Kostenloser Sparplan auf ausschüttenden ETF mit automatischer Wiederanlage im Alter umstellen

  • Hallo liebe Community,

    nachdem ich mir nun diverse Videos von Saidi zum Thema ETFs speziell "Thesaurierend vs. Ausschüttend" angeschaut habe stell ich mir die Frage ob es nicht pfiffig wäre sich einen kostenlosen Sparplan auf einen ausschüttenden ETF z.B. "Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF" mit automatischer Wiederanlage zu erstellen und diesen dann jahrelang zu besparen und dann im Alter einfach umzustellen und die Ausschüttungen als kleine Rente zu beziehen -> so werden zumindest keine Anteile verkauft und mein Bestand wäre dann im Alter gleichbleibend -> anders als beim reinen Thesaurierer den ich dann im Rentenalter durch stetige Verkäufe als kleine Rente im Bestand reduziere.
    Ich nutze den ETF somit quasi als Thesaurierer wegen der automatischen Wiederanlage und stelle ihn erst im Rentenalter auf ausschüttend um.
    Bestimmt hat sich irgendwo ein Denkfehler in diesem Konstrukt eingeschlichen aber was meint ihr dazu ?

    Grüße

  • Hast du das Video auch gesehen? Darin wird gezeigt, dass high dividend ETFs in der Vergangenheit durchgehend schlechter performt haben als Standard MSCI World ETF.


    Und "einfach umstellen" heißt Verkauf und Neukauf, richtig? Somit realisierst du die Gewinne und zahlst Steuern.


    Ich überlege, mir wenn es soweit ist ein Cashpolster für 3-5 Jahre zuzulegen und (scheinbar) günstige Börsenstände abzuwarten, um das immer wieder aufzufüllen, also nur die ETFs zu verkaufen, die ich für die nächsten 5 Jahre brauche.

  • Danke für deine schnelle Antwort mit den Punkten hatte ich gerechnet :)
    Nach meinem Verständnis werden die beiden ETFs ohne Wiederanlage verglichen sprich wenn ich den ausschüttenden in meinem Depot auf "Wiederanlage" stelle kaufe ich mir über die Zeit weitere Anteile ... das wird denke ich im Chart nicht wirklich deutlich weil hier nur die reine Performance verglichen wird ohne die steigende Zahl der Anteile bei Wiederanlage zu berücksichtigen.
    Ich kann bei der ING Diba den ausschüttenden ETF beliebig wechseln zwischen automatischer Wiederanlage oder eben Auszahlung ich muss somit also nichts verkaufen in dem Sinne wenn es das ist was du meinst ... Steuern sollte somit nicht anfallen bzw. nur auf die Ausschüttungen dann im Alter

  • Achso, du kaufst von vornherein einen ausschüttenden ETF, dessen Ausschüttungen du erstmal wiederanlegst und später dann konsumierst. Das geht natürlich.


    Bleibt die Frage ob der high dividend ETF die optimale Wahl ist. Hier kommentieren die Forums-Kollegen sicher noch.

  • Steuern sollte somit nicht anfallen

    Bei der Wiederanlage einer Ausschüttung fallen Steuern an.

    Bleibt die Frage ob der high dividend ETF die optimale Wahl ist. Hier kommentieren die Forums-Kollegen sicher noch.

    Tendenziell eher nicht, da die Dividenden-ETF zumindest in der letzten Jahren deutlich in der Rendite zurückgeblieben sind. s. https://www.fondsweb.com/de/ve…IE00B8GKDB10,IE00B3RBWM25

  • Nach meinem Verständnis werden die beiden ETFs ohne Wiederanlage verglichen sprich wenn ich den ausschüttenden in meinem Depot auf "Wiederanlage" stelle kaufe ich mir über die Zeit weitere Anteile ... das wird denke ich im Chart nicht wirklich deutlich weil hier nur die reine Performance verglichen wird ohne die steigende Zahl der Anteile bei Wiederanlage zu berücksichtigen.

    Das ist mMn ein Mißverständnis. Üblich ist die sog. BVI-Methode anzuwenden, dabei werden Ausschüttungen ohne Steuerabzur und Transaktionskosten zum Inventarwert wieder angelegt. Damit ist der Effekt der steigenden Anteilszahl abgedeckt. Fondsweb arbeitet auch nach BVI.

  • "Achso, du kaufst von vornherein einen ausschüttenden ETF, dessen Ausschüttungen du erstmal wiederanlegst und später dann konsumierst. Das geht natürlich.


    Bleibt die Frage ob der high dividend ETF die optimale Wahl ist. Hier kommentieren die Forums-Kollegen sicher noch."



    Genau so hab ich es gemeint :)

  • -> so werden zumindest keine Anteile verkauft und mein Bestand wäre dann im Alter gleichbleibend -> anders als beim reinen Thesaurierer den ich dann im Rentenalter durch stetige Verkäufe als kleine Rente im Bestand reduziere.

    Das ist ein rein psychologisches Problem. Finanziell ist es quasi egal, ob Du die Ausschüttungen direkt erhältst, oder ob die Ausschüttungen erst den Wert des Bestandes erhöhen und Du dann einige Anteile aus diesem höheren Bestand verkaufst. Es gibt aber viele Leute, die psychologisch ungern etwas verkaufen, und ein Fehler ist es auch nicht, Dividenden ausschütten zu lassen. Es muss Dir natürlich klar sein, in welchen (geringen) Größenordnungen die Dividenden liegen. Von daher wirst Du früher oder später vielleicht sowieso an den Bestand gehen wollen.

  • Bei der Wiederanlage einer Ausschüttung fallen Steuern an

    Ist das wirklich so ? Also kostenlos ist die Wiederanlage definitiv aber eigentlich musste man den Steueranteil dann auch transparent in der der Wiederanlage Transaktion erkennen können oder ?

