Wird Italien das neue Griechenland?

  • Das Ganze spielt bei Friedrich eher auf Boulevard-Niveau. Auch muß man ihn (fast) unter die sog. Crash-Propheten subsumieren.

    Äh, was?


    Das "eher" mag ja noch der Höflichkeit geschuldet sein, aber das "(fast)" ist mir unerklärlich.

    Wenn man Crash-Prophet in die Suchmaschine eingibt, dann gehört der Herr Friedrich zu den vorderen Treffern. Er ist ein Parade-Beispiel für das Crash-Prophetentum.

  • Mit Leuten, die sich jedenfalls ernsthaft bemühen, versuche ich nicht herablassend umzugehen. Und wie schon gesagt, seine (Friedrichs) Daten und Fakten stimmen ganz überwiegend - wie auch Saidi feststellt (Friedrichs Schlußfolgerungen teile ich dagegen überwiegend nicht).


    Mit dem Stecken in Schubladen (um nicht zu sagen pauschaler Diskreditierung) - wie Crash-Prophet - gehe ich defensiv um. Daher das "fast" in Klammern. Kenne nämlich genug honorige Leute (Ökonomen, Professoren, Politiker usw.), die auf diese oder ähnliche Weise pauschal diskreditiert und sozusagen mundtot gemacht wurden.


    Wie auch immer: Diese Petitesse ändert aber nichts an dem nach meinem Dafürhalten entscheidenden Punkt, daß man (sprich Saidi) sich hier nur einen "Crash-Propheten" (solltest Du und/oder die Suchmaschinen richtig liegen) herausgreift, um sich an dem abzuarbeiten. Statt sich mit den wirklich validen Argumenten und Schlußfolgerungen, die Hunderte von renommierten Professoren bei diesem Thema eingebracht haben, fundiert auseinanderzusetzen.


    "Kirche im Dorf lassen" beschreibt jedenfalls - bei allem Respekt - bei diesem Thema die Lage in der Eurozone und die Situation ECB nicht mal ansatzweise.


    Diese Asymmetrie und Unwucht in der sachlich-kritischen Themenbehandlung etwa gegenüber Banken, Finanzdienstleistern und Finanzprodukten einerseits und gegenüber der EU, EU-Kommission und ECB andererseits ist jedenfalls evident.


    Nach meinem Dafürhalten. Und mit diesen speziellen Thema (Europäische Einheitswährung Euro) beschäftige ich mich seit 30 Jahren intensiv. Eine gewisse Fähigkeit zur Beurteilung traue ich mir da also zu.

  • Dass er sich bemüht Geld zu verdienen, werfe ich ihm auch nicht vor. Es ist das "wie", das kritikwürdig ist.

    "Bemühen" ist vielleicht etwas untertrieben, immerhin hat er schon diverse Bestseller geschrieben. Auch wird ja keiner gezwungen, diese Bücher käuflich zu erwerben. Er bemüht sich daneben aber auch (und das ebenfalls nicht erfolglos), relevante Daten und Fakten zusammenzutragen. Wie schon gesagt, seine Schlußfolgerungen teile ich in der Regel nicht. Seine Kritik (an EU, Euro, ECB) ist aber oft im Kern jedenfalls nicht unbegründet um nicht zu sagen teilweise sogar sehr berechtigt.


    Um Herrn Marc Friedrich ging es mir hier aber gar nicht in erster Linie.


    Eine ähnliches und kritisches Bemühen - wenn auch mit etwas mehr Tiefgang - hätte ich mir bei dem Thema nämlich von Herrn Sulilatu gewünscht. Sed frustra ...

  • Um Herrn Marc Friedrich ging es mir hier aber gar nicht in erster Linie.

    Dann schließen wir das doch ab.


    1. "Bemühen" war ein Begriff, den ich mir weiter oben ausgeliehen habe.


    2. Losgelöst vom Ergebnis lässt sich mit "bemühen" der Aufwand bzw. der Einsatz beschreiben, den jemand betreibt bzw. an den Tag legt. Inwieweit der Youtube-Output von Marc Friedrich in Einklang oder Konkurrenz zur Bewahrung der Restwürde steht, da werden wir wieder unterschiedlicher Ansicht sein.


    Zum anderen Punkt mit der Unzufriedenheit:

    Ein Saidi würde wohl helfen, um Kritik direkt an den Mann zu bringen ansonsten, alternativ der Kommentar unter dem Video. Sonst erreicht ihn der Hinweis vielleicht gar nicht.

