• Generell ist es so, dass bei einer RENTENVERSICHERUNG das Kapital für immer aus der Hand gegeben wird!


    Das Risiko, dass Sie mit einer Rentenversicherung absichern, ist Ihre persönliche Langlebigkeit. D.h. Sie können so lange leben wie Sie wollen, die GARANTIERTE Rente muss bis zum Tod gezahlt werden.


    Das gilt für die Riester-Rente und für konventionelle Rentenprodukte. Für die Erben ist eine Rentenversicherung immer eine erhebliche Verringerung des zur Übertragung anstehenden Vermögens. Das wird häufig etwas abgemildert, in dem bei der Rentenversicherung so genannte "Garantiezeiten" vereinbart werden.


    Garantiezeit bedeutet, dass innerhalb dieser Zeitspanne die Rente auch dann bezahlt wird, wenn der ursprüngliche Rentenempfänger bereits verstorben sein sollte. Garantiezeiten sind üblich zwischen fünf und fünfzehn Jahren. In Ausnahmefällen auch zwanzig Jahr. Allerdings ist die garantierte Rente je kleiner, je länger die Garantiezeit vereinbart ist, denn es steht ja von vornherein fest, wie lange mindestens gezahlt werden muss.


    Die Riester-Rente ist mit ihrer Förderung eine gute Idee, die leider eine sehr schwache Umsetzung erfahren hat. Durch die gesetzliche Vorschrift, dass zum Eintritt in die Rentenphase mindestens die eingezahlten Beiträge als Vermögen vorhanden sein muss, legen die Versicherer extrem konservativ an. Das bedeutet, dass überwiegend Anleihen bester Bonität gekauft werden. In den heutigen Zeiten der niedrigen Zinsen ist damit eine schwache Performance programmiert.


    Ferner gehen die Versicherer von extrem langen Lebensdauern aus. Kalkuliert wird mit sehr hohen Endaltern.
    Dies führt dann auch zu einer sehr kleinen Rente. Man kann sich ausrechnen, dass viele Riester-Renten erst einen nennenswerten Ertrag bringen, wenn der Riester-Renter das 90. Lebensjahr deutlich überschreitet. So lange erhält er nur sein eigenes Geld zurückbezahlt. Die staatliche Förderung verpufft eigentlich in den hohen Kosten des Produkts, die staatlicher Regulierung geschuldet sind.


    Ich selbst habe kein Riesterprodukt - aber zwei Basisrentenverträge (Rürup-Renten). Da sieht es leider ähnlich aus.
    Die Renten liegen zwischen 3 % und 4 % bezogen auf das zur Verfügung stehende Kapital. Solche Rendite erwirtschafte ich in meinem Aktiendepot bereits durch die Dividenden. Von Kurststeigerung gar nicht zu reden.


    Natürlich machen sich bei Rürup durch die steuerliche Absetzbarkeit die Steuervorteile bemerkbar. Ich habe das eingezahlte Kapital wenigstens nicht voll aus versteuertem Geld gezahlt, sondern auch einige zigtausend Euro an Einkommensteuer gespart. Aber dafür ist die Kohle auch aus der Hand gegeben. Verfügen kann man auch bei einer Rürup-Rente später nicht mehr. Nur darauf hoffen, dass man möglichst alt wird. Je älter man wird, um so höher ist die eigene Rendite eines solchen Vertrages.

  • Danke @RaphaelP, @muc und @chris2702 für die hilfreichen Tips.


    Eine Folgefrage: Der einzige Weg, die "Zwangs-Rentenversicherung" nach Ablauf der Ansparphase zu umgehen, ist das Geld in selbst genutztes Wohneigentum zu stecken, richtig?


    Dann würde es doch eigentlich fast Sinn machen, den Riester-Sparplan als eine Art großzügig geförderten Bausparer zu sehen - und definitiv vor Ablauf der Ansparphase mit dem Geld eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen. Bin mir sicher, dass es da noch tausend Regeln gibt - wie lange man die tatsächlich bewohnen muss, ob die dauerhaft bewohnt sein muss oder ob auch eine Ferienwohnung ok ist, etc. Aber da lese ich mich mal ein...

  • Beim "Wohn-Riester" entgehen Sie zwar der - wie Sie es nennen - "Zwangsrente".


    Allerdings müssen Sie dann das so genannte "Wohnförderkonto" im Alter versteuern.
    Und Sie müssen die Förderung komplett zurückzahlen, wenn Sie die Wohnung verkaufen oder vermieten.
    Alles nicht sehr anlegerfreundlich. Die freie Verfügbarkeit über die eigene Kohle ist weg.


