Geldanlage richtige Aufteilung

  • Hallo in die Runde,


    leider bin ich alles Andere als eine Finanzexpertin;) Nun habe ich eine Immobilie verkauft und muss jetzt kurzfristig entscheiden, wie ich € 400.000 gut anlegen kann. Ich möchte keine neue Immobilie erwerben. Da ich eine relativ kleine Rente erwarte (ich bin 52 Jahre alt) ist das Ziel, diese langfristig aufzustocken und das Geld, das ich zur Zeit für höhere Lebenshaltungskosten mehr ausgebe, wieder anzusparen. Weiterhin möchte ich keine grossen Beträge monatlich sparen. Ich dachte daran, die Summe wie folgt anzulegen:


    € 50 000 in Tagesgeld (Bigbank mit derzeit 0.30 % Zinsen)

    € 50 000 x 3 in Festgeld (jeweils 1,2,3 Jahre aufgeteilt (Klarna, Banca Brogetto, sme Bank) oder nur jeweils 1 Jahr aufgrund der mickrigen Zinsen???)

    € 200 000 in ETFs.


    Wäre das eine gute Aufteilung in Zeiten von Corona oder gibt es bessere Alternativen? Ich bin mir auch nicht sicher, ob es sinnvoller wäre, mehrere, also z.B. 2 Robo Adviser auszuwählen. Hier dachte ich an Raisin Invest, Smavesco und / oder Oscar mit jeweils € 100 000 und einer Sparrate von 50-100€.


    Ich habe leider zu wenig Ahnung, um in Sachen ETF's selbst aktiv zu werden, sodass ein Robo Adviser sicher für mich am Besten wäre. Ein ausgewogenes Portfolio mit 70 % Aktien und 30% Anleihen scheint hier für mich geeignet zu sein oder ist das aufgrund der momentanen Lage eher ungünstig?


    Für hilfreiche Tipps wäre ich sehr dankbar!

  • Hallo Romy2022 herzlich willkommen im Forum!


    Über Details kann man noch reden, aber im Prinzip passt das schon.


    Du hast einen guten Teil renditeträchtig angelegt, insgesamt niedrige Kosten und bleibst flexibel.


    Du könntest Dir die Frage stellen, ob Du Tagesgeld/Festgeld wirklich in dieser Höhe brauchst (Frage an Dich: wie viel zwischenzeitlichen Verlust könntest Du ertragen?) und ob Du mit Hilfe von Finanztip die ca. 1 % Renditeverlust für den Robo durch eigene Anlage in ETF vermeidest.

  • Moin Romy,


    erst mal herzlich willkommen in diesem Forum... für Selbermacher und *innen.


    Was mit zuerst auffiel, sind die Namen der Banken, denen du dein Geld leihen willst... also bei denen du Termingelder zeichen möchtest. Mal im Ernst, willst du wirklich 50.000€ an eine Klitsche in Estland schicken, und das für 150€ Zinserträge pro Jahr?

    Bei Klara (Name geändert) gibt's 250 Öcken pro Jahr, bei den Italienern, die keine sind (Investmentbude) sogar noch einen Amaretto obendrauf, und bei der Bude in Litauen... na ja...


    Gewöhnliche Banken können sich heute, nee heute haben die geschlossen, also derzeit für quasi Null Zinsen Geld leihen, wenn sie denn die Kriterien dafür erfüllen. Somit ist immer fraglich, weshalb solche Chaoten dir mehr für dein ihnen geliehenes Geld zahlen wollen, wenn dazu keine Not besteht.


    Bei 200.000 in Termingeldern vermeidest du "Strafzinsen", aufgeteilt auf 4 Banken bist du bezüglich der Einlagensicherung (die fast nichts wert ist) vermeintlich sicher unterwegs... aber unterm Strich verheizt dir die Teuerungsrate 6.000 bis 8.000 Euronen pro Jahr. Die mickrigen Zinsen verringern das Bluten nur geringfügig.


    Somit frage ich mich, ob du dich gefragt hast, weshalb es sinnvoll wäre, 200k in Termingelder zu packen... wenn du doch erst vermutlich in 11 bis 15 Jahren in Rente gehen wirst.


    Ohne jetzt die sog. Gesamtsituation zu kennen, würde ich dazu tendieren, eine Reserve für Notfälle auf die Seite zu packen (Termingeld mit täglicher Verfügbarkeit und bei einer Bank um die Ecke), sowie eine weitere Reserve für geplante Anschaffungen oder Ausgaben (Termingeld).


