Zurück von der privaten Krankenkasse in die gesetzliche?

  • rjl324


    Mir geht es um "einmal PKV, immer PKV". Dieses Prinzip ist massiv aufgeweicht worden und belastet die GKV, weil PKV Mitglieder in jungen Jahren Beiträge sparen, um dann im Alter, wenn die Kosten steigen, die GKV zu belasten. Das ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung.

    Die Darstellung, dass man der 'Gemeinschaft wegen' in der GKV ist, klingt für mich nach Realitätsferne bzw. Doppelmoral.

    Ich habe mich vor vielen Jahren aus vielerlei Gründen für die GKV und gegen die PKV entschieden. Um "Gemeinschaft" ging es mir dabei nie. Allerdings finde ich grundsätzlich unsere soziale Marktwirtschaft gut, bei der auch der Letzte mit durchgeschleppt wird, einfach weil er ein Recht darauf hat und wir reich genug sind, das möglich zu machen.

    Anstatt PKV's pauschal zu verteufeln,

    Ich verteufle gar nichts. Meine Frau und meine 3 Kinder sind im Beamtentarif. Suuuuper! Mir geht es rein um die Rückkehrer, die im Alter Geld auf Kosten der Allgemeinheit sparen, weil sie sich mit legalen Tricks in die GKV schummeln, die aus meiner Sicht abgeschafft gehören. Einmal PKV, immer PKV. Das muss gelten, sonst krankt das System.

  • Einmal PKV, immer PKV. Das muss gelten, sonst krankt das System.


    Das System krankt bereits - und zwar heftig.


    Ich bezweifle, dass die Verhinderung einer Rückkehr in die GKV die Probleme unseres Gesundheitssystems lösen kann.


    Es sind auch nicht alle, die lange in einer PKV waren, pauschal Egoisten. Es gibt Situationen, in denen jemand jahrelang unternehmerisch tätig war, Jobs geschaffen-, Steuern gezahlt-, sich gesellschaftlich engagiert hat und trotzdem das Ganze irgendwie vor die Wand ging. Ich denke beispielsweise an die Hotel- und Gaststättenbranche, die insbesondere in den letzten Monaten viele Privatinsolvenzen gesehen hat (und noch sehen wird). Wenn so jemand quasi alles verloren hat und aus diesen Gründen wieder in die GKV wechseln muss - was ist daran problematisch? Wäre es nicht viel unsozialer so jemanden nicht wieder in die 'Solidargemeinschaft GKV' zu lassen?

  • Guter Beitrag, Chris, sehr zutreffend. Und ja, GKV und PKV sind beides Solidarsysteme, die Gesunden finanzieren die Kranken. Der Hauptunterschied ist aber, dass man in der GKV einen einkommensabhängigen, in der PKV aber einen altersabhängigen Obulus entrichtet. Unsolidarisch beginnt es an dem Punkt zu werden, wenn man jahrelange den niedrigeren altersbedingten Beitrag entrichtet hat, dann aber sich entschließt, sich in die Solidargemeinschaft derer zu begeben, die jahrelang mehr, im Alter aber weniger als in der PKV bezahlen.

    Und ja, ich bin selbst GKV-Mitglied, habe mich aus Gründen der Familienplanung und der Absehbarkeit der Beiträge für diesen Weg entschieden (ergänzt durch private Zusatzversicherungen für Zahnersatz und Klinik). Seit Jahrzehnten bezahle ich den Maximalsatz der GKV und bin stolz darauf, einer derjenigen zu sein, die (aktuell) mehr einbezahlen als herausbekommen, weil es mir die Sicherheit gibt, sollte ich einmal selbst bedürftig werden, dass dann die Allgemeinheit auch für mich aufkommt.


    Und abermals ja, die GKV ist alles andere als effizient, laut offiziellen Zahlen kommt nur etwa jeder zweite Euro tatsächlich in der Behandlung der Kranken an. Das heißt aber nicht, dass das System falsch wäre. Vielmehr müsste man es straffen und betriebswirtschaftlich organisieren. Die Vielzahl an Zwischenlayern und parallelen Strukturen beseitigen (Stichwort: kassenärztliche Vereinigung!), vermutlich auch die Beitragsbemessungsgrenze abschaffen, vielleicht die Bemessungsgrundlage ausweiten (warum tragen Roboter und Finanzeinkünfte nicht zum Gesundheitswesen bei?), dann könnte man die Effizienz deutlich erhöhen, den Finanztopf so groß machen, dass die privaten Kassen und Versorgungswerke unnötig werden (und damit auch dieser Thread hier), und erreichen, dass von einem Euro vielleicht 80 cent oder mehr beim Patienten für die Verbesserung dessen Gesundheit ankommen.

