Findet ihr die GKV Rückkehr in Ordnung?

  • Ich bin freiwillig in der GKV. Habe schon nach der Uni bald den Beitragshochstsatz gezahlt. Ein Tarifvergleich mit der PKV ergab Einsparpotential von über 100 euro pro Monat. Ich bin aus verschiedenen Gründen trotzdem geblieben.


    Wer in die PKV wechselt verabschiedet sich vom Gemeinwesen. Er zahlt weniger und bekommt dafür bessere Leistung.


    Meiner Ansicht nach sollte eine Rückkehr in die GKV absolut Ausnahme sein. Wenn ich hier lese wie Leute sich zurück in die GKV tricksen wollen KOTZT MICH DAS MASSIV AN. Erst von PKV profitieren und wenn man alt und teuer ist der Allgemeinheit auf der Tasche liegen ist eine RIESEN SAUEREI.


    Meine Meinung !!!!!!!!!

  • Einspruch, Euer Ehren!


    Ich bin schon seit meinem Abitur 1975 nicht mehr in der GKV versichert. Erst viele Jahre freie Heilfürsorge beim Bund. Und dann selbstständig und privat versichert.


    Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich "vom Gemeinwesen" verabschiedet habe. Schau Dir mal die einschlägigen Veröffentlichungen der Ärztekammern und der Verbände im Gesundheitswesen an. Die PKV zahlt deutlich höhere Rechnungen an die Behandler - und viele Praxen können nur dank eines gewissen Anteils an Privatpatienten wirtschaftlich überleben! Die Existenz der PKV trägt damit dazu bei, dass die GKV nicht noch teuerer werden muss. Die GKV ist ein reines Umlageverfahren. Und je höher die Kosten im Gesundheitswesen sind, umso stärker steigen die Beiträge.


    Ob es "eine Riesensauerei" ist, wenn PKV-Mitglieder im Alter versuchen, wieder in der GKV unterzukommen, vermag ich nicht wirklich zu beurteilen. In den Fällen, die mir bekannt sind, handelt es sich um Menschen, die irgendwie gescheitert sind oder aus der Bahn geworfen wurden. Häufig sind es kleine Selbstständige, die sich ihr Leben lang abgerackert haben, kein Vermögen aufgebaut haben und irgendwann ihre Existenz aufgeben mussten.


    Meines Erachtens sind solche Menschen schutzwürdig im Sinne unseres Sozialsystems. Der Gesetzgeber sollte hier konsequent sein und einen problemlosen Wechsel in die GKV zulassen. Dann braucht es auch keine Tricksereien.


    Der Weg den der Gesetzgeber mit dem "Basistarif" gewählt hat, ist jedenfalls ein Irrweg. Der Basistarif der PKV stellt die der GKV ähnlichen Leistungen bereit und seine Prämie ist auf den Höchstbeitrag der GKV "gedeckelt".
    Das sind inzwischen zusammen mit Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung über 730,00 € monatlich!!!!


    Wie soll das denn jemand bezahlen, der als Selbstständiger Pleite gemacht hat?


    Ich denke, wer sein Leben lang privat versichert war, will auch im Alter die Annehmlichkeiten eines besseren Versicherungsschutzes genießen. Deswegen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass jemand "freiwillig" wieder in die GKV zurück will - um dann dort den Höchstbeitrag zu zahlen.


    Die GKV ist ja eben trotz des Status als Kassenpatient deshalb attraktiv, weil der ehemalige Selbstständige dann den Beitrag nur von seiner Mini-Rente zahlen muss. Und da hat er den Schutz der Solidargemeinschaft auch verdient!


    Wer ein hohes Einkommen - auch im Alter - hat, für den bleibt die PKV in den meisten Fällen die bessere Wahl.

  • Das was Muc hier sagt, ist eine Sache.
    eine andere ist, das laut Aok Angaben der Bundeszuschuss in den Gesundheitsfonds bei ca. 14 Milliarden Euro liegen wird.
    woher hat denn der Bund das Geld?
    das sind Steuern, sonst hat der Bund ja keine Einnahmen.
    und wer zahlt die meisten Steuern?
    die Selbstständigen!
    also beteiligt sich jeder Selbstständige neben seiner PKV, wenn er denn Mitglied ist, auch an den GKV's.
    er zahlt also doppelt.
    warum also soll er nicht jederzeit in die GKV zurück?
    das sagt aber kein Politiker, und jeder babbelt es einfach nach ohne nachzudenken.

