Riestervertrag als Wohnriester nutzen?

  • Hallo zusammen,


    ich habe einen bestehenden Riestervertrag seit 2011, wo nebst Zulagen ca. 20k€ Kapital eingezahlt ist. In den Jahren habe ich abzüglich der Zulage aufgrund der Gehaltshöhe und keiner Kinder, entsprechend eingezahlt. Der garantierte Rentenfaktor ist 28,43.

    Die Finanzierung des Eigenheims in 2016 erfolgte über die BHW: Baudarlehen mit sogenannter Einbindung eines Bausparvertrags. D.h. die Sollzinsbindung mit 1% ist bis 2026 gültig und die monatlichen Zahlungen laufen auf ein Bausparvertragskonto. Daher konnte beim Kaufzeitpunkt der Riestervertrag nicht als Finanzierung genutzt werden, da laut der Zulagenstelle keine klassische Tilgung erfolgt... Ich liebe deutsche Sprache und Ausführungen in Veträgen und Co ;-)


    Ich habe mir mal das Europäische standardisierte Merkblatt genommen, dort steht: BauDarlehen (Vorausdarlehen) mit Ablösung durch Bausparvertrag (nachstehend BauDarlehen)... aja, warum dieselbe Bezeichnung für zwei Konten?!

    Wenn ich das doch richtig verstehe, erfolgt nach 10 Jahren dann die Zuteilung und die Berechnung sieht da dann auch eine tatsächliche Tilgung vor. Somit Wohnriester geeignet?


    Der Plan ist: 2026 den komplett noch offenen Betrag vollständig zu tilgen/abzahlen und nicht weiterhin monatlich zu zahlen. Das ist laut Vertrag nach den 10 Jahren und der Sollzinsbindung auch möglich.

    In diesem Zusammenhang würde ich auch gerne das Kapital des Riestervertrags nutzen. Diesen habe ich ohnehin nunmehr beitragsfrei gestellt, nachdem ich zwar jährlich eine Steuerersparnis von 800€ über die Einkommensteuer hatte, jedoch sich für mich Riester am Ende vom Tage dann wohl doch nicht wirklich lohnt.


    Was ist die Empfehlung? Doch lieber stehen lassen und sich dann 30% im Alter auszahlen lassen, der Rest als Rente?

    Die tatsächliche Steuerersparnis rechnet sich doch heutiger Steuersatz abzgl. Steuersatz im Rentenalter bezogen auf das Jahreseinkommen?

  • Hallo.


    Ein Freund des Wohnriesters bin ich nicht. Oftmals wohnt man im Eigenheim größer als zur Miete. (Ich wohne ländlich, dort ist das eine gängige Beobachtung.) Daher halte ich die Sichtweise "gesparte Miete = Rente" für eine nur eingeschränkt gültige These


    In Zeiten hoher Zinsen wäre die Verzinsung des Wohnförderkontos mit 2% erstrebenswerter als eine normale Baufinanzierung.


    Muss man mögen, wenn man das so plant. ?(

  • Hallo.


    Ein Freund von Bausparvertrag + Vorausdarlehen bin ich nicht. Diese komplexe Vertragsgestaltung hat meist nur das eine Ziel, den hohen effektiven Zins zu verstecken, da viele mehr auf den nominalen Zinssatz schauen ?(


    Allerdings hast Du jetzt diesen Bausparvertrag. Schau Dir den erst einmal genauer an! Wann ist der zuteilungsreif? Wie ist dann der Sollzins? Hast Du vertraglich überhaupt die Möglichkeit, vor Zuteilung zu Tilgen? ... Erst dann brauchst Du Dir Gedanken über eine Alternative zu machen und hast einen Vergleichsmaßstab für die Alternativen.

  • Wenn Dir die Folgen der Riesterinfizierung der Immobilie bekannt sind und kein Problem darstellen, ist Dein Vorhaben das Beste was man mit einem Riestervertrag machen kann, denn nur so kann man förderunschädlich das komplette angesparte Kapital nutzen (Eine Verrentung bei Riester würde ich trotz hohem Rentenfaktor eher vermeiden).

    Idealerweise passiert das Ganze aber möglichst nah an der Auszahlungsphase, also am Rentenbeginn, damit die Nachteile des Wohnförderkontos nicht mehr so stark (bzw. garnicht) ins Gewicht fallen.

  • Hallo,

    danke für die Antworten bisher.

    Also um es nur nochmal deutlich zu machen.