  • Nach meinem Dafürhalten. Und mit diesen speziellen Thema (Europäische Einheitswährung Euro) beschäftige ich mich seit 30 Jahren intensiv. Eine gewisse Fähigkeit zur Beurteilung traue ich mir da also zu.

    Evtl. beschäftigst Du Dich auch zu viel mit diesem Thema!? :/

    Ich für meinen Teil, gehe damit pragmatisch um. Meine Mutter hat die Reichsmark, die Ostmark, die Westmark und schließlich den Euro aktiv erlebt. Da hat meine Generation also noch etwas Luft, was die Anzahl an erlebten Währungen angeht.

    Die jungen Menschen, für die Saidi die Videos wohl hauptsächlich dreht, haben überwiegend nur den Euro aktiv erlebt. Und eigentlich ist der Euro quasi seit der Einführung ständig gescheitert.

    Wir werden erleben, was die Zukunft bringt.


    PS: Du hast ja mit einem aktiven Goldanteil vorgesorgt und bist abgesichert. Eigentlich wäre doch das scheitern des Euros, das Beste was Dir passieren könnte.:evil:

  • Dann schließen wir das doch ab.

    Dafür wäre ich auch. Nur soviel noch ...

    2. Losgelöst vom Ergebnis lässt sich mit "bemühen" der Aufwand bzw. der Einsatz

    In das Reich der Rabulistik möchte ich für so eine Sache offen gesagt nicht abtauchen

    Zum anderen Punkt mit der Unzufriedenheit:

    Ein Saidi würde wohl helfen, um Kritik direkt an den Mann zu bringen ansonsten, alternativ der Kommentar unter dem Video. Sonst erreicht ihn der Hinweis vielleicht gar nicht.

    Danke für den Hinweis. Vielleicht mache ich das. Auch wenn meine Zeit meist knapp bemessen ist.


    Unter dem Video waren schon nach kurzer Zeit recht viele Kommentare (über 200 oder 300 nach meiner Erinnerung). Bin da nur im absoluten Tiefflug drüber - der Tenor war aber auch da nach meinem Eindruck eher durchwachsen. Angefangen von der Frage, daß man fast meinen könnte Saidi fände (von der ECB mitursächlich) aufgepumpte Immobilienpreise gut bis zu der Tatsache, daß wir in Deutschland eine extrem niedrige Wohneigentumsquote haben. Die eigentlichen Probleme (Konstruktionsfehler des Euro) werden im Video ohnehin nicht mal angesprochen.

  • Dafür wäre ich auch. Nur soviel noch ...

    In das Reich der Rabulistik möchte ich für so eine Sache offen gesagt nicht abtauchen

    Danke für den Hinweis. Vielleicht mache ich das. Auch wenn meine Zeit meist knapp bemessen ist.


    Unter dem Video waren schon nach kurzer Zeit recht viele Kommentare (über 200 oder 300 nach meiner Erinnerung). Bin da nur im absoluten Tiefflug drüber - der Tenor war aber auch da nach meinem Eindruck eher durchwachsen. Angefangen von der Frage, daß man fast meinen könnte Saidi fände (von der ECB mitursächlich) aufgepumpte Immobilienpreise gut bis zu der Tatsache, daß wir in Deutschland eine extrem niedrige Wohneigentumsquote haben. Die eigentlichen Probleme (Konstruktionsfehler des Euro) werden im Video ohnehin nicht mal angesprochen.

    Womit wir schon wieder bei den vermeidbaren Vorwürfen wären. :rolleyes:

  • Evtl. beschäftigst Du Dich auch zu viel mit diesem Thema!?

    Das glaube ich, ehrlich gesagt, eher nicht. Auch wenn ich damals sehr (teilweise auch extrem) viel gearbeitet habe (meine Arbeit hat mir Spaß gemacht) - die Zeit mich parallel noch mit "Geld und Finanzen" zu beschäftigen habe ich mir immer genommen. Das Ergebnis spricht für sich (auch wenn ich hier keine konkreten Zahlen, Konto- und Grundbuchauszüge, Depots etc. einstellen werden). Wenn man mit absolut Null beginnt und hat irgendwann ein relevantes Vermögen (wohlgemerkt ohne Lottereigewinn, Schenkung, Erbschaft, Heirat etc.), dann kann man es so schlecht nicht gemacht haben.


