Wie viel Vorsorge macht Sinn?

  • Hallo zusammen,


    ich stehe vor einem Dilemma.


    Ausgangspunkt und ausschlaggebend für dieses Dilemma ist die Frage, ob ich die betriebliche Altersvorsorge, die mein Arbeitgeber seit Kurzem anbietet, in Anspruch nehmen soll.


    Ich habe Anfang letzten Jahres eine private fondsgebundene Rentenversicherung abgeschlossen
    und dieses Jahr habe ich mit meiner Frau zusammen eine Immobilie erworben, die wir bewohnen und abbezahlen.

    Sprich Säule 1 (gesetzlich) und Säule 3 (privat) des Drei-Säulen-Modells der Altersvorsorge bediene ich bereits.
    Säule 2 wäre demnach die betriebliche Altersvorsorge, die ich nun abschließen könnte.


    Wieso wird die Altervorsorge auf drei Säulen aufgeteilt?


    Meine Überlegung war, dass ich mit Immobilie und
    privater Rentenversicherung schon ganz gut vorsorge und mit der bAv nun noch eine dritte Option ins Spiel kommt.


    Macht es Sinn, die bAv trotzdem mitzunehmen und wenn ja, warum?


    Und wie finde das beste Verhältnis meiner Beiträge zwischen RV, bAv und Immobilienfinanzierung heraus?


    Ich könnte mich ja dafür entscheiden, der Immobilienfinanzierung deutlich mehr Gewicht zu geben, um bei der Anschlussfinanzierung besser aufgestellt zu sein. Ebenso könnte ich der RV mehr Gewicht geben, weil hier Steuervorteile greifen, die ich vielleicht dann wieder in die Abzahlung meiner Immobilie investieren kann.


    Um noch mal auf die wichtigste Frage zurück zu kommen:
    Macht es Sinn, die bAv trotzdem mitzunehmen und wenn ja, warum?


    Das Thema ist extrem komplex und ich freue mich auf eure Hinweise, Gedanken und Anregungen.


    Fabian

  • Säule 2 wäre demnach die betriebliche Altersvorsorge, die ich nun abschließen könnte.

    Hallo Fabian,


    bitte beschwere dich zunächst bei denjenigen, die dir eine mMn falsche Gehirnwäsche verpasst hatten ;-)


    Das von dir zitierte 3-Säulen-Modell ist inzwischen längst überholt. Deine zweite Säule ist im Laufe der letzten - sagen wir mal - 30 Jahre derart verschlimmbessert worden, dass sie eigentlich uninteressant geworden ist. Ob sich eine bAV überhaupt für dich lohnen könnte, müsste man berechnen.


    Deine 3. Säule scheint mir auch fox alpha zu sein. Fondsgebundene Rentenversicherungen sind auch eigentlich out. Was soll denn diese privat bediente RV bringen?


    Und die (selbstgenutzte) Immobilie als Altersversorgungs-Element bzw. zum Vermögensaufbau ist ebenfalls äußerst wackelig.


    Ich glaube fast, du solltest dir hier ein neues 'Setup' besorgen... und dazu gezielt Infos von finanztip.de sowie viele von Saidis Videos reintun... und dann hier wieder ganz gezielt Fragen stellen.


    LG

    John

  • Ergänzung zum vorherigen Post:


    Der Tenor hier, wie auch im richtigen Leben, ist...


    * Miete oder selbstgenutztes Wohneigentum... egal... wenn man als Mieter die fiktiven Mehrkosten einer Finanzierung, sowie das fiktive Eigenkapital intelligent anlegt. Darüber, dass Immobilien zur Eigennutzung quasi als 'Luxus-Investitionen zum Liften des Lifestyles' gelten und nix mit Altersversorgung am Hut haben, sind sich die meisten Mitglieder hier recht einig. Oder... einfach und platt ausgedrückt... zur Immo immer parallel einen adequaten Vermögensaufbau betreiben.


