Geldanlage bei Immobilienwunsch

  • Hallo zusammen,


    ich bin zurzeit dabei, meine Geldanlagen neu zu ordnen und möchte in die Richtung des (evtl. leicht erweiterten) 4-Töpfe-Prinzips gehen, also Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld und ETF-Depot plus evtl. zweites Tagesgeldkonto, um Notgroschen und kurzfristiges Sparen zu trennen.


    Als Sparraten werden oft 10 % des Nettogehalts ins ETF-Depot und 10 % aus das Tagesgeldkonto empfohlen. Aus dem Bauch heraus hätte ich eigentlich gerne eine höhere Gewichtung des ETF-Depots, z. B. 15 % ETF und 5 % Tagesgeld (oder auch insgesamt mehr als 20 %, je nachdem, wie es damit zu Beginn läuft).


    Da ich jedoch auch gerne irgendwann eine eigene Immobilie kaufen möchte (frühestens jedoch in fünf Jahren etwa), bin ich mir mit der Gewichtung zwischen Tagesgeld und ETF wieder unsicher. Macht es Sinn, für eine Immobilie auch mehr Geld auf dem Tagesgeldkonto anzusparen (wenn ja, wie viel etwa?) oder ist es sinnvoller, dafür weniger Eigenkapital einzusetzen. Da das ETF-Depot für den langfristigen Vermögensaufbau gedacht ist, sollte das dabei eher nicht angetastet werden, richtig?


    Vielen Dank an alle und viele Grüße!

  • Hallo Flo896 ,

    die Frage hinsichtlich ETF lässt sich bei einem Anlagezeitraum von 5 Jahren schwer beantworten. Seriöse Forum-Mitglieder werden davon abraten. FT empfiehlt 15 Jahre braucht man an Zeit, manche sagen 10 Jahre. Die 15 Jahre sind dem geschuldet: in der Vergangenheit wurde in diesem Zeitraum eine Investition noch nie mit Verlust abgeschlossen. Da die Börsen ein auf und ab durchleben würde ich bei 5 Jahren darauf verzichten. Bleibt also nur Tages- und Festgeld und die damit verbundenen Verluste durch die Inflation. Zur 2 Hälfte deiner Frage, wichtig ist erst einmal Eigenkapital, jeder geborgte Euro kostet. Wie in 5 Jahren die Zinslast aussieht kann keiner seriös beantworten. Deine Immobilie ist dann ja ein großer Teil deiner Altersversorgung.

  • Zum Immobilienkauf wird man ja meist nicht gezwungen, stehen die Kurse in 5 Jahren gerade schlecht kann gewartet werden oder ganz verzichtet werden oder eben in den sauren Apfel beissen und mit mehr oder weniger großen Verlusten verkaufen

  • Hallo.


    Der ETF-Sparplan ist bei der Kürze der Zeit eher ungeeignet, um Eigenkapital bereitzustellen.


    Allerdings könnte das Depot als Eigenkapitalersatz dienen. Langfristig sollte die Wertentwicklung eines ETF-Depots oberhalb von Baukreditzinsen liegen. Ich sage aber dazu, dass das kein Vorgehen für jedermann wäre (insbesondere nicht für mich). Die Erwähnung dient nur der Vollständigkeit.

  • Das ETF-Depot sollte auch nicht dazu dienen, um Eigenkapital für eine Immobilie anzusparen, sondern eher nebenher laufen. Wobei "nebenher" vielleicht nicht ganz richtig ist, denn eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass das ein großer Teil der Altersvorsorge werden soll. Ich bin quasi nur unschlüssig, in welchem Verhältnis ich das ETF-Depot als Altersvorsorge und das Tagesgeldkonto als Immobilien-Eigenkapital besparen will.


    Also grundsätzlich will ich das 4-Töpfe-Prinzip anwenden und bin auf der Suche nach der richtigen Verteilung, also beispielsweise

    • sehr viel aufs Tagesgeld sparen und ETF-Depot ein bisschen nebenbei (wenn dann überhaupt),
    • beides relativ ausgeglichen besparen oder
    • eher mehr ins ETF-Depot und das Tagesgeldkonto eher weniger besparen.