    Ob das die Förderung aufwiegt? Zweifel sind angebracht.

  • Ich kann sämtliche Bedenken gegenüber Riester nachvollziehen. Für mich ist es einfach ein Baustein unter vielen. Gesetzliche RV.Riester. Private RV. Betriebsrente. Vermögenswirksame Leistung. Langzeitkonto mit fruherem Renteneintritt durch Überstunden Umwandlung. Erbe. Etf Sparplan. Ich mache all das. Wenn sich der Riester als Zitrone entpuppt sind vielleicht die Fonds im Langzeitkonto gut gelaufen. Oder oder oder. Nur auf ein Standbein würde ich mich nicht stellen.

  • Hallo Elias,
    Deine Grundeinschätzung ist soweit ganz richtig. Neben den Zulagen könnte aber auch die Steuererstattung interessant sein. In der Splittingtabelle geht die Steuererstattung mit mehr als 30% (dann ist die Steuerförderung höher) schon bei einem zu versteuernden Einkommen von 55.000 € los.
    Zu Deinen Fragen:
    1. Weiß ich nicht. Ich ja. Bisher hat der Bestandschutz für abgeschlossene Verträge immer gehalten in der Steuer. Ich wüsste jetzt nicht, wieso sich das ändern sollte.
    2. Für dich selbst - vielleicht. Bei langfristigem Sparen und langer Anspardauer macht eine Riesterfondssparplan immer noch mehr Sinn als ein Banksparplan. Insbesondere für Deine Frau und den vollen Beitrag.
    3. Das Kapital muss erst mit dem 85. Lebensjahr verrentet werden. Vorher können die Sparpläne noch selber einen Auszahlplan machen. Bei Einzahlung in eine Rentenversicherung gibt es meistens eine Beitragsrückgewähr oder eine Rentengarantiezeit. D.h. Du oder Deine Erben bekommen zumindest die eingezahlten Beiträge oder eine Mindestdauer die Rente ausgezahlt (z.B. bei 15 Jahre Rentengarantiezeit und du verstirbst nach drei Jahren: 12 Jahre Rente für Deinen Erben). Erbe müsste hier die Frau sein, oder Kindergeldberechtigte Kinder. Sonst muss - je nach Vertragsbedingungen der Rentenversicherung - die Förderung von den zurückgezahlt werden oder das Geld ist sogar ganz weg.
    Gruß
    Alexander

  • Ich kann sämtliche Bedenken gegenüber Riester nachvollziehen. Für mich ist es einfach ein Baustein unter vielen. Gesetzliche RV.Riester. Private RV. Betriebsrente. Vermögenswirksame Leistung. Langzeitkonto mit fruherem Renteneintritt durch Überstunden Umwandlung. Erbe. Etf Sparplan. Ich mache all das. Wenn sich der Riester als Zitrone entpuppt sind vielleicht die Fonds im Langzeitkonto gut gelaufen. Oder oder oder. Nur auf ein Standbein würde ich mich nicht stellen.


    Du betreibst aktiv "Erbe" als Baustein Deiner Vorsorge?


    Ich hoffe Du meinst das nicht so wie es sich liest :P (sorry für den unqualifizierten Kommentar aber besser einen guten Freund verloren als eine gute Pointe :D )

  • Hallo zusammen,


    erst mal vielen Dank an die Macher der Seite. Es ist mir eine große Hilfe um durch den "Dschungel" an Anlagemöglichkeiten einigermaßen durchzublicken. (Stichworte: Riester, Zulage, ETF Sparen, Fondsparen, Gebühren vs. Rendite, Steuereffekte, staatlich vs. privat, etc.) Das alles ist sehr komplex!


    Wir haben die tollsten Maschinen, retten Banken mit Milliarden, etc etc. aber die Masse hat (so ist mein Eindruck) überhaupt keinen Durchblick wenn es um Anlageformen und Rentenvorsorge geht. Liegt es am nicht mehr vorhandenen Vertrauen in die Finanzwelt, liegt es an der "Unlust" sich mit seiner Zukunft beschäftigen zu müssen - (Vorstellung vermeiden irgendwann bin ich alt, grau und schrumpelig).


