Rentenabschläge vs. -steuer

  • Hallo,
    kennt jemand eine Faustformel zu der Frage, ob man unter rein finanziellen Aspekten besser in diesem Jahr mit 63 in Rente gehen und die entsprechenden Abschläge in Kauf nehmen sollte, oder ob es günstiger ist, mit der Verrentung bis 2018 zu warten und dann keine Abschläge zu haben, aber einen höheren Rentenanteil versteuern zu müssen?
    - Die Eckdaten: Rente mit 63 ab Oktober 2015 = rd. 1075 Euro, Rente mit 65+ ab April 2018 = rd. 1130 Euro (lt. Auskunft der Deutschen Rentenversicherung Bund).
    - Einkommensteuer: gemeinsame Veranlagung mit Ehemann (Rentner, gesetzliche Rente = rd. 1900 Euro, Zusatzversorgung = rd. 950 Euro).
    Für Tipps wäre ich dankbar.
    Freundliche Grüße
    merforth

  • Da bin ich nicht der Experte, hab trotzdem mal eine ganz rohe Abschätzung gemacht. Grobe Fehler können passiert sein, keine Gewähr.


    Einkommen für beide ca. 40.000 €, .Diesen Betrag in den EInkommensrechner des BMF, ergibt einen Grenzsteuersatz von 27%.


    https://www.bmf-steuerrechner.de/ekst/ekst.jsp


    Die beiden Rentenbeträge mit dem jeweiligen Steuerfaktor 70 bzw. 76 % ergeben stpfl Beträge von 749 bzw. 858 €. DIe mehr zu versteuernde Differenz mit dem Grenzsteuersatz bewertet 109 € * 0,27 sind ca. 30 € mehr Steuern, die den Mehreinnahmen von 55 € gegenüber stehen.


    Bei einer finanziellen Gesamtbetrachtung muss man natürlich noch die Mehreinnahmen der Jahre 2015 - 2018 sehen.


    Persönliches Statement: Ich sehe bei den genannten Zahlen eher die Frage der Lebensplanung im Vordergrund. Für max. 50 € im Monat Verlust würde ich gerne zweieinhalb Jahre früher gehen ...

  • Ich denke für eine umfassende Betrachtung dieses Sachverhalts wären das Geburtsjahr und die Anzahl der Entgeltpunkte wichtig, sprich welche Entgeltpunkte wird es im Jahr des 63. und des 65. Lebensjahr geben.


    Dann noch die Frage nach Ost oder West, denn der Wert der Entgeltpunkte weicht in diesem Zusammenhang ab.


    Dann wie von @Kater.Ka bereits ausgeführt stellt sich die Frage nach dem Steuersatz, sprich welche Einnahmen sind noch vorhanden, die den Steuersatz beeinflussen.


    Und letztendlich die Frage ... sollen die 2,5 Jahre Mehreinnahmen im Gehalt ausgeblendet werden oder entsprechend berücksichtigt sein.


    Dann ist aus meiner Sicht ein Indikator errechenbar :-)

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Wie @Kater.Ka hier richtig schreibt, kann man die Steuermehrbelastung vernachlässigen.


    Ich möchte noch auf einen anderen Punkt hinweisen. Wer ab Okt. 2015 pro Monat 1.075 € Rente erhält, hat bis April 2018 schon einmal 30 Monate diesen Betrag kassiert. Das macht immerhin 32.250 € - brutto.


    Die gleiche Person bekommt dann ab April 2018 ganze 55 € mehr! Ohne Zins- und Zinseszinsrechnung (also ganz simpel linear gerechnet) muss die Rentnerin daher mindestens 586 Monate (oder 48 Jahre) die erhöhte Rente beziehen, um "unterm Strich" besser zu fahren. Eigentlich sind es wahrscheinlich noch ein paar Monate mehr, weil man noch den Zinsvorteil der früheren Rente einbeziehen müsste.


    Die betreffende Person müsste deshalb, wenn sie mit über 65 Jahren in Rente geht, wenigtens 113 Jahre alt werden, damit sich das für sie lohnt. Mal ganz abgesehen von der höheren Steuerbelastung eines späteren Renteneintritts.


    Deshalb mein Rat: sofort Rentenantrag stellen - und ab Okt 2015 in den Ruhestand!

  • Hallo merforth und Foristen,


    bei der Diskussion um die Rentenabschläge wird gern vergessen, dass man in der Zeit, in der man noch Arbeitet auch noch weiter Rentenpunkte sammelt. Insofern wird der vorzeitige Renteneintritt doppelt "bestraft", weniger Rentenpunkte plus Abschlag von 0,3 % pro Monat. Und wenn man vereinfacht den "Eckrentner" (1 Rentenpunkt pro Jahr) ansetzt, wäre die Rente im Beispiel von merforth nach 2,5 Jahren weiterer Arbeit zusätzlich zu den aufgeführten 55 EURO um ca. 70-75 EURO/Monat höher als bei Ruhestandsbeginn in Oktober 2015.


    Es soll ja Menschen geben, die gern arbeiten.

  • Ein interessanter Aspekt den viele Foristen hier anbringen.


    Letztendlich bleibe ich bei meiner bereits oft getätigten Aussage, die Wahrheit liegt in der individuellen Berechnung.
    Eine umfassende Beratung sollte die Entgeltpunket im 63. Lebensjahr bis 65. Lebensjahr, der individuellen Betrachtung der persönlichen Jobsituation, der Steuer in den Jahren liegen (nicht nur die Höhe der Rentenbelastung sondern auch der gesamten persönlichen Steuersituation) und natürlich der finanziellen Situation im Ruhestand.


    Sprich kann ich mir den vorgezogenen Ruhestand einfach leisten.

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    Lee Iacocca, amerik. Topmanager