008 langfristig per Sparplan in den Global-Clean-Energy ETF investiert hat, der hat Ende 2020 den MSCI World ausperformt!

    2021 hätte man aber wieder im Vergleich zum MSCI World verloren. So ist das halt mit Branchen/Sektorwetten. Kann klappen, muss aber nicht. ;)

  • ... ich habe abgestoßen und zwar vor dem Abrutschen und das alles vor Jahren eingekauft.


    Wenn die Märkte crashen, steige ich wieder ein - vermutlich nicht zum Idealmoment aber zu einem insgesamt lukrativen.


    Es geht darum die Märkte mitzudenken und sich nicht statisch zu verhalten.


    Mitdenken heisst zu begreifen, dass jetzt alles auf Crash steht. Dazu muss man schlicht nur etwas nachdenken:


    Inflation, Covid, Ukraine, Schulden, Zinsen...


    Viel Erfolg Dir - von Herzen.

  • Wenn die Märkte crashen, steige ich wieder ein - vermutlich nicht zum Idealmoment aber zu einem insgesamt lukrativen.

    ...

    Inflation, Covid, Ukraine, Schulden, Zinsen...

    ...

    Viel Erfolg Dir - von Herzen.

    Kennst Du die Geschichte von Hase und Igel?

    Ich bin der Igel, der einfach immer schon da ist. ;) Wenn es crasht kaufe ich jeden Monat weiter günstig ein. Und wenn nicht freue ich mich, dass ich die stetigen Kursgewinne mitgenommen habe.


    Schau Dir mal den Kursverlauf von MSCI World oder S&P 500 in den letzten 50 Jahren an.

    Und dann sag mir mal zu jedem Kursverlust > 10% noch das dazugehörige geschichtliche Ereignis! :D


    Erfolg wünsche ich Dir auch!

    Kannst ja mal schreiben, wenn Du wieder in den Markt eingestiegen bist. Nur damit wir auch wissen, ob Du den optimalen Zeitpunkt abgepasst hast! ;)


    PS: Der nächste Crash wird kommen. Ich weiß nur nicht wann und habe auch keine große Lust mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Das schaffen schon die ausgewiesenen 'Experten' nicht.

  • BTW: Wer seit 2008 langfristig per Sparplan in den Global-Clean-Energy ETF investiert hat, der hat Ende 2020 den MSCI World ausperformt!

    2021 hätte man aber wieder im Vergleich zum MSCI World verloren. So ist das halt mit Branchen/Sektorwetten. Kann klappen, muss aber nicht. ;)

    Das Ding ist ein wirklich abschreckendes Beispiel. Wer von Anfang an in den Global Clean Energy investiert war, der sitzt heute immer noch auf fast 40% Verlust. Nach über 13 Jahren. Und wer zum bestmöglichen Zeitpunkt Ende Januar 21 ausgestiegen ist, ist gerade so mit +/- 0 rausgegangen. Nur die glücklichen, die vom Corona-Crash bis Anfang 21 investiert waren, haben alles richtig gemacht. ;)

  • Wer keine Lust hat sich den Kopf zu zerbrechen also zu denken und zu handeln, überlässt es anderen.


    Ob die aber die Interessen dessen im Auge behalten, der das auslagert, wage ich zu bezweifeln.


    Im Zweifel ist so ein Verkäufer immer an seiner eigenen Performance interessiert, vorrangig.


    Es ist unmöglich oder ein Glücksfall "den richtigen Zeitpunkt" zu erwischen aber wer stur die Märkte ignoriert und nicht sehen will, dass wir vor einem Börsenorkan stehen, macht statt dessen was genau?


    Er wundert sich am Ende, dass alles was er investierte futsch ist - im schlimmsten Fall.


    50 Jahre... soll man also mit 10 anfangen?


    Finde ich etwas extrem Deine Argumentation.


    Es kann doch nicht so schwer sein zu erkennen, dass man momentan nun wirklich die Finger von ETF's und Aktien lassen sollte, wenn man kein Zocker ist.


    Ich kaufe Sprit für's Auto ja auch nicht auf Vorrat kurz vor Ostern an einem Montag morgen.