Höhe des Notgroschens bei günstigem Dispokredit?

  • Hallo!


    Ich bin ganz neu hier in der Community (aber nicht mehr ganz neu in Sachen Finanzen – an dieser Stelle ein dickes Dankeschön für eure tolle Arbeit zur finanziellen Bildung, liebes Finanztip-Team! :thumbup:) und möchte gerne eine Frage zu einer empfehlenswerten Höhe des Notgroschens in meiner speziellen Situation stellen.


    Der Notgroschen dient ja dazu, unerwartete, aber dringend notwendige Ausgaben abzufedern (wenn z.B. plötzlich die Waschmaschine kaputt ist und entweder Reparatur oder Neugerät fällig sind, wenn beim Auto unerwartet etwas zu reparieren ist etc. pp.), ohne dafür einen Kredit mit hohen Zinsen wie z.B. den normalerweise sehr teuren Dispokredit durch Überziehen des Girokontos in Anspruch nehmen zu müssen. Nun ist es bei mir so, dass ich mein Girokonto bei einer Bank habe, die mir bereits seit mehreren Jahren einen zinsfreien Dispokredit gewährt (was vermutlich ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal ist).


    Meine Frage ist jetzt: Soll ich mich beim Ansparen des Notgroschens so verhalten, als hätte ich keinen zinsfreien Dispo, weil ich ja nicht weiß, ob die Bank dieses Angebot irgendwann mal streicht, oder würdet ihr es für sinnvoll halten, dass ich den zinsfreien Dispo irgendwie einkalkuliere und meinen Notgroschen weniger stark aufbaue und dafür mehr Geld z.B. in mein ETF-Portfolio stecke (wegen "time in the market" und so)?

  • Allgemein kannst du dich fragen, wie sorgenfrei du lebst... verdienst du viel oder wenig, gemessen an deiner Lebenssitiation. Fährst du einen neuen Golf mit Vollkaskoversicherung oder einen alten Daihatsu, der vermutlich nicht nochmal übern Tüv kommt, kannst du leicht arbeitslos werden, wie leicht kannst du den Job wechseln, etc etc.


    Am Ende bleibt die Empfehlung, drei Monatsgehälter stets verfügbar zu haben. Manche empfehlen Brutto, andere sagen Netto reicht. Da kannst du natürlich deinen zinsfreien Dispo "irgendwie" berücksichtigen. Allerdings bleibt es Fremdkapital und kein Eigenkapital, du musst es zurückzahlen und wenn du gleichzeitig in Urlaub willst, die Waschmaschine streikt und das Auto hustet lebt es sich auf jeden Fall sorgenfreier, wenn alle Kosten durch dein Eigenkapital gedeckt sind, als wenn du hinterher x000 Euro Schulden hast.


    Ich würde den Dispo außen vor lassen.

  • Soll ich mich beim Ansparen des Notgroschens so verhalten, als hätte ich keinen zinsfreien Dispo, weil ich ja nicht weiß, ob die Bank dieses Angebot irgendwann mal streicht

    Genau so würde ich es machen. Ich würde diese 0%Dispo-Kondition ignorieren. Du hast keine Planungssicherheit. Du hast keine Laufzeitgarantie von der Bank, dass dies so bleibt und dazu kommt evtl. die Unsicherheit eines Jobverlustes oder Ähnliches. Aber wenn du Beamter bist, könntest du das Risiko schonmal eingehen. Am Ende des Tages musst du damit gut schlafen können.

  • Der Notgroschen dient ja dazu, unerwartete, aber dringend notwendige Ausgaben abzufedern (wenn z.B. plötzlich die Waschmaschine kaputt ist und entweder Reparatur oder Neugerät fällig sind, wenn beim Auto unerwartet etwas zu reparieren ist etc. pp.), ohne dafür einen Kredit mit hohen Zinsen wie z.B. den normalerweise sehr teuren Dispokredit durch Überziehen des Girokontos in Anspruch nehmen zu müssen.

    Hmm,

    ich bin schon etwas älter sehe das so: Der Notgroschen soll vor einem Notfall schützen. Die berühmte Waschmaschine oder auch eine Reparatur am Auto sehe ich dabei nicht wirklich als Notfall an.