    Auch die intensive Beschäftigung damals (1992 Vertrag von Maastricht) sowie besonders vor Euroeinführung (Ende der 90er) war aus der Retrospektive gesehen sinnvoll. Damals hatte ich meine bereits vorhandenen Mittel aber insbesondere auch meine Private Altersvorsorge wegen der bevorstehenden Einheitswährung signifikant umstrukturiert.

    Die jungen Menschen, für die Saidi die Videos wohl hauptsächlich dreht, haben überwiegend nur den Euro aktiv erlebt.

    Das hatte ich ja schon selbst konzediert (Zielgruppe überwiegend Kleinsparer, Kleinanleger usw.).

    Und eigentlich ist der Euro quasi seit der Einführung ständig gescheitert.

    Was ich allerdings nicht gut finde. Funktionierendes und zuverlässiges Geld halte ich für sehr wichtig. Übrigens nicht nur für mich und mein kleines Leben (Mikrosicht) sondern auch für die Gesellschaft und die Wirtschaft (Makrosicht) insgesamt.

    Wir werden erleben, was die Zukunft bringt.

    Das ist so. Für meinen Teil bin ich gerne auch auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet.

    PS: Du hast ja mit einem aktiven Goldanteil vorgesorgt und bist abgesichert. Eigentlich wäre doch das scheitern des Euros, das Beste was Dir passieren könnte.

    Das sehe ich komplett anders. Ob nun der Euro eruptiv untergeht (was man mit allen Mittel versuchen wird zu verhindern), ob "nur" sein innerer Wert sukzessive erodiert (auch so können Währungen übrigens untergehen, obwohl sie formal-juristisch noch weiter existieren), ob man mit der permanenten Dauerrettung immer weitere Fehlanreize setzt und das Gesamtsystem mit immer mehr Regulatorik, Interventionismus, Dirigismus etc. schwächt - das sind alles keine besonders guten Aussichten.


    Um bei Deinem Beispiel zu bleiben. Das Scheitern des Euro wäre für mich (als unbedeutendes Menschlein) schon unangenehm aber noch viel schlimmer wohl für Europa, die EU, die betroffenen Länder und Gesellschaften. Wie sollte ich das "als das Beste empfinden, was mir passieren könnte ?"


    Um Dein Beispiel "Gold" aufzugreifen: Klar, der Goldpreis hat sich seit 1999 - in Euro gerechnet -vervielfacht (das Sechs- oder Siebenfache). Darüber kann ich mich aber - trotz meiner relevanten Goldbestände - nicht freuen. Mir wäre ein Geld lieber, das man nicht ständig retten muß und das als Währung funktioniert. Und nicht ein hoher Goldpreis (für mich zeigt diese "Versicherungsprämie" (Goldpreis) nur an, daß die Fragilität im System stark zugenommen hat - welches man u. a. mit steigenden Geldmengen versucht hat, zu stabilisieren).

  • Ob nun der Euro eruptiv untergeht (was man mit allen Mittel versuchen wird zu verhindern), ob "nur" sein innerer Wert sukzessive erodiert...

    ...

    Um Dein Beispiel "Gold" aufzugreifen: Klar, der Goldpreis hat sich seit 1999 - in Euro gerechnet -vervielfacht (das Sechs- oder Siebenfache). Darüber kann ich mich aber - trotz meiner relevanten Goldbestände - nicht freuen.

    Der Goldpreis hat sich aber auch in US$ seit 1999 ver 6,x-facht.

    Ich habe jetzt kurz mal nach den hist. DM-Kursen für Gold gesucht, die 'Werterosion' sieht ziemlich ähnlich aus.

    Und auch in SFR hat der Goldpreis eine ganz ähnliche Kursentwicklung genommen.


    Ich bin kein Finanzexperte, aber wenn ich mir die Wertentwicklung von Gold so ansehe, scheint der Kursverlauf in allen Währungen doch ziemlich ähnlich verlaufen zu sein. :/

    Eine spezielle 'innere' Erosion des EURO bezogen auf den Goldpreis (als Benchmark) vermag ich nicht zu erkennen. Aber wahrscheinlich verstehe ich den Zusammenhang nicht.

    Das Scheitern des Euro wäre für mich (als unbedeutendes Menschlein) schon unangenehm aber noch viel schlimmer wohl für Europa, die EU, die betroffenen Länder und Gesellschaften.

