Sondertilgung vs. Veranlagen

  • Liebe Community,


    ich habe vor etwa einem Jahr einen Kredit zur Finanzierung eines Genossenschaftsbeitrags abgeschlossen (50K, Laufzeit 20 Jahre theoretisch weil Sondertilgung möglich, mtl. Tilgung 250€). Bisher habe ich zusätzlich zur vereinbarten Tilgung monatlich 250€ zusätzlich getilgt damit ich in Summe schneller fertig bin. Nun spiele ich mit dem Gedanken, die monatliche Sondertilgung einzustellen und stattdessen meinen ETF-Sparplan anzuheben.


    Durch die längere Laufzeit, die sich ergeben würde, würde ich die Sondertilgung einstellen, hätte ich in Summe etwa 5000 € mehr Zinsgebühren, als wenn ich die Gesamtlaufzeit durch Sondertilgungen reduziere. Wenn ich dahingegen die Sondertilgungen zusätzlich monatlich in mein ETF-Depot (40K in MSCI World, Sparplan mtl. 800€) investiere, könnte ich im selben Zeitraum knapp 20K mehr investieren und hätte den Break-Even ab dem Zeitpunkt, wo ich 5000 € Rendite erzielt habe?


    Wäre es nun sinnvoller, die Sondertilgungen einzustellen und stattdessen in meinen ETF zu investieren?


    Vielen vielen Dank für eure Unterstützung!


    LG, David

  • Das kann man eben immer erst hinterher wissen.


    „Prognosen sind immer schwierig, vor allem wenn sie sich auf die Zukunft beziehen“ (Mark Twain).


    Aber im Ernst: Aus meiner Sicht sind die Renditen im hohen einstelligen oder vielleicht sogar zweistelligen Bereich mit ETF und anderen Aktieninvestments erstmal gelaufen. Ich denke nicht, dass sich Traumrenditen wie in den letzten zehn Jahren wiederholen.


    Du hast uns auch nicht mitgeteilt, wie hoch der Zinssatz des Kredits ist. Ich habe deine Zahlen mal bei Zinsen berechnen eingegeben und komme auf 1,875 Prozent. Ist das richtig?


    Dann müsstest du mit deinem EFT pro Jahr mehr als 2,5 Prozent Rendite vor Steuern machen (2,5 Prozent Rendite abzgl. 25 Kapitalertragssteuer, den Freibetrag habe ich hier erstmal ignoriert). Diese Rendite ist sicherlich möglich. Du bekommst sie natürlich nicht garantiert.


    Letztendlich ist deine Entscheidung.


    Ich persönlich würde die Sondertilgungen vorziehen.


    Ansonsten gibt es möglicherweise noch den goldenen Mittelweg, dass du 50 Prozent für Sondertilgungen nutzt und 50 in den ETF investierst. Mein Ding wäre das allerdings nicht.

  • Das kann man doch recht gut berechnen. JDS Du hast doch immer die Kursprognosen. Sobald wir also die korrekten Renditereihenfolgen des MSCI World bis 2039 haben...können wir die vorteilhafte Variante ausrechnen.


    Da ich aber weiß, dass es hier im Forum aktive Teilnehmer gibt, die tatsächlich glauben, dass man die Zukunft nicht voraussehen kann...würde ich sagen Du nimmst:


    Ich persönlich würde die Sondertilgungen vorziehen.

    oder alternativ:

    Wenn die 20 Jahre tragbar sind und es in den Fingern juckt, dann gerne Sondertilgungen zugunsten der Sparrate entfallen lassen.

    Du kannst uns dann 2039 sagen, was richtig war und ob Du diese Variante gewählt hast. Falls nicht...kannst Du es dann natürlich auch nicht mehr ändern:)


    Falls ja würde ich an Deiner Stelle behaupten, dass es doch ganz klar war und Du es immer wusstest.:P


    Naja Spaß beiseite...tatsächlich ist die zukünftige Renditereihenfolge sehr interessant. Vor allen Dingen ab 2029. Da niemand diese Werte kennt, ist es eine rein persönliche Einstellung und daher subjektiv immer richtig.


    Ich würde mich zum Beispiel an den ETF probieren und meine Frau an der Schuldentilgung...und ja sie hat immer Recht:thumbsup:

  • JDS Du hast doch immer die Kursprognosen. Sobald wir also die korrekten Renditereihenfolgen des MSCI World bis 2039 haben...können wir die vorteilhafte Variante ausrechnen.

    I'm awfully sorry! Ich habe die Prognosen nur bis 2032 vorliegen ;-) Aber sollte ich im Laufe dieses noch jungen Jahres endlich eine neue Kristallglaskugel mit dem aktuellen 5G-Modul bekommen, werde ich die Zahlen nachliefern. Versprochen!


    Was die Thematik 'schnellere Tilgung mit Zinsersparnis vs. Investition' anbelangt, würde ich, auch wenn ich dafür mit Wurstkordel gesteinigt werde, den relativ zinsgünstigen Kredit so wie ursprünglich geplant bedienen und auf die Sondertilgungen sch....n. In 20 Jahren sind die 250 Öcken (vermutlich) nur noch einen kleineren Wochendeinkauf wert. Und 5k an 'gesparten Zinsen stehen in keiner vorteilhaften Relation zu dem Zuwachs beim halbwegs intelligenten Investieren.

    Wenn ich 250 Öcken 'übrig' hätte, würde ich diese schon fast grundsätzlich in weltweit gestreute Aktien (ETF auf MSCI World oder vergleichbar) investieren.

    Aus 250 Öcken sollte sich in 20 Jahren ein Kapital von rund 150.000 Öcken bilden lassen.

  • In 20 Jahren sind die 250 Öcken (vermutlich) nur noch einen kleineren Wochendeinkauf wert.

    Mache ich auch so, angesichts der Inflation und des Zinssatzes, der bald als günstig angesehen werden wird, lieber die Schulden behalten und das Geld investieren.


    Die Inflation entwertet ja Sparguthaben und Schulden, also gut wenn man letztere hat. Wenn die Höhe der Sondertilgungen nicht oder großzügig begrenzt ist, kannst Du 2039 den Kredit mit dem Wechselgeld vom Bäcker ablösen. ;)


    Sparen lohnt dann natürlich nicht, also Geld in irgendwas investieren, ETF (einfach) oder Immobilien (für Eigenheim mittel, für Vermietung IMHO schwer). 5% sollten bei breit gestreutem Portfolio schon noch drin sein, sprich Inflationsausgleich.