Mit 50 J. smart fürs Alter investieren // ETFs und Co - auf was achten?

  • Hallo Leute!


    Wir, meine Frau (Teilzeit) und ich (Freelancer), beide gehen auf die 50 zu, plus zwei Kids sind seit heute neu dabei und noch völlig unbeleckt zum Thema Geldanlage. Ein wenig verschlafen. Ist so, muss jetzt angepackt werden. Uns liegen derzeit ca. 75k Euro zur Verfügung. Ansonsten haben wir kein Wohneigentum und werden dies wohl auch nicht anstreben.


    Jetzt wollen wir aber endlich für die Altersvorsorge einen größeren Teil in ETFs investieren und fragen uns natürlich, wie dies schlau anstellen:

    • Welchen ETF sollten wir wählen – die „sichere Bank“ MSCI World plus Emerging Markets?
    • Wie viel sollten wir als Einmalanlage investieren?
    • Wie hoch sollte der Sparplan monatlich aussehen, damit nach hinten raus etwas Anständiges rauskommt? Vielleicht vorher eine mögliche Rentenlücke ausrechen und dann auf der Basis entscheiden wie hoch monatlich reinbuttern?
    • Wie viel sollte ich als „Polster“ auf ein Festgeldkonto parken?
    • Was ist, wenn wir doch noch mit Wohneigentum jedoch als Kapitalanlage nachdenken? Geht nur eine Ausfahrt in diesem Fall: ETFs oder Eigentum?
    • Sollte ich als Selbstständiger anders investieren?

    I know, ist ein wenig kompliziert, wie das Leben eben. :S
    Daher wollte ich ganz gerne das kompetente Kollektiv abfragen.

    Was würdet ihr uns raten? :/


    Ich sage bereits DANKE für jeden Hinweis!


    Sonnige Grüße aus dem Rheinland!


    Saber

  • Hallo Saber und Herzlich Willkommen im FT-Forum,

    schwierig ohne die Gesamtsituation zu kennen.

    Wie sieht es mit der Absicherung Deiner Selbstständigkeit aus?

    Wie lange willst Du noch arbeiten und wie sieht es mit der zukünftigen zu erwartenden Altersrente aus (Versicherungen, GRV, BAV, usw.)?

    Welche Summen könntet Ihr monatlich investieren?

    Ohne jetzt despektierlich sein zu wollen, sind 75K€ ja mit 50 nicht unbedingt der 'Bringer'.


    Grundsätzlich empfiehlt Finanztip einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren. Wobei sich sich die 15 Jahre auf jeden investierten Euro beziehen. Sprich bei einem Sparplan, der dann die nächsten 15 Jahre läuft, sollte man diese Euros auch erst nach 15 Jahren wieder aus dem Spiel nehmen.


    Ich würde ASAP mit einem monatlichen Sparplan auf einen ETF auf den MSCI ACWI oder den FSTE All World beginnen. Schaut erstmal ein paar Monate, ob und wie Ihr mit den Schwankungen an der Börse klarkommt.

    Nutzt ja nix, wenn Ihr z.B. mit 50K€ einsteigt und dann nach einem Verlust in einigen Wochen/Monaten sofort wieder aussteigt!


    PS: Wohneigentum würde ich Euch nicht empfehlen! Die Zinsen steigen gerade und m.E. habt Ihre einfach viel zu wenig Eigenkapital.

  • Besten Dank, monstermania , für Deine Rückmeldung.

    Ohne jetzt despektierlich sein zu wollen, sind 75K€ ja mit 50 nicht unbedingt der 'Bringer'.

    Puhhhh, das war ein Dämpfer, aber ja, das ist wohl so und beunruhigt mich auch sehr. Daher muss jetzt auch was passieren. Auch wenn es hinten raus ein wenig kurz/eng wird.