    Notfall wäre für mich eher ein Jobverlust + gleichzeitigem größeren Schaden am Auto (auf das man zwingend angewiesen ist!) + Ein Depotwert der gerade fett im Minus steht.

    So lange ich genügend Geld verdiene oder mein Depot satt im Plus steht brauche ich ja eigentlich gar keinen Notgroschen.

    Von daher: Cash in the Täsch ist Trumpf!


    BTW: Nach einigen Jahren macht der Notgroschen ja (hoffentlich) nur noch einen verhältnismäßig kleinen Anteil am Gesamtvermögen aus. Und dann macht man sich darum eh keine großen Gedanken mehr.

  • Für mich ist der Dispo eher für den Notfall, wenn der Notfallgroschen aufgebraucht ist... also der Notfall nach dem Notfall sozusagen. von daher würde ich den komplett aus der Berechnung raus lassen. aber bin auch noch ganz neu und lerne noch super viel hier :)

  • Für mich ist der Dispo eher für den Notfall, wenn der Notfallgroschen aufgebraucht ist... also der Notfall nach dem Notfall sozusagen.

    In so einem Fall könnte man zur Not immer noch das Depot (teil)auflösen. Allerdings mache ich mir darum keine Gedanken, da ich ja genau dafür den Notgroschen habe. ;)


    Dispo oder Kredit war in meinem ganzen Leben (zum Glück) noch nie ein Thema. Von meinen Eltern habe ich gelernt, dass man sich nur etwas kauft, wenn man auch das Geld dafür in der Tasche hat. Also erst sparen und dann konsumieren.:)

  • Bitte entschuldigt meine späte Rückmeldung. Ich danke euch für eure Beiträge! Ich werde dann auf mein Bauchgefühl hören und den zinsfreien Dispo nicht berücksichtigen, sondern stattdessen mir den Notgroschen auf die empfohlene Höhe bzw. auf meine "Wohlfühl"-Höhe ansparen und es dabei bewenden lassen :thumbup:

  • Bitte entschuldigt meine späte Rückmeldung. Ich danke euch für eure Beiträge! Ich werde dann auf mein Bauchgefühl hören und den zinsfreien Dispo nicht berücksichtigen, sondern stattdessen mir den Notgroschen auf die empfohlene Höhe bzw. auf meine "Wohlfühl"-Höhe ansparen und es dabei bewenden lassen :thumbup:

    Ein Dispo-Kredit (selbst wenn dieser zinsfrei sein sollte) hat meines Erachtens mit dem "Notgroschen" nix zu tun und sollte damit deshalb auch nicht vermischt werden. Die "Rücklage für Notfälle" sollte davon separiert und zusätzlich vorhanden sein.


    Von pauschalen Standard-Lösungen wie den typischen "drei Netto-Monatsgehältern" oder der von Dir genannte "Wohlfühl-Höhe" halte ich auch eher wenig.


    Um mal zwei extreme Beispiele zu nennen: Einem beamteten Single ohne Auto mit günstiger Miete (z. B. in einer strukturschwachen Gegend) und ohne Schulden etc. könnten durchaus 1.000 bis 2000 Euro als "Rücklage für Notfälle" reichen. Bei einem alleinverdienenden Familienvater mit Frau und zwei Kindern, der sein Geld noch dazu als Selbständiger und/oder Freiberufler verdient, eine selbst genutzte, finanzierte Immobilie hat, ebenso wie zwei Autos in der Familie und in der PKV ist, könnten eher 10-12 Monatsgehälter angezeigt sein. Von einem Not"groschen" kann man da nicht mehr sprechen.


    Die erforderliche Höhe würde ich also von der individuellen, persönlichen Gesamtsituation aus definieren.


    In dem Kontext: Eine (eher) hohe liquide Rücklage kann man aber auch unter strategischen Aspekten betrachten - beispielsweise um günstige (Kauf)Gelegenheiten zu nutzen und/oder um auch für andere Szenarien (Rezession, Deflation, Depression) gut positioniert zu sein.