  • Ich muss hier muc voll zustimmen.


    Ich bin in relativ jungen Jahren in die PKV gewechselt, weil ich die Leistungen der PKV durch Familienversicherung gewohnt war und damals gab es viele Zusatzversicherungen noch gar nicht, wie es sie heute gibt.


    Leider arbeitet die PKV mit dem Trick, dass Sie die jungen Leute zu finanzierbaren Beiträgen eintreten lässt, um dann
    laufend so zu erhöhen, dass ich z. B. irgendwann für mich alleine einen Beitrag von monatlich 735 EUR bezahlt habe + 600 EUR Selbstbehalt im Jahr. Das wäre einfach nicht mehr machbar gewesen. Dazu kommt ja noch die private Altersversorgung, die man als Selbständiger aufbringen muss. Ich habe dann die private Krankenversicherung gewechselt und immer noch über 400,-- EUR im Monat einen riesigen Selbstbehalt an Behandlungskosten im Jahr bezahlt. Mir war mit Anfang 20 nicht bewusst, in was für eine Kostenfalle ich da geraten bin.


    Bitte auch nicht vergessen: Selbständige erhalten von NIEMANDEM irgendeinen Zuschuss weder zu einer Altersversorgung noch zur Krankenversicherung. Das heißt, wir müssen unseren Krankenversicherungsbeitrag komplett alleine bezahlen. Und gerade die Selbständigen sind zum großen Teil privat versichert.


    Und es ist wirklich so wie muc geschrieben hat:
    Die Ärzte versuchen das, was sie durch die Behandlung von gesetzlich Versicherten nicht mehr erwirtschaften können, durch die Privatpatienten auszugleichen. Wer dann in der PKV einen hohen Selbstbehalt hat - und das werden sehr viele oder die meisten haben - zahlt sämtliche Behandlungen bis zum Selbstbehalt (die teurer als bei euch sind) aus eigener Tasche. Lass mal ein MRT machen, um etwas abzuklären, und schon bist du nur dafür über 800,00 EUR los als Privatpatient.


    In jungen Jahren war mir auch nicht bewusst, dass die Beiträge sooooo stark ansteigen. Hätte ich das damals abschätzen können, hätte ich wahrscheinlich nicht in die PKV gewechselt. Das erzählt dir aber kein Versicherungsvertreter.


    Warum steigen die Beiträge so stark an? Das erfährt man auch nicht bei Eintritt in eine Versicherung, wäre aber wichtig zu wissen: Der Tarif, in welchen man einsteigt, der wird irgendwann für Neuzugänge geschlossen, so dass sich darin eine relativ homogene Altersgruppe befindet. Diese wird im Lauf der Zeit natürlich älter und verursacht immer mehr Kosten, die über die Beitragserhöhung reingeholt werden müssen.


    Und wie muc oben geschrieben hat, wer lange in der privaten KV war, profitiert nicht mehr von der Krankenversicherung für Rentner. Ich komme da z. B. gar nicht mehr hinein (war ca. 2 Jahre zu spät dran).


    Es kann sein, dass es für viele so klingt, als ob man durch einen Wechsel in die GKV sich einfach die Rosinen herauspicken möchte. Aber ich glaube, dass es sehr viele Wechselwillige gibt, weil ganz einfach die Beitragserhöhungen irgendwann so angestiegen sind, dass man einfach nicht mehr weiß, wie man das - spätestens in der Rente - finanzieren soll.

  • Ich gebe zu, ich hatte gestern einen schlechten Abend. Sorry für die harten Worte und die Großschrift.


    In der Sache bleibt es aber für mich dabei und ich kann es an meinem Beispiel festmachen. Ich hatte vor einigen Jahren ein PKV Angebot. Damals habe ich ca. 300 Eur in der GKV gezahlt. Die PKV wollte 200 Eur. Keiner kann mir erzählen, dass die PKV so effizient wirtschaftet, dass sie mir mit 200 Eur eine zigfach bessere Leistung bieten würde als die GKV für 300 Eur. Der Grund dürfte einmal die Umlage sein. Ich zahle für mitversicherte Angehörige irgendwelcher anderer Versicherter und für Niedrigverdiener in der GKV mit. Der andere Grund dürfte aber auch sein, dass mich die PKV unter Vertrag nehmen will. Mir war damals völlig klar, wenn ich in Rente gehe, sieht der Beitrag ganz anders aus.