  • Vielleicht hilft der Blick ins Ausland. Andere Länder scheinen Lösungen gefunden zu haben die wesentlich kosteneffizienter sind und weniger zur sozialen Spaltung beitragen.

    Ja, hier empfiehlt sich die Schweiz, wo es nur die Kopfprämie gibt und keine Unterscheidung in Privat und Gesetzlich. Bzw. "Privat" ist nur eine andere Abteilung im Krankenhaus mit mehr Service, eher als eine Art Zusatzversicherung zu verstehen.


    Die Prämien sind überschaubar, obwohl das Gesundheitssystem wirklich erstklassig ist. Und dank Eigenbeteiligung müssen Bagatellen nicht über die Versicherung abgerechnet werden und die sind Anreiz, nicht wegen jedem Schnupfen den Arzt aufzusuchen.

    Die Abrechnung funktioniert eher wie bei uns bei der PKV.


    Beispiel für die Prämien, welche komplett durch den Versicherten (ohne Arbeitgeberanteil) getragen werden:


    männlich, Jahrgang 1960, wohnhaft Downtown Zürich, 480 Franken pro Monat (ca. 452 €) bei freier Arztwahl. Eigenbeteiligung von 300 Franken pro Jahr, darüber 10% der Behandlungskosten (gedeckelt bei 700 Franken).


    Ohne freie Arztwahl, also Erstkontakt über Telefon, Hausarzt, Apotheke oder MVZ gibt's den Spaß schon für 398 Franken.

    Kann/will er eine Eigenbeteiligung von 2500 Franken pro Jahr tragen, sind's nur noch 282 Franken pro Monat.


    Bei denjenigen, die sich die Prämien nicht leisten können, kann der Kanton teilweise einspringen und gibt etwas zu den Prämien dazu.

    Wäre schön, wenn Deutschland sich in diese Richtung bewegen könnte.

  • Das ganze erinnert mich an die Tschechen-Führerscheine für Leute die nicht mehr durch die MPU kamen. Das ging ein paar Jahre lang gut und dann hat die Justiz dem einen Riegel vorgeschoben. EU Führerscheine sind zwar grundsätzlich gültig, aber halt nicht wenn der deutsche Führerschein zuvor entzogen wurde...

    Laut TE ist die Anstellung "proforma", also fingiert

    Das geht natürlich nicht. Ich wollte mit meinen Beiträgen nur zum Ausdruck bringen, dass es aktuelle Rechtslage, nicht mehr. Keine Ahnung, wie lang solche Anbieter überhaupt schon auftreten.

    Mein Problem ist nicht, dass es GKV und PKV gibt. Mein Problem ist, dass man 40 Jahre in der PKV Beiträge sparen kann, um sich dann zurück in die Solidargemeinschaft der GKV zu schummeln. Das geht einfach nicht.

    Na ja, von schummeln kann keine Rede sein, solange die Rechtslage nunmal besagt, dass eine Rückkehr in die GKV unter gesetzlichen Voraussetzungen möglich ist. Liegt es nicht vielmehr an den gesetzlichen Krankenkassen gründlich zu prüfen, ob bspw. eine Beschäftigung nur auf dem Papier besteht, ich finde ja. Da es immer den Versuch geben wird, ist für mich einfach u.a. auch aus diesem Grund (nicht der alleinige) die solidarischste Lösung die Abschaffung der privaten Krankheitskostenvollversicherung.

    Denke ich auch, die Zahl ist sehr überschaubar. Dafür sind mehr Abgänge aus der PKV unfreiwillig. Zudem hat die PKV aktuell trotz aller Medienberichte über BPAs ein positives Wanderungssaldo aus der GKV ?(

    Wie hoch der Beitrag im Alter genau ist oder sein wird, kann ja keiner vorhersagen, nur dass die Beiträge steigen, wie hoch, unbekannt. So ist das eben: "Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen." ;)

  • Na ja, von schummeln kann keine Rede sein, solange die Rechtslage nunmal besagt, dass eine Rückkehr in die GKV unter gesetzlichen Voraussetzungen möglich ist.