    Ich meine das ist doch ein grundlegendes Bedürfnis, was jeder Arbeitnehmer haben müsste - und für die jüngere Generation wird es wohl ganz bitter. Das derzeitige Rentensystem basiert ja auf Umlage. Die Beitragszahler werden in der Zukunft einfach nicht mehr da sein! Heißt für mich wenn es ganz schlecht läuft werden die Leute, die gearbeitet haben, nicht viel mehr bekommen als Leute mit "Grundsicherung". Aber das muss doch erkennbar sein, dass dort ein großes Gesamtproblem steckt? Große Altersarmut im Jahre 2050?


    Da wäre nun auch meine Frage bzgl. der Riesterrechnung oben und der Aussage, dass der Grenzsteuersatz im Rentenalter günstiger als heute sein wird? Das weiß man heute doch gar nicht? Nehmen wir das Problem mit der Grundrente - wenn im Jahre 2050 eine massive Altersarmut herrschen könnte... wer sagt, dass der Staat nicht mal eben die Steuern auf Renten und Einkünfte erhöht um die "Grundsicherer" Rente zu finanzieren bzw. allgemein mal wieder das Steuerloch ziemlich groß ist? Für mich ist es ein erhebliches Risiko, da ich die Politik für unkalkulierbar halte. Dazu kommt, dass man wie oben schon beschrieben - bei einem Rentenversicherungsprodukt - sein Kapital praktisch nie mehr unter Kontrolle haben wird. Der Staat kann machen was er will; er kann verfügen wie er möchte - ganz legal ;)


    Grüße
    Gonzo

  • Naja klar. Das Problem hast Du aber bei allen Erträgen.


    Heute gibts auf Kapitalerträge (Aktien, Dividenden, ETF etc) die Abgeltungssteuer mit 25%. Coole Sache.


    Grün Rot wills kassieren in der nächsten Legi (m.E. kommts irgendwann!!).


    Dann musst Du die Rechnungen von Finanztipp auch neu machen :-D

  • Bei der ganzen Diskussion über die Abgeltungssteuer wird von den meisten Politikern und Journalisten übersehen, dass die "Bevorzugung" der Anleger eigentlich nur die Kontensparer, Bausparer und Anleihebesitzer betrifft.


    Wer Aktien hat, bekommt eine Dividende - und die ist immer aus dem versteuerten Gewinn zu zahlen.
    Wir haben in Deutschland bei Kapitalgesellschaften (AG und GmbH) eine Körperschaftsteuer von 15 %.
    Hinzu kommt die Gewerbesteuer, die von der jeweiligen Gemeinde abhängt, aber durchschnittlich rund 15 % beträgt.
    (Ist ein grobe Berechnung, weil der gewerbesteuerliche Ertrag auch noch anders berechnet wird. Stimmt aber in der Tendenz der Aussage.)


    Das bedeutet für jeden Aktionär, dass er schon einmal mittelbar als (Mit-)Eigentümer seiner Aktiengesellschaft rund 30 % Steuern auf den laufenden Ertrag bezahlt hat. Wenn dann noch 25 % Abgeltungssteuer plus SoliZ abgezogen werden, dann zahlt jeder, der Aktien hält, insgesamt rund 56 % Steuern!


    Wo ist da bitte eine Bevorzugung?


    Wenn die Jungs und Mädels in Berlin die Besteuerung nach der persönlichen Leistungsfähigkeit wieder einführen würden, müssten sie zum alten Verfahren der Steuergutschrift für Aktionäre zurückkommen.


    Früher (vor 2000) habe ich nämlich eine Körperschaftssteuergutschrift erhalten.
    Und dann ist man draufgekommen, dass das ja europarechtswidrig ist, weil die KSt-Gutschrift nur Steuer-Inländer erhalten haben.


    Dann kam das Halbeinkünfteverfahren, um den Nachteil der doppelten Besteuerung auszugleichen.
    Und jetzt haben wir seit 2009 die Abgeltungssteuer.


    Also wenn jetzt die Abgeltungssteuer abgeschafft wird, dann muss das Halbeinkünfteverfahren oder irgendein anderer Ausgleichsmechanismus für Aktionäre wieder eingeführt werden. Wir zahlen schon jetzt den Löwenanteil der Abgeltungssteuer - und irgendwann ist Schluß!


    Deswegen glaube ich nicht, dass sich da was ändert.
    Diejenigen, die heute von einer "ungerechten Bevorzugung" schwadronieren, haben das System nicht verstanden.
    Sie sehen nur die Zinseinkünfte - und den Steuersatz. Die Musik spielt aber ganz woanders.
    Aber das erkären denen die Finanzpolitiker der eigenen Fraktion dann schon...

