Geldanlage für 85-Jährige

  • Vielen herzlichen Dank an alle. Ihr habt mir sehr geholfen. Nur eins noch (sorry, hab echt keine Ahnung): was sind kurz- und mittelfristige Anleihen? Und hat sie nicht gerade dadurch viel Geld verloren (Stand heute: das Geld ist auf dem Girokonto eingetroffen, es sind nur noch etwas mehr als 250.000)?

    Der Wertverlust kommt durch den hohen Anleihenanteil, da damit aufgrund der Niedrigzinspolitik damit nichts zu verdienen war und diese Anleihen an Wert verlieren wenn die Zinsen steigen. Sieht man hier auf Seite 2.

  • Zum Thema Anleihen (und Vergleich mit Festgeld) habe ich gerade hier etwas geschrieben:

    Bundesanleihe als Festgeld-Ersatz - Seite 2 - Geldanlage - Finanztip Forum


    Kurzfristige Anleihen sind Anleihen mit kurzer Restlaufzeit, z.B. 2 Jahren,

    mittelfristige Anleihen sind Anleihen mit mittlerer Restlaufzeit, z.B. 5 Jahren.


    In den letzten Wochen sind die Zinsen stark gestiegen. Daher halte ich Anleihen auf dem derzeitigen Niveau wieder für kaufenswert. Es ist gut möglich, dass die Zinsen weiter steigen. Beachte aber, das bei steigenden Zinsen die Kurse von Anleihen fallen. Wer vor einigen Wochen Anleihen gekauft hat, hat also jetzt einen Kursverlust. Hinzu kommt, dass der Kursverlust um so stärker ist, je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist. Wenn z.B. die Zinsen um ca. 1% steigen, machst Du bei einer 1jährigen Anleihe ca. 1% Kursverlust, bei einer 2jährigen Anleihe ca. 2% und bei einer 10jährigen Anleihe bis zu 10%.


    Der Kursverlust stört Dich jedoch nur, wenn Du verkaufst. Hältst Du die Anleihe bis zur Fälligkeit, wird die Anleihe ja zu 100% zurückbezahlt.


    Der Fonds Deiner Tante enthält auch Anleihen, vermutlich eher mittel- bis langfristige Anleihen. Daher der starke Kursverlust. Ein Fonds tauscht die Anleihen aber immer wieder aus, die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen in Fonds ändert sich wenig. Daher kannst Du bei einem Fonds steigende Zinsen nicht "aussitzen", wie bei einzelnen Anleihen.


    Bei Dir könnte sich also als Sicherheitsbaustein m.E. eine Zinstreppe anbieten, bestehend aus verschiedenen kurz- und mittelfristige Anleihen.

  • Altsachse,

    ich dachte, dass ich das aus einem anderen Thread so abgespeichert hatte. Sorry, wenn ich mich da geirrt habe!!


    Wie in Bundesanleihe als Festgeld-Ersatz - Seite 2 - Geldanlage - Finanztip Forum

    beschrieben bevorzuge ich seit kurzem wieder Anleihen statt Festgeld. Dort sind die Renditen markant gestiegen. Bei Festgeld halten sich die Banken bei der Anpassung an die Marktzinsen sehr merklich zurück.

    Beispiel: Eine Rendite von 2,75% hat die HLB0XW bei einer Laufzeit von 6 Jahren (www.helaba-zertifikate.de - Produktdetails HLB0XW). Für 3% musst Du tatsächlich auf gut 10 Jahre Laufzeit gehen. Ich bevorzuge 2-4 Jahre, die bringen ca. 2,0-2,6% Rendite.


    Interessant übrigens ein internationaler Vergleich. Die Deutschen wollen sich meistens nur kurz binden. Ganz anders denken wohl beispielsweise die Niederländer. Wenn dort ein jüngerer Mensch eine Anleihe für die Altersvorsorge kauft, dann nimmt er (fristenkongruent) eine 30jährige.

  • Der Kursverlust stört Dich jedoch nur, wenn Du verkaufst. Hältst Du die Anleihe bis zur Fälligkeit, wird die Anleihe ja zu 100% zurückbezahlt.

    Dann steckst Du aber bis zur Fälligkeit in einer Anleihe, die in der Zeit weniger Zinsen bringt als wenn Du es heute anlegen würdest. Diese zukünftig entgehenden Zinsen entsprechen recht genau dem Verlust, den die Anleihe gerade erlitten hat.


    Aber psychologisch ist es immer leichter zu ertragen, weniger Gewinn zu machen als einen Verlust zu erleiden, darum fühlt sich halten und aussitzen besser an.

  • Dann steckst Du aber bis zur Fälligkeit in einer Anleihe, die in der Zeit weniger Zinsen bringt als wenn Du es heute anlegen würdest.

    Ja, natürlich. Wenn Zinsen steigen, bedeutet das bewertungsmäßig immer ein Verlust. Den kannst Du durch Verkauf realisieren oder eben nicht und mit den (in Marktvergleich geringeren) Zinsen zufrieden sein bis zur Rückzahlung zu 100%. Du hast die Wahl.


    Bei Festgeld gilt bewertungstechnisch das Gleiche, Du siehst jedoch keine Kurse/Bewertung und hast eben nicht die Wahl, vorher zu verkaufen.


    Bei Rentenfonds, die ja Anleihen enthalten, gilt ebenfalls der gleiche Effekt, d.h. der Kurs fällt bei steigenden Zinsen. Hier wird jedoch durch den Manager (bei aktiven Fonds) bzw. den Rechenalgorithmus (bei ETFs) die Duration relativ konstant gehalten. Es werden also kürzerlaufende Anleihen in längerlaufende Anleihen getauscht. Dadurch entfällt die Möglichkeit des Aussitzens.