    Naja, wenn ich für x Monate in Teilzeit gehe mit dem Ziel unter die Beitragsbemessungsgrenze zu kommen und damit in die GKV zurückwechseln zu können, um anschließend wieder Vollzeit zu arbeiten, dann ist das natürlich legal, aber aus meiner Sicht ist es nicht in Ordnung.

  • Was das Beispiel Schweiz anbelangt...es ist sicherlich kein Zufall dass die Konstanzer Ärzte voll mit Schweizern sind und die Leute auch durchaus von hinter Zürich nach KN fahren. Selbstbehalte und Eigenanteile sind nämlich nicht ganz so günstig wie das hier suggeriert wird, insbesondere beim Zahnarzt.


    Ja, das Schweizer Gesundheitssystem ist sehr gut. Aber es ist auch eines der teuersten der Welt. Durch niedrige Beiträge ist das nicht zu finanzieren

  • @rjl324


    Innerhalb des jeweiligen Systems sind PKV und GKV beides (zum Teil) Solidargemeinschaften, ja. In der PKV jedoch vor allem über eine Alterskohorte eines Tarifs. Die GKV ist natürlich die deutlich größere. Und der Unterschied Solidaritätsprinzip (GKV) vs. Äquivalenzprinzip (PKV) ist natürlich grundsätzlich.


    Die Leistungen in der GKV müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Wenn man mal die GKV-Leistungen in Deutschland mit den staatlichen Gesundheitssystem / GKVen anderer Länder vergleicht (auch die Vorsorgeleistungen), sieht man aber, dass das nicht so schlecht bei uns ist. Das ist schon ein ganz gutes System, auch mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss. Bei der PKV kommt es halt elementar auf den abgeschlossenen Tarif an. Da kannst du alles bekommen, von deutlich unter GKV-Niveau bis deutlich drüber.


    Der Vergleich mit der Steuererklärung ist komisch. Was hat das damit zu tun, wenn einem Steuererrückerstattungen qua Gesetz zustehen, da ist ja nichts unsolidarisch. Spenden kann jeder der will.

    Hast du mal den Anteil der Verwaltungs- und Abschlusskosten an den Einnahmen von GKV und PKV verglichen? Warum kommt es in der PKV zu permanenten BPAs und keinen stabilen Beiträgen? Kalkulationen und Prognosen treffen bei keinem System exakt so ein wie vorhergesagt, dafür ist einfach viel zu wenig genau vorhersagbar. Man kann nur verschiedene Annahmen treffen. Betrifft beide.


    Die Probleme der GKV liegen insbesondere auch an der Politik. Dort ist ein großer Hebel, was bspw. die vollständige Erstattung versicherungsfremder Leistungen angeht (und deren Dynamisierung), kostendeckende Beitragserstattungen für gesetzlich krankenversicherte Bezieher von ALG II bzw. Sozialgeld im SGB II oder Effizienzverbesserungen.


    Andere Länder leisten sich gar kein Nebeneinander von zwei konträren Gesundheitssystemen, wir sind da eine der wenigen Ausnahmen ;-)

  • Im Gegensatz dazu muss man dann aber auch das Schweizer Gehalts- und Abgabenniveau betrachten.

    Naja - man vergleiche, was in Deutschland so an Krankenversicherungsprämien gezahlt wird. Als Renter bei der PKV ließt man was von bis zu 1000 Euro, Durchschnittsverdiener (3500 Euro Brutto im Monat) in der GKV zahlen wegen des einkommensabhängigen Beitrags auch schon 278 Euro - und der Arbeitgeber fast noch mal genauso viel, also insgesamt 538 Euro.
    Und das geht ja noch höher.
    Damit ist schon teurer als in der Schweiz. Selbst wenn man den Worst Case (300 Franken + 700 Franken Eigenanteil pro Jahr) draufrechnet, kommt man dann für diesen Durchschnittsverdiener auf's gleiche raus....


    Zitat

    Was das Beispiel Schweiz anbelangt...es ist sicherlich kein Zufall dass die Konstanzer Ärzte voll mit Schweizern sind und die Leute auch durchaus von hinter Zürich nach KN fahren. Selbstbehalte und Eigenanteile sind nämlich nicht ganz so günstig wie das hier suggeriert wird, insbesondere beim Zahnarzt.

    Die Selbstbehalte und Eigenanteile habe ich ja genannt, was soll man denn da falsch suggerieren können?

  • Warum kommt es in der PKV zu permanenten BPAs und keinen stabilen Beiträgen?