    Dass @Elke nicht erwartet hat, wie die Beiträge sich entwickeln werden, glaub ich ihr sofort. Vor Jahrzehnten galt die PKV als das Paradies der gesunden Besserverdienenden. Keiner hat erwartet dass da zu den Beiträgen Doppelstellige Prozentzahlen an Beitragssteigerungen aufgerechnet werden. Aber wenn man in jungen Jahren gespart hat und die fetten Leistungen kassiert und dann im Alter meint, doch lieber unter den Schutz der GKV zu schlüpfen, dann habe ich damit ein Problem. Denn die Ersparnisse in jungen Jahren landen auf den Bankkonten der PKV Versicherten. Somit werden, wie so oft in unserem Land, Gewinne privatisiert und Kosten verstaatlicht.


    Und ich stelle die Schutzwürdigkeit in Frage die @muc hier aufwirft. Klar, wer am Rande zu Hartz4 steht, sollte auch meiner Meinung nach geschützt werden. Aber ich sehe im Bekanntenkreis Fälle, wo 2 Kinder da sind, ein drittes gewünscht wird und die Leute dann anfangen zu erkennen, dass sie mit der GKV und Mitversicherung von Frau und Kindern deutlich günstiger fahren und "das Häusle 5 Jahr früher abbezahlt ist", als wenn alle in der PKV zahlen. Und da beginnt für mich das Problem. Als die Leute jung waren hatten sie die Sause mit der tollen PKV, jetzt sind sie Anfang 40 und wollen die Kosten drücken. Auf Kosten des Gemeinwesens, denn nichts anderes passiert, wenn Papa 350 Eur GKV Beitrag zahlt, der Arbeitgeber nochmal 350 Eur obendrauf und Frau und drei Kinder fein raus sind.

  • @Elke


    Die Beitragsentwicklung in der PKV macht mir auch Sorge. Ich war viele Jahre in einem Tarif mit (usprünglich) 10.000,00 DM Selbstbehalt versichert. Das war natürlich spottbillig. Im Endeffekt habe ich meine Arzt- und Medikamentenkosten immer selbst bezahlt.


    Das hat mir auch nichts weiter ausgemacht, weil ich die Versicherung eben immer als VERSICHERUNG betrachtet habe und zwar für den Fall, dass ich finanziell überfordert sein sollte. Beispielsweise bei einem schweren Autounfall oder einer ernsthaften Erkrankung wie Krebs oder Herzinfarkt.


    Die paar hundert oder auch einmal ein paar tausend Euro, die ich pro Jahr für Arztkosten selbst getragen habe, haben mich jedenfalls nicht arm gemacht.


    ABER: Dann kam Mehmet Göker mit seiner KV-Drückertruppe und hat (so jedenfalls meine Vermutung) einen Haufen von wirtschaftlich Schwachen in diesen SB-Tarif vermittelt. Und plötzlich sind die Schadenquoten extrem angestiegen und innerhalb von zwei, drei Jahren hat sich der Beitrag mehr als verdoppelt. Außerdem hat die Gesellschaft den Tarif für den Neuzugang schließen müssen, weil der Gesetzgeber solche Tarife mit so hoher Selbstbeteiligung für das Neugeschäft verboten hat.


    Als ich dann meinen Beitrag und die potentielle Selbstbeteiligung betrachtet habe, fand ich mich nicht mehr gut versichert.
    Ich habe bei der gleichen Gesellschaft in einen anderen Tarif gewechselt. Jetzt habe ich weniger Selbstbehalt (nur noch 360,00 €) und ich habe auch den Zahntarif weggelassen, weil ich inzwischen weiß, was der Zahnarzt kostet und dieses Risiko selbst trage.


    Was ich damit sagen will: jeder PKV-Versicherte muss sich von Zeit zu Zeit um seinen Vertrag und seine Tarife kümmern.
    Eventuell Dinge weglassen, die man eigentlich gar nicht braucht, und möglicherweise auch den Tarif wechseln.


    Ich bin 59 Jahre alt und bin - trotz der Schwächen des PKV-Systems - froh, dass ich privatversichert bin. Ich habe ein relativ hohes Tagegeld versichert, damit ich im Falle einer ernsthaften langen krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nicht auch noch in finanzielle Probleme hineinkomme. Das wäre bei der GKV in der Höhe gar nicht möglich, bzw. würde eine Zusatzversicherung kosten. Da bin ich mit meinen rund 350,00 € monatlich doch ganz gut dabei.


