Lohnt sich dieser Riestervertrag?

  • Hallo zusammen,


    ich habe Anfang 2020 einen Riestervertrag abgeschlossen. Hier kurz die Fakten:


    • Es ist ein Deka Zukunftsplan Classic. Das Kapital wird dabei in die Unterfonds Deka Zukunftsplan I bis IV angelegt.
    • Die Fondsgesellschaft schichtet ein paar Mal im Jahr um; soweit ich das sehen kann, liegt immer das gesamte Kapital gleichzeitig in dem gleichen Fonds. Wann und wie genau umgeschichtet wird, ist für mich als Kunden nicht beeinflussbar.
    • Den Vertrag bespare ich mit monatlich gut 100€.
    • Der Sparbetrag ist so gewählt, dass ich auf 4% des Vorjahresbrutto komme. Als Zulagen erhalte ich dann 175€.
    • Der Vertrag läuft bis 6/2053.
    • Für 2020 bin ich auf eine über die Zulage hinausgehende Steuererstattung von 146€ gekommen.


    Die Kosten sind für mich trotz Studium der Unterlagen nicht wirklich nachvollziehbar:

    • Vertragsgebühr: 10€ pro Jahr.
    • Ausgabeaufschlag soll 3% sein. Auf meinen Kontoauszügen heißt es in der Abbuchung 1,5%.
    • Laufende Kosten: Kann ich nicht beurteilen. Jeder der 4 Fonds hat eigene laufende Kosten, jeweils zwischen 0,77% und 1,65%. Fallen zusätzlich auch noch Kosten des Dachfonds an?

    Ich frage mich, ob dieser Vertrag für mich sinnvoll ist. Über Meinungen dazu würde ich mich freuen! :)

  • Welche Rendite wäre denn okay für dich?

    Bzw. was erwartest du von deinem Riestervertrag?

    Ich sehe als Messlatte halt einen MSCI World mit seiner Wertentwicklung. Riester als Garantieprodukt wird den ja vermutlich nicht erreichen können. Bei dem Riestervertrag habe ich aber ja noch die Zulage sowie die Steuerersparnis als zusätzliche Förderung. Auf der anderen Seite stehen die Kosten, die ich wie oben angerissen, nicht genau bestimmen kann. Zudem ist die Auszahlung in der Rentenphase in voller Höhe (und nicht nur in Höhe des Gewinnanteils) steuerpflichtig.


    Die laufenden Kosten liegen bei den Deka-Fonds, die anfangs benutzt werden, bei bis zu 1,65%. Gegen Ende der Laufzeit wird die Deka ja in risiko- und wohl damit tendenziell auch ertragsärmere Fonds umschichten - hier liegen die Kosten dann nicht unter 0,77% pro Jahr. Diese 0,77% unterstellt, käme man im letzten Jahr auf Kosten von über 600€.


    Ich habe jetzt beispielhaft die Jahre bis zur Rente durchgerechnet mit 3% Wertentwicklung. Es würde sich dann ergeben:

    Einzahlungen: 42.300€

    Erhaltene Zulagen: 5.900€

    Wertentwicklung: +36.000€

    Endbestand: 83.500€

    Zusätzliche Steuerermäßigungen: 4.800€


    Kosten:

    - Ausgabeaufschlag: 600€

    - Vertragsentgelt: 350€

    - laufende Kosten, irgendwo zwischen 0,77% und 1,65%: 9.000€ bis 19.300€.


    Ich habe keine Ahnung, ob das realistisch wäre...

  • Halte die Annahmen für relativ realistisch.

    Wenn du Riester am Ende mit dem MSCI World vergleichen wirst, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.


    Wenn du es als Sicherheitsbaustein betrachtest, könnte am Ende sogar ein "kleines" Lächeln dabei rauskommen.

  • Ich habe keine Ahnung, ob das realistisch wäre...

    Wenn du die Rendite ermittelst und dabei deinen Nettoaufwand als Maßstab anlegst, kommst du bei deinem sportlich geschätzten Wertzuwachs auf knapp über 4%.


    Mit dem gleichen Nettoaufwand sollte ein ETF auf MSCI World oder vergleichbar zu einem Kapital von rund 150.000 € führen. Einen Teil des Wertzuwachses kannst du steuerfrei einsacken und in der Entnahmephase profitierst du von der nachgelagerten/aufgeschobenen Versteuerung der Gewinne.


    Bei deinem Riester werden, wenn's gut läuft, rund 200€ an Monatsrente rumkommen, die du dann vermutlich versteuern darfst. Kaufkraftkorrigiert reden wir von einer Rente, die - brutto - weniger als 100€ von heute entspricht.


    Bei der ungeförderten Variante (ETF) darfst du mit einer Brutto-Zusatzrente von nom. um die 500€ bzw. kaufkraftkorrigiert von um die 250€ rechnen.


    Ob man sich wegen dem Riester-Kleinkram - als Sicherheitsbaustein - wirklich scheckig machen sollte, ist einem selbst überlassen.

    Selbst die ungeförderte Variante erscheint mir als unzureichende Größenordnung für eine private Altersversorgung...