    Der Riestervertrag hat bisher noch nix mit der Baufinanzierung zu tun (und ist auch bei einem anderen Anbieter). Nur nachdem ich eben erst vor ca. 1 Jahr gelesen habe, wie alt ich mit Riester werden muss, kam mir das mit der anderweitigen Nutzung. Dass ich ihn irgendwann versteuern muss ist mir klar, förderunschädlich wäre gut, denn sonst müsste ich 10 Jahre Zulage samt Steuerersparnis ja zurückzahlen, was ja beinahe die Hälfte wäre.


    Zum BSV samt Baudarlehen bei der Postbank: Das läuft seit 2016 und zuteilungsreif zehn Jahre später, wo auch die Sollzinsbindung endet. Der Sollzins danach ist nicht festgelegt.

    Das stört mich jetzt auch nicht sonderlich, da der Plan bei Erwerb und auch nach wie vor ist, nach 10 Jahren die Restschuld auf einmal oder mehreren Monaten zu tilgen (und nicht über weitere Jahre). Weil a) das Geld da ist und seitdem immer wieder in ETFs angelegt ist und b) ich nicht davon ausgehe, dass ich dann mit 45 Jahren aufhöre zu arbeiten aber dennoch noch lang zur Rente habe. Daher ist eine nah an der Auszahlungsphase-Situation selbst bei normaler Abzahlung der Baufinanzierung nicht realistisch, weil diese spätestens mit 55 dann durch wäre. Nicht eingerechnet habe ich jährlich möglich Sondertilgungen von 10k€.


    Mich ärgert einfach nur 2011 diesen "dappigen" Riestervertrag halbwissend gemacht zu haben ;) Für mich macht halt die anteilige Nutzung zur vollständigen Tilgung des Baudarlehens am ehesten erstmal Sinn, weil ich nicht weiß wie lange ich lebe, Rente beziehe etc. aber das Haus dann abbezahlt ist und selbst wenn ich ablebe, andere was von haben.

    Das mit der Verzinsung von Wohnriester mit 2% war mir bisher gar nicht so bewusst und muss ich dann wohl mal durchrechnen. 20 Jahre Verzinsung und dann versteuern.


    Wer denkt sich eigentlich so einen bekloppten Wahnsinn aus? :D Willkommen in Deutschland.

    Ich habe ja sonst keine Rentenverträge... 2 Betriebsrenten (bei Firmen wo ich nicht mehr arbeite), GUZ, und 2 alte von 2003 die gut verzinst werden plus Kapitalwahlrecht. Immerhin, Riester nervt trotzdem ;)

  • Bnewie ich bin da in einer sehr ähnlichen Situation. Habe auch seit Jahren schon einen Riester in dem sich mittlerweile schon ein gutes Sümmchen angesammelt hat. Wenn man es irgendwie so drehen kann, dass man kurz vor der Rentenphase ein Darlehen damit ablösen kann ist das die perfekte Lösung (insbesondere wenn man dann auch gleich sofort mit 30% Rabatt versteuert). Wenn es knapp vor der Rente nicht geht muss man das mit dem Wohnförderkonto durchrechnen. Verrentung ist wie Du schon selbst festgestellt hast, keine Option!


    Ein Kredit zur Renovierung bzw. barrierefreien Umbau ist übrigens i.d.R. auch eine wohnwirtschaftliche und damit förderunschädliche Verwendung.

  • Zum BSV samt Baudarlehen bei der Postbank: Das läuft seit 2016 und zuteilungsreif zehn Jahre später, wo auch die Sollzinsbindung endet. Der Sollzins danach ist nicht festgelegt.

    Das stört mich jetzt auch nicht sonderlich, da der Plan bei Erwerb und auch nach wie vor ist, nach 10 Jahren die Restschuld auf einmal oder mehreren Monaten zu tilgen (und nicht über weitere Jahre).

    Das verstehe ich nicht. Diese Kombination läuft doch üblicherweise so, dass man in den ersten 10 Jahren einen Vorausdarlehen, das nicht getilgt wird. Statt dessen zahlt man in einen schlecht verzinsten BSV ein. Selbst, wenn das Vorausdarlehen einen günstigen Zinssatz hatte, zahlt man sich "dumm und dämlich", da der Soll-Zins immer auf die volle Summe berechnet wird und parallel ein schlechter Habenzins gutgeschrieben wird.

    Erst nach der Zuteilung und Umschuldung in den BSV hat man einen vernünftigeren Zinssatz.


    Aber warum macht man so etwas, wenn man von Anfang an nur die schlechten Jahre mitnehmen will? Wozu hast Du den BSV?

    Mich ärgert einfach nur 2011 diesen "dappigen" Riestervertrag halbwissend gemacht zu haben

    Generell ist Riester eine Rentenversicherung, sollte man also abschließen, wenn man sich sicher ist, dass man eine Rente will. Die Zulagen decken die höheren Vertragskosten, oft nicht viel mehr.