    Und in wenigen Jahren werde ich meine ersten Renten aus meinen privaten Rürup-Verträgen beziehen, dann werde ich das Tagegeld kündigen, so dass der Beitrag auch noch einmal fühlbar sinken wird.


    Die PKV ist allerdings kein System, das man einfach so laufen lassen kann.
    Du musst selbst am Ball bleiben und den Markt wenigstens alle zwei, drei Jahre mal beobachten.

  • @Henning


    Deinen Beitrag von heute Morgen finde ich gut!!!


    In der von Dir geschilderten Situation gebe ich Dir völlig recht! Das, was Du da beschreibst, gehört sich nicht!


    Noch ein Wort zur Beitragskalkulation in der PKV:


    Selbstverständlich kann die PKV nicht zaubern. Es stimmt aber auch nicht, dass sie "junge Leute mit Kampfpreisen" anlocken, um sie später abzuzocken. (Nein, ich bin kein Verbandsvertreter der PKV und bekomme von denen auch kein Honorar. Allerdings habe ich Expertenwissen auf dem PKV-Sektor.)


    In der PKV herrscht bei der Beitragskalkulation das sog. "Äquivalenzprinzip". Das bedeutet, der Erwartungswert (=Barwert) der Kosten muss äquivalent sein dem Erwartungswert (=Barwert) der Beiträge. Und zwar für JEDES Eintrittsalter.


    Dass junge Leute so günstig sind, hängt mit dem Zinseszinseffekt zusammen. Da die schweren Erkrankungen statistisch vor allem im letzten Drittel des Lebens auftreten, hat ein junger Mensch noch lange Zeit, sein "Versorgungskapital" anzusparen.


    Nach diesem versicherungsmathematisch begründeten Modell (mit dem übrigens alle Versicherer rechnen) dürfte es theoretisch gar keine Beitragsanpassungen geben (theoretisch!). Jeder zahlt ja von Anfang an die äquivalente Prämie für sein persönliches Risiko.


    Weshalb es doch Beitragssteigerungen gibt hat zwei Gründe:


    1. Die längere Lebenserwartung. Seit Jahren steigt die Lebenserwartung in Deutschland an. Die Folge in der PKV: der Zeitraum, in dem Leistungen abgerufen werden, wird immer länger.


    2. Der medizinische Fortschritt. Es werden neue Verfahren und Medikamente entwickelt, die es vor 10, 20 oder 30 Jahren noch gar nicht gab. Deswegen sind sie auch nicht in die Kostenberechnung (Barwert!) eingeflossen.


    Wegen dieser Gründe muss die PKV ständig die Tarife überprüfen. Sie rechnen sogar quartalsweise und melden ihre Ergebenisse an die BaFin. Der Gesetzgeber will unbedingt vermeiden, dass ein privater Krankenversicherer insolvent wird.
    Also werden die PKV-Unternehmen regelmäßig dazu angehalten, ihre Tarife zu erhöhen, wenn sich aus den versicherungsmathematischen Berechnungen Anpassungsbedarf ergibt. Da können die nicht einmal selbst etwas dafür.


    Und als zusätzlicher Preistreiber kommt die Zinsmisere hinzu. Die PVK-Branche hat zusammen mehr als 170 Milliarden an Alterungsrücklagen gebildet. Das ist gewissermaßen der "Spartopf" der Branche. Und angelegt sind diese Milliarden vorwiegend in Staatsanleihen - wegen der Sicherheit(!) natürlich. Und jetzt macht der Rückgang der Zinserträge für diese Rücklagen auch der PKV zu schaffen. Wenn ich plötzlich statt 5 oder 6 % für eine 10-jährigen Bundesanleihe nur noch 0,3 % bekomme, dann muss ich mehr ansparen, um den gleichen Kapitalbedarf zu decken. Auch das treibt die Prämien nach oben.

  • Schöne und interessante Diskussion .... und ich geb´s ja zu ... ab und an weiß ich selber nicht mehr,
    was ich wann und wie geschrieben habe ;(


    Aber es hat sich ja geklärt :thumbup:


    Ich schließe mich @muc an .... diejenigen die in die PKV wechseln (u.a. meine Person) sind nicht diejenigen die das System torpedieren, im Gegenteil ... wenn ich meine Rechnungen ansehe und die Auswertungen der Arztpraxen habe ich immer mehr das Gefühl das das System teilweise nur noch durch die PKV getragen wird.