    * Versicherungsprodukte zur Altersversorgung rentieren sich kaum noch und können kaum noch als 'sicherer Anteil' beim Vermögensaufbau gelten. Saidi hat vor x Jahren (zumindest mit 7 Jahre alten Zahlen) mal ein Video zum Vergleich von RV (Fonds im Versicherungsmatel) mit einer Anlage in ETF veröffentlicht, das die Unterscheidungsmerkmale klar beschreibt. Die Rechenergebnisse sind allerding gewaltig überholungsbedürftig und hinken - ob alt oder aktualisiert - ebenfalls gewaltig... da die 'Abrechnung' zum Rentenbeginn schlichtweg praxisfremd ist. Als Info für 'Anfänger' ist das Video aber sehr empfehlenswert.


    *bAV... rechnet sich nur noch in wenigen, seltenen Fällen.

  • Wieso wird die Altervorsorge auf drei Säulen aufgeteilt?

    Weil manche Menschen gerne in Silos denken. Staat und privat zu trennen macht ja noch irgendwie Sinn. Aber eine bAV per Entgeltumwandlung ist nichts anderes als eine private Vorsorge komplex verkleidet.


    Und wie finde das beste Verhältnis meiner Beiträge zwischen RV, bAv und Immobilienfinanzierung heraus?

    Das lässt sich schwer zum jetzigen Zeitpunkt sagen. Dazu müsste man wissen was die Politik in den nächsten Jahrzehnten anstellt, sowohl bei gesetzlicher RV als auch bAV. Und ob die Zinsen jemals wieder so weit steigen dass sich eine private RV mehr Rendite einfährt als sie Kosten verursacht. Und wie die Immobilie sich entwickelt hängt von deiner konkreten Immobilie, sowie von solchen schwer vorhersehbaren Faktoren wie lokaler Demographie (= wie entwickelt sich diese Gegend), politischen Vorgaben (Sanierungs mit der Brechstange, Steuerregelungen) und nicht zuletzt Zinsniveau ab.


    Jetzt habe ich dir sehr lange beschrieben warum man nichts vorhersagen kann, jetzt ist Zeit zu erklären was Sinn macht. Kosten minimieren und selbst eine Altersvorsorge organisieren. Aufnehmen wieviel du im Alter brauchen wirst. x% des netto ist die falsche Antwort, die richtige Antwort ist nämlich vom Lebensstil abhängig. Schauen wie viel die gesetzliche Rente abdeckt, Mietersparnis und zukünftige Instandhaltungskosten der Immobilie ehrlich rechnen. Dann schauen wie man die Lücke am besten stopft. Eventuell hast du das Glück eine gute bAV zu bekommen, wahrscheinlich aber nicht. Dann die private RV unter die Lupe nehmen. Höchstwahrscheinlich kannst du das Geld am Kapitalmarkt selbst günstiger anlegen und das solltest du auch tun

  • Was sagt der FAZ Lomann hierzu?:
    Bei der Abzahlung des Eigenheims gilt:Turbo einschalten!

    Nicht unbedingt. Bei den heutigen Zinssätzen ist es durchaus rational nicht alles Geld in Tilgungen zu stecken sondern auch einen Teil mit höherer Rendite zu investieren. Wie weit man das treibt muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin der Meinung dass ein Eigenheim in 20-25 Jahren abgezahlt gehört (und dabei eher Richtung 20 Jahre), aber noch schneller abzahlen macht wenig Sinn wenn man sich auf die Börse einlassen würde.


    Was Lomann angelangt...ich lese gerne seine FAZ Kolumne Dienstags zum Frühstück, meiner Meinung nach berücksichtigt er aber bei der Börse zu wenig dass Durchschnittsrenditen eben genau das sind. Dadurch sind seine Entnahmepläne nur bedingt geeignet und auch Immobilien und Börse zu vermischen, z.B. über endfällige Darlehen, ist bei der Vorgehensweise gefährlich.


    PS:

    Lustig finde ich dass die Variante bei der Bild nur halb so lange Sätze hat wie in der FAZ :D

  • Magst Du dieses bitte näher ausführen und ich habe bisher von Dir sonst immer bessere Antworten gelesen.