    1. Wie sieht es mit der Absicherung Deiner Selbstständigkeit aus?

    2. Wie lange willst Du noch arbeiten und wie sieht es mit der zukünftigen zu erwartenden Altersrente aus (Versicherungen, GRV, BAV, usw.)?

    3. Welche Summen könntet Ihr monatlich investieren?

    1. Ich erst seit Beginn des Jahres selbstständig. Eine "Absicherung" gibt es hier noch nicht.

    2. Ich gehe aktuell davon aus, dass ich bis min. 65 J. arbeiten werde. Hier mache ich mir keine Illusionen. Ansonsten habe ich in die hiesige Rentenkasse 30 Jahre eingezahlt. Der aktuelle Rentenbescheid liegt mir gerade nicht vor, liegt aber bei 3k.

    3. Monatlich sind sicher 600 - 800 € drin.


    Grundsätzlich empfiehlt Finanztip einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren. Wobei sich sich die 15 Jahre auf jeden investierten Euro beziehen. Sprich bei einem Sparplan, der dann die nächsten 15 Jahre läuft, sollte man diese Euros auch erst nach 15 Jahren wieder aus dem Spiel nehmen.


    Ich würde ASAP mit einem monatlichen Sparplan auf einen ETF auf den MSCI ACWI oder den FSTE All World beginnen. Schaut erstmal ein paar Monate, ob und wie Ihr mit den Schwankungen an der Börse klarkommt.

    Nutzt ja nix, wenn Ihr z.B. mit 50K€ einsteigt und dann nach einem Verlust in einigen Wochen/Monaten sofort wieder aussteigt!

    Yeap, das ist uns bewusst. Wir würden mit 30-40k einsteigen und dann monatlich besparen mit 600 - 800€. Macht es hierbei Sinn, eher sukzessive mit Teilbeträgen einzusteigen oder jetzt einfach rein und fertisch?!


    Wären MSCI ACWI oder den FSTE All World dann auch bei der Einmalzahlung immer noch die "richtige" Wahl?

    PS: Wohneigentum würde ich Euch nicht empfehlen! Die Zinsen steigen gerade und m.E. habt Ihre einfach viel zu wenig Eigenkapital.

    Ich mag Deine nüchterne und nordisch Art einem die Traumschlösser zu zerstören :huh:;)


    Besten Dank nochmals fürs Feedback!

  • 1. Ich erst seit Beginn des Jahres selbstständig. Eine "Absicherung" gibt es hier noch nicht.

    2. Ich gehe aktuell davon aus, dass ich bis min. 65 J. arbeiten werde. Hier mache ich mir keine Illusionen. Ansonsten habe ich in die hiesige Rentenkasse 30 Jahre eingezahlt. Der aktuelle Rentenbescheid liegt mir gerade nicht vor, liegt aber bei 3k.

    3. Monatlich sind sicher 600 - 800 € drin.

    Ok, im Alter von 50 noch eine BU zu bekommen dürfte schwierig bzw. sehr teuer werden. Wie sieht es mit der KV aus? Private KV? Was passiert im Falle einer Krankheit mit Deiner Selbstständigkeit?


    Das mit der Rente unbedingt im Auge behalten. Wie viele Rentenansprüche hast Du aktuell bereits erworben? Was meinst Du mit 'hiesige' Rentenkasse? Versorgungswerk?

    Die in der Rentenauskunft genannte Summe gilt unter der Voraussetzung, dass Du bis zum Eintritt der Altersgrenze (i.d.R. 67) weiter arbeiten würdest und so weiter Beiträge entrichtet werden wie im Durchschnitt der letzten 5 Jahre!

    Wenn Du jetzt mit 50 selbstständig bist und Du nicht weiter in die Rentenkasse einzahlst, fehlen Dir 17 Jahre Rentenbeiträge. Entsprechend geringer wird später auch Deine Altersrente ausfallen!