    Aber das ist sicherlich eine andere Diskussion.


    Die PKV-Anbieter haben sich in den letzten 24 Monaten vermehrt aus den sehr günstigen Tarifen verabschiedet, wohl wissend das diese in den nächsten Jahren nicht den Ertrag bringen werden wie es notwendig wäre. Sprich der absurde Vorteil das die PKV günstiger als die GKV ist, wird es in den nächsten Jahren in dieser Form nicht mehr geben.

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Noch eine Ergänzung:


    Die die Beiträge in der PKV unabhängig vom Einkommen sind, sind diese für geringer verdienende Selbständige oftmals
    NICHT günstiger als es der freiwillige einkommensabhängige Beitrag in der GKV ist. Günstig war oder ist die PKV im Grunde nur für jemandem mit hohem oder höherem Einkommen. Wer in der GKV den Höchstbeitrag zahlt, hat unter Umständen in die PKV weniger eingezahlt.

  • Das ist ja auch völlig in Ordnung, wenn es jemanden stört.
    aber auch das ist eben eine persönliche Einstellung, über die man natürlich diskutieren kann.


    wäre der Wechsel jedoch wirklich nicht gewollt, gäbe es sogenannte "Hintertürchen" gar nicht.


    und wenn die GKV s irgendwann wirklich einmal vor der Pleite stehen, kommt der Gesetzgeber und macht seine bürgerversicherung oder wie das Kind dann genannt wird.


    vor vielen Jahren wurden auch direktversicherungen, die sozialabgabenfrei waren, nachträglich mit sozialabgaben belegt.
    und sofortige klagen vor dem Bundessozialgericht wurden sofort abgewiesen.


    der Staat nimmt sich, und dann kann sich auch jeder nehmen.
    so ist unser System

  • Ich habe weder für Steuerhinterziehung noch für sonstige Kriminalität Verständnis.


    Es stimmt auch nicht, dass "der Staat nimmt sich".
    Wir haben ein sehr fein austariertes Sozialsystem. Das muss natürlich auch finanziert werden.
    Die Grundregel dabei ist, dass die starken Schultern mehr tragen müssen als die schwachen.
    Und das kann ja auch gar nicht anders sein.


    Dass es in der vorstehenden Problematik "Hintertürchen" gibt, hat nichts damit zu tun, dass sie genutzt werden sollen, Herbert. Es ist nur vielmehr so, dass es unendlich kompliziert ist, alle möglichen Einzel- und Sonderfälle zu bedenken.


    Die Grundentscheidung lautet ja: einmal privat versichert - immer privat versichert. Das ist das Leitbild.
    Und nach dem 55. Lebensjahr ist es auch zumindest schwieriger in die GKV zurückzukehren.


    Dass es trotzdem immer wieder Schlupflöcher gibt, ist nicht wegzudiskutieren. Aber gewünscht ist dies vom Gesetzgeber nicht.

  • Das ist halt wie vieles eine Sache des Standpunktes.
    klingt abgedroschen, ist aber so.


    wenn der Staat etwas wirklich nicht will, wird es verhindert.


    und der Spruch "einmal privat, immer privat", da Wette ich, es weiß niemand mehr, woher dieser wohl kommt.


    tatsache ist eben auch, wie oben schon geschrieben, dass durch Steuermittel jedes Jahr Milliarden in das staatliche Gesundheitssystem zu den Beiträgen gepumpt werden. Und diese Steuern werden eben auch durch privat Versicherte aufgebracht. Somit sind die privat Versicherten klar Bestandteil des Solidarsystems.

  • Ich kann nur jedem raten, sich die Vor- und Nachteile der GKV und der PKV gründlichst im Vorfeld zu überlegen und verschiedene Eventualitäten, die passieren könnten, durchzuspielen.
    Spreche da aus eigener Erfahrung. Als mein Mann vor zwölf Jahren aufgrund seines Verdienstes die Möglichkeit hatte zur PKV zu wechseln hat er dies ohne groß zu Überlegen gemacht. Der Beitrag war ok, die Leistungen spitze. Als dann unsere beiden Kinder auch mit meinem Mann in der PKV waren sah es mit dem Beitrag schon anders aus, da hatte er sich vorher aber zu wenig Gedanken gemacht. Als ich dann nach Ende der Elternzeit des zweiten Kindes völlig überraschend gekündigt wurde bekam ich Arbeitslosengeld und war noch selber krankenversichert. Hatte aber da immensen Druck mir schnellstmöglichst wieder egal welche Stelle zu suchen, damit mein Mann mich nicht auch noch in die PKV mit hineinnehmen muss, denn dann wäre der Beitrag wirklich explodiert und wir hätten uns das kaum leisten können.