    Den ganzen und vermutlich größeren Rest würde ich alsdann in einen gescheiten Fonds (ETF) packen. Sch... auf die Robos, die kosten nur und können dir nichts bringen, was du nicht selbst kannst. Die Aufteilung 70/30 in AKtien/Anleihen ist derzeit kalter Kaffee. Deine Aufteilung gestaltest du über die Anteile von Cash (Geldwerten) und Aktien (Fonds, ETF).


    In rund 10 Jahren sollte sich dein Depot im Wert in etwa verdoppeln und in 15 Jahren etwa verdreifachen. Beispiel über den Dicken Daumen und immer unter der Voraussetzung, dass sich die Kurse etwa wie in der Vergangenheit entwickeln werden: Heute 300k, in 15 Jahren 900k. Berücksichtigst du den Kaufkraftverlust, dann darfst du mit einem Wert rechnen, der etwa 450k von heute entspricht.


    Aus 900.000 kannst du Jahr für Jahr ab Rentenbeginn eine Jahresrente von rund 27.000 netto beziehen, also monatlich etwa 2.250 oder kaufkraftbereinigt etwa die Hälfte.

    Hierzu darfst du dich mit Entnahmeplänen befassen.


    Soweit mal meine Gedanken. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, dann schreibe einfach wieder und frage so viele Fragen, wie du Antworten verkraften kannst ;-)


    LG

    John

  • Ich würde auch empfehlen den Teil für Tages- / Festgeld nicht nach Osteuropa zu schaffen. Das kann die Bank bei Dir vor Ort auch bzw. es gibt auch einige gute Banken, welche eine gefühlt bessere Sicherheit gewähren.


    Bei 200 TEUR in risikoarmen Anlagen kann man diese auch auf zwei Standardbanken aufteilen und im Zweifel Verwahrentgelt zahlen...JDS hat es ja schon gesagt, die Inflation kostet Dich wesentlich mehr.


    Auch solltest Du Dich bei den Robo-Advisern aktiv mit der jeweiligen Anlagestrategie auseinandersetzen. Da gibt es unterschiedlichste Konzepte was zum Beispiel die Auswahl an ETF und die Aktionsmöglichkeiten bei Kurseinbrüchen anbelangt. Ein weiterer zu beachtender Punkt ist, dass viele dann nochmal risikoarme Bestandteile ins Portfolio nehmen...Oskar 50 investiert ja zum Beispiel nur zu 50% in Aktien...dadurch würden die anderen 50% automatisch so "gut" verzinst werden wie Dein Tages- / Festgeld und aus Deiner ursprünglichen 50/50 Gewichtung wird dann ein 300 TEUR sicherer und 100 TEUR risikoreicher.


    Wenn Du am Ende alles verstanden hast (was andere mit Deinem Geld machen), kannst Du das dann auch gleich selbst machen.


    https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/


    Außerdem musst Du Dich auch nicht unter Druck setzen und "kurzfristig" Geld anlegen. Es geht hier um 400 TEUR. Das ist eine ganze Menge. Viele Menschen in Deutschland werden wohl niemals einen derartigen Cashbestand besitzen. Da darf man lieber einmal mehr überlegen was der richtige Weg ist. Für die Summe würde ich mir persönlich schon ein paar Videos anschauen und Artikel lesen. Das dauert ja keine Monate. Und lieber zahle ich 1-2 Monate Verwahrentgelt, habe dann aber etwas was ich verstehe und hinter dem ich auch stehe.

  • Wenn man das Thema passiver Robo weiterspinnt wären die integrierten Produkte, die ETF plus Anleihen zu einem günstigeren Preis als ein Robo kombinieren, noch eine Option. Selbermachen ist günstiger, der Hinweis ergeht mehr in Richtung Komfort.


    Wie schon von anderen gesagt ist es nicht klar, ob sich die 70:30 auf das Gesamtportfolio von 400T€ oder nur auf die 200 T€ ETF bezieht, wenn letzteres wäre es über alles ca. 140:260 = 35:65.

    Wenn man z.B. sagt, es soll ein 50:50-Portfolio über alles werden und davon 100T€ auf Tagesgeld/Festgeld wäre ein LIfeStrategy 60 o.ä angezeigt, bei einem 70:30 Portfolio ein Life Strategy 80 angezeigt. Für ein 70:30 dann 50 T€ TG und 350 T€ Life Strategy 80.