  • Auch wenn es off topic ist gebe ich Dir Recht @muc


    Ich bin aber nicht so optimistisch wie Du wenn ich ehrlich bin.


    Denn mit Polemik lassen sich in Deutschland leider Gottes Wahlen gewinnen. Wenn wollen wir härter besteuern?? Klar die Geldsäcke, denn nur die haben die Kohle um sich sowas "Verrücktes" wie Aktien zu leisten. Die haben Schuld an der Finanzkrise und die müssen eh viel mehr Steuern zahlen. Schau Dir doch mal an, wer in D Aktien besitzt? Wieviel Prozent das sind. Der Michel glaubt eben das wären nur die Reichen. Deswegen bin ich überzeugt, dass es kommt. Schäuble kann die Abgeltungssteuer eh nicht leiden.


    Bezüglich des Steuersatzes darf ich Dich übrigens ein Wenig korrigieren, auch wenns ein bischen "Erbsenzählerei" ist.


    Beispiel ohne (SolZ und KiSt):
    Gewinn des Unternehmens: 1.000,- abzgl. 30% (KSt + GewSt) = 700,- nach Steuern
    Vollausschüttung: 700,- ./. 175 (25% KapESt) = 525,- beim Anteilseigner.


    Somit beträgt der Steuersatz auf die ursprünglichen 1.000,- (475/1.000)= 47,5 % (stimmt nicht ganz weil KSt und GewSt ja nicht abzugsfähig sind, ist mir aber jetzt zu kompliziert zum Rechnen).


    Das ändert aber nichts an der Richtigkeit Deine Kernaussage:
    Denn wenn die 700,- Dividende noch mit dem Spitzensteuersatz besteuert werden (42%) sind wir bei


    700,- ./. 294 (42%) = 406,- Netto Dividende


    Somit beträgt der Steuersatz auf die ursprünglichen 1.000,- Gewinn (594/1.000) = 59,4%.
    Ist das dann gerecht?? ?( Dann muss wie Du sagst die Körperschaftsteueranrechnung kommen und schon wird wieder alles höllisch kompliziert (wer hat schon wirklich die ganzen EK Töpfe verstanden??) :/


    Aber das was ein paar gut informierte Menschen in einem Forum ausrechnen können, damit hat so mancher Bundestagsabgeordneter irgendwie seine Schwierigkeiten. :S

  • Hallo drgonzo,
    Du hast schon recht, wie die Besteuerung in der Rente aussehen wird, weiß man heute nicht. Das gilt aber für so ziemlich alles. Für jeden Sparvertrag, jede Anlage können wir ein Szenario finden, wo die spezielle Wahl gerade schlecht ist.
    Trotzdem müssen wir heute schon anfangen zu sparen. Daher ist immer die Frage: was ist am wahrscheinlichsten?
    Das höhere Einkommen/Renten stärker besteuert werden als niedrige halte ich für wahrscheinlich. Das ist die Grundannahme. Auch glaube ich nicht, dass es z.B. eine spezielle "Riestersteuer" geben wird. Steueränderung gelten dann für alle Einkunftsarten und Vorsorgeformen, die Wahl eines Riesters wäre dann also kein Nachteil gewesen. Und ich muss ja irgendwie sparen. Die Steuererstattung bekomme ich zudem heute, dieser Vorteil ist dann schon mal "manifest".


    Aus meiner Sicht ist in ziemlich vielen wahrscheinlichen Fällen die nachgelagerte Besteuerung also vorteilhaft. Aber auch hier gilt: nicht alle Eier in einen Korb legen. Auch bei den Besteuerungsformen sollte man diversifizieren.


  • Hallo zusammen,


    Wir haben die tollsten Maschinen, retten Banken mit Milliarden, etc etc. aber die Masse hat (so ist mein Eindruck) überhaupt keinen Durchblick wenn es um Anlageformen und Rentenvorsorge geht. Liegt es am nicht mehr vorhandenen Vertrauen in die Finanzwelt, liegt es an der "Unlust" sich mit seiner Zukunft beschäftigen zu müssen - (Vorstellung vermeiden irgendwann bin ich alt, grau und schrumpelig).