    Die fünf Jahre sind auch eher als wahrscheinliche untere Grenze gedacht. Es könnte auch vielleicht noch zehn Jahre dauern, so genau lässt sich da ja schwer einschätzen.

  • Wie viele Jahre hast du denn noch bis zum Ruhestand? Wenn du genug Eigenkapital für die Immobilie zusammen hast und die 5 Jahre nicht fest sind macht es Sinn einen ETF zu besparen. Sollte aber vielleicht in 5 Jahren dein Traumhaus auf dem Markt sein, ETF gerade im Keller und Eigenkapital muss aufgestockt werden, dann ist das Problem da. Bauzinsen sind gerade auf dem Weg nach oben.... es ist noch gar nicht so lange her, als diese in Richtung 10% lagen.

    Ich würde mir einen genauen Plan machen, wo auch ein festes Datum (max 2 Jahresspanne) für den Kauf mit dabei ist. In 5 oder 10 oder wieviel Jahren auch sonst kaufen lässt eine vernünftige Finanzplanung einfach nicht zu.

  • Was ist denn "genug" Eigenkapital, mit wie viel kann man da grob kalkulieren?

    Es gibt die gute alte Regel von 20%. In den letzten Jahren wurde die häufig aufgeweicht (hohe Preise, niedrige Zinsen), für die Grobplanung würde ich mich trotzdem daran orientieren.

    Der Preis hängt konkret von vielen Faktoren ab (Neubau, Altbau, Sanierungsbedarf, Wohnung oder Haus, Lage, Ausstattung, zukünftige Zinsen und Preisentwicklung...) die teilweise auch schwer zu prognostizieren sind. Wenn du nicht gerade eine kleinere Wohnung in einer günstigen Gegend anstrebst, halte ich alles unter 500 000€ für Wunschdenken. Daraus ergibt sich dann ein Eigenkapital von mindestens 100k, eher mehr.

    Das ist eine Menge Geld die dann einfach rumliegt

  • Meiner Meinung nach hast du noch genug Zeit bis zum Ruhestand, in dem Fall würde ich erst einmal auf die Immobilie mein Ziel ausrichten. (soll ja sicherlich ein Teil davon werden)

    Zur 2. Frage, Eigenkapital kann man nie genug haben, so wie es im Moment aussieht werden die Zinsen steigen. Jetzt kann man hier mit irgendwelchen %Zahlen umherwerfen, damit ist aber keinem geholfen.

    Wichtig ist die monatliche Belastung, diese muss auch bei Engpässen noch machbar sein.

    Bei der Immobilie sollte man auch beachten eine angemessene Größe zu wählen, in meinem Bekanntenkreis wohnen jetzt alle (55-60 jahre alt), in ihrem Haus zu Zweit. Einige haben die Größe Haus und Grundstück bereits bereut, hier zahlst du dann für qm die du nicht wirklich brauchst, ebenfalls fällt viel Arbeit an, die halt im Alter nicht leichter fällt.

    Zur Kalkulation würde ich folgender Maßen rechnen:

    Was brauchst du im Moment nach Abzug deiner Miete zum Leben?

    Diesen Betrag würde ich jährlich erhöhen, Stichwort Inflation

    Weiterhin brauchst du bei einem Haus mit Grundstück deutlich mehr als bei einer 2 Zimmer Wohnung, bei mir waren es damals etwa 30% mehr an Kosten im Vergleich zu den Nebenkosten.

    Weiterhin werden die Energiekosten auch nicht mehr günstiger werden, auch diese würde ich großzügig kalkulieren.

    Dann habe ich die monatliche Rücklage für Reparaturen mit 250€ angelegt.

    Etwa 100€ monatlich waren dann noch für alles mögliche notwendig, von Pflanzen über den Austausch von Gartenmöbeln, kleine Umbauten/Reparaturen usw.

    Nicht zu vergessen die Kosten die du als Mieter gar nicht bzw. nur geringfügig hast: Versicherungen, Grundsteuer, bei mir kamen nach Luftbildern Beträge für Regenwasser der versiegelten Flächen hinzu, also auch hier großzügig rechnen - Städte und Gemeinden sind einfallsreich wenn die Kassen knapp werden.

    Jetzt den Rechner raus und gucken was ist für dich drin.