    Sorry, aber m.E. wirst Du mit 50 und mit 800€/Monat als Selbstständiger keine vernünftige Altersvorsorge mehr aufbauen können bzw. Deine Verluste aus der gesetzlichen Rente kompensieren können!? :/

    Da würde ich an Deiner Stelle noch mal genau Rechnen, was da an Summen im Raum steht.

    Yeap, das ist uns bewusst. Wir würden mit 30-40k einsteigen und dann monatlich besparen mit 600 - 800€. Macht es hierbei Sinn, eher sukzessive mit Teilbeträgen einzusteigen oder jetzt einfach rein und fertisch?!


    Wären MSCI ACWI oder den FSTE All World dann auch bei der Einmalzahlung immer noch die "richtige" Wahl?

    Rein statistisch betrachtet ist die Einmalinvestition besser.

    Ich habe das nicht gemacht und bin über 2 Jahre verteilt eingestiegen und habe damit einige Tausend Euro verschenkt. Und seit Januar 22 sind die Kurse gefallen (und wieder sind die nächsten Tausender weg)!:)

    Aber ich habe diese 2 Jahre gebraucht um meinen Weg zu finden. Wäre ich 2019 sofort voll eingestiegen hätte ich den Corona-Crash evtl. nicht so entspannt durchlebt und hätte wohlmöglich panisch verkauft und der Börse den Rücken gekehrt.

    Inzwischen bin ich absolut entspannt. Das Geld ist investiert und der Sparplan läuft weiter und frühestens 2034 werde ich mir Gedanken darüber machen wie es dann weiter geht.


    Und ja, ein ETF auf den einen der obigen Indizies reicht aus.


    Du kannst ja mal durchspielen, was in 15 Jahren dabei herauskommen könnte:

    Fondsrechner zum Fondssparen (zinsen-berechnen.de)


    Ich mag Deine nüchterne und nordisch Art einem die Traumschlösser zu zerstören :huh:;)

    Sorry.;)

    Wir sind hier in einen Finanzforum. Da kann man vieles genau Nachrechnen. Und wenn die Rechnung nicht aufgeht nutzt es nix sich die Zahlen 'zurechtzuträumen'.

  • Hallo.


    Mit Rentenbescheid ist sicher die jährliche Renteninformation gemeint, also die eine Doppelseite mit den 3 Beträgen im Kasten.


    Der oberste Betrag gilt für die Rente wegen voller Erwerbsminderung. (Voraussetzungen: keine 3 Stunden täglich arbeiten können und mindestens 3 Jahre an Pflichtbeiträgen in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung)

    So landen wir bei der Frage, ob aktuell Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung entrichtet werden. Wenn nicht, dann bitte kostenlose Beratung bei der Rentenversicherung suchen.


    Der mittlere Betrag ist eine abschlagsfreie Rente ohne künftige Einzahlungen.


    Der untere Betrag ist der mittlere Betrag bei einer Hochrechnung basierend auf dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre.


    Die Themen Erwerbsminderung/Berufsunfähigkeit sollte man eingehend beleuchten.

  • Ich kann empfehlen, auf http://www.zinsen-berechnen.de den Sparplan und den Entnahmeplan durchzurechnen.


    • Wieviel Vermögen erwirtschaftet Ihr binnen 15 Jahren bei 3,5,7%?
    • Welche Entnahme wird mit diesem Vermögen möglich sein?

    Einerseits motiviert das vielleicht zu einer Sparrate Richtung 800 Euro. Andererseits könnt ihr dann besser abschätzen, wie weit euer Lebensstandard in der Rente von dem heutigen abweichen wird. Und ob sich Lücken schließen lassen, oder ob ihr sie in Kauf nehmen müsst.

  • In Ergänzung zu den guten Hinweisen oben noch ein paar Anmerkungen von mir:

    Andererseits könnt ihr dann besser abschätzen, wie weit euer Lebensstandard in der Rente von dem heutigen abweichen wird.