    Ich meine das ist doch ein grundlegendes Bedürfnis, was jeder Arbeitnehmer haben müsste -


    Dieses "Unlust"-Phänomen hat sogar einen Namen. Verhaltensökonomen sprechen von der sogenannten "hyperbolischen Diskontierung". Wir als Menschen können uns weit in der Zukunft liegende Dinge nur schwer vorstellen und haben eine starke Präferenz für z.B. Konsum heute. Ist evolutionär gesehen ja auch total logisch - da den Großteil seiner evolutionären Entwicklung der Mensch um das tägliche Überleben gekämpft hat, machen solche Präferenzen total Sinn. Insofern ist an die weit weg liegende Zukunft zu denken eben kein "grundlegende Bedürfnis"...



    und für die jüngere Generation wird es wohl ganz bitter. Das derzeitige Rentensystem basiert ja auf Umlage. Die Beitragszahler werden in der Zukunft einfach nicht mehr da sein! Heißt für mich wenn es ganz schlecht läuft werden die Leute, die gearbeitet haben, nicht viel mehr bekommen als Leute mit "Grundsicherung". Aber das muss doch erkennbar sein, dass dort ein großes Gesamtproblem steckt? Große Altersarmut im Jahre 2050?


    Das Rentensystem basiert ja schon heute nur noch zum Teil auf der Umlage der Rentenversicherungsbeiträge - weil ein solches System schon heute nicht mehr tragfähig ist. Ein ganz großer Batzen kommt aus dem Steuersäckel. Ist auch eine Art Umlage, aber auf einer breiteren Basis.


    Das große Problem einer Umstellung von einem umlagebasierten auf ein kapitalgedecktes System ist, dass Du eine Generation hast, die doppelt belastet wird - denn die muss die Umlage leisten UND den eigenen Kapitalstock aufbauen. Das ist kaum leistbar, wenn man sich die Quote von Rentnern zu Einzahlern anschaut und die Lebenserwartung der heutigen Einzahler, die ja maßgeblich bestimmt, wie hoch der eigene Kapitalstock sein müsste.


    Was wäre die Lösung? Der (einzige?) gangbare Weg wäre, dass der Staat, über seine Fähigkeit sich über beide Ohren zu verschulden, diese doppelte Last schultert oder zumindest abmildert. Und die ganze Förderung von Riester und Rürup ist ein zaghafter Versuch in genau diese Richtung - der Staat reißt sich weitere Löcher in die Kasse (durch Steuerausfälle heute und echte Geldzuschüsse), um der jetzigen Einzahlergeneration zu helfen, ihren Kapitalstock aufzubauen. Die Frage ist: Too little, too late?



    Da wäre nun auch meine Frage bzgl. der Riesterrechnung oben und der Aussage, dass der Grenzsteuersatz im Rentenalter günstiger als heute sein wird? Das weiß man heute doch gar nicht? Nehmen wir das Problem mit der Grundrente - wenn im Jahre 2050 eine massive Altersarmut herrschen könnte... wer sagt, dass der Staat nicht mal eben die Steuern auf Renten und Einkünfte erhöht um die "Grundsicherer" Rente zu finanzieren bzw. allgemein mal wieder das Steuerloch ziemlich groß ist? Für mich ist es ein erhebliches Risiko, da ich die Politik für unkalkulierbar halte. Dazu kommt, dass man wie oben schon beschrieben - bei einem Rentenversicherungsprodukt - sein Kapital praktisch nie mehr unter Kontrolle haben wird. Der Staat kann machen was er will; er kann verfügen wie er möchte - ganz legal ;)


    Da hast Du in beiden Punkten vollkommen Recht. Und es kann gut sein, dass es genau so kommt. Nur nichts tun ist halt für viele eine schlechte Alternative. Es sei denn man fühlt sich ok mit dem Gedanken im heute richtig geil gelebt zu haben, auch wenn man dafür 30 Jahre oder so auf oder unter Hartz IV Niveau leben wird, wenn das Arbeiteinkommen wegfällt. Verbieten kann man das keinem, mein Ding wärs nicht. Insofern versuche ich persönlich über eine Mischung von Anlagen, gefördert (--> Rürup, Riester), ungefördert (--> ETF Sparpläne), steuerlich heute attaktiv (--> Rürup) und andere hoffentlich eher in der Zukunft steuerlich vorteilhaft (--> Immobilien) das Beste draus zu machen. Und bei all dem mir auch mal das teurere Glas Rotwein im Restaurant zu gönnen - denn wer weiß, ob mich nicht beim Verlassen des Lokals ein Rentner mit seinem von mir bezahlten Elektrorollstuhl totfährt ;-)

  • Ich stand in der Vergangenheit dem Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) auch eher skeptisch bis ablehnend gegenüber.