    Verifizierung

    100 T€ TG, 300 T€ LifeStrategy60 = 180T€ Aktien, 120T€ TG/Anleihen -> 180:220 = 45:55

    100 T€ TG, 300 T€ LifeStrategy80 = 240T€ Aktien, 160T€ TG/Anleihen -> 240:160 = 60:40

    50 T€ TG, 350 T€ LifeStrategy80 = 280T€ Aktien, 120T€ TG/Anleihen -> 280:120 = 70:30


    Produkte

    https://www.fondsweb.com/de/ve…IE00BMVB5Q68,IE00BMVB5S82

    Ich habe die Ausschüttenden gewählt, d.h. die TE würde jährlich rund 2% ausgeschüttet bekommen, was hinsichtlich der erwarteten geringen Rente ggf. attraktiv ist.


    Vergleichbare Produkte gibt es von anderen Anbietern, also keine Empfehlung sondern ein Denkanstoß.

  • Mit aktuell viel verfügbarem Kapital ließe sich der Punkt "relativ kleine Rente" auch noch angehen.

    (Die DRV berät gerne dazu.)

    Daraus würde sich ein gewisser Sicherheitsbaustein ergeben, der vielleicht auch einen anderen Blick auf die Investmentideen zulässt.

  • Bei 200 TEUR in risikoarmen Anlagen kann man diese auch auf zwei Standardbanken aufteilen und im Zweifel Verwahrentgelt zahlen...

    Bei Termingeldern vermeidest du i.d.R. das Verwahrentgelt.


    Ich würde auch empfehlen den Teil für Tages- / Festgeld nicht nach Osteuropa zu schaffen.

    Nix gegen Osteuropa! Und faktisch unterliegen alle Einlagen in Europa der Einlagensicherung. Wenn man sich die Angebote bei Weltsparen, Zinspilot etc. ansieht, findet man solche Bumsbuden quer durch Europa...

    Kaum jemand sieht sich vor lauter Sabber wegen der 'guten' Zinsen die Bilanzen und Eigentumsverhältnisse jener Institute an, und/oder checkt mal die Geschäftsmodelle jener Anbieter.


    Hier im Forum hat kürzlich mal jemand geschrieben, er würde dem örtlichen Dönerbräter oder Pizzabäcker kein Geld leihen. Bezüglich Eigenkapital und Eigenkapitalrendite sind Dönerbuden und Pizzabäcker mMn vermutlich besser aufgestellt, als die meisten Anbieter von Termingeldern. :D


    Das kann die Bank bei Dir vor Ort auch...

    Na ja... die Bank vor Ort bietet iwas von 0,01% bis 0,1%... also 20€ bis 200€ an Zinsertrag pro Jahr bei einer Anlagesumme von 200.000 €.


    Und gerade deshalb ist es wichtig, dass sich Romy2022 einen Kopf über die Aufteilung in sichere und volatile Anlagen macht.


    Kater.Ka tendiert in seinen Denkanstößen auch zu 1/4 zu 3/4 bis 1/8 zu 7/8...


    Und noch etwas... Eine heute getroffene Entscheidung zur Aufteilung muss ja nicht auf ewig so bleiben. Je nach Marktlage und Geldbedarf kann man seine Quoten ja auch ändern oder sie den Gegebenheiten anpassen.

  • Nix gegen Osteuropa! Und faktisch unterliegen alle Einlagen in Europa der Einlagensicherung. Wenn man sich die Angebote bei Weltsparen, Zinspilot etc. ansieht, findet man solche Bumsbuden quer durch Europa...

    Kaum jemand sieht sich vor lauter Sabber wegen der 'guten' Zinsen die Bilanzen und Eigentumsverhältnisse jener Institute an, und/oder checkt mal die Geschäftsmodelle jener Anbieter.


    Du hast natürlich Recht, dass war unsachlich von mir. Natürlich geht es hierbei um die Frage, ob die Banken tatsächlich in der Lage sein werden ihre Verpflichtungen zu erfüllen.


    Dies kann natürlich überall in Europa passieren (siehe Greensill Bank...)

  • Dies kann natürlich überall in Europa passieren (siehe Greensill Bank...)

    Nun ja, wenn man die Höhe der Einlagensicherung im Auge hat kann erst einmal nichts passieren. Da springt die Bafin ein und im Fall der Greensill wurden sogar die bis zur Pleite aufgelaufenen Zinsen durch den ESF bezahlt.

    Zur Ausgangsfrage, bin da bei Referat Janders eine zusätzliche Zahlung in die GRV ist meines Erachtens eine gute und sichere Anlage in den Sicherheits-Baustein. Ich habe mir das nach dem Termin bei der DRV dann noch einmal von einem seriösen privaten Rentenberater vortanzen lassen und siehe da, die Anlage ist im Moment die Günstigste, logischer Weise eine Wette auf das Alter und nur unter Berücksichtigung der Steuergrenzen der Einzahlungshöhe.