    In diesem Punkt sind wir uns zumindest einig!:)

    Von daher hoffen wir doch alle mal, dass uns der Euro möglichst lang erhalten bleibt. Und die, die von einem Scheitern des EURO ausgehen, sollten sich entsprechend absichern (z.B. durch 'sichern' von Vermögenswerten in Sachwerten, Fremdwährungen oder physischem Gold).

  • Und auch in SFR hat der Goldpreis eine ganz ähnliche Kursentwicklung genommen.

    Der Euro zum SFR leider ganz und gar nicht. Deutsche Mark und Schweizer Franken waren für mich über Jahrzehnte auch nur Papiergeld - aber eben das "am wenigsten schlechte Papiergeld".


    Da der Schweizer Franken - neben Sachwerten (Immobilien) und Gold (als Versicherung) - vor Euroeinführung schwerpunktmäßig zu meinen "Selbstverteidigungsinstrumenten" im Rahmen meiner "finanziellen Notwehr" zählten, habe ich diese Assets besonders beobachtet.


    Von der Eurokrise an (ab 2010) - samt der Dauerrettungsmaßnahmen via ECB - konnte sich der Euro gegenüber dem Schweizer Franken niemals mehr erholen. Erinnere mich an Kurse von um die 1,70 zum Euro (glaube, sogar noch um das Jahr 2007/2008 rum) - inzwischen sind wir praktisch bei Parität sprich Eins zu Eins angelangt. Diese könnte wohl bald sogar noch unterboten werden.


    Nicht ausgeschlossen, daß die SNB bald eine (noch) ausgeprägtere Hartwährungsstrategie fährt (via weitere Zinserhöhungen), um die Inflation im Griff zu behalten (obwohl diese in der Schweiz viel niedriger ist als in der Eurozone). Eine starke Währung ist nämlich ein probates Mittel gegen "importierte Inflation" (bei Energie, bei Deglobalisierungs-Trends etc.).


    Die ECB wird da kaum mithalten können, da ihr unausgesprochener Job längst das Verhindern des Staatsbankrotts in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich usw. ist. Obwohl: Eigentlich ist es schon ausgesprochen (wenn auch etwas verklausuliert). Statt "stabilem Geld" (Kaukraftstabilität) spricht die ECB längst vom Erhalt der "Stabilität der Eurozone". Sprich: Kein Land soll (r)ausfallen - koste es, was es wolle ...

  • Moin Gemeinde,


    ich habe mir den ganzen Thread noch mal durchgelesen und habe neben dem ganzen Geblödel um Politik, Geldpolitik und so weiter nichts, aber auch sowas von gar nichts dazu gefunden, was ernsthaft die möglichen Änderungen der italienischen Eßkultur betrifft. Wird es in Italien vermehrt zum Angebot von Giros, Tsaitziki, Retsina und Ouzo kommen?

  • ich habe mir den ganzen Thread noch mal durchgelesen und habe neben dem ganzen Geblödel um Politik, Geldpolitik und so weiter

    Ob normale Bürger, Sparer, für das Alter Vorsorgende usw., die Sorge um den Geldwert und die Sorge um den Wert ihrer Ersparnisse haben, das (z. B. Geldpolitik) auch nur als "Geblödel" empfinden mögen ... ?

    ... gar nichts dazu gefunden, was ernsthaft die möglichen Änderungen der italienischen Eßkultur betrifft.

    Mögliche und notwendige Änderungen der italienischen Verhältnisse im Sinne einer annähernden Eurotauglichkeit - statt nur der Esskultur - wären wohl deutlich zielführender.


    Da fallen mir in Italien spontan (habe da einige Jahre gelebt und gearbeitet) die überbordende Bürokratie, die geringe Produktivität, die anämische Innovationskraft der Wirtschaft, die exorbitant hohe Jugendarbeitslosigkeit, die geringe Frauenerwerbstätigkeit (besonders im strukturschwachen Süden), die hohe steuerliche Belastung des Faktors Arbeit, eine schlechte Infrastruktur, ein veralteter öffentlicher Dienst, eine extrem langsame und lendenlahme Justiz, ein sehr anfälliger Bankensektor, die wirtschaftliche Spaltung des Landes in Nord- und Süditalien und die immer weiter wachsende Staatsverschuldung ein - um nur einige Beispiele zu nennen.


    Ob Esskultur da wirklich das prioritäre Problem darstellt ... ?