    Wenn du nun ungefähr den monatlichen möglichen Betrag hast, kannst du dir die Höhe des Kredits errechnen, für mich wäre alles andere eine Möglichkeit meinen guten Schlaf aufs Spiel zu setzen, war aber auch immer ein eher vorsichtiger Typ.:)

  • Hallo Flo896,


    ich muss einmal etwas zu Ihrer Verunsicherung beitragen.:)


    Gerade derzeit gibt es so viele Unsicherheiten, dass eine Prognose für den Immobilienmarkt kaum möglich ist. Wenn Ihr Immobilienwunsch zeitlich flexibel ist, würde ich ihn bei den aktuellen Geldanlageentscheidungen weitgehend ignorieren. Orientieren Sie sich an den heutigen Fakten. Mit Tages- oder Festgeld verlieren Sie 5-10% p.a., mit einiger Sicherheit auch noch einige Jahre lang. Bei breit aufgestellten ETF gibt es gute Chancen, zumindest die Inflation auszugleichen. Natürlich erkaufen Sie sich das mit Risiko. Aber wenn es zuschlägt, können Sie Ihren Immobilienwunsch immer noch verschieben. Man kann auch mit Ü60 Immobilien kaufen.


    Gruß Pumphut

  • Aus dieser Sicht betrachtet, kann ich Pumphut nur zustimmen. Allerdings bin ich bei Eigennutzung und Ü60 anderer Meinung, man will die Immobilie möglichst lange nutzen und eine Vorhersage zur Gesundheit ist ähnlich schwierig wie zur Wertentwicklung von Geldanlagen……

    Ist aber meine persönliche Meinung.

  • Gerade derzeit gibt es so viele Unsicherheiten, dass eine Prognose für den Immobilienmarkt kaum möglich ist.

    Gilt das nicht auch für den Aktienmarkt?

    Beinhalten die Unsicherheiten im Immobilienmarkt nicht auch Chancen für einen, der in der Zukunft kaufen will? Ich habe von Gerüchten gehört, dass auch der Immobilienmarkt keine Einbahnstraße sein soll.

  • Hallo,

    Gilt das nicht auch für den Aktienmarkt?

    Beinhalten die Unsicherheiten im Immobilienmarkt nicht auch Chancen für einen, der in der Zukunft kaufen will?

    Jein. Der weltweite Aktienmarkt wird stark von den US- Aktien dominiert und diese und der US- Immobilienmarkt hängen an den Entscheidungen der FED (bis zum großen Knall – anders Thema). Als Deutscher kann ich mich am US- Aktienmarkt beteiligen, am Immobilienmarkt als Selbstnutzer eher nicht. Die FED hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie grundsätzlich auch die Interessen der Kleinanleger und Eigenheimbesitzer in den USA schützt, was einzelne kurzzeitige Crashs nicht ausschließt. (Redet heute – außer den damals direkt Betroffenen – noch jemand von der Subprime- Krise?)


    Selbstverständlich bietet ein kollabierender Immobilienmarkt auch große Chancen für den Kaufwilligen. Er muss dazu aber ausreichend Eigenkapital haben. In solchen Situationen sind die Banken sehr zugeknöpft. Und zumindest derzeit hat unser TE dieses EK nicht. Deshalb mein Vorschlag, erst EK möglichst mit Inflationsausgleich schaffen.


    Gruß Pumphut

  • Aus dieser Sicht betrachtet, kann ich Pumphut nur zustimmen. Allerdings bin ich bei Eigennutzung und Ü60 anderer Meinung, man will die Immobilie möglichst lange nutzen und eine Vorhersage zur Gesundheit ist ähnlich schwierig wie zur Wertentwicklung von Geldanlagen……

    Ist aber meine persönliche Meinung.

    Gerade deshalb kann es durchaus Sinn machen die Immobilie nicht mit Mitte 30 zu wollen weil man das halt so macht. Bei uns im Neubaugebiet bauen aktuell vor allem Ältere, zumindest diejenigen die schon bauen und ich getroffen habe. Ob jedes dieser Häuser wirklich alterstauglich ist bezweifle ich etwas. Aber man wird auf jeden Fall ein anderes Haus nehmen wenn man nur noch für 2 Personen sucht und nicht für 2 Erwachsene und 1-3 Kinder.