    Im Zuge der Finanzkrise musste mein Mann dann einige Zeit kurzarbeiten und ist somit wieder unter die Entgeltgrenze gerutscht und wurde wieder krankenversicherungspflichtig. Er verdient jetzt wieder darüber, bleibt aber weiterhin freiwillig krankenversichert und hat von seiner privaten einige Zusatztarife für sich und die Kinder behalten.


    Fazit: Er ist damals viel zu blauäugig an die Sache rangegangen. Und selbst von den Versicherunsvermittlern erfährt man nicht alles, was für so eine Entscheidung dringend notwendig zu wissen ist. Gerade für diejenigen, die aufgrund des Verdienstes privat krankenversichert sind und aber in der Rentenversicherung versicherungspflichtig sind haben oft keine Ahnung.

  • Also gerade den letzten Kommentar finde ich sehr gut. Bei einigen anderen Beiträgen widersprechen sich Klein- und Grosshirn sehr. Ich war bis zu meiner Verrentung nahezu mein gesamtes Berufsleben immer oberhalb der Bemessungsgrenze und habe den Verlockungen der privaten Krankenversicherer widerstanden. Einzig eine Zusatzabsicherung bei Krankengeld, Krankenhaus- und Zahnarztbehandlung habe ich mir gegönnt.
    Meine Begründung war der exzessive Lebenswandel in meiner Berufsbranche, mein Wunsch nach Ehefrau und Kindern und die Wahrscheinlichkeitzumindest Frührentner zu werden.
    Die Branche war übrigens Versicherungen und mein Arbeitgeber ein angesehener Player im Rechtsschutz- und Krankenversicherungsvergleich. ;-) Insofern tue ich mich schwer mit der Akzeptanz von Glücksspielern und gescheiterten Existenzen, die zurück in die GKV wollen, kurz vor Rentenbeginm. Da bin ich ausnahmsweise, selten genug, nicht bei @muc
    Anders verhält es sich bei frühzeitig rückkehrwilligen Privatiers, egal ob gescheitert oder nicht. Wobei erstere eh wieder zwangsläufig in der GKV landen. Diese Returnfunktion sollte für eine bestimmte Anzahl von wenigen Jahren möglich sein.

  • Es geht nicht um die Akzeptanz von Glücksspielern und gescheiterten Existenzen.


    Die grundlegende politische und von einem breiten Konsens getragene Entscheidung lautet: die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat. Hier liegt das Problem.


    Die PKV ist ein privatwirtschaftlich organisiertes System, das unter starker Überwachung steht, weil es eine Ersatzfunktion hat. Wer in der PKV versichert ist, ist nicht im System der gesetzlichen Krankenversicherung.


    Es ist der PKV aber nicht möglich - zumindest ohne Subventionen - sozialschwachen Mitgliedern billigen Versicherungsschutz zu bieten. Der Basistarif ist da keine Lösung, denn der kostet so viel wie der Höchstbeitrag zur GKV.


    So - und was machen wir nun als Gesellschaft, wenn es ehemalige PKV-Versicherte gibt, die - ob verschuldet oder unverschuldet - ihren PKV-Schutz nicht mehr bezahlen können? Wollen wir diese Menschen verrecken lassen?
    Das würde sich mit der Verfassung nicht vereinbaren lassen.


    Früher sind solche Fälle von der PKV wegen Beitragsrückständen gekündigt worden, standen ohne Versicherungsschutz da und notwendige Arztkosten hat das Sozialamt bezahlt. Seit der Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht ist dieser Weg nicht mehr möglich.


    Jedoch hat der Gesetzgeber hier nur eine Scheinlösung bereitgestellt. Er will dass jeder Sozialschwache in dem System verbleibt, in dem er vor Eintritt der Bedürftigkeit versichert war. Dann müsste die PKV jedoch konsequenterweise steuerliche Subventionen erhalten, damit sie ihre Problemfälle selbst "für'n Appel und 'n Ei" versichern kann.
    Das will der Gesetzgeber natürlich nicht - und es wäre wohl auch politisch nicht durchsetzbar.


    Aber so wie die Rechtslage aktuell ist, ist sie einfach unbefriedigend.