    Moin Winter,


    ich meine damit all jene sog. falschen Glaubenssätze, die 'man' hier in Schland von den 'erfahreneren Älteren', den Medienerzeugnissen, der Politik... und den 'verbohrten, semi-hirntoten Scheinexperten der Finanzindustrie' verpasst bekommt... wobei ich die vorgenannten Protagonisten absolut nicht über den gleichen Kamm geschoren sehen mag.


    Welche Synapsen in diesem Zusammenhang fälschlich angelegt sind (oder zu sein scheinen), habe ich in jenem Post und dem darauf folgenden weiter erläutert, so wie ich es sehe und ohne den Anspruch zu erhebn, dass meine Auffassung die einzige 'Wahrheit' sein.


    LebenimSueden hat dies alles, wie ich meine, sehr gut und positiv ergänzt.

  • Nicht unbedingt. Bei den heutigen Zinssätzen ist es durchaus rational nicht alles Geld in Tilgungen zu stecken sondern auch einen Teil mit höherer Rendite zu investieren.

    Janz jenau... das meine ich auch. Gerade wenn End-Twens oder Leute in den Dreissigern erst mal die Immobilie auf Turbo abbezahlen wollen und frei nach Lomann danach mit der Altersvorsorge und/oder dem Vermögensaufbau beginnen, haben sie viel Zeit vertrödelt und damit auch 'Sicherheit'. Getreu dem Motto: Kapital ist Geld mal Zeit... ist man besser bedient, die Annuitäten 'großzügig' einzuplanen (im Sinne von Zins, Tilgung und Cash-Reserve), sie allerdings 'moderat' zu halten und gleichzeitig Vermögen über die z.B. bei finanztip propagierten Methoden aufzubauen.

    Und genau diese Varianten kann und soll man sich ausrechnen und nüchtern vergleichen, damit der Traum von der Immobilie so bequem als nur möglich realisiert werden kann und nicht zum Albtraum wird.

  • Wuaahh...mein Post oben ist mit 53 auf dem Niveau einer Boulevardzeitung...


    Ich denke ein Problem bei den "Glaubenssätzen" ist dass die meisten "Experten" aus einer anderen Zeit kommen. Man muss ja auch gar nicht so weit zurück gehen um Immobilienzinsen von 4% zu haben und bei diesen Leuten schwingt sicherlich im Hinterkopf mit dass die aktuelle Situation nicht normal ist und sicherlich bald wieder verschwinden wird. Ob das so sein wird wage ich zu bezweifeln. Die EZB baut sich ja gerade die Hintertüren für eine längerfristige Staatsfinanzierung (Stichwort: Reinvestition von PEPP Mitteln)


    Bei 4% sieht die Abwägung wieder ganz anders aus, besonders im sicherheitsverliebten Deutschland. Läuft der Vermögensaufbau über Bundesanleihen in Versicherungen verpackt, dann ist es natürlich günstig einen Kredit der Höhe "Bundesanleihe plus Aufschlag" schnell zu tilgen und erst dann den "Vermögensaufbau" mit "Bundesanleihe minus Kosten" zu beginnen.

  • Also, um auf die Frage des TE zurückzukommen, die Säulen sind mitttlerweile Schichten. (Hat man sich so ausgedacht, egal ob man persönlich es sinnvoll findet oder nicht.)


    Wichtig ist, was am Ende dabei herauskommt, nicht ob man in jeder Schicht "vertreten" ist.


    Ich für meinen Teil sehe unser Eigenheim nicht als Altersvorsorge an, aber das liegt auch an den Gegebenheiten hier vor Ort. Auf ewig steigende Immobilienpreise mag ich hier im ländlichen Bereich nicht unterstellen. Daher ist das Haus ein Lifestyle-Accessoires von derartigem Umfang, dass es finanziert werden musste. Da wir unseren "Deckel" bei der Deutschen Bank haben und ich das Logo der Deutschen Bank nicht im Lexikon finde, wenn ich "uneingeschränkt seriös" nachschlage, geht es uns darum, die Schulden eher schnell als langsam loszuwerden, selbst wenn woanders höhere Renditen winken, als bei der Zinsersparnis. Kredit-Arbitrage liegt mir fern.