    Allerdings war das zu einer Zeit, als man in den achtziger und neunziger Jahren noch locker 7 % bis 8 % für Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland bekommen hat.


    Bei der heutigen Zinssituation ist derjenige, der einen Kapitalstock aufgebaut hat, der Gelackmeierte.
    Ich bin sehr hoch in Aktien investiert und fahre damit auch sehr gut. Aber dazu gehört auch Nervenstärke.
    Man muss es aushalten, dass sich ein Depot an einem Tag auch mal um ein paar Tausend Euro erhöht oder aber eben auch vermindert!


    Und da ich auch nicht "alle Eier in einen Korb" lege, habe ich für heuer beschlossen, noch eine kräftige Einzahlung in die gesetzliche Rente zu machen. Da ich freiberufliche Einnahmen erziele, habe ich keine Zwangsmitgliedschaft in der GRV.


    Je älter jemand ist, um so besser rechnet sich die GRV. Mein gesetzliches Rentenalter habe ich mit 65 Jahren und 9 Monaten erreicht. Das sind von heute aus noch 5 3/4 Jahre. Wenn ich heute 10.000 € in die GRV einzahle, dann habe ich bereits in 5 3/4 Jahren einen "return on investment".


    Für 10.098 € Beitrag gibt es 1,5429 Entgeltpunkte.
    Und für 1,5429 Entgeltpunkte bekomme ich eine Altersrente - lebenslang - in Höhe von 45,07 €.
    Und das unabhängig von jedem Kapitalmarktzins und dynamisiert.


    Bezogen auf den eingesetzten Betrag ist das eine "Rendite" von 5,41 %.
    Rendite natürlich in Anführungszeichen, weil das Kapital natürlich weg ist.


    Aber da ich den Betrag auch noch steuerlich zu 80 % absetzen kann, zahle ich "nach Steuern" nur ca. 7.000 € wirklich aus der eigenen Tasche. Bezogen auf 7.000 € steigt die "Rendite" dann sogar auf 7,7 % an.


    So furchtbar schlecht ist das ja nun wieder nicht...

  • @drgonzo


    Ich habe dazu Rückmeldung aus dem Ressort Bankprodukte erhalten. Die Kollegin sagt:


    a) Der Text zu den Riester-Banksparplänen wird in absehbarer Zeit überarbeitet werden und


    b) Die Zinskonditionen der Sparkasse Holstein sind attraktiv. Das Produkt eignet sich aber nur für Sparer, die sicher sind, dass sie ihren Banksparplan bis zum Ende besparen, nicht auf ein anderes Produkt oder einen anderen Anbieter wechseln und das Geld nicht für Wohneigentum entnehmen wollen. Denn das kostet happige Gebühren (siehe Screenshot).

  • @drgonzo


    Du hast nicht zufällig dort einen Banksparplan abgeschlossen und könntest uns die Unterlagen (anonymisiert) zur Verfügung stellen? Das wäre für unser Bankprodukte-Ressort sehr nützlich.


    Hallo,
    nein bisher habe ich noch nichts abgeschlossen.
    Habe mir nur von der Sparkasse Holstein die Unterlagen zusenden lassen und von der Volksbank Ahaus ausgedruckt.
    Mehr konnte ich auch nicht finden. Es ist doch erstaunlich. Zu jeder blöden (kurzfristigen) KFZ Versicherung oder sonstiges findet man Vergleichsportale, nur hier wenn es um langfristiges Sparen geht wo man noch den Euro durch Zulagen erhalten kann, gibt's kein Angebot... warum eigentlich?


    Ich schwanke noch zwischen den beiden Angeboten oben und dem aktienbasierten von fairr.de
    Wobei ich finde - zu einer "starren" Förderung wie Riester eignet sich ein stupider Banksparplan, der sicher und vorallem berechenbar ist, viel besser. Mit einer relativ konservativen Volksbank oder Sparkasse würde dazu ich auch eher eine 30jährige(!!!) Vertragsbindung (hat sich da eigentlich mal jemand Gedanken drüber gemacht) für eine Altersvorsorge eingehen als mit einem unbekannten Anbieter, der erst ein paar Jahre existiert.
    Wie seht ihr das? Es geht hier ja nicht um einen Handyvertrag der vielleicht 24 Monate hält und es geht auch nicht um Peanuts Beträge...