    Das ist mMn ein Mißverständnis. Üblich ist die sog. BVI-Methode anzuwenden, dabei werden Ausschüttungen ohne Steuerabzur und Transaktionskosten zum Inventarwert wieder angelegt. Damit ist der Effekt der steigenden Anteilszahl abgedeckt. Fondsweb arbeitet auch nach BVI.

    Sprich man müsste das Modell nicht nur bis 65 Jahre rechnen sondern eigentlich bis sagen wir mal 85 oder evtl. 90 Jahre um dann zu schauen wo man steht weil der Thesaurierer ja dann Monat für Monat veräußert und wieder reduziert wird

  • Das Problem an der Strategie ist halt dass man relativ schnell in einen Bereich kommt wo der Steuerfreibetrag nicht mehr ausreicht um die Ausschüttungen steuerfrei zu halten. Je nach Ausschüttungsquote kommst du bereits in einer Größenordnung von 30-40 000€ Depotvolumen über die 800€. Du verlierst also jedes Jahr ein bisschen was von den Ausschüttungen und das summiert sich über die Jahre. Dagegen ist beim Thesaurierer auf absehbare Zeit nur mit einer vernachlässigbaren Vorabpauschale zu rechnen.


    Das war die Theorie, jetzt kommen noch praktische Probleme.

    So wie ich das kenne, machen Broker erst ab 75€ pro Ausschüttung automatische Wiederanlage. Die ersten paar Jahre musst du dich also selbst drum kümmern oder du steigst gleich mit größeren Beträgen ein und erreichst die Steuergrenze noch schneller. Dazu kommt dass die meisten dieser Fonds nicht jährlich sondern quartalsweise ausschütten, jedes Mal mit unterschiedlich hohen Beträgen. In der Praxis wirst du vermutlich entweder über der Steuergrenze liegen oder mindestens eine Ausschüttung selbst wieder anlegen müssen.


    In der Praxis stellt sich auch die Frage wie weit du am Ende tatsächlich von Ausschüttungen leben kannst/willst. Man braucht doch recht große Depots damit von den Ausschüttungen vernünftige Beträge kommen. Dann bist du aber voll in der Steuerproblematik in all den Jahren zuvor. Vermutlich wirst du also im Alter eine Mischung aus Dividenden und Verkäufen haben.

    Kann man machen, einfacher und steuereffizienter wäre aber die Ausschüttungen im Fonds zu thesaurieren und nur zu verkaufen. Und jetzt habe ich das Thema Performance der Dividendenfonds noch gar nicht angeschnitten, aber die ist historisch eher mäßig

  • Ist das wirklich so ? Also kostenlos ist die Wiederanlage definitiv aber eigentlich musste man den Steueranteil dann auch transparent in der der Wiederanlage Transaktion erkennen können oder ?

    Eventuell hat sich Kater.ka unpräzise ausgedrückt.

    Die Steuern fallen nicht auf die Wiederanlage an, sonder auf die Ausschüttung.

  • Eventuell hat sich Kater.ka unpräzise ausgedrückt.

    Die Steuern fallen nicht auf die Wiederanlage an, sonder auf die Ausschüttung.

    Danke für den Hinweis.

    Gemeint war

    Auch wenn die Ausschüttung wiederangelegt wird wird sie trotzdem besteuert.

    Also kostenlos ist die Wiederanlage definitiv aber eigentlich musste man den Steueranteil dann auch transparent in der der Wiederanlage Transaktion erkennen können oder ?

    In dem Sinne wie oben: man sieht den Steuerabzug in der Ausschüttungstransaktion, die Wiederanlage erfolgt dann mit dem Betrag nach Steuer.

    Sprich man müsste das Modell nicht nur bis 65 Jahre rechnen sondern eigentlich bis sagen wir mal 85 oder evtl. 90 Jahre um dann zu schauen wo man steht weil der Thesaurierer ja dann Monat für Monat veräußert und wieder reduziert wird

    Ich bin mir nicht sicher ob es da ein Missverständnis gibt. Dem Verkauf an Anteilen steht bei Thesaurierer weiterhin ein Wertzuwachs gegenüber, d.h. bei Entnahme unterhalb des Wertzuwachses müssen immer weniger Anteile für den Konsum verkauft werden. Insofern kann man mMn sich auf die Entwicklung des Vermögens mit dem Parameter Wertzuwachs und Entnahme beschränken ohne die technische Umsetzung über Verkauf oder Ausschüttung zu betrachten.

  • Danke für den Hinweis.

    Gemeint war

    Auch wenn die Ausschüttung wiederangelegt wird wird sie trotzdem besteuert.

    In dem Sinne wie oben: man sieht den Steuerabzug in der Ausschüttungstransaktion, die Wiederanlage erfolgt dann mit dem Betrag nach Steuer.

    Ich bin mir nicht sicher ob es da ein Missverständnis gibt. Dem Verkauf an Anteilen steht bei Thesaurierer weiterhin ein Wertzuwachs gegenüber, d.h. bei Entnahme unterhalb des Wertzuwachses müssen immer weniger Anteile für den Konsum verkauft werden. Insofern kann man mMn sich auf die Entwicklung des Vermögens mit dem Parameter Wertzuwachs und Entnahme beschränken ohne die technische Umsetzung über Verkauf oder Ausschüttung zu betrachten.

    Top Danke an alle nochmal für die Zusammenfassung. Jetzt hab ich vorhin gesehen das Saidi gestern wieder ein neues Video rausgehauen hat was die Thematik nochmal beschreibt inkl. der Abbildung in den Charts mit der automatischen Wiederanlage.
    Dennoch prima wie ihr alle geantwortet habt :thumbsup: