Geldanlage für 85-Jährige

  • Hallo Zusammen,

    ich habe Null Ahnung vom Anlegen, bin aber nun durch die Umstände dazu gezwungen. Folgende Situation: Meine Tante, 85 Jahre alt, hatte bisher ihr Vermögen bei einem Deka-Depot in Luxemburg angelegt. Da dieses kaum Gewinne erbracht hat, aber mit hohen Gebühren verbunden ist, habe ich als Bevollmächtigte es nun gekündigt. Eigentlich wollte ich das Geld nun in ETFs anlegen, aber inzwischen sind mir Bedenken gekommen. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind ETFs wohl eher für eine langfristige Geldanalage geeignet. In Anbetracht des hohen Alters meiner Tante kommt das aber nicht in Frage, denn ich werde zwar einmal alles erben und könnte dann die ETFs einfach weiter bestehen lassen, aber da eine saftige Erschaftssteuer zu erwarten ist, geht das leider nicht. Für einen zu erwartenden Pflegeheimaufenthalt wird diese Geld übrigens nicht benötigt, da meine Tante eine sehr gute Rente hat. Es geht mir jetzt nicht um große Gewinne, ich wäre schon froh, wenn es nicht immer weniger wird. Was soll ich also tun? Hat irgendjemand einen Rat für mich? Danke im Voraus!

  • Hallo.


    Geld für andere verwalten ist knifflig, weil man ja nicht (nur) die eigenen Bedenken im Blick haben muss, sondern auch die des Treugebers.


    Das Geld komplett in ETFs anzulegen wird wohl nicht passend sein. Ggf. wäre eine Mischung aus Tages- ggf. Festgeld und etwas ETF denkbar.

    Schwierig einen Ratschlag zu erteilen, wenn man die betroffene Person(en) nicht kennt. Die persönliche Risikotragfähigkeit ist individuell.

  • Hallo Finanz-DAU , willkommen im Finanztip-Forum.


    Nach den grundlegenden Empfehlungen von FT ist es tatsächlich so, dass aufgrund historischen Verlustphasen die 15 Jahre empfohlen werden. Ferner wird für absehbare Geldbedarfe die Anlage in Tages-/Festgeld empfohlen. Angesichts des Alters und Deines Hinweises auf die Erbschaftssteuer wäre sicher eine eher konservative Anlage angezeigt. Grundlagen hier https://www.finanztip.de/geldanlage/


    Persönliche Meinung - keine Steuer- oder Anlageberatung

    Rechne mal die potenzielle Erbschafststeuer bezogen auf das aktuelle Vermögen aus. Den Betrag auf jeden Fall mit Tagesgeld / kurz laufenden Festgeld anlegen. Den Rest nach Risikoprofil anlegen. Auch wenn das zunächst mal von Deiner Situation gedacht ist ergibt sich unter dem Strich ein recht konservatives Portfolio, das ich bei einer gut versorgten Rentnerin in erster Näherung als angemessen ansehen würde.


    Rechenbeispiel:

    100T€ Vermögen, Freibetrag vernachlässigt, 30% Steuersatz

    Aufteilung 30T€ Tages-/Festgeld, Rest aufteilen z.B. bei 40% Aktienquote (gerundet) 30T€ ETF, 40T€ Tages-/Festgeld. Macht unterm Strich ein Portfolio mit 30% Risikoanteil

  • Kannst Du den Anlagestil Deiner Tante ermitteln? Hat sie selbst entschieden und kann sich dazu äußern? Oder weißt Du es von früher? Dann würde ich die Gedanken versuchen in moderne Finanzinstrumente umsetzen. Wie würde sie anlegen? Es ist ihr Geld.


    Wegen des hohen Lebensalters muss man aus meiner Sicht nicht zwingend auf die Risikobremse treten. Wenn das komplette Vermögen frei ist, weil es absehbar nicht benötigt wird, braucht es auch keinen großen Sicherheitsbaustein mehr. Eigentlich gar keinen. Wenn Deine Tante denn der Typ dafür ist...


    Wenn die Tante zu 100% in ETF gehen würdet und der Erbfall träte ein, dann könnte der Erbe doch einfach die nötigen X% für die Steuer daraus entnehmen. Wenn die ETF dann gerade im Keller sind, geht die Steuerlast mit runter, und andersherum funktioniert es ebenso.

  • Vielen Dank für die schnellen Antworten!

    Die Risikobereitschaft meiner Tante wurde von der Sparkasse laut Beratungsprotokoll mit 2 eingestuft. Demnach hat sie im Jahr 2014 oder sogar noch früher ihr Geld in "DEKALUX-MIX E1+" angelegt, offenbar ein Mix aus 70% Renten/Spareinlagen, 20% Aktien und 10% offene Immobilienfonds, zusammen eine Summe von rund 303.000 Euro. Davon sind heute noch +/- Gewinne/Verluste und - Depotgebühren noch 280.800 übrig und da ist die Inflation noch gar nicht berücksichtigt. Wie gesagt, ich habe Null Ahnung von Finanzen. Mir kommt das ziemlich viel vor, in 8 Jahren 20.000 Euro weniger zu haben, aber vielleicht ist das auch normal in diesen Zeiten? Ich denke, es ist im Sinne meiner Tante, das Geld weiterhin eher konservativ anzulegen. Hauptsache, die Verluste halten sich in Grenzen, von Gewinn wage ich gar nicht erst zu träumen. Mir ist außerdem noch wichtig, dass ich mich, sobald das Geld mal angelegt ist, nicht mehr damit befassen muss, denn das Finanzwesen gehört definitiv nicht zu meinen Hobbys!

    Übrigens beträgt die Erbschaftssteuer in meinem Fall 43% und ein Haus ist ja auch noch da. Ich rechne also damit, dass das Geld im Erbfall komplett weg sein wird wenn ich das Haus behalten will.

  • Der Wertverlust kommt durch den hohen Anleihenanteil, da damit aufgrund der Niedrigzinspolitik damit nichts zu verdienen war und diese Anleihen an Wert verlieren wenn die Zinsen steigen. Sieht man hier auf Seite 2.


    Zur konkreten Frage: wie ganz oben ausgeführt bleibt nur Tages- / kurzlaufendes Festgeld wenn die Liquidität im Falle des Falles vorhanden sein soll.

    https://www.finanztip.de/tagesgeld/

    https://www.finanztip.de/festgeld/


    Aufgrund der Höhe der Einlage die Grenze der Einlagensicherung beachten (100 T€). Wenn es einfach sein soll Anbieter mit deutscher Steuer auswählen, da dann keine Steuererklärung für diese Kapitalerträge notwendig ist.

  • . Wie gesagt, ich habe Null Ahnung von Finanzen.

    Mir ist außerdem noch wichtig, dass ich mich, sobald das Geld mal angelegt ist, nicht mehr damit befassen muss, denn das Finanzwesen gehört definitiv nicht zu meinen Hobbys!

    Da Dein kommenndes Erbe eine nicht ganz kleine Summe umfasst lohnt sich es doch sicher etwas damit zu befassen?, Statt den Kopf in den Sand zu stechen.

    Hilfe bietet dieses Forum und leicht verständliche Verbraucher literatur

    https://www.test.de/shop/geldanlage-banken/

  • Finanz-DAU

    Ich weiß ja nicht, wie geistig flexibel Deine Tante noch ist. Aber wenn Sie vor hat, Dir ohnehin Alles zu vererben bzw. Du der einzige Erbe bist, solltet ihr Euch mal mir einem Notar zusammen setzten, der sich mit Erb- und Steuerrecht auskennt.

    So könnte Dir Deine Tante bereits jetzt 20.000€ steuerfrei schenken.


    Evtl. wäre auch eine Erwachsenenadoption vorstellbar. Dann könntest Du im Erbfall den vollen Steuerfreibetrag eines leiblichen Kindes nutzen (400.000€). Klar, kostet so eine Beratung auch Geld, aber die Ersparnis wäre ja auch nicht ohne.


    Ansonsten ist Geldanlage bei älteren Menschen immer ein schwieriges Thema. Meine Mutter hat Ihr ganzes Geld auf der Bank (Girokonto/Sparbuch). Klar, lohnt sich überhaupt nicht. Aber braucht ein Mensch > 80 wirklich noch Rendite?

    Mir ist es relativ egal was meine Mutter mit Ihrem Geld macht, so lang sie sich damit wohl fühlt und es noch selbst auf die Reihe bekommt.

  • Mir kommt das ziemlich viel vor, in 8 Jahren 20.000 Euro weniger zu haben, aber vielleicht ist das auch normal in diesen Zeiten?

    Für solche Anlageerfolge wurde zwischenzeitlich der Begriff Negativzins erfunden. DEKALUX-MIX E1+ war da seiner Zeit wohl voraus. Aber Spaß beiseite, Kater.Ka hat oben schon erklärt, was der Haken an der damals als sicher verkauften Anlage war. -


    Für die Entscheidung heute kann ich daraus allerdings nur ziehen, dass Deine Tante nur ein sehr beschränktes Risiko von zwischenzeitlichen Verlusten eingehen wollte. Das lässt nicht viel Spielraum. Der "Renditeturbo" bei der Geldanlage dürfte eine möglichst kostengünstige Produktauswahl sein.


    Der ultimative Renditeturbo in der Gesamtschau wird die Minimierung der Erbschaftssteuer sein. monstermania hat da den Weg gewiesen. Das ist für normale Leute allerdings nur schwer vorstellbar. Die Reichen machen das. Da würde allerdings die Tante nicht Dich adoptieren, sondern eins oder mehrere Deiner Kinder, und dabei Dich mit Nießbrauchsrechten absichern. Das spart gleich noch einer Generation mehr die Steuer!

  • Vielen herzlichen Dank für die Antworten und Tipps.

    Für den Gang zum Notar ist es nun leider zu spät, die Demenz meiner Tante ist zu offensichtlich.

    Dass 20.000 € steuerfrei sind, ist mir bekannt und ich werde das auch nutzen. Das lässt sich sicher auch noch auf andere Familienmitglieder ausweiten, auch ohne Notar?

    Aber braucht ein Mensch > 80 wirklich noch Rendite?

    Rendite braucht sie wirklich nicht, aber es wäre schön, wenn diese so hoch wäre, dass Inflation und Bankgebühren ausgeglichen werden könnten. Wahrscheinlich ein frommer Wunsch.

    Da ich das Vermögen dereinst eh dem Finanzamt abgeben werden muss, kann es mir eigentlich auch egal sein, wie hoch die Rendite ist. Es sollte halt möglichst in dieser Größenordnung erhalten werden, um das Haus behalten zu können.

    Da Dein kommenndes Erbe eine nicht ganz kleine Summe umfasst lohnt sich es doch sicher etwas damit zu befassen?, Statt den Kopf in den Sand zu stechen.

    Stimmt! Aber s.o.

  • Vielen herzlichen Dank für die Antworten und Tipps.

    Für den Gang zum Notar ist es nun leider zu spät, die Demenz meiner Tante ist zu offensichtlich.

    Dass 20.000 € steuerfrei sind, ist mir bekannt und ich werde das auch nutzen. Das lässt sich sicher auch noch auf andere Familienmitglieder ausweiten, auch ohne Notar?

    Schenkungen gehen grundsätzlich auch ohne Notar. Es reicht schon ein entsprechendes formloses Schriftstück.

    Ich weiße aber ganz klar darauf hin, dass so etwas richtig nach hinten los gehen kann, wenn der Schenkende nicht mehr voll geschäftsfähig ist! Da geht es dann schnell um Übervorteilung. So etwas kann sogar dazu führen, dass man seinen Erbanspruch verliert.


    Gibt es denn eine entsprechende Betreuungs- und Vorsorgevollmacht?

    Du sprichts jetzt auch von anderen Familienmitgliedern. Da ist eine Schenkung auch nicht unproblematisch, da die Schenkung im Erbfall m.W. nach binnen 10 Jahren von den Erben angefochten werden kann.