    Hier darf natürlich auf keinem Fall die Inflation vergessen werden! 1000€ in 20 Jahren hat eine Kaufkraft von 300€-500€ heute. Leider kenne ich die zukünftigen Inflationsraten nicht ... müssen aber abgeschätzt berücksichtigt werden.

    Sollte ich als Selbstständiger anders investieren?

    Nicht grundsätzlich. Du hast aber ggf. eine andere Risikotragfähigkeit, als ein festangestellter GRV-Versicherter. Gerade in der Pandemie haben einige Freelancer gemerkt, dass auch Durststrecken möglich sind.

    Wenn Du von Deinen 75k die Hälfte in einen World-ETF steckst und die andere Hälfte in einen Sicherheitsbaustein, klingt das erstmal gut bis konservativ.

    Wenn der Sicherheitsbaustein aber gleichzeitig Deine Reserve für Durststrecken, neues Auto und Notfallreserve ist, bleibt die Frage, ob Du genug Liquidität hast. Ggf. die Reserven trennen.

    Was ist, wenn wir doch noch mit Wohneigentum jedoch als Kapitalanlage nachdenken? Geht nur eine Ausfahrt in diesem Fall: ETFs oder Eigentum?

    Kann man parallel machen. Ich habe das so gemacht und bin sehr gut damit gefahren. Würde ich Dir in Deiner Situation jetzt aber nicht empfehlen.

    • Du kannst eine Wohnung fast ohne EK kaufen und durch den Mieter zahlen lassen. Voraussetzung ist aber, dass Du genug Reserven hast. Miete kann auch ausfallen (die Kosten laufen aber weiter) oder es steht eine höhere Sanierung/Renovierung mal an. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Deine Risiken zu erhöhen?
    • Prognoserechnungen sind eigentlich immer geschönt. Du solltest Dich vorher intensiv in das Thema einarbeiten, Kosten vermeiden und selber kalkulieren. Geht das jetzt parallel zum Thema Geldanlage/Altersvorsorge und Selbständigkeit oder lieber Prioritäten setzen?
    • Auch die laufende Betreuung einer Mietimmobilie kostet Zeit (NK-Abrechnung erstellen, rechtliche Änderungen, Steuer, Kommunikation ...)
    • Die Immobilienpreise sind stark gestiegen. Jetzt steigen die Zinsen deutlich, m.E. ein grottenschlechter Zeitpunkt für einen Einstieg.

    Eine BU habe ich tatsächlich schon seit vielen Jahren.

    Dann mal wieder überprüfen, ob die Summe unter den geänderten Rahmenbedingungen noch reicht für Lebenshaltungskosten der ganzen Familie einschl. Altersvorsorge. Ggf. wollen die Kinder mal studieren ... ?

  • Das Rechnen oder Hoch-schätzen ist eigentlich janz einfach.


    In 15 Jahren sollte sich ein 'heute' per Einmalzahlung angelegtes/investiertes Kapital in einen ETF (MSCI o.ä.) etwa verdreifachen.


    Aus den angenommenen 40k sollten rund 120k werden...


    Bei Sparraten kannst du mit dem etwa 310- bis 330-fachen der Sparrate rechnen. (MSCI o.ä. bei 7 bis 8% durchschnittlicher Rendite).

    Also, aus 800 Öcken sollte ein Kapital von eta 250k entstehen...


    Und aus 370.000 kann man 'relativ bequem' eine Jahresrente von 4% (brutto) generieren, die Überlenbenslang zur Verfügung steht und von Jahr zu Jahr moderat erhöht werden kann, sofern die Realrenditen ordentlich im positiven Bereich laufen.


    Heißt, wir reden von einer anfängliche Jahresrente von 14.800 Öcken, bzw. von rund 1.230 Öcken pro Monat. Teilst du die Beträge durch rund 1,5, dann hast du die vorraussichtliche kaufkraftkorrigierten Werte... vorausgesetzt die durchschnittliche Inflations-/Teuerungsrate läuft mit um die 3%...