  • Nun ja, wenn man die Höhe der Einlagensicherung im Auge hat kann erst einmal nichts passieren. Da springt die Bafin ein und im Fall der Greensill wurden sogar die bis zur Pleite aufgelaufenen Zinsen durch den ESF bezahlt.

    Das ist nur teilweise richtig. Die Einlagensicherung ist national organisiert, daher empfiehlt Finanztip nur Banken aus Ländern, bei denen vermutet werden kann, dass die Einlagensicherung auch funktioniert. https://www.finanztip.de/sichere-banken/


    Ich hatte dazu mal weiter recherchiert und hier geschrieben. Die Kette ist gemäß EU-Richtlinie so, dass zunächst die Einlagensicherung des Landes gefordert ist, wenn das nicht klappt die jeweilige Regierung unterstützen soll und wenn das immer noch nicht hilft auf EU-Ebene geholfen werden soll. Jetzt kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass das schon so klappen wird, wovon ich für normale Zeiten auch ausgehen würde. Wenn mir Sicherheit wichtig ist würde ich mich darauf nicht verlassen und über solvente Länder streuen. Dazu noch der Hinweis, dass es in D je nach Zählung vier unabhängige Sicherungseinrichtungen gibt. Näheres hier https://www.bafin.de/DE/Verbra…nlagensicherung_node.html

  • Das ist nur teilweise richtig. Die Einlagensicherung ist national organisiert, daher empfiehlt Finanztip nur Banken aus Ländern, bei denen vermutet werden kann, dass die Einlagensicherung auch funktioniert. https://www.finanztip.de/sichere-banken/


    Ich hatte dazu mal weiter recherchiert und hier geschrieben. Die Kette ist gemäß EU-Richtlinie so, dass zunächst die Einlagensicherung des Landes gefordert ist, wenn das nicht klappt die jeweilige Regierung unterstützen soll und wenn das immer noch nicht hilft auf EU-Ebene geholfen werden soll. Jetzt kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass das schon so klappen wird, wovon ich für normale Zeiten auch ausgehen würde. Wenn mir Sicherheit wichtig ist würde ich mich darauf nicht verlassen und über solvente Länder streuen. Dazu noch der Hinweis, dass es in D je nach Zählung vier unabhängige Sicherungseinrichtungen gibt. Näheres hier https://www.bafin.de/DE/Verbra…nlagensicherung_node.html

    Da bin ich ja voll bei dir Kater.Ka, habe ja über die Greensill berichtet. Daher auch mein Tip zur GRV, sicherlich ist eine Geldanlage dort günstig wo man die Bank einigermaßen einschätzen kann. Zumal man im Moment Zinsen außer Acht lassen kann, da man auf die paar Cent gerne verzichtet, wenn die Sicherheit im Vordergrund steht.

  • Hallo Romy2022 und Herzlich Willkommen im FT-Forum,

    ich gehe mal davon aus, dass Du noch keinerlei Erfahrung in Sachen DIY-Geldanlage bzw. ETF hast.

    Ich würde Dir zunächst mal empfehlen, dass Du gewisse Ziele definierst, was Du erreichen willst.

    Wie hoch wäre Deine Rentenlücke aktuell? Wann kannst bzw. willst Du aufhören zu arbeiten?

    usw.

    Ein Entnahmeplan aus einem Vermögen zu Aufbesserung der späteren Rente ist eine gute Idee, birgt jedoch das mögliche Risiko, dass Dir irgendwann im Alter das Geld ausgehen könnte.

    Ein sehr guter Blog, der sich mit dem Thema Entnahmestrategien befasst findest Du hier: Entnahmestrategien Archive - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)


    In Anbetracht Deiner Situation stellt sich mir die Frage, ob ein ETF-Sparplan für Dich überhaupt sinnvoll wäre. Du schreibst etwas von 50-100€ monatlicher Sparrate.

    Bei den von Dir genannten Summen die Du aktuell investieren könntest, wäre ein Sparplan über 100€/Monat in etwas so, als wenn eine Fliege von einem Kilo Mett frisst. ;) Sprich, Du würdest den Sparplan in Deinem Depot gar nicht bemerken!


    Kater.Ka hat ja bereits die LifeStrategy Produkte von Vanguard genannt. Das wäre auch mein Tip gewesen, ohne Deine genaue Situation und Risikotragfähigkeit zu kennen!

    Die max. 1200€ Sparplansumme pro Jahr, würde ich eher in die Aufbesserung Deiner Rente investieren als in einen ETF! Dazu empfiehlt sich ein Beratungstermin bei der örtlichen Niederlassung der GRV.