    Durch die Beitragsgarantie ist es eher ein Produkt für konservative Anleger. Bei längeren Laufzeiten ist ein ETF-Depot sinnvoller. Unterscheiden würde ich noch zwischen aktien- und zinslastigen Produkten. Was hast Du?


    Aktuelle Produkte sind unbrauchbar, was insbesondere an der aktuellen Zinslandschaft liegt, die keine Beitragsgarantie mehr erlaubt. Aber 2011 gab es noch bessere Produkte mit höheren Zinssätzen und garantierten Rentenfaktoren. Wenn Du davon einen erwischt hast, würde ich den Vertrag als guten Teil der sicherheitsorientierten Anlage betrachten.

  • Ein Kredit zur Renovierung bzw. barrierefreien Umbau ist übrigens i.d.R. auch eine wohnwirtschaftliche und damit förderunschädliche Verwendung.

    Ich bin ja am ausloten welche Möglichkeiten ich habe, was sinnig ist um dann bei Möglichkeit zu handeln. "Schlechtesten falls" bleiben die Euronen eben bis zur Rente liegen, 30% auszahlen lassen und gut ist.


    Barrierefrei ist die DHH bereits :D und soweit ich das verstanden habe, kann Wohnriester nur für solch einen derartigen Umbau verwendet werden. Ansonsten nehme ich gerne die Heizung oder was die Zukunft noch "beschert"...


    Ich weiß nicht wie man mehrere Sachen zitiert, daher die Antworten zu den anderen Fragen:

    Warum ich den BSV für die Finanzierung des Eigenheims habe? Also mit 1% Sollzins war das eine klassische Excel-Nebenrechnung. Die Abschlussgebühr war auch deutlich niedriger, weil das Haus von der Postbank verkauft wurde etc. Und wenn ich stattdessen über 20 Jahre einen Kredit mit 2% oder mehr abzahle, hat sich der BSV immer noch gerechnet. Auch wenn Du von schlechten Anfangsjahren sprichst. Nach zehn Jahren hätte ich beim normalen Kredit 50% mehr Zinsen als beim BSV zahlen müssen. Und ehrlich gesagt ist mir das auch Jacke wie Hose wenn das "Guthaben" des BSV gering verzinst wird. Ich schulde der Bank ohnehin das ganze Geld, also gehts doch unterm Strich um die Gesamtkosten, und das sind die Zinsen. Oder habe ich hier jetzt einen Denkfehler?


    Der Riestervertrag ist ein ETF-Depot und aktienlastig. An sich auch als Rente gedacht gewesen, in jungen Jahren halbwissend abgeschlossen (Stichwort jährliche Steuerersparnis), mit der Option Wohnriester. Bis ich dann wie gesagt im letzten Jahr das große Gesamtbild zusammengetragen habe.

    Ich habe wie gesagt einige private Vorsorgen und egal in welchem Unternehmen man anfängt, wird damit ja auch geworben. Nur will ich am Ende vom Tage nicht zig Verträge haben, die mir heute das Geld "kosten" und ich im Alter sofern ich es erlebe 30 Jahre überleben muss. Sofern ich denn mit 67 überhaupt schon in Rente gehen darf ;)


    Also die Optionen sind klar:
    Kündigen, alle Zulagen und Steuerersparnisse zurückzahlen -> bringt zumindest Cash

    Stillegen und belassen -> nach dem Gesetz von 2018 sind ja auch 100 steuerfrei soweit ich das richtig verstanden habe? gilt hier Kleinstbetragsrente auch wenn man sich 30% auszahlen lässt? wahrscheinlich eher nicht :D

    Umschichten in Wohnriester, in 2026 oder später

  • Ich weiß nicht wie man mehrere Sachen zitiert,

    Den Teil markieren, den Du zitieren willst. Dann auf "Zitat einfügen" (erscheint im Kontextmenü).

    Und ehrlich gesagt ist mir das auch Jacke wie Hose wenn das "Guthaben" des BSV gering verzinst wird. Ich schulde der Bank ohnehin das ganze Geld, also gehts doch unterm Strich um die Gesamtkosten

    Korrekt. 1% ist natürlich in der Tat ein super Zins.

    Wenn Du aber z.B. am Anfang 100T aufgenommen hast und durchgängig 1% auf diese 100T zahlst und parallel 50T zu fast 0% im BSV angespart hast, dann sind das effektiv 2% (1T Zinsen auf 50T Nettoschulden).

    Der Riestervertrag ist ein ETF-Depot und aktienlastig.

    Aktien mit Garantie und kostengünstigen ETFs. Das würden manche heute sehr gerne haben. Aber Dein Argument mit vielen kleinen Verträgen verstehe ich sehr gut.