  • Ich habe eine Generalvollmacht. Ich bin ihre einzige Anghörige und damit Alleinerbin. Mit Familienmitgliedern meinte ich meinen Mann und Kind. Soviel ich weiß, kann auch jeder Fremde 20.000 steuerfrei bekommen

  • Ich habe eine Generalvollmacht. Ich bin ihre einzige Anghörige und damit Alleinerbin. Mit Familienmitgliedern meinte ich meinen Mann und Kind. Soviel ich weiß, kann auch jeder Fremde 20.000 steuerfrei bekommen

    Das ist richtig. Die 20.000€ gelten für Jeden.

    Es ist Dir als Bevollmächtigten allerdings verboten Dich selbst zu 'beschenken'!;)

    Auch eine Schenkung an andere ist nicht so ohne weiteres möglich, wenn die Vollmachten nicht entsprechend ausgestaltet sind.

    Hier mal das Urteil des BGH in der Sache:

    Beschluss des XII. Zivilsenats vom 8.1.2020 - XII ZB 368/19 - (bundesgerichtshof.de)

    Hier gilt natürlich, wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.


    Evtl. wäre es am 'Stressfreiesten' die andere Lösungsmöglichkeit zu favorisieren. Sprich den Steueranteil des späteren Erbes 'sicher' zu parken und den Restbetrag nach eigenem Befinden langfristig anzulegen.

  • Ich bin 80, bin überwiegend in Aktienfonds investiert. Bei meinem Ableben sind immer noch meine Frau und meine Tochter da. Da bleibt ohnehin nicht viel für Vater Staat.

    Da mein Festgeld abgelaufen ist, ist mein Depot nun noch etwas risikovoller geworden. Erst wenn es wieder mindest 3% Zinsen gibt, werde ich auch wieder in Festgeld investieren.

    Was den Notar angeht, bin gerade dabei eine Anzeige wegen Falschbeurkundung zu schreiben.

    Wenn es ohne Notar geht, würde ich das auch ohne machen.

    Gruß


    Altsachse

  • Die Erbschaftsteuer liegt bei Neffe/Nichte bei 20% für alles was 20k überschreitet. Allerdings können noch alle getätigten Kosten (Erbschaftskosten) abgezogen werden.

    Für eine Anlage solltest Du vorher genaue Informationen einholen, auch mit einer Vollmacht ist das nicht so einfach.

  • Das Problem hat sich sowieso bald von selbst erledigt. Habe vorhin den Quartalsbericht der DekaBank erhalten. Über 17.000 Euro Verlust. Da war der Verlust im 1. Quartal ja noch zivil mit 11.000. Ich weiß, es ist Krieg und vielleicht sind die Verluste überall so hoch, egal wo man angelegt hat, außer in Rüstungs- und Ölkonzerne natürlich

    Hä? Glaub du solltest mal nochmal googeln wie hoch die Erbschaftssteuer in deinem Fall ist. 100% Steuer gibts aufjedenfall nicht ^^

    Ich habe gegoogelt. Da hieß es 43% Erbschaftssteuer bei Tante/Nichte. Aber da das Haus zur Erbmasse gehört, ist die Gesamtsumme ja höher als das Vermögen, das nun neu angelegt werden soll. Klar, ein kleiner Rest wird dann noch übrig bleiben

  • Erst wenn es wieder mindest 3% Zinsen gibt, werde ich auch wieder in Festgeld investieren.

    Die gibt es bei mittelfristigen Anleihen ja schon wieder. Ist Dir halt zu lang.

    Rechenbeispiel:

    100T€ Vermögen, Freibetrag vernachlässigt, 30% Steuersatz

    Aufteilung 30T€ Tages-/Festgeld, Rest aufteilen z.B. bei 40% Aktienquote (gerundet) 30T€ ETF, 40T€ Tages-/Festgeld. Macht unterm Strich ein Portfolio mit 30% Risikoanteil

    Die grundsätzliche Idee von Kater.Ka halte ich für sehr sinnvoll:

    Tagesgeld: ca. 30%+ vom erwarteten Erbe (Beerdigung, Steuer) und den Rest aufteilen in

    ca. 40% Aktien-ETFs

    ca. 60% kurz- und mittelfristige Anleihen.

    Natürlich kannst Du die 40/60-Aufteilung nach eigenem Risikoempfinden beliebig ändern.