    In keinem System sind die Beiträge stabil. Die PKV schickt dir immer schön eine Rechnung wenn die Beiträge erhöht werden. In der GKV erhöhen die sich automatisch mit deinem Gehalt mit ohne Benachrichtigung. Und für Leute im oberen GKV Gehaltsbereich steigt jedes Jahr die Beitragsbemessungsgrenze, auch ohne Benachrichtigung.

  • Die Selbstbehalte und Eigenanteile habe ich ja genannt, was soll man denn da falsch suggerieren können?

    Zahnbehandlungen sind zum Beispiel fast gar nicht von der Schweizer KV abgedeckt sondern müssen selbst finanziert werden. In dem Fall gilt dann auch der begrenzte Selbstbehalt nicht mehr.

    Wenn man zwei Systeme vergleicht, muss man auch den Leistungsumfang vergleichen.

  • Mir geht es um "einmal PKV, immer PKV". Dieses Prinzip ist massiv aufgeweicht worden und belastet die GKV, weil PKV Mitglieder in jungen Jahren Beiträge sparen, um dann im Alter, wenn die Kosten steigen, die GKV zu belasten. Das ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung.

    Wenn man das macht, ist das das Ende der PKV. Wer ist dann noch so wahnsinnig und versichert sich privat ohne eine systembedingte beitragsfreie Familienversicherung und einkommensunabhängige Beiträge? Daher: pro Abschaffung private Krankheitskostenvollversicherung. Gerechter geht es nicht.

    Ich denke, dass 90% Egoisten sind. Von mir aus sollen Sozialhilfeempfänger ein Rückkehrrecht bekommen. Für alle anderen gibt es den Basistarif in der PKV. Das passt schon.

    Wow. Der Basistarif, bei dem selbst langjährige Versicherte beinahe den Höchstbeitrag von 770 Euro bezahlen (ohne Pflegepflicht) und wo du keine Ärzte findest, die dich anhand der vorgegebenen Sätze behandeln.

    Naja, wenn ich für x Monate in Teilzeit gehe mit dem Ziel unter die Beitragsbemessungsgrenze zu kommen und damit in die GKV zurückwechseln zu können, um anschließend wieder Vollzeit zu arbeiten, dann ist das natürlich legal, aber aus meiner Sicht ist es nicht in Ordnung.

    Ja, Punkt. Könnte man gesetzgeberisch ran (evtl. in der Art Ende der GKV, wenn wieder auf vorherigen Niveau), wird aber auch schwierig, da keine Kollateralschäden zu erzeugen. Denn die Intention vom Gesetzgeber ist an sich iO.

    Und ja, GKV und PKV sind beides Solidarsysteme, die Gesunden finanzieren die Kranken.

    Nicht ganz. In der GKV finanzieren die gesunden Hochbeitragszahler die kranken Nichtbeitragszahler, um mal im extrem zu sprechen (Solidaritätsprinzip). In der PKV finanziert sich in der Annahme jeder selbst (Äquivalenzprinzip).

  • In keinem System sind die Beiträge stabil. Die PKV schickt dir immer schön eine Rechnung wenn die Beiträge erhöht werden. In der GKV erhöhen die sich automatisch mit deinem Gehalt mit ohne Benachrichtigung. Und für Leute im oberen GKV Gehaltsbereich steigt jedes Jahr die Beitragsbemessungsgrenze, auch ohne Benachrichtigung.

    Richtig, hab auch nichts gegenteiliges behauptet ;-) Jedoch sind die Beiträge in der GKV stabiler, sofern sich dein Verdienst nicht ändert oder die sie sinken sogar, wenn du weniger verdienst. In der PKV gibts nur eine Richtung, nach oben ;-) Kann jeder für sich beurteilen, was er besser findet.

  • Das deutsche Gesundheitssystem ist zu teuer.


    Viele verdienen sehr viel Geld, samt nicht mehr Dr. Gutenberg mit seinen Kliniken.


    Keiner wird es ändern können, ohne dass sein Leben gefährdet ist.


    Und es ist extrem unsozial, wenn ein kinderloser Single mit gutem Verdienst rund 12.000 EUR GKV zahlt (samt "Strafbeitrag" für Kinderlose in der PV, den man 2022 nochmals erhöht hat!!!), während der Kindereiche mit mittlerem Verdienst samt Frau für schmalen Taler versichert ist.


    Der Staat hat es erkannt und die Beamten sind in ALV, RV und KV nicht in den Systemen für das Dummvolk.